Minikatechese zu den Lesungen am 10. Sonntag im Jahreskreis 2026:
Hos 6.3-6/ röm 4,18-25 / Mt 9,9-13 von Dr. Nina Heereman
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Kalenderblatt 10. Sonntag im Jahreskreis
07.06.2026 08:40
Kalenderblatt 10. Sonntag im Jahreskreis
07.06.2026 08:40
Kalenderblatt 10. Sonntag im Jahreskreis
Barmherzigkeit hat in unserer Sprache keinen besonders guten Klang. Wir wollen zuerst Gerechtigkeit. Aber sagen wir statt Barmherzigkeit einmal Zuwendung, Verständnis, Hilfsbereitschaft, Versöhnung: All das lässt sich nicht durch Gesetze erzwingen, es kann nur aus dem Herzen kommen. Ohne diese Barmherzigkeit (oder wie wir es nennen wollen), ohne die Liebe, die dem anderen Gutes will und Gutes tut, ist unser ganzer Gottesdienst nichts wert.

Jetzt
Hos 6, 3–6
Lasst uns den Herrn erkennen, ja lasst uns nach der Erkenntnis des Herrn jagen! Er kommt so sicher wie das Morgenrot; er kommt zu uns wie der Regen, wie der Frühjahrsregen, der die Erde tränkt.
Was soll ich mit dir tun, Efraim? Was soll ich mit dir tun, Juda? Eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen und wie der Tau, der bald vergeht.
Darum habe ich durch die Propheten zugeschlagen, habe sie durch die Worte meines Mundes umgebracht. Dann wird mein Recht hervorbrechen wie das Licht.
Denn an Liebe habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern, an Gotteserkenntnis mehr als an Brandopfern.
Zweite Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer
Röm 4, 18–25
Schwestern und Brüder! Gegen alle Hoffnung hat Abraham voll Hoffnung geglaubt, dass er der Vater vieler Völker werde, nach dem Wort: So zahlreich werden deine Nachkommen sein.
Ohne im Glauben schwach zu werden, bedachte er, der fast Hundertjährige, dass sein Leib und auch Saras Mutterschoß schon erstorben waren.
Er zweifelte aber nicht im Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern wurde stark im Glauben, indem er Gott die Ehre erwies, fest davon überzeugt, dass Gott die Macht besitzt, auch zu tun, was er verheißen hat.
Darum wurde es ihm auch als Gerechtigkeit angerechnet.
Doch nicht allein um seinetwillen steht geschrieben: Es wurde ihm angerechnet, sondern auch um unseretwillen, denen es angerechnet werden soll, uns, die wir an den glauben, der Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckt hat.
Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben, wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt.
Evangelium vom Tag
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
Mt 9, 9–13
In jener Zeit sah Jesus einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Und Matthäus stand auf und folgte ihm nach.
Und als Jesus in seinem Haus bei Tisch war, siehe, viele Zöllner und Sünder kamen und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern.
Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?
Er hörte es und sagte: Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken.
Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer! Denn ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.
Worte der Päpste
Im Mittelpunkt des Wortgottesdienstes dieses Sonntags steht ein Ausdruck des Propheten Hosea, den Jesus im Evangelium aufnimmt: „Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer“ (Hos 6,6). Es handelt sich um ein Schlüsselwort, eines jener Worte, die in das Herz der Heiligen Schrift einführen. Der Zusammenhang, in dem Jesus es sich zueigen macht, ist die Berufung des Matthäus, der von Beruf „Zöllner“ war, das heißt Steuereintreiber für die kaiserliche römische Autorität: allein schon aus diesem Grund betrachteten ihn die Juden als einen öffentlichen Sünder. Nachdem er ihn berufen hatte, als er gerade am Zoll saß – diese Szene veranschaulicht gut das berühmte Gemälde des Caravaggio –, begab sich Jesus mit den Jüngern in sein Haus und setzte sich zusammen mit anderen Zöllnern an den Tisch. Den entsetzten Pharisäern sagte er: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken… Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten“ (Mt 9,12–13). Der Evangelist Matthäus, der immer auf die Verbindung zwischen dem Alten und dem Neuen Testament achtet, legt an dieser Stelle Jesus die Prophezeiung des Hosea auf die Lippen: „Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.“ […] Dieses Wort Gottes ist durch die Evangelien als eine der Synthesen der gesamten christlichen Botschaft zu uns gelangt: die wahre Religion besteht in der Liebe zu Gott und zum Nächsten. (Papst Benedikt XVI., 8. Juni 2008)