Man wird eines Tages feststellen, dass die Bildschirme dem Menschen nicht gerecht werden.
Der Mensch nimmt nunmal seine Umgebung nicht nur visuell wahr, oder durch Hören, das ist viel mehr, und das wird ihm zunehmend unterschlagen....
Warum schwedische Schulen Bücher wieder einführen
09.04.2026 18:03
Warum schwedische Schulen Bücher wieder einführen
09.04.2026 18:03
Warum schwedische Schulen Bücher wieder einführen
Bildungstechnologie zunehmend in der Kritik – Warum schwedische Schulen Bücher wieder einführen
Ein viral gegangenes Plädoyer eines Neurowissenschaftlers und Schwedens Rückkehr zu Büchern befeuern die Debatte über digitale Technik im Klassenzimmer. Gleichzeitig warnen Kritiker davor, allein auf pauschale Social-Media-Verbote für Jugendliche zu setzen.
8. April 2026 von TE.
In den vergangenen Wochen hat ein viraler Fall gegen den Einsatz von Bildschirmen im Unterricht für reichlich Aufsehen erregt. Der Neurowissenschaftler Jared Cooney Horvath hat in seinem Buch «The Digital Delusion» und in einer Anhörung vor dem US-Senat eine Argumentation vorgelegt, die Eltern, Lehrer und Politiker zunehmend überzeugt: Schüler, die mehr Zeit mit Schulcomputern verbringen, schneiden bei internationalen Tests schlechter ab. Das berichtet eSchool News.
So habe eine Auswertung von über 20.000 Studien gezeigt, dass die meisten allgemein angewendeten Bildungstechnologien schlechtere Ergebnisse lieferten als herkömmlicher Unterricht; und kognitive Forschung belege, dass Bildschirme menschliche Beziehungen, Aufmerksamkeit und tiefes Lernen behindern.
Zwar wird eingeworfen, es gebe keinen eindeutigen Kausalnachweis für den Leistungsabfall – Korrelationen könnten auch mit der «Corona-Zeit» oder privater Bildschirmzeit zusammenhängen. Dennoch: Die Debatte hat Fahrt aufgenommen, weil die Datenlage zugunsten der Technologie auffällig dünn bleibt. Horvath betont dabei ausdrücklich, dass die Beweislast nicht bei den Kritikern liege:
«Wir sind viel näher daran, zu beweisen, dass die Technologien schädlich sind, als zu beweisen, dass sie nützlich sind.»
Seine Aussage vor dem Senat wurde bereits zweieinhalb Millionen Mal auf YouTube angesehen. Sogar der Psychologe Jonathan Haidt teilte sie prominent auf X. Haidt ist Autor mehrerer Bestseller; internationale Beachtung fand zuletzt vor allem sein Buch «The Anxious Generation» (deutsch: Generation Angst), in dem er sich mit den Folgen einer «smartphonebasierten Kindheit» auseinandersetzt. Haidt gilt als einer der 50 einflussreichsten lebenden Psychologen und gehört zu den am meisten zitierten Forschern der Politik- und Moralpsychologie.
In manchen US-Bundesstaaten werden bereits Einschränkungen oder Verbote von Bildungstechnologie diskutiert. Ein anschauliches Beispiel für diesen Umdenkprozess liefert Schweden. Das Land, das jahrzehntelang als Vorreiter der Digitalisierung galt, hat 2023 eine Kehrtwende eingeleitet: Statt weiter auf Tablets und Laptops zu setzen, investiert die Regierung Millionen in physische Schulbücher, Handschrift mit Stift und Papier sowie handyfreie Schulen.
Allein 2024 flossen 83 Millionen Dollar in Lehrbücher und weitere 54 Millionen in Belletristik und Sachbücher für Schüler, wie Undark schreibt. Die Begründung ist ernüchternd: Zwischen 2000 und 2012 waren die Leistungen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften gesunken, ein leichter Aufschwung folgte, doch 2022 ging es erneut bergab.
Forscherin Linda Fälth von der Universität Linnaeus erklärt, dass Grundfertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Konzentration zuerst fest verankert werden müssten – und dafür seien analoge Materialien oft besser geeignet. Bildschirme würden Ablenkung, oberflächliches Lesen und den Verlust tiefer Aufmerksamkeit fördern. Die schwedische Bildungsministerin betont zwar, dass Digitalisierung grundsätzlich wichtig sei, doch sie müsse «vorsichtig und durchdacht» erfolgen.
Dabei ist die Kritik an der Technologie in Schulen keineswegs neu. Bereits 2017 warnte der Medienwissenschaftler Ralf Lankau in einem offenen Brief an die Kultusministerkonferenz und einer von Hunderten Wissenschaftlern unterstützten Petition vor dem «Schulpakt Digital».
Er nannte das Vorhaben, fünf Milliarden Euro fast ausschließlich für Hardware auszugeben, ein «Trojanisches Pferd» der IT-Wirtschaft. Studien wie die PISA-Erhebung 2015, John Hatties Meta-Analyse «Visible Learning» und das Gutachten «Bildung 2030» zeigten übereinstimmend, dass regelmäßiger Computereinsatz im Unterricht – vor allem in der Grundschule – mit signifikant niedrigeren Kompetenzen in Mathematik und Naturwissenschaften einhergeht. OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher brachte es damals auf den Punkt:
«Wir müssen es als Realität betrachten, dass Technologie in unseren Schulen mehr schadet als sie nützt.»
Lankau kritisierte zudem, dass digitale Geräte die Persönlichkeitsentwicklung behinderten, weil sie Kinder an Algorithmen und Unterhaltung gewöhnten, statt echtes Begreifen und soziale Interaktion zu fördern.
Wie dringend die Debatte ist, zeigt auch ein Blick in die USA. Dort berichten Professoren an führenden Universitäten zunehmend, dass Studierende ganze Bücher nicht mehr bewältigen können; viele Dozenten senken die Leseanforderungen und unterrichten nur noch Auszüge. Die National Assessment of Educational Progress-Daten belegen einen dramatischen Rückgang des Freizeitlesens:
Bei 13-Jährigen sank der Anteil derer, die fast täglich zum Vergnügen lesen, von 27 Prozent im Jahr 2012 auf 14 Prozent 2023. Smartphones und die ständige Fragmentierung der Aufmerksamkeit durch Social Media gelten als Hauptursache. «Einen Roman anhand eines Auszugs zu studieren, ist wie der Versuch, ein Gemälde anhand eines Puzzles zu verstehen», heißt es in einer Analyse. Ohne geschützte Räume vor der Ablenkungsökonomie der Bildschirme werde sich dieses Problem weiter verschärfen – mit Folgen weit über die Universität hinaus.
Kritiker eines pauschalen Social-Media-Verbots für Unter-16-Jährige warnen jedoch davor, in einem spezifischen Verbot für eine bestimmte Altersgruppe die alleinige Lösung zu sehen. Solche Forderungen, wie sie etwa von Politikern in Deutschland und mit Blick auf das australische Modell erhoben werden, greifen zu kurz, weil sie die komplexen gesellschaftlichen Ursachen von Aufmerksamkeitsdefiziten, psychischen Belastungen und Bildungsproblemen ausblenden (siehe TN-Artikel).
Statt nur Kinder und Jugendliche von Plattformen auszuschließen, müsse das Gesamtbild betrachtet werden: die Gestaltung der Algorithmen, fehlende Medienkompetenzförderung in der gesamten Bevölkerung, der Einfluss von Smartphones bei Erwachsenen sowie strukturelle Probleme wie fehlende soziale Räume oder überforderte Familien. Ein Verbot allein könne zudem zu Ausweichverhalten auf unregulierte Plattformen führen und Jugendliche von Chancen sozialer Teilhabe, Informationszugang und kreativem Ausdruck abschneiden.
Wissenschaftliche Analysen unterstreichen, dass robuste Evidenz für die Wirksamkeit reiner Verbote fehlt. Stattdessen plädieren Experten für einen ganzheitlichen Ansatz: bessere Plattformregulierung, altersgerechte Design-Standards, konsequente Förderung von Medienkompetenz ab dem frühen Alter und die Stärkung analoger Alternativen in Schule und Freizeit.
Die aktuelle Debatte um Bildschirme in Schulen und Social-Media-Verbote sollte daher nicht in isolierte Altersbeschränkungen münden, sondern zu einer breiteren Reflexion über die Rolle digitaler Technologien in der gesamten Gesellschaft führen.
Die aktuelle Welle der Skepsis – von Horvaths viralem Auftritt über Schwedens praktische Kehrtwende bis hin zu den alarmierenden Entwicklungen an amerikanischen Hochschulen – zeigt: Die Frage, ob Bildschirme in Klassenzimmern wirklich helfen oder eher schaden, ist keine Randnotiz mehr. Sie berührt den Kern dessen, was gute Bildung ausmacht: tiefe Konzentration, menschliche Beziehung und das Vermögen, komplexe Texte wirklich zu durchdringen.
Quelle:
Unherd: Why Swedish Schools Are Bringing Back Books - 4. Januar 2026
Transition News: Rufe nach Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige: unangebracht und verlogen - 26. Januar 2026
Telepolis: Technologie in unseren Schulen schadet mehr, als sie nützt - 7. Juli 2017
Ein viral gegangenes Plädoyer eines Neurowissenschaftlers und Schwedens Rückkehr zu Büchern befeuern die Debatte über digitale Technik im Klassenzimmer. Gleichzeitig warnen Kritiker davor, allein auf pauschale Social-Media-Verbote für Jugendliche zu setzen.
8. April 2026 von TE.
In den vergangenen Wochen hat ein viraler Fall gegen den Einsatz von Bildschirmen im Unterricht für reichlich Aufsehen erregt. Der Neurowissenschaftler Jared Cooney Horvath hat in seinem Buch «The Digital Delusion» und in einer Anhörung vor dem US-Senat eine Argumentation vorgelegt, die Eltern, Lehrer und Politiker zunehmend überzeugt: Schüler, die mehr Zeit mit Schulcomputern verbringen, schneiden bei internationalen Tests schlechter ab. Das berichtet eSchool News.
So habe eine Auswertung von über 20.000 Studien gezeigt, dass die meisten allgemein angewendeten Bildungstechnologien schlechtere Ergebnisse lieferten als herkömmlicher Unterricht; und kognitive Forschung belege, dass Bildschirme menschliche Beziehungen, Aufmerksamkeit und tiefes Lernen behindern.
Zwar wird eingeworfen, es gebe keinen eindeutigen Kausalnachweis für den Leistungsabfall – Korrelationen könnten auch mit der «Corona-Zeit» oder privater Bildschirmzeit zusammenhängen. Dennoch: Die Debatte hat Fahrt aufgenommen, weil die Datenlage zugunsten der Technologie auffällig dünn bleibt. Horvath betont dabei ausdrücklich, dass die Beweislast nicht bei den Kritikern liege:
«Wir sind viel näher daran, zu beweisen, dass die Technologien schädlich sind, als zu beweisen, dass sie nützlich sind.»
Seine Aussage vor dem Senat wurde bereits zweieinhalb Millionen Mal auf YouTube angesehen. Sogar der Psychologe Jonathan Haidt teilte sie prominent auf X. Haidt ist Autor mehrerer Bestseller; internationale Beachtung fand zuletzt vor allem sein Buch «The Anxious Generation» (deutsch: Generation Angst), in dem er sich mit den Folgen einer «smartphonebasierten Kindheit» auseinandersetzt. Haidt gilt als einer der 50 einflussreichsten lebenden Psychologen und gehört zu den am meisten zitierten Forschern der Politik- und Moralpsychologie.
In manchen US-Bundesstaaten werden bereits Einschränkungen oder Verbote von Bildungstechnologie diskutiert. Ein anschauliches Beispiel für diesen Umdenkprozess liefert Schweden. Das Land, das jahrzehntelang als Vorreiter der Digitalisierung galt, hat 2023 eine Kehrtwende eingeleitet: Statt weiter auf Tablets und Laptops zu setzen, investiert die Regierung Millionen in physische Schulbücher, Handschrift mit Stift und Papier sowie handyfreie Schulen.
Allein 2024 flossen 83 Millionen Dollar in Lehrbücher und weitere 54 Millionen in Belletristik und Sachbücher für Schüler, wie Undark schreibt. Die Begründung ist ernüchternd: Zwischen 2000 und 2012 waren die Leistungen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften gesunken, ein leichter Aufschwung folgte, doch 2022 ging es erneut bergab.
Forscherin Linda Fälth von der Universität Linnaeus erklärt, dass Grundfertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Konzentration zuerst fest verankert werden müssten – und dafür seien analoge Materialien oft besser geeignet. Bildschirme würden Ablenkung, oberflächliches Lesen und den Verlust tiefer Aufmerksamkeit fördern. Die schwedische Bildungsministerin betont zwar, dass Digitalisierung grundsätzlich wichtig sei, doch sie müsse «vorsichtig und durchdacht» erfolgen.
Dabei ist die Kritik an der Technologie in Schulen keineswegs neu. Bereits 2017 warnte der Medienwissenschaftler Ralf Lankau in einem offenen Brief an die Kultusministerkonferenz und einer von Hunderten Wissenschaftlern unterstützten Petition vor dem «Schulpakt Digital».
Er nannte das Vorhaben, fünf Milliarden Euro fast ausschließlich für Hardware auszugeben, ein «Trojanisches Pferd» der IT-Wirtschaft. Studien wie die PISA-Erhebung 2015, John Hatties Meta-Analyse «Visible Learning» und das Gutachten «Bildung 2030» zeigten übereinstimmend, dass regelmäßiger Computereinsatz im Unterricht – vor allem in der Grundschule – mit signifikant niedrigeren Kompetenzen in Mathematik und Naturwissenschaften einhergeht. OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher brachte es damals auf den Punkt:
«Wir müssen es als Realität betrachten, dass Technologie in unseren Schulen mehr schadet als sie nützt.»
Lankau kritisierte zudem, dass digitale Geräte die Persönlichkeitsentwicklung behinderten, weil sie Kinder an Algorithmen und Unterhaltung gewöhnten, statt echtes Begreifen und soziale Interaktion zu fördern.
Wie dringend die Debatte ist, zeigt auch ein Blick in die USA. Dort berichten Professoren an führenden Universitäten zunehmend, dass Studierende ganze Bücher nicht mehr bewältigen können; viele Dozenten senken die Leseanforderungen und unterrichten nur noch Auszüge. Die National Assessment of Educational Progress-Daten belegen einen dramatischen Rückgang des Freizeitlesens:
Bei 13-Jährigen sank der Anteil derer, die fast täglich zum Vergnügen lesen, von 27 Prozent im Jahr 2012 auf 14 Prozent 2023. Smartphones und die ständige Fragmentierung der Aufmerksamkeit durch Social Media gelten als Hauptursache. «Einen Roman anhand eines Auszugs zu studieren, ist wie der Versuch, ein Gemälde anhand eines Puzzles zu verstehen», heißt es in einer Analyse. Ohne geschützte Räume vor der Ablenkungsökonomie der Bildschirme werde sich dieses Problem weiter verschärfen – mit Folgen weit über die Universität hinaus.
Kritiker eines pauschalen Social-Media-Verbots für Unter-16-Jährige warnen jedoch davor, in einem spezifischen Verbot für eine bestimmte Altersgruppe die alleinige Lösung zu sehen. Solche Forderungen, wie sie etwa von Politikern in Deutschland und mit Blick auf das australische Modell erhoben werden, greifen zu kurz, weil sie die komplexen gesellschaftlichen Ursachen von Aufmerksamkeitsdefiziten, psychischen Belastungen und Bildungsproblemen ausblenden (siehe TN-Artikel).
Statt nur Kinder und Jugendliche von Plattformen auszuschließen, müsse das Gesamtbild betrachtet werden: die Gestaltung der Algorithmen, fehlende Medienkompetenzförderung in der gesamten Bevölkerung, der Einfluss von Smartphones bei Erwachsenen sowie strukturelle Probleme wie fehlende soziale Räume oder überforderte Familien. Ein Verbot allein könne zudem zu Ausweichverhalten auf unregulierte Plattformen führen und Jugendliche von Chancen sozialer Teilhabe, Informationszugang und kreativem Ausdruck abschneiden.
Wissenschaftliche Analysen unterstreichen, dass robuste Evidenz für die Wirksamkeit reiner Verbote fehlt. Stattdessen plädieren Experten für einen ganzheitlichen Ansatz: bessere Plattformregulierung, altersgerechte Design-Standards, konsequente Förderung von Medienkompetenz ab dem frühen Alter und die Stärkung analoger Alternativen in Schule und Freizeit.
Die aktuelle Debatte um Bildschirme in Schulen und Social-Media-Verbote sollte daher nicht in isolierte Altersbeschränkungen münden, sondern zu einer breiteren Reflexion über die Rolle digitaler Technologien in der gesamten Gesellschaft führen.
Die aktuelle Welle der Skepsis – von Horvaths viralem Auftritt über Schwedens praktische Kehrtwende bis hin zu den alarmierenden Entwicklungen an amerikanischen Hochschulen – zeigt: Die Frage, ob Bildschirme in Klassenzimmern wirklich helfen oder eher schaden, ist keine Randnotiz mehr. Sie berührt den Kern dessen, was gute Bildung ausmacht: tiefe Konzentration, menschliche Beziehung und das Vermögen, komplexe Texte wirklich zu durchdringen.
Quelle:
Unherd: Why Swedish Schools Are Bringing Back Books - 4. Januar 2026
Transition News: Rufe nach Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige: unangebracht und verlogen - 26. Januar 2026
Telepolis: Technologie in unseren Schulen schadet mehr, als sie nützt - 7. Juli 2017
Kommentare
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pieter49 11.04.2026 11:12
. . . ich finde es ein Heimtückische Pandemie !!
Dass Digitale Zeitalter !!
...und das wir verpflichtet werden das Mit-zu-Machen !!
Furchtbar !!!
Dass Digitale Zeitalter !!
...und das wir verpflichtet werden das Mit-zu-Machen !!
Furchtbar !!!

Jetzt
Mir sträuben sich immer die Nackenhaare, wenn von "Entbürokratisierung" gesprochen wird und dann als einzige Lösung eine Digitalisierung vorgeschlagen wird.