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Venezolanische Flüchtlingskinder

Venezolanische Flüchtlingskinder
Ich würde das im Blog der Komfortzone posten, doch dort war ich unfreundlich und was nicht alles.... seiner Meinung nach 🤔
Daher hier ein Extrablog. 



Venezolanische Flüchtlingskinder in Mexiko / picture alliance / NurPhoto | Jerome Gilles / picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Felix Marquez
Venezolanische Stimmen

-„Welches Völkerrecht hat uns geschützt, als unser eigener Staat uns getötet hat?“
Während linke Politiker in Europa über Völkerrecht und Imperialismus debattieren, empfinden viele Venezolaner vor allem Wut. Vier Exilanten in Deutschland erklären, warum sie Maduros Festnahme feiern – und sich von westlichen Moralpredigten verhöhnt fühlen.

VON CLEMENS TRAUB am 7. Januar 2026 10 min


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Am Samstag, 3. Januar, haben US-Einheiten Venezuelas Präsident Nicolás Maduro festgenommen und in die Vereinigten Staaten gebracht. Washington rechtfertigt den Einsatz als notwendigen Schritt gegen ein autoritäres Regime. Kritiker sprechen von einem völkerrechtswidrigen Eingriff und verweisen auf die Gefahr eines politischen Präzedenzfalls. Doch was denken Venezolaner selbst? Cicero hat mit vier Exil-Venezolanern in Deutschland gesprochen, die schildern, wie sie die Festnahme Maduros erleben.

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„Welches Völkerrecht hat uns geschützt, als unser eigener Staat uns getötet oder eingesperrt hat?“

Ich bin in Venezuela aufgewachsen. Meine Eltern waren nie Anhänger von Chávez, nie von Maduro. Sie waren einfach Menschen, die arbeiten wollten, ihr Kind schützen wollten. Aber man konnte zusehen, wie das Land Jahr für Jahr ärmer wurde. Wie etwas zerbröselte, das früher einmal normal war. Die Inflation war kein abstrakter Begriff, sie war Alltag. Dinge, die einmal Wert hatten – ein Haus, ein Auto, Ersparnisse –, wurden bedeutungslos. Wir wurden alle ärmer, ganz egal, woher wir kamen. Ich gehörte zur Mittelschicht, zumindest einmal.

Am schlimmsten war die Unsicherheit. Diese permanente Angst. Wenn wir mit dem Auto nach Hause kamen, öffnete sich das Tor langsam. Sekunden, die sich anfühlten wie Minuten. Man wusste nie, ob jemand in diesem Moment mit hineinspringt. Bis das Tor zu war, hattest du Angst um dein Leben. So sah Alltag aus. 

Ich war 18, als ich ging. Ich ließ meine Familie zurück, meinen kleinen Bruder. Er ist neun Jahre jünger als ich. Ich habe ihn nicht aufwachsen sehen. Diese Entscheidung hat mich innerlich zerrissen, aber ich wusste: Wenn ich bleibe, gibt es keine Zukunft. Vielleicht kann ich von außen wenigstens helfen.

Heute lebe ich in Deutschland. Obwohl ich Deutschland, seine Demokratie und seine Freiheit liebe, habe ich lange das Gefühl gehabt, zwei Leben zu führen – eines hier, eines dort. Körperlich sicher, emotional nie angekommen. Venezuela ist voller Geisterstädte geworden, weil so viele gegangen sind. Und viele von denen, die in andere lateinamerikanische Länder geflohen sind, haben auch woanders nichts gefunden als neue Ablehnung, neue Armut. Es gibt sehr viel Fremdenfeindlichkeit gegenüber Venezolanern. Wir, die nach Deutschland konnten, haben im Vergleich zu unseren Landsmännern und Landsfrauen im lateinamerikanischen Exil große Privilegien.


USA setzen Maduro fest
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Wie schön für Venezuela, dass Maduro endlich weg ist
Zu den Ereignissen der letzten Tage sage ich offen: Die Festnahme Maduros ist etwas, worauf viele von uns seit Jahren gehofft haben. In den letzten Tagen gab es viele Tränen der Freude. Demokratische Mittel waren ausgeschöpft. Für mich könnte das der Beginn eines demokratischen Übergangs sein.

Wenn ich jetzt aus Europa von Sozialisten höre, man müsse vor allem über Imperialismus, Trump oder Völkerrecht sprechen, empfinde ich das als eurozentristisch. Ich frage mich: Welches Recht hat uns geschützt, als unser eigener Staat uns getötet oder eingesperrt hat?

Ich wünsche mir keine Rache. Ich wünsche mir eine Zukunft. Und ich weiß: Demokratie ist ein Prozess. Aber dieser Prozess beginnt erst, wenn die Angst nicht mehr mit uns durch jede Tür geht.

Luisa Ramirez, 29 Jahre, aufgewachsen in Valencia

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Venezuela 2

Venezolanische Migranten in Mexiko City / picture alliance / Anadolu | Daniel Cardenas
„Ich war sechzehn, als sie mir an den Haaren den Kopf nach hinten rissen“

Ich habe deutsche Wurzeln und bin in Mérida aufgewachsen, einer Studentenstadt. Proteste gehörten zum Alltag, organisiert von jungen Menschen. Und genau deshalb waren Studenten auch die ersten Opfer. Ich habe diese Diktatur nicht aus Büchern kennengelernt. Ich habe sie gelebt. Stromausfälle in Krankenhäusern. Tote Patienten. Tote Studenten. Schlangen für Brot, für Öl, für Toilettenpapier. Meine Mutter arbeitete in zwei Vollzeitjobs, war ausgebildete Sozialpädagogin – und hatte trotzdem kein Essen für ihre Kinder. Sie musste meine Großeltern um Hilfe bitten.

Ich war 16, als wir nach der Schule friedlich protestierten. Mit Plakaten. Paramilitärische Gruppen griffen uns an. Bewaffnet. Einer von ihnen riss mir an den Haaren den Kopf nach hinten, als wir fliehen wollten. Ich sah, wie mehrere von ihnen einen Mitschüler zusammenschlugen, der behindert war. Ich konnte nicht helfen. Ich musste rennen, um nicht selbst zu sterben.

Das verlässt dich nicht. Auch Jahre später nicht. Man fragt sich manchmal, ob das wirklich passiert ist – oder ob der eigene Kopf es erfindet, weil es zu grausam klingt. Aber es ist real. Und es ist schlimmer geworden.

Heute sitzen Minderjährige ohne Gerichtsverfahren in Gefängnissen, weil sie etwas Kritisches auf Twitter geschrieben haben. 

Und dann höre ich Menschen in Europa, die mir erklären wollen, was Venezuela ist. Vom Sofa aus. Aus der Sicherheit einer Demokratie.

US-Debatte über Venezuela-Einsatz
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Was gilt denn nun? „America First“ oder Imperialismus?
Wo wart ihr 2014? 2017? 2019? Wo wart ihr, als wir um Hilfe geschrien haben und niemand zugehört hat? Acht Millionen Menschen sind geflohen – keiner freiwillig. Freunde von mir sind zu Fuß durch Länder gelaufen, haben auf dem Boden geschlafen.

Zu den letzten Tagen sage ich: Viele von uns freuen sich über die Festnahme Maduros, weil er für Jahrzehnte von Leid steht. Wenn man uns sagt, wir dürften uns nicht freuen, empfinde ich das als respektlos gegenüber den Opfern von 2014, 2017, 2019.

Trump ist für mich kein Held. Ich kritisiere seine Politik in den USA. Wie er mit Latinos wie uns in den vergangenen Jahren umgegangen ist. Aber ich weigere mich, Venezuelas Realität zu relativieren, nur um die USA zu kritisieren.

Meine Hoffnungen? Meine Emotionen? Ich bin dankbar, weil ein Albtraum vielleicht ein Ende findet. Wir wissen, dass noch vieles schief gehen kann. Aber wir alle haben eine so große Hoffnung wie schon lange nicht mehr. Und es macht mich wütend, wenn man uns dieses Gefühl abspricht.

Sarah Eisig, 27 Jahre, aufgewachsen in Mérida

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Venezuela 3
Caracas / picture alliance / Anadolu | Boris Vergara
„Es war einer der schönsten Tage meines Lebens, als ich erfuhr, dass Maduro festgenommen wurde“

Ich komme aus La Victoria, einer kleinen Stadt in Aragua. Später lebte ich in einer deutschen Kolonie in Venezuela – Menschen mit deutschen Wurzeln, ohne anerkannte Staatsangehörigkeit. Identität war bei uns immer etwas Fragiles.

Ich habe Journalismus studiert. Und irgendwann war klar: Worte sind gefährlich. Ich sprach im Radio über Korruption, darüber, dass humanitäre Hilfe verkauft wurde, während Menschen hungerten. Immer wieder habe ich versucht, das korrupte System in meiner Heimatstadt aufzudecken. Nach einer Sendung kam dann der Anruf. Danach wurde der Sender geschlossen.

Ich bekam ein offizielles Verbot. Ich durfte nie wieder als Journalist arbeiten. Ich unterschrieb es, weil ich keine Wahl hatte. Die Alternative war Gefängnis. Oder Schlimmeres.

Ich unterrichtete später an einer Universität – das war meine einzige Möglichkeit, ein halbwegs normales Leben zu führen. 2021 ging ich nach Deutschland. Mein Vater lebte hier. Er sagte mir: Du kannst ein anderes Leben haben. Also ging ich.

Als Maduro wieder „gewann“, war ich im Ausland. Und ich wusste: Das kann nicht stimmen. Es muss sich um einen Betrug gehandelt haben. Ich hatte die Stimmung gesehen, die Wahlen beobachtet. Aber wir verloren erneut alles, was von Demokratie übrig war.


Maduro
US-Angriff auf Venezuela
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Die Intervention war notwendig und verhältnismäßig
Es war einer der schönsten Tage meines Lebens, als ich erfuhr, dass Maduro festgenommen wurde. Wir alle wissen: Das kann erst der Anfang sein auf dem langen Weg hin zu einer Demokratie.

Wie ich zu den USA und Donald Trump stehe? Natürlich haben die USA eine Geschichte der Intervention in Lateinamerika. Natürlich war Trumps Politik zynisch, laut, oft verantwortungslos. Aber diese Geschichte wurde in Europa oft benutzt, um das Regime zu entschuldigen. Eurozentrismus zeigt sich genau hier: Man spricht lieber über westliche Schuld als über nichtwestliche Täter.

Viele sagen heute: Imperialismus. Völkerrecht. Aber kaum jemand fragt uns. Kaum jemand fragt, was wir wollen. Wir wollen kein Chaos. Wir wollen ein Land, in dem Journalisten nicht unterschreiben müssen, dass sie nie wieder sprechen dürfen. Ich wünsche mir, dass man uns zuhört. Nicht unsere Geschichte interpretiert, sondern sie ernst nimmt. Denn wir bezahlen den Preis.

Wie dieser Preis aussieht? Ich habe immer noch Bekannte aus dem Journalismus, die in einem venezolanischen Gefängnis stecken. Zum Glück musste ich diese Erfahrung niemals machen. Denn das muss die Hölle auf Erden sein.

Abelardo J. Bravo, 27 Jahre, aufgewachsen in La Victoria

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„Die Beerdigung meines Vaters von meinem Smartphone aus verfolgen zu müssen, war unendlich schmerzhaft“

Ich wurde in Caracas geboren, bin später innerhalb von Venezuela umgezogen. Als ich jung war, gab es schon Kriminalität, aber auch noch Ruhe. Dann starb Chávez – und alles kippte. Mit Maduro wurde alles schlimmer. Die Inflation fraß alles. Stromausfälle, kein Gas, kein Wasser. Als Studentin protestierte ich. Wir rannten vor Tränengas, vor der Nationalgarde, vor paramilitärischen Gruppen. Irgendwann konnte man nicht einmal mehr friedlich demonstrieren, ohne Todesangst zu haben. Meine Träume, ein normales Leben aufzubauen, zerfielen. Kleine Unternehmen verschwanden. Perspektiven auch.

Ich ging zuerst kurz nach Spanien, dann nach Deutschland. Während meines Asylverfahrens starb meine Großmutter. Ich war nicht da. Von Deutschland aus konnte ich ihr wenigstens Medikamente bezahlen. Kurz danach starb mein Vater. Mein Vater war immer schon mein größter Held, und ich denke auch heute noch jeden Tag an ihn. Es war unendlich schmerzhaft, dass ich seine Beerdigung von meinem Smartphone aus verfolgen musste. Das Haus meiner Familie war enteignet worden. Fremde zogen ein. Der Stress, die Ohnmacht – sie führten zu seinem Schlaganfall. Ich habe zwei Todesfälle über einen Bildschirm erlebt.

Mein Vater bat mich vor seinem Tod, nicht zurückzukommen. Weil es dort keine Justiz mehr gibt. Weil Sicherheit ein Fremdwort geworden ist.

Trump Venezuela
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US-Angriff auf Venezuela
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„Es ist ein nackter Imperialismus – einer, der nicht mehr versucht, hinter den Kulissen zu arbeiten“
Zu den Ereignissen der letzten Tage sage ich: Ich wünschte, mein Vater hätte die Festnahme Maduros noch miterleben können. Donald Trump feiere ich für sein Handeln. Ich bin nicht naiv, klar geht es den USA auch um Öl. Doch ohne eine internationale Intervention der Amerikaner hätte es keinen Ausweg gegeben. Wenn mir heute gesagt wird, ich dürfe mich nicht freuen, fühlt sich das an, als würde unser Leid erneut ignoriert.

Heute sprechen in Europa viele laut über internationales Recht – aber leise über politische Gefangene. Sie empören sich über Sanktionen, aber nicht über Folter. Über Intervention, aber nicht über systematische Wahlfälschung. Diese selektive Moral ist kein Zufall. Sie ist bequem. Denn es ist einfacher, abstrakt gegen den „Westen“ zu sein, als konkret solidarisch mit Menschen, die unter autoritären linken Regimen leiden. Venezuela passt nicht in einfache Erzählungen. Es zwingt dazu, mehrere Wahrheiten gleichzeitig auszuhalten.

Luccia, 29 Jahre, aufgewachsen in Caracas

Kommentare

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hansfeuerstein 07.01.2026 23:10
Was im Verborgegen geschieht, glauben die aussenstehenden Leute oft erstmal nicht, was sie sehen können sie leichter beurtelen und verurteilen. Das ist nicht selten der große Trugschluß.
 
Alleshinterfragen 11.01.2026 17:02
Danke für diesen Blog.
Ich möchte in meinem Blog darauf hinweisen, bitte melde Dich, wenn Du etwas dagegen hast, dann werde ich es löschen.
 
calando 11.01.2026 18:24
Danke, für den Hinweis auf meinen Blog. Find ich gut.
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