Christopher Street Day: Gottesdienst mit Koranlesung in Berlin
Berlin (idea) – Ein multireligiöser "Gottesdienst"
hat am Abend des 27. Juli anlässlich der
Homosexuellenparade Christopher Street Day (CSD/28. Juli)
in Berlin in der evangelischen St. Marienkirche stattgefunden.
Beteiligt waren in dem vom Evangelischen Kirchenkreis Berlin Stadtmitte initiierten Gottesdienst mit 300 Besuchern unter dem Motto „Liebe tut der Seele gut“ Christen, Juden und Muslime.
Dabei wurde auch ein muslimisches Gebet gesprochen. Der 2017 zum Islam übergetretene Christian Awhan Hermann (Marseille)
las die Suren 1,2 und 112 aus dem Koran.
In Sure 112 heißt es: „Sprich: Er ist Gott, der Eine; Gott, der Beständige; er zeugte nicht und wurde nicht gezeugt, und keiner ist ihm ebenbürtig.“
Die "Predigt" hielt eine Bischöfin der Evangelisch-Baptistischen Kirche von Georgien, Rusudan Gotsiridze (Tbilisi). Sie sagte, dass in ihrem Heimatland noch viele LGBT-Menschen (Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transsexuell) Repressalien ausgesetzt seien. In Deutschland sei hingegen schon viel erreicht worden.
Sie empfinde es als stärkend, hier einen fröhlichen und vielfältigen Gottesdienst feiern zu dürfen: „Nur wenn wir gemeinsam für diese Sache brennen, können wir etwas erreichen.“ Weiter sagte sie: „Du kannst nur Licht sein, wenn Du Dich wie eine Kerze selbst verzehrst, für andere brennst, die Dir selbst nicht am nächsten sind und für sie leuchtest.
Am schönsten bist du, wenn Dein Licht strahlt und es strahlt immer weiter, als Du es glauben magst.“
Wie im Vorjahr ist die Berliner evangelische Kirche am 28. Juli mit einem Wagen auf der Parade vertreten.
Schirmherrin der Aktion ist Berlins Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein.
Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Berlin Stadtmitte ist der bekennende Homosexuelle Bertold Höcker.
Muss man sich noch über irgend etwas wundern in diesem Religionsverein ?
Offenbarung 18,4
Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel,
die sprach:
Geht hinaus aus ihr, mein Volk,
damit ihr nicht ihrer Sünden teilhaftig werdet
und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt!
und Gott hat ihrer Ungerechtigkeiten gedacht.
6 Vergeltet ihr, wie auch sie euch vergolten hat, und zahlt ihr das Doppelte heim gemäß ihren Werken! In den Becher, in den sie euch eingeschenkt hat, schenkt ihr doppelt ein! 7 In dem Maß, wie sie sich selbst verherrlichte und üppig lebte, gebt ihr nun Qual und Leid!
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Erstmalig organisierte die Berliner St. Marienkirche (Alexanderplatz) am Freitag den 21. Juli 2016 anlässlich des Christopher Street Days (CSD) einen multireligiösen Gottesdienst mit Christen, Juden und Muslimen.
Der Kirchenkreis Berlin Stadtmitte unter Leitung des Superintendenten Dr. Bertold Höcker hatte dazu unter anderen die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Rabbinerin Prof. Dr. Sonja Pilz (Abraham-Geiger-Kolleg), Imam Ludovic-Mohamed Zahed (Paris) sowie Vertreter_innen des Liberal-islamischen Bundes und der deutschen LGBTTIQ-Verbände eingeladen.
Bertold Höcker erklärte: »Ein Gottesdienst zum CSD zielt darauf, das Toleranz erschließende Potential der drei Buchreligionen zur Geltung zu bringen. Damit wird deutlich, dass das religiöse Menschenbild Kraft zum Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Ungleichbehandlung ermöglicht und alles von Gott Geschaffene geliebt ist.«
Unter den Besuchern des "Gottesdienstes" waren neben politischen Vertreterinnen, wie Staatssekretär Björn Böhning, Volker Beck (Grüne), Jan Stöß (SPD), auch viele internationale Gäste und LSBTTIQ-Aktivisten, Father Andrew Cain, St. James Church (London), Bulat Barantaev (Novosibirsk) und Tom Canning ( Jerusalem Open House).
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller eröffnet den christlich-jüdisch-muslimischen Gottesdienst mit einem Grußwort.
Die Predigt hält die New Yorker Rabberin Sharon Kleinbaum. Außerdem gestalten Superintendent Bertold Höcker, Rabbiner Walter Homolka, Vertreterinnen und Vertreter des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg sowie Studierende des Abraham-Geiger-Kollegs den Gottesdienst, bei dem auch die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz mitwirken werden.
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger thematisierte in ihrer Kanzelrede vor allem die Problematik des § 175 sowie die Auswirkungen und Entwicklungen für die LGBTTIQ-Community. Die Abschaffung des § 175, an der sie am 10. März 1994 als Bundesjustizministerin beteiligt war, resümierte sie mit folgenden Worten: »Der Paragraph der Schande war Geschichte geworden, endlich konnte über eingetragene Lebenspartnerschaften geredet und dann auch entschieden werden. Schwule und Lesben wurden in der Gesellschaft sichtbar und damit ein starker Emanzipationsschub ausgelöst.«