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Was ist Wissenschaft, Herr Professor?

Was ist Wissenschaft, Herr Professor?
„Wissenschaft nimmt ihren Ausgangspunkt im sich-Wundern‘“, sagt Professor Joachim von Braun. Im Interview mit Vatikan News erläutert der Präsident der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften die Bedeutung der Wissenschaft, ihre Abgrenzung von Pseudowissenschaft - und ihr Verhältnis zum Glauben.


„Wissenschaft ist die systematische Erfassung von Tatbeständen und die Suche nach kausalen und funktionalen Zusammenhängen“, so setzt Professor von Braun an. Das könne sich auf die Natur beziehen, also auf biologische, physiologische, physikalische und chemische Prozesse, aber auch auf soziale Systeme sowie menschliche und ökonomische Beziehungen. 

Merkmale und Ausgangspunkt der Wissenschaft
Bei der Suche nach neuen Erkenntnissen werde dabei mathematisch-logisch vorgegangen. Die wissenschaftliche Methodik beinhalte das Verlangen nach Replizierbarkeit und Falsifizierbarkeit, also zum Beispiel die Wiederholbarkeit eines Experiments, um dessen Ergebnis zu überprüfen. Sie setze sich der Überprüfung durch Dritte aus, insbesondere durch das sogenannte Peer-Review. In ihrem Streben um Wahrheit akzeptiere Wissenschaft Ergebnisse nur so lange, wie sie noch nicht widerlegt wurden. Pseudowissenschaft hingegen erfülle diese Kriterien nicht.

Dabei nehme alles wissenschaftliche Treiben im Kern seinen Ausgangspunkt im „sich wundern“, wie es bereits Aristoteles betont habe, unterstreicht von Braun.


Wissenschaft geht jeden etwas an
Als solches geht Wissenschaft somit eigentlich jeden von uns etwas an und wird grundlegend bereits von uns allen praktiziert, wie von Braun bemerkt. Zum Beispiel stellten wir im Alltag eine Vermutung – eine Hypothese – auf und fragten uns dann, ob wir klare Hinweise zum Bejahen oder Verneinen der Vermutung haben.

Hier wäre es jedoch nützlich, wenn der Einzelne dies nicht nur unbewusst, sondern bewusst praktiziere und sich in dem Bereich daher auch aktiv weiterbilde. So könnten beispielsweise unreflektierte „Bauchentscheidungen“ vermieden werden, wo eigentlich eine Beschäftigung mit statistischer Wahrscheinlichkeit oder Unsicherheit hätte abhelfen können.

Auch in anderer Hinsicht hängt der Nicht-Wissenschaftler aus der Sicht des Professors mit Wissenschaft zusammen– nämlich durch seinen Erfahrungs-Wissensschatz, den er in sich trägt. Insbesondere das traditionelle und lokale Wissen indigener Völker sei ein für die Wissenschaft bedeutsames Gut. „Wissenschaft sollte dies achten, wie wir in der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften dies in einem gemeinsamen Workshop mit indigenen Wissensträgern 2024 in erfolgreichem Gedankenaustausch vorgenommen haben“, betont von Braun.

Bei einer Sitzung der Akademie
Bei einer Sitzung der Akademie
Glaube und Wissenschaft komplementär denken
Für den Präsidenten der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften stehen Glaube und Wissenschaft nicht im Gegensatz zueinander, sondern sind komplementär. Während Wissenschaft es ermögliche, Gottes Schöpfung zu erforschen und zu verstehen, spreche das Christsein die spirituelle Dimension des Lebens an und setze sich mit Fragen nach dem Sinn des Lebens und moralischen Werten auseinander.

„Als Christ ist mir wichtig, auch die Grenzen und Risiken der Wissenschaft zu bedenken; und persönlich ist mir wichtig, Wissenschaft zu betreiben, die den Menschen dient – wie zum Beispiel den Hunger überwinden - und Wissenschaft, die hilft, die Schöpfung zu bewahren – wie zum Beispiel Klimaforschung. Grundlagenforschung in der Biologie und Physik gehören auch dazu, und auch hier berücksichtigen wir in der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften Fragen von Fairness und Verantwortung, z.B. wenn wir Empfehlungen zur Künstlichen Intelligenz erarbeiten“, schließt von Braun.

(vatican news - rva)

 

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Kommentare

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(Nutzer gelöscht) 19.08.2025 22:19
Wissenschaft ist, wenn man HINTERFRAGEN darf!

Es erlaubt Immer DIE Möglichkeit zum Irrtum. Siehe Signifikanz als Begriff mit Fehlerirrtumswahrschwinlichkeit! 

Wenn man "DER' Wissenschaft "vertrauen" soll und mundtot gemacht wird, ist das keine Wissenschaft mehr.
 
(Nutzer gelöscht) 19.08.2025 23:39
Wissenschaft ist, wenn man HINTERFRAGEN darf!

Es erlaubt Immer DIE Möglichkeit zum Irrtum. Siehe Signifikanz als Begriff mit Fehlerirrtumswahrscheinlichkeit! 

Wenn man "DER' Wissenschaft "vertrauen" soll und mundtot gemacht wird, ist das keine Wissenschaft mehr.
 
Klavierspielerin2 20.08.2025 07:18
Das machen Forscher genau so.
Du hast wohl Recht.

Auf französisch gibt's eine treffendere Bezeichnung: man nennt im franz. ' Forscher' ' chercheur' , also ' Sucher', ' Suchende'.
 
(Nutzer gelöscht) 20.08.2025 09:42
Wissenschaft ist auch Messen und Berechnen der Realität : im Universum gibt es nach neuesten Rechnungen 1 Billion Sterne  ..



.."Faktoren seien sowohl das von der Wissenschaft geschätzte Alter des Universums in Kombination mit der Geschwindigkeit von Licht und der Ausdehnung des Alls. Nach neueren Berechnungen von 2016 sei deshalb davon auszugehen, dass rund zehnmal so viele Sterne existieren wie davor angenommen. Demnach existieren mindestens 700 Trilliarden Sterne im All."

Und man weiß heute noch nicht ob das Universum endlich oder unendlich ist , also eine Ewigkeit besitzt.
 
(Nutzer gelöscht) 20.08.2025 10:13
Vielleicht kann man als Mensch und Wissenschaftler nur Eines mit Sicherheit behaupten ,daß physikalische Kräfte unendlich sind ,das kann man als das Plausibelste und Rationalste so festhalten . 
Der Glaube ersvheint daneben wie eine Ausflucht aus dieser Physik und den Energien , der Glaube verortet die Unendlichkeit von Welt heraus un sie Vorstellungswelt , provokant gesagt in die Phantasie.
Philosophisch könnte man auch sagen ,der Mensch ist unfähig Unendlichkeit zu begreifen und schaffte sich darum dazu ein Schlupfloch im geistigen Bereich. 

Die Wissenschaft kann auch in Konkurrenz zum Glauben stehn  ,daher erklären sich auch die  großen Vorbehalt und die Ängste gewisser Glaubensrichtungen gegenüber der Wissenschaft.

Cherub
 
Klavierspielerin2 20.08.2025 19:27
Die Päpstliche Akademie der Wissenschaften ist international ausgerichtet, multiethnisch zusammengesetzt und in der Auswahl ihrer Mitglieder konfessionslos. Die Arbeit der Akademie umfasst sechs Hauptbereiche: Grundlagenforschung; Wissenschaft und Technologie globaler Probleme; Wissenschaft für die Probleme der Entwicklungsländer; Wissenschaftspolitik; Bioethik; Erkenntnistheorie.

Hier der Link:
https://www.vatican.va/roman_curia/pontifical_academies/acdscien/index_ge.htm
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