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Leo in Algerien: Das schreibt die Presse

Leo in Algerien: Das schreibt die Presse
In der algerischen Presse hat es der Papstbesuch durchweg auf Seite eins geschafft: nicht nur in der französischsprachigen, sondern auch in den Blättern in arabischer und in Berbersprache. „Ein historischer Tag!“, titelt „El Moudjahid – mit Ausrufezeichen.
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Das Blatt zeigt auf Seite eins in Großaufnahme Leo XIV., der dem algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune die Hand schüttelt. Der Leitartikel ordnet die Visite als „Plädoyer für den Frieden und den Dialog in der Welt“ ein. Der Papst habe am ersten Besuchstag in Algier seine „Anerkennung der einzigartigen Rolle Algeriens im Konzert der Nationen“ ausgedrückt.

Der Leitartikel würdigt besonders Leos Auftritt vor dem Märtyrer-Monument, das an die Opfer des Konflikts bei der Loslösung von der Kolonialmacht Frankreich erinnert. „Mit diesem Moment des Gedenkens stellte der Papst seinen Besuch in einen Zusammenhang, der sich nicht allein auf den interreligiösen Dialog beschränkt, sondern auch das Gedächtnis der Völker und die Achtung der nationalen Entwicklungswege einbezieht. Mit diesem Schritt sandte er eine bedeutungsschwere Botschaft aus, die besagt, dass die Anerkennung des algerischen Gedächtnisses auch die Anerkennung des universellen Wertes der Kämpfe für Würde und Souveränität bedeutet.“ Der Papstbesuch habe von Anfang an gezeigt, dass Algerien ein „„Schmelztiegel großer Zivilisationen“ sei, ein „wahres Bindeglied zwischen dem Mittelmeerraum, Afrika und der arabischen Welt““. Wohl kaum ein anderes Territorium in der Welt verkörpere dergestalt die Möglichkeit eines Dialogs zwischen den Kulturen.

Ob der Papst auch mal Couscous essen wird?
Auf insgesamt zwölf Seiten berichtet „El Moudjahid“ ausführlich über den ersten Besuchstag Leos XIV.; die Begrüßungsrede des Staatspräsidenten an den Gast aus dem Vatikan wird auf einer ganzen Seite behandelt, ebenso wie das Interesse internationaler Medien an der Reise („Die Augen der ganzen Welt sind auf das größte Land Afrikas gerichtet“).

Was den Aufenthalt des Papstes in der Großen Moschee von Algier betrifft, wird seine Äußerung hervorgehoben, dass aus seiner Sicht die religiöse Dimension der Algerier „das Geheimnis einer Kultur der Begegnung und der Versöhnung“ sei. Im Innern der Moschee „hat der Papst im Gebetssaal innegehalten“; von Gebet wird in diesem Zusammenhang nicht gesprochen. Mit einem Augenzwinkern fragt auf der letzten dem Papstbesuch gewidmeten Seite eine Kolumnistin, ob der Papst denn während seines Aufenthalts in Algerien auch die Gelegenheit haben werde, Couscous zu essen. Dabei würde er nämlich das finden, „wonach er schon immer gesucht hat: die Verbundenheit unter den Menschen, die oft durch das gemeinsame Essen entsteht“.

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Ein nicht ganz so sublimes Ausrufezeichen
Auch „Le Soir d’Algérie“ zeigt auf dem Titel Papst und Präsident im Großformat; die Schlagzeile lautet „Die sublimen Botschaften des Papstes!“ – mit einem nicht ganz so sublimen Ausrufezeichen. „Algerien im Herzen der Welt“, titelt wiederum „Le Jeune Indépendant“; Untertitel: „Das Erdbeben der Brüderlichkeit von Papst Leo XIV.“. Die Zeitung widmet dem Papstbesuch fünf Seiten (wenn man die Titelseite mitzählt); sie bringt unter anderem ein Interview mit dem spanischen Priester José Maria Cantal, der in Südalgerien arbeitet und Kommunikationsverantwortlicher bei der Papstreise ist. Er betont „Man sollte Brücken zwischen den Völkern bauen, statt sie einzureißen“ und erwähnt die große Inschrift in der Apsis der Basilika Notre-Dame d’Afrique „Unsere Liebe Frau, bitte für uns und für die Muslime“: Das habe ihn persönlich „tief beeindruckt. Es hat mich sehr bewegt, weil es eine Vision zum Ausdruck bringt, wonach man die Zukunft nicht nur durch Kultur- oder Bildungsprojekte gestaltet, sondern auch durch die Entwicklung einer echten Spiritualität der Brüderlichkeit.“

Interessant: das Interview mit einem Historiker, das den kaum bekannten Beitrag von Christen im algerischen Befreiungskampf gegen die französische Kolonialmacht würdigt. Diese „geheime Brüderlichkeit hat dazu beigetragen, den Lauf der Geschichte zu verändern“. Überschrift des Artikels: „Als die Soutanenträger die koloniale Ordnung herausforderten“.

Da kam wohl der Redaktionsschluss dazwischen...
Das Blatt „Le Jour d’Algérie“ widmet dem Besuch von Papst Leo, abgesehen von der Titelseite, nur eine Seite Berichterstattung. Der Hauptartikel trägt die Überschrift „Präsident Tebboune und Papst Leo XIV. setzen sich gemeinsam für den Weltfrieden ein“, um dann vor allem die Äußerungen des Präsidenten in seiner Begrüßungsrede ausführlich zu referieren. Was der Papst gesagt hat, nimmt deutlich weniger Raum ein, und über Leos weiteres Programm am ersten Reisetag gibt nur ein kleiner Kasten im unteren Teil der Seite Auskunft. Dabei wird sein Auftritt in der Basilika Notre-Dame d’Afrique mit einem einzigen Satz zusammengefasst: Leo habe dort „eine Zeremonie geleitet“. Der Eindruck drängt sich auf, dass da schon Redaktionsschluss war.

(vatican news)
 

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Kommentare

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Mariasol 14.04.2026 16:17
Ich habe ehrlich gesagt nicht alles gelesen,

Ich bin begeistert und habe Hoffnung, das die 

Worte von Papst Leo die Welt zum Guten

 verändern.
 
hansfeuerstein 14.04.2026 16:55
Die Aussage, dass Muslime und Christen grundsätzlich friedlich miteinander leben könnten, ist eben nur überschattet von den vielen Christen weltweit die von Moslems verfolgt werden. Es wird einen Grund haben, warum der Vatican nicht am Migrationspakt teilnimmt, und seinerseits einen hohen Anteil Moslems in den eigenen Grenzen aufgenommen hat.
 
Klavierspielerin2 14.04.2026 18:21
Ich glaube nicht, dass der Migrationspakt etwas bringt. Wir werden in Zukunft Menschen benötigen, weil wir zu wenige sind. Und das ist weltweit so. Wir werden uns in Zukunft etwas einfallen lassen müssen, woher wir Fachpersonal zaubern können.
 
hansfeuerstein 14.04.2026 23:00
Das kann man auch von einer anderen Seite betrachten. Man kommt doch jetzt schon nicht mehr zurecht mit Wohnungsmangel, Infrastruktur, Verkehrschaos, Nahverkehr. Die Städte und Strassen sind überfüllt, auch die Naherholungsgebiete, und die Arbeitsplätze wandern sowieso ab, dorthin wo die Bedingungen für die Wirtschaft viel günstiger sind.
 
hansfeuerstein 15.04.2026 00:28
Dass die Christenverfolgung in Nigeria nicht mit einem Wort zur Sprache kommt, enttäuscht mich persönlich schon, mit dem Iran dasselbe.
 
Klavierspielerin2 15.04.2026 08:43
Man kann die Situation anhand der Zahlen doch gut ablesen.
Wir wissen bereits seit Jahrzehnten, dass uns die Steuereintzahler, die u.A.unsere Renten finanzieren sollten, fehlen. Der demographische Wandel ist Realität!
Was du @Hans ansprichst, Wohnungsnot ect. liegt evtl.daran, dass- so hört man, die Menschen in Stadt wollen, die Dörfer scheinen nichts mehr bieten zu können, weder Doktoren, noch Einkaufsmöglichkeiten- auf'm Friedhof ist mehr los.

Ich lebe in einer Grenzregion CH/ F, in der Fachkräftemangel herrscht, weil diese bereits seit langem lieber in der Schweiz arbeiten, da sie von dort mit attraktiven Angeboten abgeworben werden. 
Das sind Tatsachen, die sich nicht leugnen lassen.
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