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Geistlicher Missbrauch: Wenn Seelenführer zur Gefahr werden

Geistlicher Missbrauch: Wenn Seelenführer zur Gefahr werden
Von 2023

Freiburg ‐ Wo Macht ausgeübt wird, da lauert die Gefahr ihres Missbrauchs – auch im religiösen Zusammenhang. Eine Studie hat sich nun mit Übergriffen im spirituellen Bereich beschäftigt. Heute erscheint sie in den Buchhandlungen. Ein Blick ins Buch.


Eindeutige Antworten auf jede noch so schwierige Frage, die Welt glasklar in schwarz und weiß gezeichnet: Die Rede ist von neuen geistlichen Gemeinschaften im Raum der katholischen Kirche. Mit den von diesen Gruppen ausgehenden Gefahren hat sich die Therapeutin und Lebensbeberaterin Stephanie Butenkemper in einem im Herder-Verlag erschienenen Buch befasst. Es trägt den Titel "Toxische Gemeinschaften".  

Der früher in Medizin und Biologie verwendete Begriff für "giftig" hat sich umgangssprachlich als Wort für gefährliches und schädigendes Verhalten durchgesetzt. Was aber macht die neuen geistlichen Gemeinschaften, die von manchen deutschen Bischöfen kritisch beäugt und von anderen hofiert werden, zu gefährlichen Orten?

Butenkemper, selbst ehemaliges Mitglied einer solchen Gemeinschaft, hat dafür mit acht Aussteigern gesprochen und stellt auf dieser Grundlage Kriterien für das Phänomen vor, das als sogenannter geistlicher Missbrauch bezeichnet wird. Gemeint ist laut Butenkemper emotionaler Machtmissbrauch im religiösen Zusammenhang, der oft, aber nicht immer, den Boden für spätere sexuelle Übergriffe bereitet. Täter manipulierten Betroffene nach ihren Bedürfnissen. Folgen können etwa eine zerrüttete Religiosität, psychische Erkrankungen, emotionale und soziale Probleme sein.  

Das Phänomen sei keineswegs neu und auf neue geistliche Gemeinschaften beschränkt, führt die Autorin aus, die Mitglied im Arbeitskreis "Spiritueller Missbrauch" im Bistum Dresden-Meißen ist. Jene Gemeinschaften seien jedoch besonders anfällig, weil sie auf sektenähnlichen Strukturen aufbauten.

Therapeutin: Geistlicher Missbrauch missbraucht den Glauben
Wie geraten Menschen in toxische Gemeinschaften? Und warum ist es für Betroffene von geistigem Missbrauch so schwer, sich daraus zu befreien? Stephanie Butenkemper ist Beraterin und zugleich Betroffene. Im Interview erklärt sie die verhängnisvollen Mechanismen. 

Zum Interview
So überschritten neue geistliche Gemeinschaften Grenzen des Privaten und mischten sich in alle Lebensbereiche ein; zugleich kontrollierten sie ihre Mitglieder, deren soziales Umfeld und letztlich auch ihr Denken und Verhalten. Die Gemeinschaft und ihre Leiter würden idealisiert, weil sie angeblich eine besondere Beauftragung durch Gott hätten, und dürften daher nicht hinterfragt werden. Zugleich werde das einzelne Mitglied entwertet und müsse lernen, dass die eigenen Wünsche und Bedürfnisse nicht zählten.  

"Die Gemeinschaft macht das Angebot, für ihre Mitglieder zu einer Art Familienersatz zu werden", so Butenkemper. Sie sieht darin den Dreh- und Angelpunkt für Missbrauch. Insbesondere jüngere Menschen, die auf der Suche nach Gott und Stabilität seien, schwierige Erfahrungen in ihren Familien gemacht hätten, fänden hier Halt. Der dichte Sog, den die Gemeinschaften entwickelten, sei vergleichbar mit dem Gefühl der Verliebtheit, so die Autorin. Einmal drin, sei der Ausstieg für viele fast unmöglich.  

Denn die Leitungen kontrollierten – ob vorsätzlich oder nicht - das Bewusstsein ihrer Mitglieder, wie es sonst aus Sekten und autoritären Regimen bekannt sei. Schritt für Schritt schafften sie eine "Gedankenpolizei", entwickelten Systeme gegenseitiger Kontrolle, vermittelten, die eigenen Bedürfnisse dem großen Ganzen - etwa der Bekehrung der Welt – unterzuordnen, kreierten eine eigene Sprache, unterteilten die Umwelt in Gut und Böse, erzeugten Schuldgefühle und zwängen dazu, das Innenleben einer großen Gruppe offenzulegen.

Wer aussteigen wolle, dem drohten große Verlustängste, weil die Gemeinschaft alle Bereiche des Lebens kontrolliere.  

"Ziel ist die Umgestaltung des Charakters und der Identität einer Person", schreibt die Autorin. All dies werde mit Gott und der einzig richtigen Auslegung seiner Botschaft begründet. Letztlich werde so eine von der Gesellschaft abgehobene Gruppe geschaffen, die sogar zu wissen meine, welches Leben in den Augen Gottes eine Existenzberechtigung habe – und welches nicht. Wer aussteigen wolle, dem drohten große Verlustängste, weil die Gemeinschaft alle Bereiche des Lebens kontrolliere.  

Dabei handelt es sich nicht um Einzelphänomene. Butenkemper verweist auf Gemeinschaften wie Totus Tuus und die Integrierte Gemeinde, die nach entsprechenden Vorwürfen von Bischöfen aufgelöst wurden. Sie erinnert an den Gründer der Legionäre Christi, Marcial Maciel Degollado (1920-2008), eine der dunkelsten Figuren in der jüngeren Kirchengeschichte. Um ihn entspann sich ein Personenkult sondergleichen, zugleich missbrauchte er jahrelang dutzende Menschen.  

Die Autorin warnt jedoch auch davor, Gemeinschaften und ihre Leiter unter Generalverdacht zu stellen und verweist auf positive Seiten von Glaubensgemeinschaften. Sie zeigt auf, dass emotionaler Machtmissbrauch fast überall geschehen kann – etwa auch in der Klimabewegung. Gleichzeitig ermutigt sie die katholische Kirche, sich mit den Phänomen mehr auseinanderzusetzen – und bietet Angebote dafür, wie Konzepte für eine Prävention und die Begleitung von Aussteigern aussehen können. 

Von Annika Schmitz (KNA)

Kommentare

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Klavierspielerin2 18.08.2025 14:35
Dazu will ich ergänzen: wer sich zur RKK zählen will, darf einen gewissen Rahmen nicht überschreiten. 
Das wird von Rom geprüft und wenn das " Rahmenprogramm" stimmt, kann die neue Gemeinschaft anerkannt werden.

Sollte es dort zu Übergrifflichkeiten kommen, muss das nicht nur der Bistumsleitung gemeldet werden, sondern von dort zu einer Prüfstelle, früher nannte man sie Inquisition, die eine Visitation veranlaßt. 
Die kommen dann vor Ort und prüfen die Situation und korrigieren ggfs. deren Leitung. Sollte die betreffende Gemeinschaft ihr Fehlverhalten nicht einsehen und umkehren, werden sie aus der KK ausgeschlossen.

( Eine Vertuschung läge z.B. vor, wenn man Vorfälle nicht zur Prüfung nach Rom mel
det! )
 
DavidT92 18.08.2025 16:41
Was ich dazu nur sagen kann. Ja, aufpassen. Jesus wusste es auch schon. Er hat immer auf den einfachen Menschen geschaut. Als Katholik bin ich noch stark von ganz besonders drein katholischen (christlichen) Grundwerten aufgewachsen, die die Haltung mit der wir auf die Welt schauen sollen sind: Einfachheit, Bescheidenheit und Demut.

Das heute so viel krankes los ist, liegt für mich an der Trennung von Aufgabe (Kinder in der Welt zu setzen, welche in den Himmel gehören). Jeder Gläubige ist gleich! Keine Posten verteilen! Die katholische Kirche hat mich über so viele Jahre mit allen ihren Entwicklungen und "Aufwänden" so unfassbar abgestoßen. Gerade die 3 Grundwerte werden nicht gelebt! Sie machen alles Falsch und wissen es auch. Die Theorie der Dummheit von Dietrich Bonhoeffer kann vielleicht vieles erklären.
Zu seiner Zeit gab es noch viel viel mehr Glaube und trotzdem sind all diese Verbrechen und Gräueltaten möglich gewesen. Ich habe mich schon als Kind gefragt, ob ich nur jemals zu irgendeinen der begangenen Verbrechen in der Lage gewesen wäre. Ich wollte und will mich so niemals sehen.

Zu deinem Fall: Aufpassen. Die Kirche der Stars und Sternchen wird überall gefördert, selbst in der katholischen Hauptkirche. Sie machen alles falsch.
Ich habe mal die Erfahrung gemacht, dass einem Mann die Aufgabe eines Lobpreisgruppenleiters übergeben wurde (total peinlich die Versuche, Leuten und ganz besonders Männern immer das Gefühl geben zu müssen etwas reißen zu können und eine Nummer zu sein, damit sie bleiben). Jedenfalls hatte ich bei ihm den Eindruck, dass er es genoss, der Held kleiner Mädchen zu sein.

Wie ich schon oft angesprochen habe, die Trennung hat die gesamte Welt aus dem christlichen (katholischen) Glauben getrieben. Der moderne "Mann" ist ein gebrochener Mann, der immer zuerst schaut "gefällt es auch den Frauen". Sie stellen Gott nicht an erster Stelle.
In der katholischen Kirche ist man auch noch so blöd und geht den Weg, Leute über gefühlte Wichtigkeit und sie für den Glauben feiern für "Glaube" zu sorgen. So unvorstellbar schrecklich und dumm. Jedes Kind weiß, wie falsch und unchristlich das ist. Lächerlich. 
Aber ich suche einen Zufluchtsort. Ich spüre sehr, dass ich ihn gefunden haben könnte. Bin vorsichtig optimistisch, bleibe aber auf der Suche, falls er es doch nicht ist. Ich wünsche mir nicht mehr die Einsamkeit im Denken.
 
Klavierspielerin2 18.08.2025 16:52
Aha. Sie macht " alles falsch".
Sie hat die Inquisition, ein sehr gutes Instrument mit dem Missbrauch aufgedeckt wird.

Das ist wichtig und gibt's insbesondere in den neuen Gemeinschaften der De- Nominationen (protestantistisch) so nicht!

I
 
DavidT92 18.08.2025 16:57
Wir brauchen das alles nicht. Fast alles was sie tun und fördern ist nutzlos. Der Glaube wird überwiegend in Familien weitergegeben. So wie es sein soll. Fast alle Aufwände sind nutzlos, leider sogar schlecht. Aber es passt. Ich habe wahrscheinlich eine Gemeinschaft gefunden, welche nicht so blöd ist und meint umso mehr umso besser. 
Ich werde sie aber nicht nennen, um sie zu schützen. Ich kenne sie noch nicht gut genug.
Mehr ist nicht immer besser! Das machen Frauen wiederum oft falsch. Was hat mir eine katholische Ordensschwester mal gesagt: "Man muss den Kindern geben was sie brauchen, nicht was sie wollen."
Eine weitere katholische Grundhaltung, die ich aus meiner Kindheit kenne. Leider ist es oft so, wo Frauen sind, wird alles Mögliche dazu gemacht (ganz besonders Lobpreis) was einfach nur sehr großen Schaden anrichtet. Weniger ist oft mehr und wir brauchen keine Parties. Nicht immer überall "Hier noch eine Blume, da noch etwas mehr Schmuck".
 
Klavierspielerin2 18.08.2025 17:00
Red' keinen Mist, du Zeuge Jehovas.
 
hansfeuerstein 18.08.2025 21:49
Der riesengroße Irrtum beginnt schon damit, wenn man meint Kinder nicht taufen zu sollen. Schrecklich, aber so ist es halt heute.
 
hansfeuerstein 18.08.2025 22:01
Man fühlt sich nicht mehr als Famile dem Herrn geweiht, sondern nur noch als Einzelperson...der möglichst viel aufs Kerbholz sammeln soll, um danach umso Aufsehen erregender bekehrt zu werden.
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