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Zungenrede – heute noch?
1. Korinther 12; 14
Stephan Isenberg
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Stephan IsenbergZungenrede – heute noch?
1. Korinther 12; 14
Leitverse: 1. Korinther 12; 14
Vorwort
In diesem Artikel möchte ich auf die „Geistesgabe“ des Sprachenredens oder Zungenredens
eingehen. Das Wort Gottes sollte dazu immer aufgeschlagen daneben liegen. Es war mein
Wunsch, mich von Vorurteilen frei zu machen und bereits übernommene Sichtweisen kritisch
zu hinterfragen.
Noch einen Gedanken möchte ich vorwegschicken. Das Thema „Zungenreden“ hat schon
viele Gemüter erhitzt und sicher auch hier und da zu Spaltungen geführt. Es liegt mir fern,
irgendeinen Grabenkampf gegen unsere Geschwister aus charismatischen Kreisen zu führen,
sondern ich möchte lediglich versuchen, dieses Thema anhand von Bibelstellen zu behandeln.
Persönlich bin ich der Überzeugung, dass eine gesunde Lehre Christen vereinigt und nicht
trennen wird. Da wir bei der Behandlung dieses Themas auf Schlussfolgerungen und
Interpretationen angewiesen sind, möchte ich mich so vorsichtig wie möglich, aber doch auch
so deutlich wie nötig ausdrücken. Bevor nun jetzt jemand, der die Zungengabe befürwortet,
hier abbricht, möchte ich ihn doch herausfordern weiterzulesen, da ich auch nicht die Ansicht
vertrete, dass es die Zungenrede heute überhaupt nicht mehr geben könnte.
Wer ist der Geber der „Geistesgaben“?
Bevor wir uns mit dem eigentlichen Thema des Zungenredens beschäftigen können, müssen
wir einige Vorfragen beantworten. Wenn wir dies nicht tun, stehen wir bereits im Ansatz in
Gefahr, schiefzulaufen.
Der Ausdruck „die Gaben des Heiligen Geistes“ oder auch „Geistesgabe“ vermittelt eigentlich
einen falschen Eindruck. Viele denken dabei daran, dass der Heilige Geist bestimmten
Menschen Gaben gegeben hat. Richtig ist aber, dass der große Geber der Gaben der Herr
Jesus selbst ist. Denn wir lesen in Epheser 4,7-8:
Eph 4,7-8: Jedem Einzelnen aber von uns ist die Gnade gegeben worden nach dem
Maß der Gabe des Christus. Darum sagt er: „Hinaufgestiegen in die Höhe, hater die
Gefangenschaft gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben“ {Ps 68,19}.
Also nicht der Heilige Geist teilt die Gaben aus, sondern der zum Himmel aufgestiegene
Jesus Christus, wenn auch der Heilige Geist nicht unbeteiligt ist – siehe 1. Korinther 12,11:
„Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist, einem jeden insbesondere austeilend, wie er
will.“
Wem und wozu wurde die Gabe gegeben?
Die zweite Frage lautet: Wem und wozu wurde die Gabe gegeben? Lesen wir Epheser 4,11:
Eph 4,11: Und er hat die einen gegeben als Apostel und andere als Propheten und
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andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer, …
Diese Stelle zeigt sehr schön, dass der Herr Jesus der Geber jeder Gabe ist. Auch zeigt
zumindest Epheser 4, dass zum Beispiel ein Lehrer nicht nur eine Gabe empfangen hat,
sondern dass er selbst auch eine Gabe an die Gemeinde ist. Nicht nur der Mensch, sondern
auch die Gemeinde empfängt durch den verherrlichten Herrn im Himmel eine Gabe. Wofür?
Lesen wir in Epheser 4,12 weiter: „… zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes,
für die Auferbauung des Leibes Christi.“
Wir halten also fest: „Jedem Einzelnen aber von uns ist die Gnade gegeben worden nach dem
Maß der Gabe des Christus“ (Eph 4,7), und: „Jedes Glied hat da seinen besonderen Platz,
und damit ist immer ein bestimmter Dienst verbunden“ (H.L. Heijkoop, Der Brief an die
Epheser). Aber diesen Dienst bekommt man nicht, um sich selbst zu bedienen, sondern für
die Auferbauung und Vollendung des Leibes Christi. Dies deutet meines Erachtens der Vers
12 an: „zur Vollendung der Heiligen, … für die Auferbauung des Leibes Christi“ (Eph 4,12).
Das Ziel der Gaben ist, dass „wir alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens und zur
Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Mann, zu dem Maß des vollen Wuchses
der Fülle des Christus“ (Eph 4,13).
Das müssen wir sehr gut verstehen, besonders wenn es gleich speziell um die Gabe des
Zungenredens geht. Eine Gabe wurde nicht dazu gegeben, dass man persönlich erbaut wird
oder dass andere einem Respekt zollen müssen [obwohl man auch sagen muss, dass 1.
Korinther 14,28 Raum lässt für die Annahme, dass die Zungengabe auch der
Selbstauferbauung dienen kann – jedenfalls ist das aber nicht das Hauptziel dieser Gabe, wie
aus dem ganzen Kapitel 14 deutlich hervorgeht]. Bei einer Gabe darf nie die Person im
Mittelpunkt stehen, sondern immer Christus und sein Wort. Die Gabe des Evangelisten hat die
Aufgabe, Menschen zu dem einen Leib hinzuzufügen. Der Lehrer, dem es gegeben wurde,
bestimmte Dinge zu erklären und verständlich auszudrücken, muss sich nicht selbst etwas
erklären, sondern er tut es im Hinblick auf andere. Der Hirte wird sich nicht selbst weiden
wollen, sondern er führt seinen Dienst im Hinblick auf andere aus. Und so ist jede Gabe immer
darauf ausgerichtet, wem sie dienen kann – auch die Sprachengabe! Deshalb sagt der
Apostel Paulus auch in 1. Korinther 14,1.3: „Eifert aber um die geistlichen Gaben, vielmehr
aber, dass ihr weissagt … Wer aber weissagt, redet den Menschen zur Erbauung und
Ermahnung und Tröstung.“
Auch in 1. Korinther 12,7 heißt es: „Einem jedem aber wird die Offenbarung des Geisteszum
Nutzen gegeben.“ Hier könnte auf dem ersten Blick der Eindruck entstehen, als ginge es hier
tatsächlich um den Nutzen dessen, der eine Gabe ausübt. Aber das ganze zwölfte Kapitel
zeigt, dass wir hier nicht an den Nutzen für die Gabe oder den Ausübenden einer Gabe
denken müssen, sondern an den Nutzen für den einen Leib. Später ist zum Beispiel von dem
Auge die Rede. Das Auge ist ja nicht für sich selbst gegeben worden, sondern damit der
ganze Leib licht sei. Jedes Glied im Leib Christi übernimmt eine Funktion, die ein anderer
nicht übernehmen kann, und er übernimmt diese Funktion für andere, zum Nutzen anderer
Glieder.
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1. Korinther 12; 14
Natürlich hat auch jener, der eine Gabe ausübt, einen Nutzen, denn er ist beim Ausüben einer
Gabe, zum Beispiel bei einer Wortverkündigung, auch immer „Absender“ und „Empfänger“ –
die Worte, die eine Gabe ausspricht, sind ebenso für ihn selbst. In dem Moment, wo wir durch
eine Gabe etwas an andere austeilen, sind wir sozusagen eine doppelte Person: Wir sind im
gleichen Moment Austeiler und Empfänger – insoweit hat auch die Gabe selbst einen Nutzen
davon. Jeder, der einmal einen Dienst für den Herrn tun durfte, wird den Segen empfunden
haben, den er dadurch empfangen hat.
Mit der Taufe des Heiligen Geistes verhält es sich nebenbei ähnlich. Die Taufe des Heiligen
Geistes ist nicht eine persönliche Segnung – das wäre Versiegelung –, nein, die Taufe des
Heiligen Geistes fügt uns zu dem einen Leib Christi hinzu (1Kor 12,13). Wir werden
zusammengeschmiedet mit anderen Gliedern des Leibes. Wenn wir von dem Herrn Jesus –
wie in den Evangelien verheißen wurde – mit dem Heiligen Geist getauft werden (z.B. Mt
3,11), dann werden wir zu dem einen Leib hinzugefügt. Das Wesen der Geisttaufe ist nicht,
dass wir dann alle in Zungen reden, sondern, dass wir zu dem einen Leib Christi hinzugefügt
werden. Der Apostel Paulus sagt in Epheser 2,18: „Denn durch ihn haben wir beide [Juden
und Heiden] den Zugang durch einen Geist zu dem Vater.“ Und in 1. Korinther 12,13 heißt
es: „Denn auch in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden
oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden.“ –
Wenn der Heilige Geist wirkt, dann steht Er selbst nie im Vordergrund. In Apostelgeschichte
2,11 lesen wir: „Wie hören wir sie die großen Taten Gottes in unseren Sprachen reden?“ In
Johannes 16,14 heißt es: „Der Heilige Geist wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen
wird er empfangen und euch verkündigen.“ – Der Heilige Geist wird nie sich selbst
großmachen, sondern immer den Herrn Jesus – siehe auch Johannes 15,26: „Wenn aber der
Sachwalter gekommen ist …, so wird er von mir zeugen.“
Daraus lernen wir: Eine Gabe/Dienst wird sowohl dem Bruder und der Schwester gegeben
(1Kor 12; Eph 4; Röm 12). Aber in erster Linie sind diese Glaubensgeschwister dann Gaben
von dem verherrlichten Herrn für seine Gemeinde (Eph 4; 1Kor 12). Eine Gabe ist nie für sich
selbst, sondern immer für andere.
Die Liebe als Triebfeder für die Gabe
Nicht nur, dass es die unbeschreibliche Liebe des Christus ist, der dem Leib Gaben gegeben
hat, um seine Gemeinde zu reinigen, zu nähren und zu pflegen, so ist auch die Liebe Gottes
ausgegossen worden in unsere Herzen. Es heißt in Römer 5,5:
Röm 5,5: Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen
Geist, welcher uns gegeben worden ist.
Diese Liebe muss nun die Triebfeder für jede Ausübung einer Gabe sein. Ein Hirte, der nur
„Spaß“ daran hat, andere zu ermahnen und zu kritisieren, was sie alles falsch gemacht
haben, oder ein Lehrer, der anderen zeigen möchte, wie gelehrt er ist, oder ein Evangelist,
dem es darum geht, anderen zu beweisen, wie feurig er predigen kann, hat nur wenig bis gar
nichts von der Triebfeder verstanden, die nötig ist, um eine Gabe auszuüben. Der Herr Jesus
wurde „Freund der Sünder“ genannt; Gott hatte die Welt so geliebt, dass Er nicht wollte, dass
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1. Korinther 12; 14
irgendjemand verlorengehe. Was war das für eine vollkommene Triebfeder? Es war die Liebe
Gottes selbst, die nun ausgegossen wurde, durch den Heiligen Geist, in unsere Herzen. Wie
war der Herr Jesus besorgt und bekümmert um das eine Schaf, das verlorengegangen war.
Wie liebte Ihn der Vater dafür, dass Er bereit war, sich als der gute Hirte für die Schafe
hinzugeben (Joh 10,17). Diese Liebe muss die Triebfeder eines Hirten sein, der diese Gabe
empfangen hat.
Es ist nicht von ungefähr, dass im ersten Korintherbrief ausgerechnet zwischen den Kapiteln
12 bis 14 das dreizehnte Kapitel über die Liebe steht. Dort, wo es um den Missbrauch der
Gaben geht, widmet der Apostel Paulus dieser Liebe ein ganzes Kapitel. Aus uns heraus
können wir diese Liebe nicht aufbringen. Wir können eine Gabe empfangen haben, aber sie
bringt uns und anderen so lange nichts, solange wir keinen Gebrauch davon machen. Und
das Fleisch kann dies nicht bewerkstelligen. Aber wer aus dem Geist geboren ist, hat die
Kraftquelle in sich und die Möglichkeit, die Gabe, die er vom Herrn bei oder nach seiner
Bekehrung empfangen hat, zu nutzen und nutzbringend einzusetzen. Wir können nun mit dem
Herzen Jesu Christi lieben, weil die Liebe Gottes durch den Heiligen Geist in uns
ausgegossen wurde. Wir können nun zu einer Quelle lebendigen Wassers werden. Aus uns
können Ströme lebendigen Wassers fließen (Joh 7). Warum? Weil der Herr Jesus damals in
Johannes 7,39 sagte: „Dies aber sagte er von dem Geist, welchen die an ihn Glaubenden
empfangen sollten; denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht
worden war.“
Daraus lernen wir: Eine Gabe kann nur durch die Kraft des Geistes und durch die Triebfeder
der Liebe nutzbringend eingesetzt werden!
Drei Missverständnisse
1. Empfang des Geistes und Zungenrede gehören zusammen
Wir kommen nun zu der speziellen Gabe des Zungenredens. Dabei möchte ich zuerst einige
Missverständnisse ausräumen. Es gibt Christen, die die Taufe mit dem Heiligen Geist mit dem
Zungenreden derart verquicken, dass sie sagen, dass man erst dann den Geist empfangen
hat, wenn man auch in anderen Sprachen sprechen kann. Das führt dann oftmals dazu, dass
viele Gläubige verunsichert werden, manche den christlichen Weg ganz aufgeben und andere
in der Gefahr stehen, sich selbst etwas vorzumachen. Aber mit der Schrift ist diese
Interpretation nicht zu rechtfertigen. Natürlich finden wir das Zungenreden öfter mit der Gabe
des Heiligen Geistes verbunden (Apg 2; 10; 19), doch dies ist überhaupt nicht zwingend und
noch lang kein Indiz dafür, dass diese beiden Dinge in irgendeiner Abhängigkeit voneinander
stehen. Denken wir nur an die dreitausend Menschen, die in Apostelgeschichte 2,41 errettet
und getauft wurden. Es heißt dort zwar, dass sie die Gabe des Heiligen Geistes empfangen
haben, aber wir finden nichts davon, dass alle anfingen, in Sprachen zu reden. Ich möchte es
noch einmal wiederholen: Man verquickt hier zwei unterschiedliche Dinge miteinander, indem
man nicht unterscheidet zwischen der „Gabe des Heiligen Geistes“ und der „Gabe des
Zungenredens“. Das Wesen der Geistestaufe ist nicht, dass wir anfangen, in Sprachen zu
reden, sondern dass wir zu dem einen Leib getauft wurden, wie es in 1. Korinther 12,13 heißt.
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1. Korinther 12; 14
Aus 1. Korinther 12,8-11.28-30 geht deutlich und ohne Zweifel hervor, dass die
Sprachengabe nicht alle hatten! Zudem wird hier deutlich, welche Rangordnung das
Zungenreden einnehmen sollte – dazu sind auch Stellen wie Römer 12,6-8 und Epheser 4
hilfreich, wo die Zungenrede überhaupt nicht unter den Gaben erwähnt wird.
2. Zungen sind Sprachen, die es vorher nicht gegeben hat
Ein weiteres Missverständnis besteht darin, dass mit Begründung von Markus 16,17b gesagt
wird, bei der Zungenrede handle es sich um effektiv neue – also noch nie da gewesene –
Sprachen. Es heißt in Markus 16,17b: „Sie werden in neuen Sprachen reden.“
Ein Griechischexperte erklärt hierzu, dass hier das Wort kainos benutzt wird, was bedeute,
dass diese Sprache „neu für die Sprechenden“ war. Es handelt sich hier also nicht um eine
neuartige Sprache, sonst hätte hier das Wort neos benutzt werden müssen. Nun gut, wenn
Sie und auch ich keine Griechischexperte sind, hilft uns dieses Argument noch nicht viel
weiter. Doch auch die „Einfältigen“ müssen nicht irregehen (Jes 35,8). Wenn wir die
Begebenheit am Pfingsttag in Apostelgeschichte 2 genauer lesen, dann werden wir
feststellen, dass es dort heißt: „Und wie hören wir sie, ein jeder in unserer eigenen Mundart, in
der wir geboren sind … wie hören wir sie die großen Taten Gottes in unseren Sprachen
reden?“ Das zeigt sehr deutlich, dass es hier um echte Sprachen ging und nicht um neuartige
Sprachen, im Sinn von „noch nie da gewesen“.
Alles andere würde auch mit dem oben Gesagten nicht konform gehen. Wenn eine Sprache
irgendein Kauderwelsch wäre, dann würde dadurch keiner erbaut, ermahnt oder getröstet
werden (1Kor 14). Die Gabe, die eigentlich dem Leib hätte dienen sollen, verfehlt so ihr Ziel.
Manche argumentieren noch mit 1. Korinther 13,1, wo wir den Ausdruck „Sprachen der
Engel“ finden. Diese Stelle führt man als Beleg dafür an, dass die Zungensprache eben eine
völlig neue Sprache sein könnte. Aber wer den Zusammenhang in 1. Korinther 13
berücksichtigt, wird feststellen, dass dies ein hypothetischer Fall war, den Paulus hier
aufbringt.
3. 1. Korinther 14,1-4.21-23
Es muss noch auf einen sehr interessanten Zusammenhang hingewiesen werden, der uns
zum dritten Missverständnis führt. Wenn Juden zu Hause oder in der Synagoge das Alte
Testament lasen, dann war es egal, ob ein Jude aus Kreta, Arabien oder Asien kam: Es
wurde in Hebräisch gelesen. Die großen Taten Gottes kannten die Israeliten lediglich in der
hebräischen Sprache – sie sprachen meines Wissens sogar auch im Gebet zu Gott nur
Hebräisch. Nun hörten sie zum ersten Mal die großen Taten Gottes in ihrer eigenen Mundart.
Es erschienen ihnen „zerteilte Zungen“. Bisher wurde der Name Gottes in einer Zunge
(Sprache) verherrlicht, nun sollte der Name Gottes und seine mächtigen Taten, durch
„zerteilte“ (viele) Sprachen verkündigt werden. Das Gericht der Sprachenverwirrung von
Babel sollte zeitweise aufgehoben werden. Die Jünger sollten nicht, wie einst in Matthäus
10,5, nur den Juden die Frohe Botschaft bringen, sondern jetzt sollten sie auch auf einen
„Weg der Nationen“ gehen – die Zeit war gekommen und eine gewaltige Veränderung stand
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1. Korinther 12; 14
bevor. Der Prophet Jesaja hatte dies bereits prophetisch vorhergesagt. Der Apostel Paulus
zitiert in 1. Korinther 14,21 eine Stelle aus Jesaja 28,11: „Ich will in anderen Sprachen und
durch andere Lippen zu diesem Volk reden, und auch also werden sie nicht auf mich hören,
spricht der Herr.“ Dann fährt der Apostel Paulus fort und sagt: „Daher sind die Sprachen zu
einem Zeichen, nicht den Glaubenden, sondern den Ungläubigen.“
Dann kommt allerdings die Schwierigkeit, denn es heißt nun in 1. Korinther 14,23 weiter:
„Wenn nun die ganze Versammlung an einem Ort zusammenkommt und alle in Sprachen
reden, und es kommen Unkundige oder Ungläubige herein, werden sie nicht sagen, dass ihr
von Sinnen seid?“ – Was soll das bedeuten? Zuerst sagt Paulus, dass die Sprachenrede für
die Ungläubigen sei, und einen Vers weiter sagt er, dass es nicht sinnvoll wäre, in Sprachen
zu reden, wenn Ungläubige anwesend wären. Das klingt nach einem Widerspruch. Bisher
habe ich mir diese Schwierigkeit immer dadurch erklärt, dass es in Vers 22 einzig um
ungläubige Juden ging. Denn in der von Paulus zitierten Jesajastelle (1Kor 14,21) ging es um
das Volk der Juden. In Vers 23, so dachte ich, ging es dann allein um Ungläubige aus den
Nationen, und für jene ist die Sprachengabe eben nicht gedacht, sondern allein für die
ungläubigen Juden, weil ihnen dies so verheißen war.
Nun, das scheint mir zwar ein schönes Argument dafür zu sein, um die Sprachengabe für die
heutige Zeit ad absurdum zu führen, aber ich glaube, dass diese Auslegung verschiedenen
anderen Bibelstellen nicht gerecht wird. Denken wir zum Beispiel an die Predigt des Petrus
bei Kornelius (Apg 10,46); hier heißt es ausdrücklich, dass die mitgereisten Juden sich
verwunderten, dass auch die Nationen den Heiligen Geist empfangen haben, und auch hier
finden wir das gleiche Phänomen wie zu Pfingsten, nämlich dass sie anfingen, in Sprachen zu
reden. Es ist offenbar so, dass auch für die Nationen diese Gabe bestimmt war. Später sagt
dann auch Petrus, dass er sich an die Begebenheit des Pfingsttages zurückerinnerte, als er
sah, wie auch die aus den Nationen den Geist empfingen und auch in der Kraft des Geistes in
Sprachen redeten (Apg 11,15). Obwohl es hier um die Nationen ging, so müssen wir aber
auch hier festhalten, dass bei der Begebenheit mit Kornelius auch wieder Juden dabei waren
und diese Zungenrede der Nationen auch ihnen zum Zeichen wurde.
Es bleibt aber noch eine andere Lösung für dieses Problem übrig. Paulus hatte (natürlich!)
recht, als er sagte, dass die Sprachen ein Zeichen für die Ungläubigen wären. Vielleicht
müssen wir hi