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Vatikan: Papst-Prediger über Umkehr und den Frieden in Kriegszeiten

Vatikan: Papst-Prediger über Umkehr und den Frieden in Kriegszeiten
Wenn Pater Roberto Pasolini ab diesem Freitag vor Papst Leo XIV. und der Römischen Kurie seine Fastenpredigten hält, steht ein Jubiläum im Mittelpunkt: 800 Jahre nach dem Tod des Heiligen Franziskus von Assisi schlägt der Kapuzinerpater eine Brücke von der mittelalterlichen Umkehr des „Poverello“ zur heutigen, von Konflikten gezeichneten Welt. Seine Botschaft ist klar: Das Evangelium ist keine abstrakte Theorie, sondern eine Kraft, die das konkrete Leben verändern muss.


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In einer Zeit, in der das „Rauschen der Kriege“ das stille Wachstum des Guten oft übertöne, lädt der Prediger des Päpstlichen Hauses dazu ein, die „demütige Kraft der Liebe“ neu zu entdecken. Ab dem 6. März wird er jeden Freitag bis zum Beginn der Karwoche über Themen wie Freiheit, Hoffnung, Brüderlichkeit und Mission reflektieren.

Franz von Assisi als Wegweiser
Für Pasolini war die Wahl des Themas zum 800. Todestag des Heiligen fast zwingend. „Der Poverello von Assisi soll uns als konkreter Weg der Umkehr und des evangelischen Lebens dienen“, erklärt er. Angesichts globaler Spannungen betont er, dass christliche Hoffnung immer das Zeichen des Kreuzes trägt: „Sie ist gleichzeitig leuchtend und zerbrechlich.“ Gott habe sich entschieden, die Welt durch Liebe zu regieren und dem Bösen ausschließlich mit der Kraft des Guten zu begegnen. „Deshalb sind die Wege des Friedens langsam: Sie hängen von Herzen ab, die bereit sind, die Logik des Kreuzes anzunehmen.“

Glaube ist keine Theorie
Kritisch äußert sich Pasolini über eine Trennung von Glaube und Realität. „Nur eine abstrakte Sicht des Glaubens kann sich eine Trennung zwischen dem Evangelium und dem konkreten Leben vorstellen“, so der Pater. Ein solches Christentum sei auf eine bloße Theorie oder ein unerreichbares Ideal reduziert. Wenn das Evangelium den Menschen jedoch wirklich berühre, ändere es sofort die Art zu leben – und damit die Welt.

Sprachliche Abrüstung gegen die Gewalt
Neben der militärischen Gewalt thematisiert Pasolini auch die zunehmende verbale Aggression. Papst Leo XIV. hatte die Gläubigen bereits dazu aufgerufen, von verletzenden Worten zu „fasten“. Für Pasolini bedeutet „sprachliche Abrüstung“ mehr als nur das Vermeiden bestimmter Begriffe. Gewalt entstehe dort, wo man spricht, ohne zuzuhören, oder wo Worte nur zur Selbstdarstellung genutzt werden.

„Wir sind gewalttätig, wenn wir behaupten, den anderen zu kennen, ohne seine Beweggründe zu verstehen“, warnt der Prediger. Wahre verbale Abrüstung entstehe aus der Bereitschaft zum mühsamen Dialog und zum Aufbau respektvoller Beziehungen auf Augenhöhe.

Ein Gott, der das Leben bewohnt
Der Heilige Franziskus bleibt für Pasolini deshalb so aktuell, weil er radikal daran erinnert, dass Gott lebendig ist und das menschliche Leben bewohnen kann. In einer Zeit, in der das Christentum Gefahr laufe, zu einer rein moralischen Anstrengung oder ethischen Konsequenz zu verkommen, führe Franziskus zum Wesentlichen zurück. „Seine Aktualität hängt nicht von Feierlichkeiten ab, sondern von seiner Fähigkeit zu zeigen, dass ein mit Gott versöhntes Leben sofort menschlicher, einfacher und brüderlicher wird.“

(vatican news)

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Klavierspielerin2 07.03.2026 08:51
Vatikan: Papst-Prediger fordert „spirituelle Abrüstung“


Der Prediger des Päpstlichen Hauses, Pater Roberto Pasolini, hat an diesem Freitagmorgen die erste Fastenmeditation vor Papst Leo XIV. und der römischen Kurie gehalten. In der vatikanischen Audienzhalle mahnte der Kapuzinerpater, dass der Weg zum Frieden nicht nur politisch, sondern auch christlich gegangen werden muss - und zwar über die radikale Tugend der Demut.
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„Umkehr: Dem Herrn Jesus auf dem Weg der Demut folgen“ - so lautet das Leitwort der diesjährigen Fastenpredigten. Angesichts der weltweiten Konflikte betonte Pasolini, dass es für Christen vor allem darum gehe, „klein“ zu werden. Das sei kein „spiritueller Luxus“, sondern eine konkrete Verantwortung für das Schicksal der Welt. Nur wenn Männer und Frauen sich auf das „Kleinsein“ einließen, könne wahrer Friede entstehen.

Zum Nachhören



Friede als Verzicht auf Rache
Dies bedeute konkret den Mut zu haben, einen Schritt zurückzutreten. Auch gehe es darum, auf jede Form von Gewalt zu verzichten. Pasolini fügte an, dass es wichtig sei, der Versuchung der Rache und der Übervorteilung nicht nachzugeben. Und ein weiterer wichtiger Punkt bestehe darin, den Dialog selbst dann zu wählen, wenn die Umstände ihn unmöglich erscheinen lassen.


Die Wiederentdeckung der „Sünde“
Ein zentraler Punkt der Predigt war die Rückbesinnung auf den Begriff der Sünde. Pasolini kritisierte, dass dieser Begriff aus dem modernen Bewusstsein und teilweise sogar aus der Kirche verschwunden sei. „Heute wird oft alles nur noch als Zerbrechlichkeit, Wunde oder Konditionierung erklärt“, so der Prediger.

Wenn der Begriff der Sünde jedoch verschwinde, gehe auch die Vorstellung von der Größe der menschlichen Freiheit verloren. „Wenn es die Möglichkeit des wirklich Bösen nicht mehr gibt, können wir auch nicht mehr an die Möglichkeit eines echten Guten glauben. Wenn die Sünde verschwindet, wird auch die Heiligkeit zu einem abstrakten Schicksal.“ Erst in der Anerkennung der eigenen Freiheit – und damit der Fähigkeit zu zerstören – erkenne der Mensch die Notwendigkeit einer tiefen Heilung und Umkehr.

Die Fastenpredigt im Vatikan (Audienzhalle)

Demut als „Wahrheit über sich selbst“
Pater Pasolini zeichnete den heiligen Franz von Assisi, dessen 800. Todestag die Kirche in diesem Jahr begeht, als Vorbild für ein Leben in Demut. Demut sei keine Form der Selbsterniedrigung, sondern eine „Art, die Welt und Beziehungen zu gestalten“. Sie rücke das „aufgeblähte Bild, das wir von uns selbst haben“, zurecht und stelle die Wahrheit wieder her.

„Die Demut macht den Menschen nicht ärmer: Sie gibt ihn sich selbst zurück. Sie macht ihn nicht kleiner: Sie gibt ihm seine wahre Größe zurück“, betonte Pasolini. Der Sündenfall sei letztlich eine Verweigerung der Demut gewesen – der Versuch, die eigene Endlichkeit und Abhängigkeit von Gott nicht zu akzeptieren.

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Kurienkardinäle und Kurienerzbischöfe sowie Mitarbeiter der Römischen Kurie (@Vatican Media)
Das Gesicht des „neuen Menschen“
Die Größe des Menschen führe paradoxerweise über seine Kleinheit. Wie Franz von Assisi, der sich den Kleinsten zuwandte, könne der Christ erkennen, dass dies der „privilegierte Ort“ Gottes sei. Diese Form der Zerbrechlichkeit wecke die Barmherzigkeit, die laut Pasolini „vielleicht die wertvollste Energie der Welt“ ist.

Der Prediger schloss seine erste Meditation mit dem Hinweis, dass Umkehr kein einmaliges Ereignis, sondern ein lebenslanger Prozess sei. Gerade in Konflikten stelle sich heraus, ob das Evangelium des Kreuzes wirklich verstanden wurde: „Das Licht zeigt seine Kraft nicht, wenn alles klar ist, sondern wenn die Finsternis regiert.“

(vatican news)

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