Sehr interessant,
manchmal hat man das Gefühl, dass sich einige diese crude Durchsetzung von Meinungen zurückwünschen.Zumindest verbal werden Andersdenkende auch hier gerne " geschlachtet" u gedemütigt.
Entwicklungen in der Geschichte haben ihre Ausschläge, sie sind nicht immer mit höherer Ethik ausgestattet, manchmal ist der Ausschlag abwärts gerichtet.
Dunkle Zeiten!
Michel Servet...zwei Kirchen, ein Urteil...
27.10.2026 06:53
Michel Servet...zwei Kirchen, ein Urteil...
27.10.2026 06:53
Michel Servet...zwei Kirchen, ein Urteil...
Sein Schicksal ist tragisch und beklemmend...sollte ein Gedenktag sein..ist es nur nicht...er steht für das Blut in der Kirchengeschichte.. .
Michel Servet ..geb 1509 oder 1511 ermordet 27.10.1553....zwei Kirchen, ein Todesurteil...
Servet wurde 1553 im katholischen Vienne von der katholischen Inquisition wegen Ketzerei verfolgt und verurteilt... er war Antitrinitarier..seine Gedanken sind nur deutlich komplexer...
17. 6. 1553
Servet war aus dem Gefängnis in Vienne geflohen und später nach Genf gelangt... deshalb wurde er in Abwesenheit (in absentia) zum Tod durch Verbrennen verurteilt... weil man ihn nicht mehr hatte, wurde er "en effigie" verbrannt... also eine Strohpuppe, zusammen mit Exemplaren seiner Bücher...
13. 8. 1553
Servet wird im Genf festgenommen... auch dort hatte man Probleme mit einem Antitrinitarier... Calvin war maßgeblich am Verfahren beteiligt, stellte Anklagepunkte zusammen und wollte eine Verurteilung... Calvin wollte Servets Tod, hatte jedoch petit Bedenken gegen die Art der Hinrichtung...
"J'espère qu'il sera condamné à mort, mais je désire que la cruauté de la peine soit épargnée."
Tot ja, aber etwas softer...
Im katholischen Vienne verlangte man Servets Auslieferung, um das dort bereits verhängte Todesurteil zu vollstrecken... Genf lehnte ab und führte ein eigenes Verfahren durch....so ja nun auch nicht...nicht mehr der Aberglaube an die reinigende Kraft des Feuers und die Verbrechen mit dem Rauch in alle Winde zerstreut werden...man sollte wissen, dass selbst die Asche eines ermordeten " Ketzer" als höchst gefährlich galt...mal bess er ab in den nächsten Fluss...
Es gab übrigens schon damals Kritik innerhalb der reformierten Kirche bei der Hinrichtung von Ketzern... Sebastian Castellio...
Calvin, Zwingli und Bullinger hatten 0 Probleme mit der Hinrichtung bestimmter "Ketzer“... Verbrennen fanden manche von ihnen allerdings arg grausam... Köpfen galt als humaner...höchst neuzeitlich...
Und Luther? Ja, der Judenhasser...
Um 1523 vertrat er die Auffassung, dass man Ketzer nicht verbrennen dürfe... Irrtümer sollten mit der Schrift widerlegt werden, nicht mit Gewalt...
Um 1530 änderte sich seine Einstellung... Hinrichtungen hielt er nun unter bestimmten Umständen für zulässig... später verschärfte sich seine Haltung zeitweise weiter, bevor er in bestimmten Fällen auch einen Landesverweis für ausreichend hielt...
Bei Calvin, Bullinger und Zwingli findet man solche Gedankengänge nicht...
Am 27. 10. 1553 wurde Michel Servet im reformierten Genf auf dem Scheiterhaufen verbrannt...
Mehr als 350 Jahre später... 1903 wurde in Genf ein Sühnedenkmal für Servet errichtet...
Tja...
Die Ermordung von "Ketzern" kann man also nicht einfach damit abtun, dass alle nur "Kinder ihrer Zeit" waren... dafür gab es schon damals Gegenstimmen, Zweifel und Menschen, die es anders sahen...
Michel Servet ..geb 1509 oder 1511 ermordet 27.10.1553....zwei Kirchen, ein Todesurteil...
Servet wurde 1553 im katholischen Vienne von der katholischen Inquisition wegen Ketzerei verfolgt und verurteilt... er war Antitrinitarier..seine Gedanken sind nur deutlich komplexer...
17. 6. 1553
Servet war aus dem Gefängnis in Vienne geflohen und später nach Genf gelangt... deshalb wurde er in Abwesenheit (in absentia) zum Tod durch Verbrennen verurteilt... weil man ihn nicht mehr hatte, wurde er "en effigie" verbrannt... also eine Strohpuppe, zusammen mit Exemplaren seiner Bücher...
13. 8. 1553
Servet wird im Genf festgenommen... auch dort hatte man Probleme mit einem Antitrinitarier... Calvin war maßgeblich am Verfahren beteiligt, stellte Anklagepunkte zusammen und wollte eine Verurteilung... Calvin wollte Servets Tod, hatte jedoch petit Bedenken gegen die Art der Hinrichtung...
"J'espère qu'il sera condamné à mort, mais je désire que la cruauté de la peine soit épargnée."
Tot ja, aber etwas softer...
Im katholischen Vienne verlangte man Servets Auslieferung, um das dort bereits verhängte Todesurteil zu vollstrecken... Genf lehnte ab und führte ein eigenes Verfahren durch....so ja nun auch nicht...nicht mehr der Aberglaube an die reinigende Kraft des Feuers und die Verbrechen mit dem Rauch in alle Winde zerstreut werden...man sollte wissen, dass selbst die Asche eines ermordeten " Ketzer" als höchst gefährlich galt...mal bess er ab in den nächsten Fluss...
Es gab übrigens schon damals Kritik innerhalb der reformierten Kirche bei der Hinrichtung von Ketzern... Sebastian Castellio...
Calvin, Zwingli und Bullinger hatten 0 Probleme mit der Hinrichtung bestimmter "Ketzer“... Verbrennen fanden manche von ihnen allerdings arg grausam... Köpfen galt als humaner...höchst neuzeitlich...
Und Luther? Ja, der Judenhasser...
Um 1523 vertrat er die Auffassung, dass man Ketzer nicht verbrennen dürfe... Irrtümer sollten mit der Schrift widerlegt werden, nicht mit Gewalt...
Um 1530 änderte sich seine Einstellung... Hinrichtungen hielt er nun unter bestimmten Umständen für zulässig... später verschärfte sich seine Haltung zeitweise weiter, bevor er in bestimmten Fällen auch einen Landesverweis für ausreichend hielt...
Bei Calvin, Bullinger und Zwingli findet man solche Gedankengänge nicht...
Am 27. 10. 1553 wurde Michel Servet im reformierten Genf auf dem Scheiterhaufen verbrannt...
Mehr als 350 Jahre später... 1903 wurde in Genf ein Sühnedenkmal für Servet errichtet...
Tja...
Die Ermordung von "Ketzern" kann man also nicht einfach damit abtun, dass alle nur "Kinder ihrer Zeit" waren... dafür gab es schon damals Gegenstimmen, Zweifel und Menschen, die es anders sahen...
Kommentare
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Sherezade 27.10.2026 11:22
Kleine Korrektur...
Stefan Zweig war ein grossartiger Schriftsteller...er war kein Historiker...
Zweig hatte Calvin und Servet bewusst gewählt...jedoch ist der tiefere Sinn des Werkes eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus...
Vielleicht doch mal Zweig lesen...Sternstunden der Menschheit, Schachnovelle, Marie Antoinette...
Wenn nan sich wirklich für Servet interressiert...ihn selber lesen...und für eine Auseinandersetzung mit seiner Theologie und für eine Befassung mit Calvin..u.a. Barth und Tollin lesen...
Servet hatte keine Chance...so wie die Täufer...verfolgt von zwei Kirchen...auch in Vienne wäre Servet verbrannt worden...deshalb wollte man ja auch seine Auslieferung...in Vienne gibt es auch ein Denkmal...wurde 1911 errichtet.u.a .vom frz.Staat und Spenden finanziert...die Gelder für das Denkmal in Genf stammten überwiegend von Spendern aus der reformatorischen Kirche...
Stefan Zweig war ein grossartiger Schriftsteller...er war kein Historiker...
Zweig hatte Calvin und Servet bewusst gewählt...jedoch ist der tiefere Sinn des Werkes eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus...
Vielleicht doch mal Zweig lesen...Sternstunden der Menschheit, Schachnovelle, Marie Antoinette...
Wenn nan sich wirklich für Servet interressiert...ihn selber lesen...und für eine Auseinandersetzung mit seiner Theologie und für eine Befassung mit Calvin..u.a. Barth und Tollin lesen...
Servet hatte keine Chance...so wie die Täufer...verfolgt von zwei Kirchen...auch in Vienne wäre Servet verbrannt worden...deshalb wollte man ja auch seine Auslieferung...in Vienne gibt es auch ein Denkmal...wurde 1911 errichtet.u.a .vom frz.Staat und Spenden finanziert...die Gelder für das Denkmal in Genf stammten überwiegend von Spendern aus der reformatorischen Kirche...
Sherezade 27.10.2026 12:03
Hab jedoch eine Frage..
@ Miri,
kenne zwar Calvin und seine Begründung...er griff ja bei der Ermordung auf das AT zurück...wo ungefähr soll das Zitat " Pest der Ketzerei auszurotten, um die Seelen der Gemeinde zu bewahren. "stehen? Ungefähre Seite hätte was...find es doch arg mühsam knapp 300 Seiten Latein zu durchwühlen...auch Französisch aus der Zeit macht keinen Spass...
Bei der Verfolgung der Täufer gab es ein wirklich gutes Statement der reformierten Kirche:
Verrat am Evangelium
Dies passt zu allen Verfolgungen im Namen des Herren...
@ Miri,
kenne zwar Calvin und seine Begründung...er griff ja bei der Ermordung auf das AT zurück...wo ungefähr soll das Zitat " Pest der Ketzerei auszurotten, um die Seelen der Gemeinde zu bewahren. "stehen? Ungefähre Seite hätte was...find es doch arg mühsam knapp 300 Seiten Latein zu durchwühlen...auch Französisch aus der Zeit macht keinen Spass...
Bei der Verfolgung der Täufer gab es ein wirklich gutes Statement der reformierten Kirche:
Verrat am Evangelium
Dies passt zu allen Verfolgungen im Namen des Herren...
Sherezade 28.10.2026 08:50
Das Zitat von der Pest, der Ketzerei, die auszurotten sei, um die Seelen der Gemeinde zu bewahren, ist für mich in Calvins Defensio orthodoxae fidei de sacra Trinitate (Primärquelle1554) nicht verifizierbar/auffindbar... bitte den lateinischen Originaltext angeben...Ausgabe kann auch sinnvoll sein...
Sherezade 29.10.2026 16:14
Nachdem ich geklärt hatte, dass Stefan Zweig kein Historiker war, hätte ich bei Calvin ein bisserl mehr Sorgfalt erwartet ...hab mich mehrfach durch die ganze Defensio gekämpft, von Calvins Ausführungen zu den Kirchenvätern bis zu den diversen "Häresien"... nur die Passage mit der "Pest der Ketzerei und der Seelenrettung" hab ich bislang nicht gefunden.....ziemlich in der Mitte ist halt keine Quellenangabe ...
Da es um Servet geht...
Servet ist ein extrem interessanter Denker und passt in keine Schublade....egal, ob es um Trinität,Christologie, Taufe, Erbsünde oder Abendmahl geht...wer ihn liest, wird genötigt eigene Überzeugungen zu hinterfragen, selbst wenn man seine Ansichten nicht teilt... man sollte nicht vergessen, dass Servet ein zutiefst gläubiger und spiritueller Mensch war..er fühlte sich berufen...nicht umsonst beschäftigt sich auch die neuere Forschung mit ihm...auch seine Themen sind nach wie vor aktuell...Neuformulierung der Trinität...denke da Karl Rahner oder Hinterfragung der Erbsünde...auch Thema...
Da es um Servet geht...
Servet ist ein extrem interessanter Denker und passt in keine Schublade....egal, ob es um Trinität,Christologie, Taufe, Erbsünde oder Abendmahl geht...wer ihn liest, wird genötigt eigene Überzeugungen zu hinterfragen, selbst wenn man seine Ansichten nicht teilt... man sollte nicht vergessen, dass Servet ein zutiefst gläubiger und spiritueller Mensch war..er fühlte sich berufen...nicht umsonst beschäftigt sich auch die neuere Forschung mit ihm...auch seine Themen sind nach wie vor aktuell...Neuformulierung der Trinität...denke da Karl Rahner oder Hinterfragung der Erbsünde...auch Thema...

Jetzt
Die Hinrichtung von Michael Servet in Genf löste eine der bedeutendsten Debatten der europäischen Geistesgeschichte über Glaubensfreiheit und religiöse Toleranz aus.
Unmittelbare Reaktionen und der Streit mit Castellio
• Sebastian Castellio: Der französische Theologe wurde zum schärfsten Kritiker Calvins. Unter dem Pseudonym Martinus Bellius veröffentlichte er 1554 die Schrift De haereticis, an sint persequendi („Ob man die Ketzer verfolgen solle“). Darin formulierte er den berühmten Satz: „Einen Menschen töten heißt niemals, eine Lehre verteidigen, sondern einen Menschen töten.“
• Calvins Rechtfertigung: Calvin verteidigte das Vorgehen noch im selben Jahr mit seiner Schrift Defensio orthodoxae fidei de sacra Trinitate. Er argumentierte, dass der Staat die Pflicht habe, die Ehre Gottes zu schützen und die „Pest“ der Ketzerei auszurotten, um die Seelen der Gemeinde zu bewahren.
• Unterstützung der Reformatoren: Die meisten führenden Reformatoren der Zeit – darunter Heinrich Bullinger in Zürich und Philipp Melanchthon in Wittenberg – stimmten Calvins Vorgehen ausdrücklich zu und sahen in Servet einen gefährlichen Gotteslästerer.
Langzeitwirkung und historische Einordnung
• Geburtsstunde der Toleranzidee: Der Protest Castellios gilt in der Geschichtsschreibung als ein Fundament für das moderne Konzept der Gewissensfreiheit.
• Der „Schatten auf Genf“: Für Calvin und das reformierte Genf wurde der Prozess zu einem dauerhaften Imageproblem. Im 19. und 20. Jahrhundert sahen liberale Historiker (wie etwa Stefan Zweig in seinem Werk Castellio gegen Calvin) in dem Ereignis den Prototyp des Kampfes zwischen einem totalitären System und der Freiheit des Individuums.
• Das Sühnedenkmal (1903): Zum 350. Todestag Servets errichteten reformierte Christen in Genf (Champel) ein Denkmal. Die Inschrift drückt Bedauern über den Fehler der damaligen Zeit aus und distanziert sich im Namen moderner Protestanten von Calvins damaliger
Intoleranz.