Kalenderblatt 26.06 - Wenn du willst, kannst du mich rein machen
GEBET
Barmherziger Gott,deine Kirche kann nicht bestehen ohne dich,
sie lebt allein von deiner Gnade.
Reinige und festige sie
und führe sie mit starker Hand.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.
ZUR LESUNG Die Geschichte der Reiche Juda und Israel endet in einer völligen Katastrophe. Mit der Zerstörung Jerusalems im Jahr 587 hat das jüdische Staatswesen zu bestehen aufgehört. Von da an gab es das jüdische Volk nur mehr als eine religiöse Gemeinde, die sich nach dem Ende des babylonischen Exils wieder um den Tempel als ihren Mittelpunkt zu sammeln begann. – Was hat den Geschichtsschreiber, der die Samuel- und Königsbücher verfasst hat, zu dieser Riesenarbeit veranlasst? Die Antwort muss davon ausgehen, dass diese Bücher in der Zeit des babylonischen Exils geschrieben wurden. Der Verfasser betrachtet das Exil als ein Gericht Gottes, und er will zeigen, dass dieses Gericht gerecht war. Darüber hinaus wird in dieser Geschichtsdarstellung, die ja schon in der Richterzeit einsetzt und vom Geist des Deuteronomiums geprägt ist, etwas anderes deutlich: Israel wurde immer dann von Gott gezüchtigt, wenn es dem Gottesbund untreu geworden war. Wenn es sich bekehrte und zu Gott schrie, wurde ihm immer wieder geholfen. Aus dieser Erfahrung soll das Volk jetzt die Lehre ziehen. Vielleicht gibt es dann Hoffnung und Zukunft. – 2 Chr 36, 11–13; Jer 39, 1–10; 52, 12–16; 2 Chr 36, 19; Dtn 28, 36–37.
ERSTE LESUNG 2 Kön 25, 1–12
Die Bevölkerung von Jerusalem und Juda wurde nach Babel weggeführt (vgl. 25, 21)
1Im neunten Regierungsjahr des Königs Zidkíja,
am zehnten Tag des zehnten Monats,
rückte Nebukadnézzar, der König von Babel,
mit seiner ganzen Streitmacht vor Jerusalem und belagerte es.
Man errichtete ringsherum einen Belagerungswall.
2Bis zum elften Jahr des Königs Zidkíja wurde die Stadt belagert.
3Am neunten Tag des vierten Monats
war in der Stadt die Hungersnot groß geworden
und die Bürger des Landes hatten kein Brot mehr.
4Damals wurden Breschen in die Stadtmauer geschlagen.
Alle Krieger verließen die Stadt bei Nacht
auf dem Weg durch das Tor zwischen den beiden Mauern,
das zum königlichen Garten hinausführt,
obwohl die Chaldäer rings um die Stadt lagen.
Der König ging in die Richtung nach der Áraba.
5Aber die chaldäischen Truppen setzten dem König nach
und holten ihn in den Niederungen von Jéricho ein,
nachdem alle seine Truppen ihn verlassen
und sich zerstreut hatten.
6Man ergriff den König
und brachte ihn nach Ribla, zum König von Babel,
und dieser sprach über ihn das Urteil.
7Die Söhne Zidkíjas machte man vor dessen Augen nieder.
Zidkíja ließ er blenden,
in Fesseln legen und nach Babel bringen.
8Am siebten Tag des fünften Monats
— das ist im neunzehnten Jahr des Königs Nebukadnézzar,
des Königs von Babel –
rückte Nebusáradan, der Befehlshaber der Leibwache
und Diener des Königs von Babel,
in Jerusalem ein
9und steckte das Haus des Herrn,
den königlichen Palast und alle Häuser Jerusalems in Brand.
Jedes große Haus ließ er in Flammen aufgehen.
10Auch die Umfassungsmauern Jerusalems
rissen die chaldäischen Truppen,
die dem Befehlshaber der Leibwache unterstanden, nieder.
11Den Rest der Bevölkerung, der noch in der Stadt geblieben war,
sowie alle, die zum König von Babel übergelaufen waren,
und den Rest der Menge
schleppte Nebusáradan, der Befehlshaber der Leibwache,
in die Verbannung.
12Nur von den armen Leuten im Land
ließ der Befehlshaber der Leibwache
einen Teil als Wein- und Ackerbauern zurück.
ZUM EVANGELIUM Mit 8, 1 leitet Matthäus von der Bergpredigt zu den Wunderberichten der Kapitel 8–9 über: Die „vielen Menschen“, die seine Rede gehört haben, sollen jetzt Zeugen seines vollmächtigen Handelns sein. Dass Aussätzige rein werden, gehört nach Mt 11, 5 zu den Zeichen der messianischen Erfüllung. Der Aussätzige begrüßt Jesus als „Herrn“. Das versteht der Evangelist nicht als höfliche Formel, sondern als göttlichen Hoheitsnamen, und die Bitte des Aussätzigen als Gebetsruf, in dem bereits der Kyrie-Ruf der christlichen Gemeinde aufklingt. Auf dem Berg hatte Jesus sechsmal wiederholt: „Ich aber sage euch.“ Jetzt sagt er: „Ich will.“ Das Ich, das hier spricht, ist das des Menschensohnes, der Macht hat, um zu heilen und zu retten. Jesus will keine laute Propaganda (vgl. Mt 12, 18–21), deshalb befiehlt er dem Geheilten, zu schweigen. Den Priestern in Jerusalem aber soll das Opfer des Geheilten nicht nur ein Beweis seiner Heilung sein (wie die Übersetzung sagt), sondern ein Zeichen und Beweis dafür, dass Jesus gekommen ist, um die kranke Welt mit göttlicher Vollmacht zu heilen. – Mk 1, 40–45; Lk 5, 12–16; Mt 9, 25; 14, 14; Lev 14, 1–31; Lk 17, 11–19.
Evangelium Mt 8, 1–4
Wenn du willst, kannst du mich rein machen
1Als Jesus von dem Berg herabstieg,
folgten ihm viele Menschen nach.
2Und siehe, da kam ein Aussätziger,
fiel vor ihm nieder
und sagte: Herr, wenn du willst,
kannst du mich rein machen.
3Jesus streckte die Hand aus,
berührte ihn
und sagte: Ich will – werde rein!
Im gleichen Augenblick wurde der Aussätzige rein.
4Jesus aber sagte zu ihm: Nimm dich in Acht!
Erzähl niemandem davon,
sondern geh,
zeig dich dem Priester
und bring das Opfer dar, das Mose angeordnet hat –
ihnen zum Zeugnis!
FÜRBITTEN
Wir beten zu Jesus Christus, der sich der Not der Menschen annimmt:
■ Hilf deiner Kirche, den Menschen die Botschaft von der heilenden Nähe Gottes glaubwürdig zu verkünden.
■ Stärke alle, die sich im Gesundheitswesen, in Pflegeberufen und der Betreuung Hilfebedürftiger für andere einsetzen.
■ Gib den Kranken Kraft, ihr Leiden anzunehmen und aus der Botschaft vom Kreuz Hoffnung zu schöpfen.
■ Reinige uns von unserer Schuld und lass uns mit reinem Herzen dir und unseren Nächsten dienen.
■ Nimm alle in dein Reich auf, die uns in der Hoffnung auf das ewige Leben vorausgegangen sind.
Barmherziger Gott, durch das Leiden deines Sohnes hast du der Welt das Heil geschenkt. Schau auf seine Hingabe, und erhöre unsere Bitten durch ihn, Christus, unseren Herrn. – A: Amen.
Schott Tagesliturgie
https://schott.erzabtei-beuron.de/jk12/Freitag.htm?datum=2026-06-26&r=1
Heute, zeigt uns das Evangelium einen Aussätzigen, voller Schmerz und seiner Krankheit bewusst, der sich mit folgender Bitte an Jesus wendet: «Herr, wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde» (Mt 8,2). Auch wir, wenn wir die Nähe des Herrn spüren, aber unser Kopf, unser Herz und unsere Hände sehr weit von seinem Heilsplan entfernt sind, sollten uns willig und dazu fähig fühlen, dieselben Worte des Aussätzigen zum Ausdruck zu bringen: «Herr, wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde» (Mt 8,2).
Eine Frage ist jedoch unbedingt nötig: Ist eine Gesellschaft, die der Sünde nicht bewusst ist, dazu fähig den Herrn um Vergebung zu bitten? Kann sie um Purifikation bitten? Wir alle kennen viele leidende Menschen und dessen Herz verletzt ist, aber ihr Drama ist, dass sie ihrer persönlichen Lage nicht bewusst sind. Trotz alledem, kommt Jesus immer wieder bei uns vorbei, tagtäglich (vgl. Mt 28, 20), und erwartet die selbe Bitte: «Herr, wenn du willst, …» (vgl. Mt 8,2). Dennoch, müssen wir auch mitwirken. Daran erinnert uns Sankt Augustin in seiner klassischen Aussage: «Jener, der uns ohne unsere Hilfe erschaffen hat, wird uns nicht ohne unsere Zustimmung erretten». So ist es notwendig, dass wir dazu fähig sind, dem Herrn um seine Hilfe zu bitten und dass wir uns, mit seiner Hilfe, verändern wollen.
Mancher wird sich fragen: Warum ist es so wichtig davon bewusst zu werden, sich zu bekehren und die eigene Veränderung zu wünschen? Einfach deshalb, weil wir sonst für die vorherige Frage keine positive Antwort hätten, in der wir äußerten, dass eine Gesellschaft ohne Bewusstsein der Sünde, sich schwer danach sehnen wird oder die Notwendigkeit fühlen wird den Herrn zu suchen, um ihm ihr Hilfegesuch zu äußern.
Deshalb, wenn die Zeit der Reue und der Beichte kommt, ist es nötig sich der Vergangenheit zu entledigen, wie der Laster der unser Körper und unsere Seele verseucht. Wir dürfen nicht zweifeln: Um Vergebung bitten ist eine wichtige christliche Einführung, da uns in jenem Moment die Schuppen von den Augen fallen. Und sollte jemand seines Zustandes bewusst sein, aber seine Bekehrung nicht wünschen? Eine geläufige Volksweisheit sagt: «Kein Blinder ist schlimmer als der, der nicht sehen will».
Gedanken zum Evangelium des Tages
„In der Person dieses Aussätzigen möchte der Herr uns ermahnen, demütig zu sein und vor Ruhmsucht zu fliehen; er ermahnt uns, dankbar zu sein" (Johannes Chrysostomus)
„Jesus nimmt von uns die kranke Menschheit an, und wir nehmen von ihm seine gesunde Menschheit, die heilt. Dies geschieht jedes Mal, wenn wir gläubig ein Sakrament empfangen, insbesondere das Sakrament der Versöhnung, das uns von Lepra und Sünde heilt" (Franziskus)
„´Herr`bezeichnet die göttliche Herrschergewalt. Jesus als Herrn bekennen oder anrufen heißt an seine Gottheit glauben. „Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet" (1 Kor 12,3)." (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 455)
https://evangeli.net/evangelium/tag/2026-06-26