Evangelium vom Tag
Lesung aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus
Mt 27, 62-66
Am nächsten Tag, der auf den Rüsttag folgt, versammelten sich die Hohenpriester und die Pharisäer bei Pilatus und sprachen: Herr, wir haben daran gedacht, dass dieser Verführer sprach, als er noch lebte: Nach drei Tagen werde ich auferweckt. Darum befiehl, dass man das Grab bewache bis zum dritten Tag, damit nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist auferstanden von den Toten, und der letzte Betrug ärger wird als der erste. Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Wache; geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt. Sie gingen hin und sicherten das Grab mit der Wache und versiegelten den Stein.
Worte der Päpste
Jesus, das lebendige Wort des Vaters, schweigt im Grab. Aber gerade in dieser Stille beginnt das neue Leben aufzukeimen. Wie ein Samenkorn in der Erde, wie die Dunkelheit vor der Morgenröte. Gott hat keine Angst vor der vergehenden Zeit, weil er Herr auch über die Erwartung ist. So kann auch unsere „nutzlose“ Zeit, die Zeit der Pausen, der Leere, der unfruchtbaren Augenblicke zum Schoß der Auferstehung werden. Jede angenommene Stille kann der Auftakt zu einem neuen Wort sein. Scheinbar stehengebliebene Zeit kann zur Gnadenzeit werden, wenn wir sie Gott darbringen.
Jesus, der in der Erde bestattet ist, ist das sanfte Antlitz eines Gottes, der nicht den ganzen Raum einnimmt. Er ist der Gott, der zulässt, der wartet, der sich zurückzieht, um uns die Freiheit zu lassen. Er ist der Gott, der Vertrauen hat, auch wenn alles vorbei zu sein scheint. Und wir lernen an jenem Schabbat, an dem alles in der Schwebe liegt, dass wir es nicht eilig haben müssen aufzuerstehen: Erst müssen wir ruhen, die Stille annehmen, uns von der Begrenztheit umarmen lassen.
Manchmal suchen wir schnelle Antworten, unmittelbare Lösungen. Aber Gott wirkt in der Tiefe, in der langsamen Zeit des Vertrauens. Der Schabbat der Grabesruhe wird so zum Schoß, aus dem die Kraft eines unbesiegbaren Lichtes hervorgehen kann, das Licht von Ostern. (Papst Leo XIV., Generalaudienz, 17. September 2025)
Kalenderblatt: Karsamstag
04.04.2026 08:06
Kalenderblatt: Karsamstag
04.04.2026 08:06
Kalenderblatt: Karsamstag
Der Karsamstag fristet auch im Bewusstsein vieler Katholiken nur ein Schattendasein. Häufig wird er gar irrtümlich "Ostersamstag" genannt, als ob dieser Tag schlicht der Organisation für das sonntägliche Familienfest diene. In der orthodoxen Kirche nimmt dieser Tag hingegen eine herausragende Stellung ein. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es knapp: "Hinabgestiegen in das Reich des Todes". Diese Unterwelt ist nicht zu verwechseln mit der Vorstellung einer Hölle als Ort ewiger Verdammnis. Ähnlich wie heute fürchteten die Menschen in der Antike vor allem eines: vergessen zu werden. Wer in dieser grausamen Unterwelt "lebte", der war von Gott und den Menschen vergessen. Und in dieses "Gefängnis" (1 Petr 3,19) der Gottesferne steigt Jesus hinab. Nach Karsamstag kann es keine gott-losen Orte mehr geben – in Jesus hat Gott selbst den scheinbar hoffnungslosen Tiefpunkt des Menschseins durchschritten. Viele orthodoxe Ikonen illustrieren eindrucksvoll, wie er als Sieger das Tor zur Unterwelt zerbricht und Adam und Eva als erste der Erlösten aus der Unterwelt herausführt. Jesu Heilshandeln umfasst auch jene, die nicht um ihn wissen. Wer sich der ambivalenten Totenstille des Karsamstags aussetzt, kann einen unterschätzten Schatz der "heiligen drei Tage" entdecken.

Jetzt
Der Karsamstag ist ein stiller Tag, ohne liturgische Feier. Nur die Tagzeiten werden gebetet. Die heutigen Lesungen entsprechen der Stundenliturgie (Offizium der Lesungen).
Lesung aus dem Hebräerbrief
Hebr 4, 1-16
Darum lasst uns ernsthaft besorgt sein, dass keiner von euch zurückbleibt, solange die Verheißung, in das Land seiner Ruhe zu kommen, noch gilt.
Denn uns ist die gleiche Freudenbotschaft verkündet worden wie jenen; doch hat ihnen das Wort, das sie hörten, nichts genützt, weil es sich nicht durch den Glauben mit den Hörern verband.
Denn wir, die wir gläubig geworden sind, kommen in das Land der Ruhe, wie er gesagt hat: Darum habe ich in meinem Zorn geschworen: Sie sollen nicht in das Land meiner Ruhe kommen. Zwar waren die Werke seit der Erschaffung der Welt vollendet; denn vom siebten Tag heißt es an einer Stelle: Und Gott ruhte am siebten Tag aus von all seinen Werken; hier aber heißt es:
Sie sollen nicht in das Land meiner Ruhe kommen.
Da es nun dabei bleibt, dass einige hineinkommen, die aber, die früher die Freudenbotschaft empfangen haben, wegen ihres Ungehorsams nicht hineingekommen sind, setzt er aufs Neue einen Tag fest, nämlich: Heute, indem er durch David, wie schon gesagt, nach so langer Zeit spricht:
Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet euer Herz nicht!
Denn hätte schon Josua sie in das Land der Ruhe geführt, so wäre nicht von einem anderen, späteren Tag die Rede.
Also ist dem Volk Gottes eine Sabbatruhe vorbehalten.
Denn wer in das Land seiner Ruhe gekommen ist, der ruht auch selbst von seinen Werken aus, wie Gott von den seinigen. Bemühen wir uns also, in jenes Land der Ruhe zu kommen, damit niemand aufgrund des gleichen Ungehorsams zu Fall kommt.
Denn lebendig ist das Wort Gottes, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens; vor ihm bleibt kein Geschöpf verborgen, sondern alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden.
Da wir nun einen erhabenen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten.
Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat.
Lasst uns also voll Zuversicht hingehen zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit.