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Ein Kieselstein mit Felsenpotential

Ein Kieselstein mit Felsenpotential
Pastor Christian Olding über das Sonntagsevangelium

Ein Kieselstein mit Felsenpotential


Ausgelegt!
Geldern ‐ Es gibt Antworten, die müssen wir riskieren – so wie Petrus im Sonntagsevangelium. Der Apostel ist oft gescheitert und wir tun es auch, weiß Pastor Christian Olding. Zugleich ist er überzeugt: Weil Gott groß ist, können auch wir Großes angehen.


Es gibt in unserem Leben Antworten, bei denen wir erst später erkennen, wozu wir 'Ja' gesagt haben. Es gibt Antworten, die müssen wir regelrecht riskieren, ohne der Angst nachzugeben, dass Sicherheiten fehlen, dass wir vielleicht versagen könnten. So spricht Petrus heute im Brustton der Überzeugung: "Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!" Recht hat er damit. Jesus ist kein Ratgeber für ein moralisch korrektes Leben, kein weiser Lehrer mit tiefsinnigen Sprüchen, die ich mir zu Gemüte gehen lassen könnte. Er ist wirklich der Sohn Gottes, der Gott mit uns. 

Dass dieses Bekenntnis ernste Konsequenzen mit sich bringen wird, mag Petrus noch gar nicht erahnt haben. Wer weiß, wie seine Antwort dann ausgefallen wäre. Das Bekenntnis jedenfalls hatte von Anfang an Felsencharakter und die Kraft, sicheren Stand zu verleihen. Petrus allerdings war noch ein Kieselstein: Er verriet Jesus, weinte bitterlich darüber, lief davon und ließ Jesus allein am Kreuz sterben. Machte sein Weg auch Irrungen und Wirrungen, Petrus kam immer wieder an denselben Punkt: Er machte sich ganz und gar und in allem von diesem Jesus abhängig.

Zum Felsen wurde Petrus, je mehr er den Versprechen Jesu vertraute und je tiefer seine Beziehung zu ihm wurde. In diesem Bewusstsein ist er seine Arbeit, seine Erfolge und Fehlschläge angegangen und hat am Ende bereitwillig mit seinem Leben bezahlt. In den Herausforderungen seines Lebens erfuhr er: Dieser Gott ist wirklich da und mit ihm darf ich es wagen. Weil Gott groß ist, kann ich Großes angehen. Das machte Petrus zum Felsen. Das ist das einzig feste Fundament, auf dem Kirche und unser Glaube gebaut werden können.

Darum erklärt Jesus, dass er Petrus die Schlüssel des Himmelreichs übergeben werde und macht ihn so zum Garanten für die Wahrhaftigkeit des Glaubens. An anderer Stelle kritisierte Jesus nämlich die Schriftgelehrten dafür, dass sie zwar im Besitz der Schlüssel des Himmelreichs wären, jedoch den Menschen den Zugang verwehrten. Petrus dagegen soll andere Menschen durch seinen Weg ermutigen. Das unterstreicht die Autorität und Vollmacht, die Petrus übertragen wurde, die aber angesichts des Weges, den Petrus gegangen ist, nichts mit Überlegenheit zu tun hat.

Jünger Jesu wird man unterwegs, so wie man schwimmen nur lernt, wenn man ins Wasser springt. Wer sich als Christ auf einen solchen Weg macht, braucht großes Vertrauen. Und dieses Vertrauen hat ganz entscheidend zu tun mit der Frage: Für wen halten wir Jesus? Ist er wirklich der Sohn Gottes, der Gott mit uns – in jedem Augenblick unseres Lebens? An der Antwort hängt alles.

Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 21,1.15–19)
In jener Zeit offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tibérias, und er offenbarte sich in folgender Weise.

Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!

Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Liebst du mich? Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

Amen, amen, ich sage dir: Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und gingst, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde.

Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

Der Autor
Christian Olding ist Pastor in der Pfarrei St. Maria Magdalena in Geldern.
Ausgelegt!
Als Vorbereitung auf die Sonntagsmesse oder als anschließender Impuls: Unser Format "Ausgelegt!" versorgt Sie mit dem jeweiligen Evangelium und Denkanstößen von ausgewählten Theologen.

Kommentare

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hansfeuerstein 28.06.2025 22:28
Heiliger Paulus, Saulus aus Tarsus, Völkerapostel und Martyrer von Rom, + 29.6.67 - Fest: 29. Juni

In der ganzen katholischen Welt, vorzugsweise aber in Rom, dem Mittelpunkt der Christenheit, wird das heutige Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus mit Recht wie ein zweites Osterfest gefeiert, denn im Martertod der beiden Glaubenszeugen wurde der Sieg Christi auch über das Heidentum grundgelegt. Ihr Sterbetag war der Ostertag des christlichen Rom und der Geburtstag des christlichen Abendlandes. Wie ein zweites Osterfest ist der heutige Tag.

Der heilige Apostel Petrus:

Da fährt vor zweitausend Jahren ein Boot auf den See Genezareth hinaus. Die Fischer werfen die Netze zum Fang aus. Tag für Tag tun sie es. Unter den Männern, die da mit Netz und Angel ihr Handwerk betreiben, ist einer, der Simon heißt, ohne Schulbildung, hitzig und blitzig im Wesen, aber ein kerniger Mann, ein Geradeaus, treuherzig und dienstbereit und im Übrigen nur einer von den vielen. Alles in allem, Simon, der Sohn des Jonas, ist ein unbekannter Fischer in einem verlorenen Winkel der Welt..

Doch da taucht eines Tages im Blickfeld des galiläischen Fischers ein Mann auf, der schon bald weitum im Land ein Stein des Anstoßes für die einen und für die anderen die Beseligende Erfüllung einer jahrhundertealten Sehnsucht sein wird. Diesem Einzigen und Herrlichen begegnet der unbekannte Fischer Simon, und als er ihm begegnet, legt der andere in freier Gnadenwahl die Hand auf ihn und nimmt ihn für sich so ausschließlich in Beschlag, dass er ihm sogar einen neuen Namen gibt. Simon hieß der Fischer, Petrus wird der Menschenfischer heißen, Petrus der Fels, auf den der Herr seine Kirche bauen will.

Es war ein etwas wackeliger Fels, dieser Simon Petrus, denn alle Liebe und Hingabe, die er ehrlich und herzlich in männlich schöner Art dem Meister entgegenbringt, können es nicht verhindern, dass derjenige, der kurz zuvor Treue bis in den Tod geschworen hat, im Augenblick der Gefahr bei der Gefangennahme Jesu schmählich flieht und eine Stunde später dreimal steif und fest behauptet, dass er diesen Menschen nicht einmal kenne.

Ein wackeliger Fels war Petrus, aber trotzdem hat ihn der Herr, weil er ihn zum Eckstein auserlesen hatte, nicht verworfen, sondern auf ihn seine Kirche gebaut, groß und mächtig, und siehe da, wenn Menschen ohne Gott selbst auf Granit bauen, stürzt der Bau einmal zusammen. Wenn aber Gott auf einen wackeligen Felsen baut, so hält der Bau jahrtausendelang.
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