Erntedank bedeutet "Dank feiern"
05.10.2025 11:38
Erntedank bedeutet "Dank feiern"
05.10.2025 11:38
Erntedank bedeutet "Dank feiern"
Bonn ‐ Einmal jährlich werden in den christlichen Kirchen die Gaben der Natur gewürdigt. Der Altar erstrahlt dann in prächtigen Farben durch die kunstvollen Arrangements aus Äpfeln, Kürbissen und Brot. Doch was steckt hinter diesem Brauch?
Zucchini und Äpfel, Getreide und Kürbisse, Sonnenblumen und Trauben – einmal im Jahr finden die reichen Gaben der Natur ihren Weg in die christlichen Kirchen. Der Altar ist dann mit prächtigen, farbenfrohen Arrangements geschmückt, die Menschen bringen Obst und Gemüse in Prozessionen in die Gotteshäuser. Am ersten Sonntag im Oktober feiern die deutschen katholischen Gemeinden das Erntedankfest.
Diesen Termin hat die Deutsche Bischofskonferenz im Jahr 1972 festgelegt. Daraus folgt für die einzelnen Gemeinden aber keine Pflicht, das Erntedankfest an diesem Tag oder überhaupt zu feiern – es ist freiwillig. An Erntedank wollen die Christen Gott für die Schöpfung danken und zeigen, dass sie sich ihrer Abhängigkeit von der Natur bewusst sind. Streng genommen geht der christliche Brauch schon auf die ersten Figuren der Bibel zurück: Wie das Buch Genesis berichtet, brachte der Ackerbauer Kain einige Früchte seiner Felder und der Hirte Abel einen Erstling seiner Herde zum Opfer dar.
Video: © katholisch.de
Der Bonner Stadtdechant Wilfried Schumacher erklärt die Bedeutung des christlichen Festes Erntedank.
Dieses erste Erntedankfest endete jedoch tragisch: Aus Wut, dass Gott seine Opfer weniger würdigte, erschlug Kain seinen Bruder. Von der späteren Erntedank-Tradition sind ähnlich dramatische Szenen nicht überliefert. Die ersten Erntedankfeste in der katholischen Kirche sind aus dem dritten Jahrhundert nach Christus überliefert. Aber auch aus vorchristlichen Religionen sind solche Feste bekannt. Sie waren Teil des Jahresablaufes bei Griechen und Römern, und auch das Judentum kannte zwei Erntefeste, eines um die Pfingstzeit und eines im Herbst.
Die Bedeutung von Erntedank änderte sich über die Jahrhunderte: Mit der industriellen Massenherstellung von Lebensmitteln und dem weltweiten Handel wurde das Bewusstsein für die Abhängigkeit von der heimischen Ernte geringer - womit auch ein Bedeutungsverlust des Festes einherging. Im Dritten Reich führten die Nationalsozialisten das Fest mit großem Propagandaaufwand wieder ein und instrumentalisierten es, um die Landwirte enger an die "Volksgemeinschaft" zu binden.
Bewahrung der Schöpfung im Mittelpunkt
Mit dem in der ganzen Gesellschaft gestiegenen Umweltbewusstsein der vergangenen Jahrzehnte schließlich bekamen die Worte von der "Bewahrung der Schöpfung" eine neue Bedeutung: Mittlerweile stellen viele Gemeinden an Erntedank den Umweltschutz oder die Entwicklungshilfe in den Vordergrund. An dem Tag wird auch an die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft appelliert. Der Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti stellt in seinem "Lexikon der Bräuche und Feste" fest, die ökonomische Betrachtungsweise der Welt werde immer mehr durch eine ökologische ergänzt: "Das Erntedankfest ist ein Gradmesser für dieses gesellschaftliche Bewusstsein", heißt es da.
Bräuche um Erntedank
Früher wie heute sind mit dem Erntedankfest eine Fülle von christlichen und nichtchristlichen Bräuchen verbunden: Neben Dankgottesdiensten und kirchlichen Solidaritätsaktionen mit den Menschen der Dritten Welt sind auf dem Land auch Erntefeste mit Tanz und Festessen Tradition. Vielerorts wird aus den letzten Ähren des Feldes eine Erntepuppe oder eine Erntekrone geflochten.
Jenseits des Festes am ersten Oktobersonntag gibt es im Jahresverlauf auch andere Anlässe, die dem Grundgedanken des Dankes für die Gaben der Schöpfung folgen: Dazu gehört etwa die Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt und der festliche Almabtrieb in den Bergen. Auch der Gedenktag an den heiligen Martin am 11. November weist solche Elemente auf: Die Menschen trinken dann neuen Wein und braten die Martinsgans. Und für die Katholiken hat im Grunde jeder Gottesdienst einen Hauch von Erntedank. Schließlich beten sie mit jedem Vaterunser für die tägliche Nahrung: "Unser tägliches Brot gib uns heute", heißt es da.
Von Gabriele Höfling
Zucchini und Äpfel, Getreide und Kürbisse, Sonnenblumen und Trauben – einmal im Jahr finden die reichen Gaben der Natur ihren Weg in die christlichen Kirchen. Der Altar ist dann mit prächtigen, farbenfrohen Arrangements geschmückt, die Menschen bringen Obst und Gemüse in Prozessionen in die Gotteshäuser. Am ersten Sonntag im Oktober feiern die deutschen katholischen Gemeinden das Erntedankfest.
Diesen Termin hat die Deutsche Bischofskonferenz im Jahr 1972 festgelegt. Daraus folgt für die einzelnen Gemeinden aber keine Pflicht, das Erntedankfest an diesem Tag oder überhaupt zu feiern – es ist freiwillig. An Erntedank wollen die Christen Gott für die Schöpfung danken und zeigen, dass sie sich ihrer Abhängigkeit von der Natur bewusst sind. Streng genommen geht der christliche Brauch schon auf die ersten Figuren der Bibel zurück: Wie das Buch Genesis berichtet, brachte der Ackerbauer Kain einige Früchte seiner Felder und der Hirte Abel einen Erstling seiner Herde zum Opfer dar.
Video: © katholisch.de
Der Bonner Stadtdechant Wilfried Schumacher erklärt die Bedeutung des christlichen Festes Erntedank.
Dieses erste Erntedankfest endete jedoch tragisch: Aus Wut, dass Gott seine Opfer weniger würdigte, erschlug Kain seinen Bruder. Von der späteren Erntedank-Tradition sind ähnlich dramatische Szenen nicht überliefert. Die ersten Erntedankfeste in der katholischen Kirche sind aus dem dritten Jahrhundert nach Christus überliefert. Aber auch aus vorchristlichen Religionen sind solche Feste bekannt. Sie waren Teil des Jahresablaufes bei Griechen und Römern, und auch das Judentum kannte zwei Erntefeste, eines um die Pfingstzeit und eines im Herbst.
Die Bedeutung von Erntedank änderte sich über die Jahrhunderte: Mit der industriellen Massenherstellung von Lebensmitteln und dem weltweiten Handel wurde das Bewusstsein für die Abhängigkeit von der heimischen Ernte geringer - womit auch ein Bedeutungsverlust des Festes einherging. Im Dritten Reich führten die Nationalsozialisten das Fest mit großem Propagandaaufwand wieder ein und instrumentalisierten es, um die Landwirte enger an die "Volksgemeinschaft" zu binden.
Bewahrung der Schöpfung im Mittelpunkt
Mit dem in der ganzen Gesellschaft gestiegenen Umweltbewusstsein der vergangenen Jahrzehnte schließlich bekamen die Worte von der "Bewahrung der Schöpfung" eine neue Bedeutung: Mittlerweile stellen viele Gemeinden an Erntedank den Umweltschutz oder die Entwicklungshilfe in den Vordergrund. An dem Tag wird auch an die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft appelliert. Der Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti stellt in seinem "Lexikon der Bräuche und Feste" fest, die ökonomische Betrachtungsweise der Welt werde immer mehr durch eine ökologische ergänzt: "Das Erntedankfest ist ein Gradmesser für dieses gesellschaftliche Bewusstsein", heißt es da.
Bräuche um Erntedank
Früher wie heute sind mit dem Erntedankfest eine Fülle von christlichen und nichtchristlichen Bräuchen verbunden: Neben Dankgottesdiensten und kirchlichen Solidaritätsaktionen mit den Menschen der Dritten Welt sind auf dem Land auch Erntefeste mit Tanz und Festessen Tradition. Vielerorts wird aus den letzten Ähren des Feldes eine Erntepuppe oder eine Erntekrone geflochten.
Jenseits des Festes am ersten Oktobersonntag gibt es im Jahresverlauf auch andere Anlässe, die dem Grundgedanken des Dankes für die Gaben der Schöpfung folgen: Dazu gehört etwa die Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt und der festliche Almabtrieb in den Bergen. Auch der Gedenktag an den heiligen Martin am 11. November weist solche Elemente auf: Die Menschen trinken dann neuen Wein und braten die Martinsgans. Und für die Katholiken hat im Grunde jeder Gottesdienst einen Hauch von Erntedank. Schließlich beten sie mit jedem Vaterunser für die tägliche Nahrung: "Unser tägliches Brot gib uns heute", heißt es da.
Von Gabriele Höfling
Kommentare
Schreib auch du einen Kommentar
hansfeuerstein 05.10.2025 13:08
Dankbarkeit für die Früchte dieser Erde, ist eine wichtige Haltung, die einen Menschen anders prägt, als wenn er alles als selbstverständlich ansieht.
hansfeuerstein 05.10.2025 13:16
So ist echter Natur- und Umweltschutz demütig, nicht laut und fordernd, sondern aus einer inneren Haltung resultierend, die nicht schreiend daherkommt.
Miri21 05.10.2025 15:11
Franziskus und Erntedank
Wir danken für die Früchte der Erde und wir danken für das leuchtende Beispiel eines christlichen Lebens.
Franziskus war ein Mensch, der danken konnte. Wie kaum jemand sonst war er mit Dank erfüllt.
Von ihm stammt der berühmte Sonnengesang, ein einzigartiger Lobpreis auf Gott, ein Danklied auf all seine Geschöpfe.
„Höchster, allmächtiger, guter Herr.
Dein ist das Lob, der Ruhm, die Ehre und jeglicher Dank“,
so beginnt Franziskus dieses Lied.
Und am Schluss heißt es:
„Lobt und preist meinen Herrn!
Und dankt ihm und dient ihm in großer Demut!“
Was kaum jemand weiß und wohl auch niemand vermutet ist der Umstand, dass Franziskus den Sonnengesang nicht in einer Hochstimmung seines Lebens gedichtet hat, sondern in einer schlimmen Krisenzeit, in einem ganz argen Tief, in dem er sich befand.
Es war etwa ein Jahr vor seinem Tod. Franziskus war 45 Jahre alt. Von Missionsreisen nach Marokko und Ägypten hatte er unter vielen Krankheiten zu leiden. Schmerzen plagten seinen Körper.
Jede äußere Tätigkeit war ihm versagt. Seine Brüder bereiteten ihm mancherlei Sorgen. Trübe Gedanken und Schwermut belasteten ihn.
Franziskus ist fast blind und seine Augen vertragen kein Licht, da rühmt er die Sonne als herrliches Geschöpf Gottes, das Licht spendet und den Tag heraufführt.
Er preist Gott für den Mond und die Sterne, für den Wind und das Wasser. Er lobt ihn für das Feuer und die Erde mit all ihren Früchten und bunten Blumen und Kräutern.
Alles ist für ihn Bruder und Schwester. Und selbst im Tod erkennt er Gottes Walten und heißt ihn als Bruder willkommen.
Von Franziskus wird erzählt, dass er ein geschwisterliches Verhältnis zu Menschen und Dingen hatte.
Mit großer Ehrfurcht und feinem Zartgefühl hat er sich allem Geschaffenen zugewandt.
Im Wald umarmte er Bäume als seine lieben Geschwister.
Er hebt einen Stock auf und spielt auf ihm wie auf einer Geige.
Den Vögeln predigte er die Größe des Schöpfers und forderte sie zum Lobpreis auf.
Gott Lob, Gott Ehre, IHM Ruhm, Ihm jeder Dank!
In allem schaute er Gott.
In jeder Gabe entdeckte er den Geber aller Gaben
In allem Guten den Ursprung von allem Guten.
Alles Schöne ist ihm Abglanz Gottes.
Franziskus nimmt die Vielfalt der Natur wahr. Und sie wird ihm zum Sinnbild für die grenzenlose Fülle und den Reichtum Gottes.
Alles wird ihm zum Zeichen, Zeichen der Größe Gottes, Zeichen seiner Allmacht, Zeichen seiner überströmenden Güte.
Alles bringt ihn in Berührung mit Gott. In allem findet und begegnet er Gott.
Und alles ist für Ihn kostbar und wunderbar: ein Schluck Wasser aus der Quelle, ein nahrhaftes Stück Brot, eine saftige Melone, die frische Luft, jeder Atemzug, jeder Lichtstrahl, jede Blüte…
Franziskus bleibt aber nicht bei der Bewunderung stehen.
Er ist kein bloßer Naturschwärmer. Er staunt. Und sein Staunen ist Gebet.
Franziskus schaut hindurch auf den lebenspendenden Urgrund der Dinge.
Und er preist und dankt. Sein Dank und Preis gilt Gott.
Gottes Liebe ist für ihn unsagbar groß und wunderbar. Von ihm weiß er sich geführt und geleitet. Ihm vertraut er sich an. Ihm überlässt er seine Sorgen.
Gott ist für ihn die Realität seines Lebens.
Franziskus ist ein Mensch, der danken kann, danken von ganzem Herzen, innig, ehrlich, echt.
Sein Dank ist Antwort und Ausdruck seiner Verbundenheit mit Gott.
Wir danken für die Früchte der Erde und wir danken für das leuchtende Beispiel eines christlichen Lebens.
Franziskus war ein Mensch, der danken konnte. Wie kaum jemand sonst war er mit Dank erfüllt.
Von ihm stammt der berühmte Sonnengesang, ein einzigartiger Lobpreis auf Gott, ein Danklied auf all seine Geschöpfe.
„Höchster, allmächtiger, guter Herr.
Dein ist das Lob, der Ruhm, die Ehre und jeglicher Dank“,
so beginnt Franziskus dieses Lied.
Und am Schluss heißt es:
„Lobt und preist meinen Herrn!
Und dankt ihm und dient ihm in großer Demut!“
Was kaum jemand weiß und wohl auch niemand vermutet ist der Umstand, dass Franziskus den Sonnengesang nicht in einer Hochstimmung seines Lebens gedichtet hat, sondern in einer schlimmen Krisenzeit, in einem ganz argen Tief, in dem er sich befand.
Es war etwa ein Jahr vor seinem Tod. Franziskus war 45 Jahre alt. Von Missionsreisen nach Marokko und Ägypten hatte er unter vielen Krankheiten zu leiden. Schmerzen plagten seinen Körper.
Jede äußere Tätigkeit war ihm versagt. Seine Brüder bereiteten ihm mancherlei Sorgen. Trübe Gedanken und Schwermut belasteten ihn.
Franziskus ist fast blind und seine Augen vertragen kein Licht, da rühmt er die Sonne als herrliches Geschöpf Gottes, das Licht spendet und den Tag heraufführt.
Er preist Gott für den Mond und die Sterne, für den Wind und das Wasser. Er lobt ihn für das Feuer und die Erde mit all ihren Früchten und bunten Blumen und Kräutern.
Alles ist für ihn Bruder und Schwester. Und selbst im Tod erkennt er Gottes Walten und heißt ihn als Bruder willkommen.
Von Franziskus wird erzählt, dass er ein geschwisterliches Verhältnis zu Menschen und Dingen hatte.
Mit großer Ehrfurcht und feinem Zartgefühl hat er sich allem Geschaffenen zugewandt.
Im Wald umarmte er Bäume als seine lieben Geschwister.
Er hebt einen Stock auf und spielt auf ihm wie auf einer Geige.
Den Vögeln predigte er die Größe des Schöpfers und forderte sie zum Lobpreis auf.
Gott Lob, Gott Ehre, IHM Ruhm, Ihm jeder Dank!
In allem schaute er Gott.
In jeder Gabe entdeckte er den Geber aller Gaben
In allem Guten den Ursprung von allem Guten.
Alles Schöne ist ihm Abglanz Gottes.
Franziskus nimmt die Vielfalt der Natur wahr. Und sie wird ihm zum Sinnbild für die grenzenlose Fülle und den Reichtum Gottes.
Alles wird ihm zum Zeichen, Zeichen der Größe Gottes, Zeichen seiner Allmacht, Zeichen seiner überströmenden Güte.
Alles bringt ihn in Berührung mit Gott. In allem findet und begegnet er Gott.
Und alles ist für Ihn kostbar und wunderbar: ein Schluck Wasser aus der Quelle, ein nahrhaftes Stück Brot, eine saftige Melone, die frische Luft, jeder Atemzug, jeder Lichtstrahl, jede Blüte…
Franziskus bleibt aber nicht bei der Bewunderung stehen.
Er ist kein bloßer Naturschwärmer. Er staunt. Und sein Staunen ist Gebet.
Franziskus schaut hindurch auf den lebenspendenden Urgrund der Dinge.
Und er preist und dankt. Sein Dank und Preis gilt Gott.
Gottes Liebe ist für ihn unsagbar groß und wunderbar. Von ihm weiß er sich geführt und geleitet. Ihm vertraut er sich an. Ihm überlässt er seine Sorgen.
Gott ist für ihn die Realität seines Lebens.
Franziskus ist ein Mensch, der danken kann, danken von ganzem Herzen, innig, ehrlich, echt.
Sein Dank ist Antwort und Ausdruck seiner Verbundenheit mit Gott.
Nemrac73 05.10.2025 16:18
Noch wichtiger ist, dass wir täglich danken für alles was Gott uns schenkt. Nicht nur an Erntedankfest.
Die meisten kennen nur meckern und murren
Die meisten kennen nur meckern und murren

Jetzt
Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti
https://becker-huberti.de/?view=category&id=8