Kalenderblatt 30.06 - Dann stand er auf, drohte den Winden und dem See, und es trat völlige Stille e
GEBET
Gott, du bist da.Deine Gegenwart umhüllt und durchdringt uns
wie die Luft, die wir atmen,
ohne die wir nicht leben können.
Gib, dass wir dir ganz vertrauen
und leben ohne Angst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
ZUR LESUNG Amos war kein gefälliger Vortragsredner; er war ein Prophet, der sagte, was er sagen musste. Nicht um der Eitelkeit dieses Volkes zu schmeicheln, redet er von der Auserwählung Israels. Wen Gott erwählt hat, der ist zu Heiligkeit und Größe verpflichtet. So ergibt sich die überraschende Logik: Euch habe ich „erwählt“, darum strafe ich an euch all eure Vergehen (3, 2). – Die Verse 3, 2–8 sind von den Versen 6 und 8 her zu verstehen: Derselbe Gott, der Israel erwählt hat, hat auch Amos zum Propheten gemacht. Jahwe, der lebendige und mächtig gegenwärtige Gott, sendet den Judäer Amos in das Nordreich Israel. Der Prophet sagt Jahwes Wort, nicht sein eigenes, und er tritt da auf, wohin er geschickt wird. – Der dritte Teil dieser Lesung (4, 11–12) bildet den abschließenden Höhepunkt einer Spruchreihe (4, 6–12). Verschiedene Heimsuchungen, zuletzt eine Erdbebenkatastrophe, haben Israel nicht zufällig getroffen (vgl. 3, 6); Jahwe steht hinter all dem, und die letzte Begegnung mit ihm steht Israel noch bevor. Das ist hier keine Verheißung, sondern eine Warnung: Mach dich bereit! – Dtn 7, 6; Hos 9, 7; Mt 11, 20–24; Joël 2, 1; Jes 45, 7; Am 4, 13; Gen 18, 17; Jer 7, 25; Am 7, 14–15; Jer 20, 7–9; 1 Kor 9, 16.
ERSTE LESUNG Am 3, 1–8; 4, 11–12
Gott, der Herr, hat geredet – wer wird da nicht zum Propheten?
3, 1Hört dieses Wort, das der Herr gesprochen hat
über euch, ihr Söhne Israels,
über den ganzen Stamm,
den ich aus Ägypten heraufgeführt habe.
2Nur euch habe ich erkannt
unter allen Stämmen der Erde;
darum suche ich euch heim
für alle eure Vergehen.
3Gehen zwei miteinander,
ohne dass sie sich verabredet haben?
4Brüllt der Löwe im Wald
und er hat keine Beute?
Gibt der junge Löwe Laut in seinem Versteck,
ohne dass er einen Fang getan hat?
5Fällt ein Vogel zur Erde,
wenn niemand nach ihm geworfen hat?
Springt die Klappfalle vom Boden auf,
wenn sie nichts gefangen hat?
6Bläst in der Stadt jemand ins Horn,
ohne dass das Volk erschrickt?
Geschieht ein Unglück in der Stadt,
ohne dass der Herr es bewirkt hat?
7Nichts tut Gott, der Herr,
ohne dass er seinen Knechten, den Propheten,
zuvor seinen Ratschluss offenbart hat.
8Der Löwe brüllt – wer fürchtet sich nicht?
Gott, der Herr, hat geredet –
wer wird da nicht zum Propheten?
4, 11Ich brachte über euch eine Zerstörung
wie die, die Gott über Sodom und Gomórra verhängte;
ihr wart wie ein Holzscheit,
das man aus dem Feuer herausholt.
Und dennoch seid ihr nicht umgekehrt zu mir –
Spruch des Herrn.
12Darum will ich dir all das antun, Israel,
und weil ich dir all das antun werde,
mach dich bereit, deinem Gott gegenüberzutreten.
ZUM EVANGELIUM Die Geschichte vom Sturm auf dem See hat Matthäus eng an das Gespräch über die Nachfolge angeschlossen: Jesus steigt als Erster ins Boot, die Jünger folgen ihm. „Ihr Kleingläubigen“, sagt Jesus zu ihnen; so nennt er nur seine Jünger, also glaubende Menschen, sogar solche, die in der äußersten Not von ihm allein ihre Rettung erwarten. Wenn das „kleiner Glaube“ ist, was ist dann großer Glaube? Offenbar der Glaube, der alle Furcht vertreibt, weil er den ganzen Menschen mit Gott erfüllt. Die Schlussfrage: „Was ist das für ein Mensch …?“ wird von den „Menschen“, nicht von den Jüngern gestellt; die Jünger wissen, dass er der Herr ist. „Menschen“ nennt Matthäus im Unterschied zu den Jüngern nur die ungläubigen Menschen, die zwar im besten Fall staunen und fragen, aber nicht zum Glauben kommen. Sie möchten Beweise haben. Wunder sind ihnen keine Beweise, sie sind ja nie eindeutig. – Kleingläubige: Mt 14, 31; 16, 8; großer Glaube: Mt 8, 10; 15, 28. – Mk 4, 35–41; Lk 8, 22–25.
Evangelium Mt 8, 23–27
Er stand auf, drohte den Winden und dem See und es trat völlige Stille ein
In jener Zeit
23 stieg Jesus in das Boot
und seine Jünger folgten ihm nach.
24Und siehe, es erhob sich auf dem See ein gewaltiger Sturm,
sodass das Boot von den Wellen überflutet wurde.
Jesus aber schlief.
25Da traten die Jünger zu ihm und weckten ihn;
sie riefen: Herr, rette uns, wir gehen zugrunde!
26Er sagte zu ihnen:
Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen?
Dann stand er auf,
drohte den Winden und dem See
und es trat völlige Stille ein.
27Die Menschen aber staunten
und sagten:
Was für einer ist dieser,
dass ihm sogar die Winde und der See gehorchen?
FÜRBITTEN
Manchmal denken wir, Christus würde unsere Nöte verschlafen. Ihn wecken wir mit unseren Bitten:
■ Steh den Seelsorgerinnen und Seelsorgern, Psychologen und Psychiaterinnen bei, wenn sie den Menschen helfen, ihre Ängste zu überwinden.
■ Hilf allen, in ihrer Not auf dich zu schauen und zu dir zu rufen und lass sie dann auch deine Hilfe erfahren.
■ Führe die Kirche, die Gesellschaft und die ganze Welt durch die Krisen und Stürme der Zeit.
■ Führe die Verstorbenen aus der Hast und den Herausforderungen des Lebens in die ewige Ruhe bei dir.
Du bist der, der die Stürme stillt und der sich wecken lässt. Du bist der Gott, der mit uns in einem Boot sitzt – in Zeit und Ewigkeit.
Amen.
https://schott.erzabtei-beuron.de/jk13/Dienstag.htm?datum=2026-06-30&r=1
«Dann stand er auf, drohte den Winden und dem See, und es trat völlige Stille ein»
Fray Lluc TORCAL Monje del Monasterio de Sta. Mª de Poblet (Santa Maria de Poblet, Tarragona, Spanien)
Heute, Dienstag der 13. Woche im Jahreskreis, präsentiert uns die Liturgie eines der beeindruckendsten Fragmente des öffentlichen Lebens des Herrn. Die Szene zeigt eine grosse Lebendigkeit durch den radikalen Kontrast zwischen dem Verhalten der Jünger und dem Verhalten von Jesus. Wir können uns die Aufregung vorstellen die auf der Barke herrschte, „Plötzlich brach auf dem See ein gewaltiger Sturm los, so dass das Boot von den Wellen überflutet wurde“ (Mt 8,24), aber Aufregung war nicht genug um Jesus zu wecken, der schlief. Es waren die Jünger, die in ihrer Verzweiflung den Meister wach riefen! „Herr, rette uns, wir gehen zugrunde!“ (Mt 8,25).
Der Evangelist bedient sich dieser Dramaturgie, um uns das wahre Wesen von Jesus zu offenbaren. Der Sturm hatte nichts von seiner Raserei verloren und die Jünger waren immer noch voller Aufregung, aber der Herr war schlichtweg ruhig, „Dann stand er auf, drohte den Winden und dem See, und es trat völlige Stille ein“ (Mt 8,26). Auf die drohenden Worte von Jesus folgte die Stille, Stille die nicht nur bestimmt war sich auf dem aufgewühlten Wasser des Himmels und des Meeres zu verbreiten: Die Worte von Jesus sollten vor allem die ängstlichen Herzen seiner Jünger beruhigen. „Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen?“ (Mt 8,26).
Die Jünger wechselten von Bestürzung und Angst zu dieser besonderen Bewunderung von jemandem, der etwas bis dato vollkommen Unglaubliches erlebt hat. Die Überraschung, die Bewunderung, das Wundersame eines solch drastischen Wandels in der Situation die sie erlebt hatten, erweckte in ihnen die zentrale Frage: „Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar die Winde und der See gehorchen?“ (Mt 8,27) Wer ist das, der die Stürme des Himmels und der Erde und gleichzeitig die Stürme in den Herzen der Menschen beruhigen kann? Nur wer „wie ein Mensch in einer Barke schläft, kann Befehle an den Wind und das Meer geben wie ein Gott“. (Nicetas von Remesiana).
Wenn wir glauben, dass unsere Welt untergeht, lasst uns nicht vergessen, dass unser Retter Gott selbst ist, als Mensch erschaffen, nähert er sich uns durch den Glauben.
Gedanken zum Evangelium des Tages
„Er nahm seine Jünger mit sich in das Boot, um ihnen diese beiden Dinge zu zeigen: sich nicht vor Gefahren zu fürchten und sich nicht in Ehren aufblähen“ (Hl. Johannes Chrysostomos)
„Jesus möchte uns nicht als passive Personen; er möchte, dass wir aktive Werkzeuge sind, verantwortlich, und zugleich voll von Hoffnung. Das ist der Schlüssel, um den Stürmen des Lebens entgegenzutreten“ (Benedikt XVI.)
„Das kindliche Vertrauen wird auf die Probe gestellt, wenn wir das Gefühl haben, nicht immer erhört zu werden. Das Evangelium lädt ein, uns zu fragen, ob unser Gebet dem Verlangen des Geistes entspricht“ (Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 2756)
https://evangeli.net/evangelium/tag/2026-06-30