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Leeres Nest

Leeres Nest
Mein Familiennest ist schon seit 10 Jahren leer, meine Kinder sind schon lange flügge und stehen - Gott sei Dank - inzwischen selbstständig mit beiden Beinen mitten im Leben. Das freut mich zutiefst und ich bin auch ein wenig stolz auf sie. Zumal sie sich ganz schön weit aus dem heimischen Nest herausgewagt und sich dadurch ganz neue Horizonte erobert haben. Die auch meinen Horizont ein wenig erweitern.
Trotzdem überfallen mich immer noch ab und zu Gefühle der Traurigkeit und Verlassenheit. Für diese Gefühlslage haben amerikanische Soziologen in den sechziger Jahren sogar einen Namen erfunden: “Empty-Nest-Syndrom". Den meisten Eltern geht es nicht nur gut, wenn das erklärte Erziehungsziel erreicht ist und die Kinder beginnen, ihr eigenes Leben zu führen und zu gestalten. Aber nach 10 Jahren? Immer noch traurig? Darf ich das überhaupt? Was stimmt denn nicht mit mir?
Diese quälenden Fragen haben sich seit einer Woche glücklicherweise erübrigt.
Ich habe wieder ein Nest.
Direkt vor meiner Terrasse hat sich ein Amselpärchen meinen kleinen Apfelbaum zum Nisten ausgesucht. Zuerst flogen die beiden wie Kamikazeflieger in das - zu der Zeit noch - dichte Blattwerk hinein und ich wunderte mich nur.
Inzwischen hat das Bäumchen ganz schön Federn gelassen und ich habe freie Sicht auf das Nest, in der die Amselmutter geduldig brütet. Während der Amselvater Wache schiebt und jeden beschimpft, der sich zu nahe an sein Weibchen heranwagt. Ab und zu besucht er sie auch und quetscht sich irgendwie neben sie.
Und wieder wundere ich mich: Warum hat dieses Pärchen die Sichtschneise ausgerechnet zu meiner Terrasse hin freigeflogen? Extra für mich? Oder liegt es doch daran, wie studierte Biologen behaupten, dass meine Terrasse nördlich des Nestes liegt und daher der Schutz des Blattwerkes vor direkter Sonneneinstrahlung weiterhin gewährleistet ist? Falls diese akademische These zutreffen sollte: Woher wissen die nistenden Amseln das, so ganz ohne Architekturstudium?

Fragen über Fragen!

Ein Freund, mit dem ich meine Beobachtungen und Gefühle teile, erwiderte mir lediglich lapidar: “Schirin, du hast jetzt einen Vogel und brauchst nicht mehr traurig zu sein!” 😉
Wie wahr!
Allerdings habe ich inzwischen schon mehr, als nur einen Vogel. 😉  😉 😉
Gott sei Dank!

Kommentare

 
Zeitlos6 08.06.2023 09:33
Das Amselnest muß vor Regen geschüzt sein.
 
Zeitlos6 08.06.2023 09:59
https://www.youtube.com/watch?v=evrnW7l6-gM
 
Mathilde 08.06.2023 10:04
Sei froh, dass das Nest im Apfelbaum ist, ich hatte es über dem Balkon im Dachsparren. Darunter sah es hinterher schlimm aus. Ein Junges war aus dem Nest gefallen und wurde noch fast eine Woche auf dem Balkon gefüttert, bis es flügge war. Ich habe dann tagelang gescheitert, bis alles wieder sauber war. Deinen Kindern ist der Absprung besser gelungen, da hast du viel Grund zur Freude. 
 
Mathilde 08.06.2023 10:06
gescheuert sollte das heißen
 
Reiferwein 08.06.2023 10:12
Ein sehr schönes Erlebnis. Ich hatte die Amseln auf meinem Blumenkasten auf den Balkon.
Daraus schlupften 5 junge Amseln. 
 
Zeitlos6 08.06.2023 10:34
Die Amselväter lehren den Jungen das Singen 
auf den Sitzstangen.
 
Schneeball 08.06.2023 11:04
Wohl dem,der mehr als einen Vogel hat . . . 😉 😉
 
vertrauen2015 08.06.2023 11:09
@schneeball 😅 11:04
 
Zeitlos6 08.06.2023 11:35
Kuckuck .... Kuckuck
ruft aus dem Wald.
 
(Nutzer gelöscht) 08.06.2023 12:08
@Schirin

Beim Lesen Deiner wunderschönen Erzählung kamen mir plötzlich Gedanken ,
als ob Gott Dir durch das Vogelnest sagen möchte .......

" sei getrost ,  in meinen Händen bist Du immer beschützt ,  ich bin dein liebender Vater "
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wünsche Dir und @all einen gesegneten Tag  ,   🙂
 
(Nutzer gelöscht) 08.06.2023 12:57
 ich kann Dich gut verstehen, liebe Shirin - mit ging es damals auch überhaupt nicht gut als meine drei Mädchen mich fast gleichzeitig verlassen haben - Studium und Wohnung im Haus der Oma, damit sie nicht alleine im Haus wohnt. Erschwerend kam dann noch dazu, dass mein Ehemann urplötzlich später verstorben ist, ich alleine mich in einem großen Haus befand und das dann aufgeben musste.
Quasi von Großfamilie, wir hatten oft auch meine Eltern da und Freunde der Kinder, zum Singledasein. Das tut nicht gut, das macht mir immer noch zu schaffen. Glücklicherweise habe ich noch meine ehrenamtlichen Aufgaben und eine mir zusagende Kirchengemeinde. Du schreibst am Schluss: Allerdings habe ich inzwischen schon mehr, als nur einen Vogel. Das lässt doch hoffen, dafür alles Gute. 
 
Schirin 08.06.2023 14:14
Interessant, auch Eure, ganz ähnlichen, Erfahrungen mit Amseln und eigenen leeren Nestern zu lesen. Wir sind nicht allein. Und...
Ein bisschen Schmerz darf sein.

Und, wie Schneeball es so treffend formuliere, es ist doch gut, wenn man mehr als einem Vogel hat zwinkerndes Smiley
 
Putz 08.06.2023 15:40
Ich kann diese Erlebnisse gut nachvollziehen. Meine Töchter sind im Sommer 89 "republikflüchtig" geworden, d.h. sie wohnen heute in astronomischer Entfernung. Dann wurde ich vor 10 Jahren unerwartet Witwer. Besonders Paeffche kann ich gut verstehen. Aber es gibt Telefon und Skype und andere nützliche Erfindungen.
Irdische Familie zählt leider nicht zu den ewigen Gütern. Jesus gibt einmal eine sehr schöne Antwort auf die Frage, wer seine Familie sei: Matthäus 12, 46-50. Bitte unbedingt lesen!
 
Schirin 08.06.2023 15:52
Ja Putz, wir sind gesegnet, weil wir einen himmlischen Vater haben, in dessen Nest wir niemals allein sein müssen.
 
Putz 08.06.2023 16:37
@Schirin 15.52: Ja, das trifft sicher zu, aber wir müssen im Auge und Bewußtsein halten, daß unsere irdischen Lebensumstände, zu denen auch eine Familie gehört, sind wie ein Tropfen Quecksilber: wir können ihn nicht festhalten. Der Kopf mag es noch begreifen, aber das Herz tut sich damit schwer 😭
 
Schirin 08.06.2023 17:57
Wem nie durch Liebe Leid geschah
Dem war auch Lieb' durch Lieb' nie nah
Leid kann wohl ohne Li er bei s
 
Schirin 08.06.2023 17:58
Leid kann wohl ohne Liebe sein
Lieb' kommt nie ohne Leid allein

Gottfried von Straßburg
 
Schneeball 08.06.2023 18:05
Von Nestern,Vögeln und anderen "Köstlichkeiten" :

Je älter - hihi! - ich werde,umso mehr kann ich,darf ich
die kostbaren Grundordnungen begreifen,die der Allmächtige
in seiner ganzen Schöpfung versteckt hält:
Familie,Ehe,Kinder - die Lebenszyklen . . 
Alle diese "normalen" in unserer Genen eigentlich verankerten
Grundstrukturen brechen von Jahr zu Jahr in unserer 
Gesellschaft mehr weg. Egal,wo ich gewohnt habe,versuchte
ich immer im Umfeld,in der Nachbarschaft eben dieses zu leben.
Es kommt an ! Das Bedürnis danach ist riesig.   
Am meisten hat mich der Bericht von @paeffche berührt.
Der Umschwung war echt extrem.
Gut,daß sie so gut vernetzt ist - das gibt dann Halt.
---
Die "Keimzelle" der Gesellschaft : Die Familie ist der Kitt,der 
alles zusammenhält.
Dort werden Strukturen für's Leben gelegt - oder eben auch nicht !
 
Schirin 08.06.2023 22:40
Gute Nacht, zusammen!
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