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Fromm, Frömmigkeit: Gottes Wille. Hebr. Denken vs. Griech. Denken

Fromm, Frömmigkeit: Gottes Wille. Hebr. Denken vs. Griech. Denken
1. Im Althochdeutschen meint das Wort fruma, tüchtig, brave, den Nutzen (vgl. »es frommt«, »zu Nutz und Frommen). Fromm ist, was so ist, wie es sein soll (F. Melzer): Das fromme Pferd wirft seinen Reiter nicht ab, der fromme und getreue Knecht (Mt 25,21) ist gewissenhaft, und der fromme Gott (EKG 8, 230, 383 u.ä.) ist so, wie Gott sein soll; der Vater Jesu Christi ist der einzige wahre Gott. Der fromme Mensch ist so, wie Gott ihn haben will.

2. Im AT übersetzte Luther bisweilen hebr. chasid, gnädig«, »begnadigt, liebend« und »geliebt> mit fromm (von Gott: Jer 3,12; und Menschen: Ps 30,5 EÜ), und hebr. tham, Vollkommenheit (Ps 7,9 LÜ 1912) oder hebr. jirah, >>>Gottesfurcht mit Frömmigkeit«. Der Fromme ist der Gottesfürchtige, der Gott anbetet und ihm gehorcht.

3. Die griech. Begriffe eusebés und semnos für »fromm und eusebeia für Frömmigkeit unterscheiden sich wesensmäßig von den hebr. Worten. Die ntl. Ausdrücke hängen eng mit >>verehren zusammen. Ur-sprünglich bedeuten sie scheu zurücktreten, den gebührenden Abstand herstellen«. Im Unterschied zum bibl. Glauben geht es dem Griechen nicht um den Gehorsam gegenüber dem einen Gott, sondern um die heilige Scheu vor Vaterland, Eltern, Staat und u.a. auch vor Gott. Dementsprechend fanden die Über-setzer der LXX im hebr. AT kein entsprechendes Wort vor und übersetzten »Furcht mit Frömmigkeit, veränderten aber so den griech. Wortsinn, indem sie Furcht als Scheu vor dem Gehorsam fordern-den heiligen Gott deuteten und unter Frömmigkeit Gehorsam aus Liebe zu Gott (5Mo 6,5) verstanden.

4. Im NT werden die Griechen, die dem Judentum nahestehen, fromm (Luther: »gottesfürchtig) genannt (bes. in der Apg 13,26.43). Sie anerkennen den alleinigen Gott, den Gott Abrahams, seine sittlichen (Zehn) Gebote, Paulus gebraucht in seinen Hauptbriefen das Wort eusebes, fromme, nicht be nutzt aber im Kontrast dazu asebés gottloss, und unterscheidet nicht zwischen asebeia, Gottlosigkeits und adikia Unrecht Joh 9.31 spricht Jesus von gottesfürchtig (theosebes, wörtl. Gott-verehrend) ganz im atl. Sinn. Die Frömmigkeit besteht im Tun des Willens Gottes In den Pastoralbriefen gebraucht Paulus das Wort häufiger anstelle von Gottesfurcht. Fromm sein ist nur in Gemeinschaft mit Christus möglich (2Tim 3.12) Das Geheimnis des Glaubens (1Tim 3.16 wortlich der Frömmigkeit) wurzelt in der Menschwerdung Jesu, Paulus verwendet hier das Wort griech. euseheia bewußt, um die gebührende Ehrfurcht vor dem Wunder göttlicher Liebe zu betonen.

5. Der Inhalt der Frömmigkeit ist der Gehorsam gegen Gottes Willen: ITim 5,4. Die Kinder sollen ihren verwitweten Müttern dankbar sein entsprechend dem 4. Gebot, indem sie für ihre Mütter sorgen. Nach 1Tim 6.6 ist die Frömmigkeit die Hingabe an Jesus, die sich an ihm genügen läßt und sich nicht an die geschaffenen Guter der Welt hängt. In 1.Tim 6.11 ist die Frömmigkeit eingebettet in eine Aufzählung von  christlichen Werten: 《Gerechtigkeit (die Gott uns schenkt). Frömmigkeiit, Glaube, Liebe, Geduld, Sanftmut." Sie sind im Zusammenhang mit dem Gehorsam Jesu (V. 13 sehen. Wahrheit und Frömmigkeit  gehören zusammen. Die Wahrheit muß "gemäß dem Glauben" (griech eusebera, Tit 1.1) sein. Paulus will darauf drängen, daß die Lehre, die Botschaft von Jesus, nicht rein lernmäßig ohne Furcht sein darf. In  diesem Sinn definiert Eusebius die F: "zu dem einzigen Gott aufschauen und in Einklang mit ihm leben"

6. Im Griech, gibt es noch ein weiteres Wort, das mit "fromm" wiedergegeben wird: eulabes vorsichtig, behutsam, gewissenhft; es kommt zu der Bedeutung ehrfürchtige Scheu (Origenes). Die LXX nimmt das entsprechende Verb dann für "fürchten" (2Mo 3,6; 1Sam 18,29)

Im NT wird Simeon fromm genannt (Lk 2.25). Apg 2.5 erwähnt "gottesfürchtige Männer" aus der Diaspora. Das Hauptwort culabeia kommt nur Hebr 5,7 und 12.28 vor.

Quelle: Das große Bibellexikon, SCM Brockhaus Brunnen. 2. Sonderausgabe 2009

Kommentare

 
Komfortzone 20.12.2025 11:15
Davon abzugrenzen wäre die Frömmigkeit der Pharisäer und die Lieblosigkeit christlicher Lehrer und Lehrenden. 1. Korinther 13, wo wir beim geistlichen Missbrauch wären.
 
israelgreece2019 20.12.2025 11:46
ευσεβής, ευσέβεια

efsevís, efséveia  /     efsenis=fromm, efseneia= frömmigkeit, im Neugriechisch, 11.Jh., der Autor scheint das ganze in mittelgriechisch wiedergegeben zu haben. Nur falls es interessiert.
 
Klavierspielerin2 20.12.2025 11:53
Ergänzend und auch wichtig zu wissen:


Martin Luther hat den Tanach (das hebräische Alte Testament) übersetzt, indem er sich direkt an den hebräischen Originaltexten orientierte, obwohl die auf altgriechische ' Septuaginta ' viel älter ist und mehr Bücher, als der Tanach, beinhaltet.
Luther war fälschlicherweise der Annahme, dass die hebräische Version älter sei.

So kommt es , dass die protestantische Bibel nur 66 Bücher (39 im Alten Testament, 27 im Neuen), während die katholische Bibel 73 Bücher (46 im Alten Testament, 27 im Neuen) beinhaltet.
 
Komfortzone 20.12.2025 13:39
Israelgreece, wird dadurch der Unterschied zwischen dem ursprünglichen hebräischen und griechischem Sinn aufgehoben?
 
Komfortzone 20.12.2025 13:46
Klavierspielerin, die Qumranrollen (nach der sich Elberfelder richtet) gelten als älter (ca. 175 Jahre) als die Septuaguinta.
 
Klavierspielerin2 20.12.2025 14:15
Die Elberfelder habe ich auch 🙂
Wurde allerdings erst rund 3 1/2 Jahrhunderte nach der Reformation veröffentlicht.
 
Sherezade 20.12.2025 15:03
Die Aussage von Klavierspielerin ist falsch. In der lutherischen Kirche gibt es keinen festgelegten Umfang vom Kanon.
Dies gab es nur in der reformierten Kirche… aber erst im 17Jhd…
 
israelgreece2019 20.12.2025 16:27
@Komfortzone:
von Sinnaufhebung als solches war nicht die Rede sondern lediglich der genaueren Definition von "fromm und frömmigkeit" im heutigen griechisch für das es nur "eine" Bezeichnung gibt.
 
Klavierspielerin2 20.12.2025 16:47
Doch, Aussage um 11:53h ist richtig:
Luther übersetzte den Tanach (das hebräische Alte Testament), das die Juden Christen lasen.
Die Heiden Christen lasen das AT aus der griechischen Septuaginta, 1.:die ältere Version und die beinhaltet
 
Klavierspielerin2 20.12.2025 16:49
...und die beinhaltet mehr Bücher ( 73), statt der Tanach nur 66.

Kann man im Netz leicht selbst recherchieren.
 
Komfortzone 20.12.2025 18:56
https://www.die-bibel.de/ressourcen/bibelkunde/themenkapitel-at/qumran-und-at

"In Qumran wurden hebräische, aramäische und griechische Texte gefunden, die aus der Zeit des 2. Jh. v. Chr..

Die erhaltenen Schriften weisen einen sehr unterschiedlichen Charakter auf. Die für die alttestamentliche Wissenschaft zunächst wichtigste Gruppe ist die der Bibelhandschriften. Von allen biblischen Büchern (Ausnahme ist möglicherweise Ester) finden sich Exemplare oder Fragmente. Damit stehen der Forschung Texte zur Verfügung, die um 1000 Jahre älter sind als die bisher grundlegenden hebräischen Bibelhandschriften der Masoreten." Damit wären die Qumran Rollen über 3000 Jahre alt. 

https://www.die-bibel.de/ressourcen/bibelkunde/themenkapitel-at/qumran-und-at

Ich hoffe, du kannst das akzeptieren.
 
Sherezade 20.12.2025 19:54
Die Aussage von Klavierspielerin sind einfach falsch.
https://fragen.evangelisch.de/frage/4314/biblischer-kanon-der-katholischen-und-evangelischen-kirche
Die entscheidende Aussage:
"Die lutherischen Kirchen haben den Umfang des Kanons weder für das Alte noch für das Neue Testament jemals in einem offiziellen Bekenntnistext festgelegt, haben sich aber faktisch an die Entscheidung Luthers gehalten."

Auch wenn Luther bewertet hat. Es gibt eben keinen Bekenntnistext und keine dogmatische Festlegung. Ist auch gut so. Bis Ende des 19 Jhd. hat die klass. Lutherbibel auch die Spätschriften enthalten.

Wenn man Interesse hat, kennt man auch die Unterschiede zur LXX und den Masoreten... also auch die prämasoretischen Texte und befasst sich mit den Funden in Qumran.

Wenn man über Philosophie reden will, wird es ein bisserl komplexer...
 
Klavierspielerin2 20.12.2025 19:55
Die Septuaginta stammt aus dem 2. Jhdt. vor Christus.
 
Klavierspielerin2 20.12.2025 20:05
Der Tanach, die hebräische Bibel und heilige Schrift des Judentums, besteht aus 39 Büchern, die in drei Hauptteile unterteilt sind: Tora (Weisung), Nevi'im (Propheten) und Ketuvim (Schriften). Das Akronym TNK (Tanach) steht für die Anfangsbuchstaben dieser drei Teile. 

Der Tanach wurde nicht auf einmal verschriftlicht, sondern über einen Zeitraum von etwa 1200 Jahren, hauptsächlich im ersten Jahrtausend v. Chr., als Sammlung religiöser Schriften entwickelt und kanonisiert, wobei mündliche Überlieferungen älter sind und der endgültige Kanon um 100 n. Chr. festgelegt wurde, so die Jüdische Allgemeine und Deutschlandfunk. 

Langer Prozess: Die Niederschrift der Texte zog sich über einen langen Zeitraum hin, bis die Sammlung um ca. 100 n. Chr. in 24 Bücher unterteilt und kanonisiert wurde.

Kann man natürlich auch in Büchern, statt im Netz nachlesen.

Vielleicht vermutet man, dass ich Luther, oder ev. Christen in ungünstigem Licht erscheinen lassen will, was aber nicht wahr ist!
Mir geht's darum, Tatsachen darzustellen, es gibt Unterschiede und zu denen kann man stehen, ist doch nichts dabei.

Das war mein Beitrag, gute Nacht.
 
Komfortzone 20.12.2025 20:12
Dein Beitrag ist aber falsch. Die Qumranrollen sind älter.
 
Klavierspielerin2 20.12.2025 20:34
Die Rollen konnte Luther natürlich noch nicht kennen.

Mein Beitrag bezieht sich aber auf den Tanach, aus dem Luther übersetzte, in der Annahme, der sei älter als die Septuaginta. Da lag er falsch.
Sachlich richtig ist, dass der erst 100 n. Ch. schriftlich vor lag und 
erklärt- u.a.- weshalb wir unterschiedliche Bibeln haben.
 
Sherezade 20.12.2025 21:05
Es ging um die Aussage des Bibelkanons und wir sind nicht mehr im 16 Jhd...
Um es mit Barth zu sagen...Ecclesia semper reformanda est... oder Luther... lautere Theologie kommt nicht ohne Wissenschaft aus...
Die RKK hat ihren Kanon dogmatisch im Konzil von Trient festgelegt...in der lutherischen Kirche gibt es keine dogmatische Festlegung ( genau dies wurde behauptet) und die orientalischen Kirche sind Rom nicht gefolgt...die haben im Kanon mehr Schriften...
Und in der heutigen Zeit erforscht man alle Schriften...

Erzähl doch mal über die Unterschieden zwischen LXX (auch hier unterschiedliche Versionen und Veränderungen), Masoreten und Qumranfunde...Jesajarolle beachten + aktuellen Forschungsstand... gerne auch über hebräische, paleohebräische, griechische und aramäische Funde...
 
Sherezade 20.12.2025 21:16
Zu behaupten, dass der Luther die Schriften gestrichen hat, ist einfach eine Lüge. Er hat sie bewertet, aber eben nicht gestrichen und es gibt keinen Bekenntnistext zum Umfang des Kanons in der lutherischen Kirche. Auch die reformierte Kirche druckt mittlerweile wieder die Spätschriften
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