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📃 Was ist echter Protestantismus?

📃 Was ist echter Protestantismus?
Dies ist für die Bevölkerung der Vereinigten Staaten gerade jetzt eine Frage von brennendem Interesse und essentieller Bedeutung.

Wenn jener Punkt erreicht ist, an dem sich bekennende Protestanten an den Kongress und die Gerichte wenden, damit diese religiöse Streitfragen für sie entscheiden und Gesetze erlassen, die ihre kirchlichen Dogmen durchsetzen – wenn sie darauf bestehen, das [bewaffnete] Streitkräfte eingesetzt werden, um der Bevölkerung die Anerkennung und Einhaltung religiöser Gebräuche mit dem Bajonett aufzuzwingen – dann ist es an der Zeit – und zudem geboten – folgende Frage zu stellen: Ist dies Protestantismus?

Auf dem zweiten Reichstag zu Speyer, abgehalten im Jahr 1529, wurde jener ursprüngliche "Protest" eingelegt, der jenen, die ihn erhoben, den Titel und Namen "Protestanten" verlieh. Bei der Zusammenfassung dieses Protests formuliert der Historiker dessen Grundsätze wie folgt: "Die in dem berühmten Protest vom 19. April 1529 enthaltenen Grundsätze bilden das eigentliche Wesen des Protestantismus. Nun wendet sich dieser Protest gegen zwei Missbräuche menschlicher Macht in Glaubensfragen: Der erste ist das Eingreifen weltlicher Obrigkeit, der zweite die willkürliche Autorität der Kirche. An die Stelle dieser Missbräuche setzt der Protestantismus die Freiheit des Gewissens über die Obrigkeit und die Autorität des Wortes Gottes über die sichtbare Kirche. Zunächst einmal weist er weltliche Gewalt in göttlichen Angelegenheiten zurück und erklärt gemeinsam mit den Propheten und Aposteln: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. In Anwesenheit der Krone Karls V. erhebt er die Krone Jesu Christi." [D’Aubigné, *Geschichte der Reformation*, Buch 13, Kap. 6.]

Die "Sonntags-Verantwortlichen" [der Weltausstellung] behaupten, der Sonntag wäre der christliche Sabbat, er sei das Grundgesetz ihrer Religion, ja sogar die eigentliche Festung ihres Glaubens. Und sie geben vor, Protestanten zu sein. Haben sie sich nun gegen das Eingreifen der weltlichen Obrigkeit in diese bedeutende Frage ihrer Religion gewehrt? – Nein, ganz und gar nicht. Jedermann weiß, dass sie – weit davon entfernt, irgendein Eingreifen der zivilen Obrigkeit abzulehnen – die weltliche Obrigkeit sogar aktiv und unter Androhung von Gewalt dazu aufforderten, sich in die Diskussion und Entscheidung dieser Frage sowie in den Erlass eines Gesetzes zu ihrer Einhaltung einzumischen. Ferner verlangten sie sogar von Gerichten, sich in diese Angelegenheit einzuschalten, als das entsprechende Gesetz des Kongresses in Frage gestellt wurde und schließlich forderten sie die Exekutive dazu auf, die Einmischung der weltlichen Obrigkeit mit Waffengewalt voranzutreiben. All dies wurde vor den Augen der gesamten Bevölkerung getan.

Da nun das eigentliche Wesen des Protestantismus darin besteht, dem Eingriff der weltlichen Obrigkeit in religiöse Angelegenheiten entgegenzutreten – und da jene das nicht taten – folgt daraus eindeutig, dass sie keine Protestanten sind und dass weder ihre Bewegung noch ihr Wirken dem Protestantismus entsprechen. Da dem eigentlichen Wesen des Protestantismus entspricht, dem Eingriff der weltlichen Obrigkeit in religiöse Dinge entgegenzutreten – und da diejenigen, die sich in der Sonntagsbewegung engagierten und sich als Protestanten bezeichneten, diesbezüglich nicht nur keinen Widerstand entgegensetzten, sondern sogar unter Drohungen die gesamte obrigkeitliche Macht der Regierung der Vereinigten Staaten dazu aufforderten, hier einzugreifen – folgt daraus, dass diejenigen, die sich an dieser Sonntagsgesetz-Bewegung beteiligten, überhaupt keine Protestanten sind und dass weder ihre Bewegung noch ihr Wirken in irgendeinem Sinne dem Protestantismus zuzuordnen sind.

Zweitens besteht das Wesen des Protestantismus darin, sich gegen "die willkürliche Autorität der Kirche" zu wenden.

Nun gibt es für die Sonntagsheiligung – in welcher Form auch immer – keine andere Autorität als die willkürliche Autorität der Kirche. Die Wortführer der Sonntagsbewegung wissen dies nicht nur, sondern sie sprechen es auch offen aus. Die *American Sabbath Union* (*¹)selbst erklärt – als Antwort auf die Forderung nach einem Beleg für ein göttliches Gebot zur Sonntagsheiligung – in einer ihrer eigenen offiziellen Publikationen  unmissverständ-lich: "Wir räumen ein, dass es ein solches Gebot nicht gibt." Auch die *Women's Christian Temperance Union (*²) merkt in einer ihrer eigenen Veröffentlichungen - die den Wechsel des Ruhetages vom siebten auf den ersten Tag der Woche thematisiert - an, dass CHRISTUS dies "nicht geboten habe." Es existieren noch weitere derartige Aussagen – zu viele, um sie hier alle anzuführen. Wenn diese Organisationen also wissen, dass es kein göttliches Gebot zur Sonntagsheiligung gibt und wenn es allein die kirchliche Macht ist, die deren Einhaltung einfordert, so ist dies an sich schon der Beweis dafür, dass die einzige Autorität, auf welcher diese Praxis beruht, die willkürliche Autorität der Kirche ist.

Doch damit nicht genug. Selbst wenn es CHRISTUS geboten hätte und die Kirche die Einhaltung dieses Gebots von den Menschen fordern und ihnen das per Gesetz aufzwingen würde, wäre dies nichts anderes, als die willkürliche Autorität der Kirche durchzusetzen, denn der HERR Selbst sagte: "Wenn jemand meine Worte hört und nicht befolgt, so richte ich ihn nicht." [JOH. 12,47] [ELB] Da CHRISTUS es jedem Menschen freistellt, Seine Worte zu befolgen oder nicht, bedeutete es für die Kirche, wenn sie irgendeinen Menschen dazu zwänge, sich über CHRISTUS zu stellen und das zu tun, was ER Selbst nicht tut. Und dies wiederum bedeutet an sich nichts anderes, als die willkürliche Autorität der Kirche zu behaupten. Ob also ein göttliches Gebot zur Sonntagsheiligung existiert oder nicht – in dieser Angelegenheit bleibt das Ergebnis dasselbe. So zu verfahren, wie es die sich als protestantisch bezeichnenden Kirchen der Vereinigten Staaten getan haben und noch immer tun – indem sie die Sonntagsheiligung per Gesetz von allen fordern – ist nichts anderes, als die Rechtmäßigkeit der willkürlichen Autorität der Kirche zu behaupten.

Weil es jedoch dem Wesen des Protestantismus entspricht, sich der willkürlichen Autorität der Kirche entgegenzustellen und die bekennenden Protestanten der Vereinigten Staaten in der Frage der Sonntagsheiligung die willkürlichen Autorität der Kirche nicht in Frage stellten, folgt daraus eindeutig, dass sie keine Protestanten sind. Und da das Wesen des Protestantismus darin besteht, sich der willkürlichen Autorität der Kirche zu widersetzen – und diese bekennenden Protestanten ihr nicht nur keinen Widerstand entgegensetzten, sondern sie tatsächlich bekräftigten und dies bis heute aufrechterhalten – folgt daraus unmissverständlich, dass sie überhaupt keine Protestanten sind, ja dass weder ihre Bewegung noch ihr Wirken in irgendeinem Sinne Protestantismus darstellt.

Damit steht fest: Der Sonntagsbewegung in all ihren Teilen entgegenzutreten, Sonntagsgesetzen in all ihren Erscheinungsformen Widerstand zu leisten, das Recht von Parlamenten, Gerichten oder Exekutivorganen, die Frage der Sonntagsheiligung, oder irgendeine andere religiöse Frage, in irgendeiner Weise anzutasten, zu bestreiten und zurückzuweisen und die Autorität einer solchen Maßnahme, sollte sie dennoch beansprucht werden, gänzlich abzulehnen – dies, und nur dies, ist Protestantismus. Selbst unter der Annahme, der Sonntag sei der Sabbat, können jene, die ihn heiligen, nur dann Protestanten sein, wenn sie jeder Einmischung der Staatsgewalt bezüglich dieser Frage entgegentreten, wenn sie jedem Versuch der Kirche widerstehen, dessen Anerkennung oder Einhaltung gesetzlich zu erzwingen und wenn sie ihr eigenes, individuelles Recht dahingehend geltend machen, ihn so zu heiligen, wie sie es - frei von jeglicher Bevormundung oder Einmischung durch Dritte - für richtig halten.  Dies allein ist Protestantismus.

Das ist lebendige, gegenwärtige, absolute Wahrheit. Daran gibt es nichts zu deuteln. "Der Protestantismus stellt die Macht des Gewissens über die Obrigkeit" – selbst dann, wenn sich diese Staatsgewalt als christlich und protestantisch bezeichnet und sich anschickt, einen "christlichen Sabbat" zwangsweise durchzusetzen. "Der Protestantismus stellt die Autorität des Wortes Gottes über die sichtbare Kirche" – selbst dann, wenn sich diese Kirche selbst als protestantisch bezeichnet. Der Protestantismus "weist weltliche Gewalt in göttlichen Angelegenheiten zurück" und spricht mit den Propheten und Aposteln: "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen" [APG. 5,29] und das genau so, wie GOTT es gebietet, nicht so, wie Menschen es gebieten, noch so, wie Menschen behaupten, GOTT habe es geboten. Der Protestantismus widersetzt sich jedem menschlichen Eingriff – sei er nun seitens der weltlichen Obrigkeit oder der kirchlichen Würdenträger – in das Verhältnis zwischen irgendeiner Seele und Jesus Christus. Er weist jeden solchen Eingriff entschieden zurück und verteidigt unablässig das göttliche Recht des Einzelnen, seinen Gottesdienst gemäß den Geboten seines eigenen Gewissens und aus freier eigener Entscheidung heraus zu gestalten.

Dies ist Protestantismus und wahrer Protestantismus – soweit er diese Frage betrifft – besteht in einem beständigen, unerschütterlichen und kompromisslosen Widerstand gegen jede Form von Sonntagsgesetzgebung oder sonstiger religiöser Gesetzgebung sowie gegen jegliche Einmischung oder Kontrolle kirchlicher Amtsträger in die Angelegenheiten der Staatsführung. Heute werden Protestanten benötigt, um gegen jenen abgefallenen Protestantismus zu protestieren, der derzeit mit solch anmaßender Willkür sein Unwesen treibt.

( Alonzo T. Jones, März 1894 )


[ (*¹) Die American Sabbath Union war eine historische, interkonfessionelle religiöse Organisation in den Vereinigten Staaten. Sie wurde im späten 19. Jahrhundert gegründet und setzte sich für die Einhaltung eines strikten "christlichen Sabbats" (Sonntags) ein.

  (*²) Die Woman’s Christian Temperance Union (WCTU) war eine der größten und einflussreichsten Frauenorganisationen weltweit, die 1874 in den USA gegründet wurde. Neben dem Kampf gegen Alkoholkonsum setzte sie sich stark für das Frauenwahlrecht, Sozialreformen und den Schutz vor Ausbeutung ein, spielte aber auch eine zentrale Rolle als treibende politische Kraft bei der Verschärfung und Durchsetzung von Sonntagsgesetzen (Sunday laws oder Blue laws) in den USA und anderen englischsprachigen Ländern. ]

Kommentare

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Engelslhaar 22.05.2026 08:24
 
Engelslhaar 22.05.2026 08:48
Barka war das Lieblingslied von Johannes Paul II. 
Falls Katholiken noch wissen, wer das ist, zur Erinnerung.
 
pieter49 22.05.2026 08:59
Heute, um 08:24 Uhr

Super !!
 
Engelslhaar 22.05.2026 09:01
Jeden 1. Samstag hört man das Lied in Krakau vom Turm der Marienkirche durch ein Bläserensemble, die Menschen stehen staunend da und singen mit, es ist dort Tradition.
 
(Nutzer gelöscht) 22.05.2026 11:17
Zu gestern 23:51Uhr : zur Info

Das Buch ist von Richard Gutzwiller :
"Gleichnisse des Herrn "

Meine Theologie ist nur Hausgebrauch 😀😀,


Aber in dem Punkt muß ich berichtigen @ FrauSausewind , meine Aussage stammt aus diesem erwähnte Buch aus dem Gleichnis vom Unkraut im Acker :


Wenn du dich auf die Urkirche ,das Urkatholische beziehen willst , dann ist meine Aussage richtig , 
Ich sage nur Stichwort Donatisten ,was bereits die ersten Kirchenväter Augustinus von Hippo 300 n.Ch als Irrlehre bezeichnet haben.


Deine Sichtweise auf Kirche ist donatistisch FrauSausewind , guck mal nach ,les mal drüber , nur als Tipp ..
das ist urkatholische Lehre :


Irrtum der Donatisten: Die Donatisten forderten eine "reine Kirche" der Heiligen und wollten die Sünder ausschließen. Augustinus hielt dem entgegen, dass eine fehlerfreie Kirche erst im Himmelreich existieren wird. Auf Erden maßen sich die Donatisten eine Reinheit an, die nur Gott am Jüngsten Tag zusteht.

Geduld und Einheit: Der Bauer im Gleichnis

verbietet es, das Unkraut vorzeitig auszureißen, um nicht den Weizen zu beschädigen. Daraus schloss Augustinus, dass die Kirche die Trennung der Geister Gott überlassen muss. Die Einheit der Kirche (catholica) hat Vorrang vor der moralischen Perfektion ihrer einzelnen Mitglieder.

Heiligung durch Christus, nicht durch Menschen: Gegen die donatistische Ansicht, dass die Kirche durch sündige Priester ihre Gültigkeit verliert, betonte Augustinus die objektive Wirksamkeit der Sakramente. Da das Feld Christus gehört, wirken die Sakramente durch ihn und nicht durch die persönliche Heiligkeit des Spenders.



👉Thema Donatisten ,als frühe Irrlehre und Falsches Verständnis von KK, wurde in den Konzilen als Häresie dokumentiert.

Stichworte für Katholiken diesbezüglich:



Optatus von Mileve und Augustinus von Hippo über die Donatisten 
Das Corpus permixtum 

Und der Satz von Bischof Optatus von Mileve  :

" Die Kirche ist im Staat und nich der Staat in der Kirche " 


Bitte nachlesen ist wichtig für besonders traditionelle Katholiken ,zur Bildung !

Cherub
 
(Nutzer gelöscht) 22.05.2026 11:20
@8 PrimeNoctem8 

Erklär du das bitte viell. im eigenen Blog für die Katholiken 

 - Donatismus vs.Katholische Kirche von Augustinus von Hippo 

Lg Cherub
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