weiße TaubeChrist sucht Christ Logo ohne Taube

Wie liest man eigentlich die Bibel?

Wie liest man eigentlich die Bibel?
Bibelwerk-Vorsitzender Ballhorn gibt Tipps für die Lektüre


Dortmund ‐ Was sollte man beachten, wenn man die Bibel aufschlägt? Und was kann Bibellesern helfen, egal ob fortgeschritten oder ungeübt? Der Alttestamentler Egbert Ballhorn, Vorsitzender des Katholischen Bibelwerks, spricht im katholisch.de-Interview über vernetzendes Lesen und das richtige Textverständnis.


Wie eine fruchtbare Bibellektüre gelingt, versucht Egbert Ballhorn seinen Studentinnen und Studenten immer wieder nahezubringen. Der Professor für Exegese und Theologie des Alten Testaments an der TU Dortmund und Vorsitzende des Katholischen Bibelwerks gibt im Interview Tipps, wie man als Leser mit der Bibel umgehen sollte. Dazu spricht er über den Wert akademischer Bibelexegese, kirchliche Auslegungstradition und den Platz des Bibellesers in diesem Kontext.

Frage: Herr Ballhorn, gibt es etwas, was man grundsätzlich beachten sollte, wenn man eine Bibel in die Hand nimmt?

Ballhorn: Ich würde erst einmal Mut machen und sagen: Man kann gar nichts falsch machen. Man sollte sich selbst darüber im Klaren sein: Was erwarte ich mir von diesem Buch? Natürlich hat man zuerst einmal Respekt vor der Bibel. Doch niemand startet bei null. Jeder Mensch hat einen Zugang zu Sprache und Literatur. Das heißt, man startet mit seiner eigenen Sprach- und Literaturkompetenz. Wer die Bibel öffnet, hat immer Erwartungen und gewisse Vorerfahrungen.

Frage: Es gibt auch Leute, die noch nie eine Bibel in der Hand hatten. Was würden Sie denen raten?

Ballhorn: Vielleicht sollten sie zunächst jemanden fragen, der sich mit der Bibel auskennt, der schon Erfahrungen hat. Das muss kein "Profi" sein, aber jemand, von dem man denkt, dass er einen Zugang hat.

Frage: Wo fängt man denn am besten mit dem Lesen an?

Ballhorn: Man sollte sie nicht von vorn nach hinten lesen. Es fängt ganz großartig an mit der Schöpfungserzählung in Genesis. Später aber kommen lange Durststrecken. Die Bibel ist ein Buch, das man eher kreuz und quer lesen sollte. Man kann also an jeder beliebigen Stelle einsteigen.

Frage: Mit welchem Buch könnte man gut beginnen?

Ballhorn: Man könnte zum Beispiel ein ganzes Evangelium lesen. Das Markus-Evangelium ist das kürzeste, das ist gut zu schaffen. Es lässt sich auch gut mit dem Buch Genesis anfangen, weil einem viele Texte schon etwas sagen: die Paradies-Erzählung, Kain und Abel, Abraham und Sara, Isaak und Rebekka, Jakob und Rachel. Das sind Geschichten, die ich auf mehreren Ebenen lesen kann – genau das macht die Bibel spannend: Ich kann sie als Familiengeschichten lesen oder als Geschwistergeschichten, ich kann sie als Konfliktgeschichten lesen – und ich kann sie als Gotteserfahrungserzählungen lesen. Dass derselbe Text mir verschiedene Lektüreebenen öffnet, lässt das Buch fruchtbar werden.


Frage: Welche Tipps geben Sie Ihren Studierenden beim Bibellesen, die auch anderen helfen könnten?

Ballhorn: Selbst wenn man einzelne Szenen kennt – der Gesamtzusammenhang bringt oft neue Perspektiven. Ich lade die Studierenden ein, ein kleines Lesetagebuch zu machen: Welche Personen tauchen auf, wie sieht die "Bühne" aus, für welche Stichworte werde ich sensibilisiert, welche Fragen stellen sich? Beim Lesen geschieht etwas mit dem Buch – und mit mir selbst. Wenn man seine eigenen Fragen und Empfindungen ernst nimmt, ist man auf der richtigen Spur. Die Bibel ist ein Buch, das denkende, mitarbeitende Menschen verlangt. Man sollte daher auch auf seine eigenen Widerstände oder Rückfragen achten. Und auch bereit sein, sich überraschen zu lassen, selbst wenn man meint, die Texte schon gut zu kennen. Dazu kann ich ein Erlebnis erzählen.

Frage: Bitte sehr.

Ballhorn: Eine Studentin von mir hat kürzlich geheiratet. Sie hat mich vorher gefragt, welchen Bibeltext sie als Trauspruch auswählen soll. Ich habe ihr gesagt: Suchen Sie nicht irgendetwas mit "Hochzeit", sondern einen Bibeltext, der Sie selbst anspricht. Ich war bei der Trauung ganz überrascht: Sie hatten Psalm 36 genommen – "Bei dir ist die Quelle des Lebens; in deinem Licht schauen wir das Licht." Ein anderer Vers aus dem Psalm war: "Herr, deine Liebe reicht so weit wie die Wolken." Darin kann man sich als Brautpaar wiederfinden – und es öffnet einen weiten Horizont für das Leben

Frage: Gibt es denn auch Bücher, von denen man als nicht geübter Bibelleser erstmal die Finger lassen sollte?

Ballhorn: Ich würde kein Buch verbieten. Die Lesenden haben das Recht, mit Texten ganz frei umzugehen. Das ist mir als Exeget und Literaturwissenschaftler sehr wichtig. Wenn man merkt, dass man mit einem Text große Schwierigkeiten hat, sollte man das Buch einmal woanders aufschlagen.

Frage: Das berührt ja auch eine ganz wichtige Frage: Wie geht man mit aus heutiger Sicht unverständlichen, schwierigen Bibelstellen um, bei denen es zum Beispiel um Gewalt geht?

Ballhorn: Gewalt kommt in der Welt der Bibel vor. Die Bibel baut keine Idealwelt, die anders ist als unsere heutige Welt. Alles, was unsere Welt prägt und auch quält, ist ein Teil der Bibel: Kriege, Unterdrückung, aber eben auch die Idee, dass Gott ein Gott des Lebens ist. Viele Menschen stolpern über das Motiv des Zornes Gottes. “Zorn“ übersetzt man jedoch am besten mit "Gerechtigkeitseifer" Gottes – dann kann ich das einordnen. Gott wird nicht blind wütend, sondern er steht für Recht und Gerechtigkeit. Und wenn Menschen unterdrückt werden, lässt ihn das nicht unberührt, und er sorgt für Gerechtigkeit. Aber diese Zusammenhänge muss man durch die Lektüre von biblischen Texten lernen – das erschließt sich nicht gleich beim ersten Mal.

Frage: Was sind da gute Hilfsmittel?

Ballhorn: Schon die Liturgie ist ein gutes Hilfsmittel, weil die Bibel in Ausschnitten gelesen wird und die Texte oft so zusammengestellt sind, dass Altes und Neues Testament miteinander in Korrespondenz treten. Da ist schon eine Spur gelegt. Dann gibt es verschiedene Angebote beim Katholischen Bibelwerk, etwa die Lektorenhilfe, wo die Sonntagslesungen jeweils mit kleinen Auslegungen verbunden sind oder die Zeitschrift "bibel heute". Und dann gibt es noch ein Buch, das ich mitherausgegeben habe: "42 große Wörter der Bibel". Dessen Ziel ist es, zu einem vernetzenden Lesen zu ermutigen.

Frage: Was meint vernetzendes Lesen?

Ballhorn: Schauen wir auf das Wort "Licht". Am Anfang von Genesis heißt es: "Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde." Und danach “Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht." Das meint nicht einfach nur das Licht der Sonne, sondern Licht steht für Lebendigkeit und Zuwendung. Und meine Studentin, die den Trauspruch "In deinem Licht schauen wir das Licht" gewählt hat, hat schon intuitiv gespürt: Licht steht für die große Dimension unseres Lebens, die Güte Gottes. Wenn wir in der Osternacht Genesis 1 als ersten Text nach dem Osterfeuer lesen und dann im Osterevangelium die Frauen zum Grab kommen, "als gerade die Sonne aufgeht" und das Licht aufscheint, dann wissen wir doch intuitiv, dass hier genau diese Grenze von Tod zum Leben, von Finsternis zum Licht überschritten wird – Ostern. So vernetzt sich die Bibel durch bestimmte Motive und Stichworte. Mit unserem Buch wollen wir zu einem eigenständigen Lesen anregen, dass man die großen Linien finden kann.

Frage: Wenn man biblische Texte richtig verstehen will – worauf muss man achten?

Ballhorn: Man professionalisiert sich durch eigenes Lesen. Es ist natürlich etwas anderes, ob ich die Bibel oder einen Krimi lese. Es geht nicht um Informationsaufnahme, sondern es geht um ein Lesen, das die Sprache, die Inhalte "erschmeckt". Das heißt, auch wenig zu lesen, Und mehrfach lesen ist ein guter Zugang. Man soll einem Text Raum geben und ihn nachklingen lassen. Wenn ich die Psalmen aufschlage und ein Wort nach mir greift: Was will ich mehr?

Ein Mann liest in der Bibel
Bild: ©stock.adobe.com/4Max (Symbolbild)
"Es geht nicht um Informationsaufnahme, sondern es geht um ein Lesen, das die Sprache, die Inhalte 'erschmeckt'", sagt Egbert Ballhorn.

Frage: Wenn ich einen Text verstehen will: Was ist wichtig – und was zweitrangig? Oder anders ausgedrückt: Was ist zeitlos, was zeitgebunden?

Ballhorn: Das muss die jeweilige Lektüre zeigen, das würde ich nicht von vornherein durchsortieren. Ich nenne ein Beispiel aus der Schöpfungserzählung: Am Ende sagt Gott: "Ich gebe euch alle Pflanzen zur Nahrung." Da werden noch keine Tiere genannt. Erst nach der Sintflut-Erzählung sagt Gott: Notfalls dürft ihr auch Fleisch essen. Das hat man immer überlesen. In unserer Zeit, in der Ökologie und Tierethik wichtig sind, merken wir, dass die Bibel da eine Botschaft hat. Wer sich vegetarisch oder vegan ernähren will, kann das mit der Schöpfungserzählung in Genesis 1 begründen. Und wer sich auch mit Fleisch ernähren will, darf das nach Genesis 9 eben auch tun. Aber beides ist eingefügt in einen großen Zusammenhang einer schöpfungstheologischen Fragestellung. Früher hätte man das einfach als zeitgebunden betrachtet. Aber: Zeitgebunden sind eher unsere Vorstellungen von den Texten, - nicht so sehr die Texte selbst. Als biblischer Theologe ist es meine Aufgabe, die Texte so lange zu befragen, bis ich erkenne, wo Impulse in die Gegenwart hineinsprechen.

Frage: Ist die akademische Bibelexegese mehr wert als eine persönliche Bibelinterpretation?

Ballhorn: Ja und Nein. Zum einen bin auch ich als Wissenschaftler nur ein Leser. Ich habe keine andere Erkenntnis als jeder andere Mensch, der mit seinem Verstand die Bibel liest. Jeder kann Entdeckungen zum Text machen, die von Bedeutung sind. Die wissenschaftliche Exegese bringt die Kenntnis der Urtexte ein und ist eine Art Gedächtnisspeicher der Auslegungsgeschichte, also ein großer Reichtum an Erfahrungen. Und wenn ich wissenschaftlich lese, lese ich strukturierter, zusammenhängender und argumentierender als jemand, der für sich die Bibel liest. Das ist das Plus der wissenschaftlichen Exegese.

Frage: Es gibt ja auch eine lange kirchliche Tradition der Auslegungen von Bibelstellen. Wie soll man sich dazu verhalten?

Ballhorn: Als Theologe bin ich Christ und lese die Bibel als jemand, der sich zur Kirche bekennt. Ich lese sie im Rahmen meiner eigenen kirchlichen Tradition, die 2.000 Jahre alt ist, und bin selbst Teil dieser Lektüretradition. Da erlebe ich keine Einengung. Die Kirche sagt, dass Theologie als Wissenschaft hilft, die Erkenntnis zu vertiefen. Das heißt, ich bin als Wissenschaftler frei zu denken. Wenn ich an einer Stelle etwas einbringen will, muss ich eben versuchen, zu argumentieren, beispielsweise in der Frage, ob Frauen kirchliche Ämter übernehmen können. Da haben wir eine bestimmte Auslegungstradition der Bibel. Als Exeget werde ich aber versuchen, deutlich zu machen, dass diese Tradition um neue Sichtweisen erweitert werden kann und muss.

Frage: Entdecken auch Sie als Experte hin und wieder etwas Neues, Unerwartetes in biblischen Texten?

Ballhorn: Unbedingt! Selbst bei Texten, die ich schon hundertmal in Seminaren gelesen habe, kann es immer wieder passieren, dass eine Studentin im ersten Semester mir am Text etwas zeigt, das ich schon hundertmal überlesen habe. Natürlich gibt es Texte, mit denen ich vertrauter oder unvertrauter bin. Aber zu wissen, dass ich bis an mein Lebensende mit diesen Texten nicht fertig werde, finde ich großartig.

Von Matthias Altmann


( Egbert Ballhorn lehrt Exegese und Theologie des Alten Testaments an der TU Dortmund und ist Vorsitzender des Katholischen Bibelwerks)

Kommentare

Schreib auch du einen Kommentar
 
Putz 22.06.2025 20:53
Die Darstellung von Herrn Ballhorn kann ich als evangelischer Theologe gut unterstreichen. Man kann, ja man muss logisch mit den Werkzeugen der Vernunft vorgehen und kann zugleich "gottbegieriger" Christ sein, dann wird die Bibel eine Schatzkammer mit immer neuen Entdeckungen.
 
Sherezade 22.06.2025 21:01
Oberthema:
Biblische Hermeneutik und die verschiedenen Methoden der Auslegung...
 
(Nutzer gelöscht) 22.06.2025 21:12
Fortlaufend lesen ist auch gut und/oder mit versch. Übersetzungen oder einer Studienbibel. 

Allerdings gab es hier auch schon ganz besondere Schlaumeier, die behaupteten, dass man die Heilige Schrift nur lesen könne, wenn man die Ursprache beherrschen würde. Das fand ich sehr vermessen und arrogant. 

Gut finde ich auch Bibelstunden wo man tiefer einsteigen kann und Erklärungen bekommt. Die Gemeinschaft ist auch bereichernd. Bibelstunde oder Hauskreis ist was tolles.
 
Putz 22.06.2025 21:47
Betr. Ursprache: sie hilft manchmal, Sprachspiele unnachahmlich zu verstehen, z.B in der Schöpfungsgeschichte die hebräische Vokabel tohuwabohu, wüst und leer. Sprache ist auch Musik
 
(Nutzer gelöscht) 22.06.2025 21:57
Danke für den Hinweis Putz. Genau solche Hinweise bekommt man eben in einer guten Predigt, in der Bibelstunde usw. 
Sicher ist es gut, wenn man die Ursprache kann, gar keine Frage. Nur ist es eben nicht so, wie manche hier schon gesagt hatten im Forum, dass dies eine zwingende Voraussetzung sein muss um glauben zu können oder irgendwie als Christ "gut genug zu sein". Ich möchte jetzt keine Namen nennen, aber es war wirklich so. 

Dies Schlaumeier haben die Rechnung allerdings ohne den Heiligen Geist gemacht, mit welchem wir ja mit dem gläubig werden auch versiegelt wurden. Welch eine Zusage.

Und wer mit dem HErrn lebt hat es auch erlebt: Es gibt Predigten oder Bibelwort die wirken dann so als wären sie in diesem Augenblick "nur für mich gemacht". Das ist dann das lebendige und das was Bibellesen so wertvoll macht.

Und wie soll ich denn Gott kennenlernen, Jesus vertrauen können, wenn nicht durch sein Wort? 

Manchmal habe ich allerdings - traurig - auch den Eindruck, dass es Leute gibt, die das Wort, die Bibel, ihren Wertmaßstab gering schätzen, ja regelrecht bekämpfen. 
Da ist dann von Biblizisten usw. die Rede. Schändlich und böse. Manchmal denke ich dann: So ein Mensch kann einem eigentlich nur leid tun, aber der Spott und die Häme, das tut dann schon weh.
 
(Nutzer gelöscht) 22.06.2025 22:05
Wenn Menschen neu zum Glauben kamen, dann hat man in meiner Gemeinde immer empfohlen mit dem Johannes-Evangelium anzufangen. Es gab dann auch immer Leute die man fragen konnte und es herrschte der Grundsatz: Es gibt keine dummen Fragen und keiner spricht sich den Glauben ab. Das fand ich sehr gut. 

In der Jugendstunde haben wir oft themenbezogen den Abend begangen. Einer oder meist 2 hatten es vorbereitet. Das war gut, man liest Bibel, wächst selbst dadurch im Glauben. 

Es gibt ja auch Bibellesehilfen: 
z.B. den sog. Bibellesezettel der Aidlinger Schwestern.

Toll finde ich heute, dass man Bibelübersetzungen digital heute haben kann. 

Ich persönlich lese nur noch Schlachter 2000 bzw. Luther 1545, ich lege Wert auf den Textus Rezeptus. Möchte das hier nicht vertiefen, würde zu weit führen. Wer es wissen will, kann mich gerne per PN anschreiben.
 
Klavierspielerin2 23.06.2025 07:11
" 42 große Wörter – die Bibel aufgeschlüsselt"

„42 große Wörter – Schlüssel zur Botschaft der Bibel“ ist der Titel eines neuen Buches. Die vier Herausgeber*innen, drei davon kommen aus dem Bistum Osnabrück, wollen damit Lust darauf machen, das Buch der Bücher wieder neu zu entdecken.

42. Wer Douglas Adams Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ gelesen hat, weiß: Das ist die Antwort auf die „endgültige Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“. Für den englischen Autor war das ein Spaß, wie er sagte, einfach ein Witz. Aber die Zahl kommt nicht nur in der Popkultur vor, sie hat auch einen biblischen Hintergrund: Es sind beispielsweise 42 Stationen, von denen aus die Israeliten aus Ägypten, wo sie in der Sklaverei lebten, ins gelobte Land, die Freiheit aufbrechen.

Die vier Herausgeberinnen und Herausgeber des neuen Buches „42 große Wörter – Schlüssel zur Botschaft der Bibel“ haben sich an diesen 42 Stationen der Wüstenwanderung orientiert. Sie haben auch nicht so lange gebraucht wie der Supercomputer „Deep Thought“, der bei Adams 7,5 Millionen Jahre rechnete. Das Herausgeberteam, Uta Zwingenberger, Diözesanbeauftragte für biblische Bildung im Bistum Osnabrück, Regina Wildgruber, Bischöfliche Beauftragte für die Weltkirche im Bistum und die Professoren Egbert Ballhorn aus Dortmund und Georg Steins aus Osnabrück hatten sich 2018 an die Arbeit gemacht – gleich nachdem sie ihr erstes Buch zur Bibel, „73 Ouvertüren“, fertig hatten, in dem es um die Anfänge der biblischen Bücher geht.

Weitere Infos
https://bistum-osnabrueck.de/42-grosse-woerter-die-bibel-aufgeschluesselt/
 
Klavierspielerin2 23.06.2025 07:47
" 42 große Wörter
Schlüssel zur Botschaft der Bibel"

Die Antwort auf die Frage nach Gott, dem Menschen und dem ganzen Rest
42 große Leitwörter erschließen die Botschaft der Bibel in ihrer Gestalt und Lebensrelevanz.

Wer die Bibel liest, verliert sich leicht in der Fülle der Bilder, Vorstellungen und literarischen Formen. Doch es gibt einige Große Wörter, die immer wiederkehren: Leiden, Segen, Schalom, Weisheit ... Sie helfen, den zentralen Themen der Bibel auf die Spur zu kommen.

42 Essays nehmen je ein Stichwort auf, entfalten die Bedeutung des Themas und legen eine Deutungsspur durch die gesamte Bibel. Die Leitworte verbinden sich so zu einem Wegenetz durch das Basisbuch unserer Kultur.

Nach und nach setzt sich die biblische Weltkarte zusammen – mit vielen überraschenden Perspektiven auf Gott und Menschheit, auf das Leben zwischen Geburt und Tod und darüber hinaus.

Weniger Text anzeigen
Ausgabe:
Hardcover, mit Schutzumschlag, 432 Seiten, 15,0x22,7cm
Erschienen am:
25.09.2024
ISBN:
978-3-579-07194-7

Verlag:
Gütersloher Verlagshaus
Mehr Details
Leseprobe als PDF
https://www.penguin.de/buecher/42-grosse-woerter/buch/9783579071947
 
Sherezade 23.06.2025 07:51
Auch wenn die Hörspiele vor den Büchern waren...
Douglas Adams war Atheist...genau deshalb hat er The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy so geschrieben...
 
Klavierspielerin2 23.06.2025 07:57
Douglas Adams kannte aber offensichtlich die Bibel, das kann man aus seiner " Trilogie" herauslesen. Aber ja, steht ja weiter oben, dass er Atheist war und seine namentliche Erwähnung soll keine Kaufempfehlung darstellen!
 
Klavierspielerin2 23.06.2025 08:17
Weiter oben ebenfalls erwähnt, " 73 Ouvertüren
Die Buchanfänge der Bibel und ihre Botschaft"

»Beim Öffnen der Bibel eröffnet sich etwas. Ein Weltraum.« (Arnold Stadler)
Buchanfänge haben es in sich! Wenn sie gelungen sind, dann schaffen sie es, sich den Leser zur Beute zu machen. Gefangen in den ersten Seiten, lässt das Buch uns nicht mehr los. Was für moderne Literatur gilt, das gilt auch für die biblischen Bücher: Ihre Anfänge haben das Potenzial, einen Zugang zum Ganzen der Schrift zu eröffnen.
Fünfzig namhafte Bibelwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler legen dieses Potenzial frei. Von den Buchanfängen ausgehend bietet der Band anschauliche Einblicke in alle 73 Bücher der Bibel. So kommen die Leitideen des biblischen Kanons in klarer, verständlicher Weise neu zur Geltung. Ein Werk, das die Bibel nicht nur als religiöse Schatzkammer, sondern als einzigartiges Kulturgut und als Teil der Weltliteratur neu nahe bringt.
https://www.penguin.de/buecher/73-ouvertueren/buch/9783579082370
 
Mischael 23.06.2025 13:48
Gute Frage, wie man eigentlich die Bibel liest.
Das nächstliegende wäre, unseren HEILAND, HERRN JESUS CHRISTUS, im Gebet zu fragen und dabei gleichzeitig um Weisheit und um eine gute Auffassungsgabe zu bitten.
 
(Nutzer gelöscht) 23.06.2025 13:57
Um Weisheit bitten und IHN bitten, dass ER uns das Wort aufschließt. 

Ich muss an den Vers aus Sprüche denken:

Ich liebe die mich lieben und die mich suchen finden mich. 
Spr. 8,17

Das ist eine Verheißung und die gilt auch heute noch, uneingeschränkt und sie gilt auch noch für das Bibel lesen.
 
Klavierspielerin2 23.06.2025 14:16
Für die, die an Tipps interessiert sind:

" Irritierende Verse in der Heiligen Schrift
Das Kamel und das Nadelöhr: Schwierige Bibelstellen und ihre Deutung

 Kommen Reiche nicht in den Himmel? Erlaubt Gott Vergeltung? Und belohnt er faule Menschen? Manche Bibelstellen sorgen seit jeher für Missverständnisse und lassen auch heute noch manchen Leser ratlos zurück. Ein Blick auf "irritierende" Verse und wie man sie deuten kann.


Manche Bibelstellen sind eine Herausforderung. Nicht, weil sie besonders schwer zu verstehen wären, sondern weil ihre Aussagen auf den ersten Blick so gar nicht zu dem Bild eines gerechten Gottes zu passen scheinen. Das ging auch schon früheren Generationen von Lesern der Heiligen Schrift so. Eine kleine Auswahl entsprechender Verse anlässlich des ökumenischen Bibelsonntags in Deutschland.

"Auge für Auge, Zahn für Zahn" (Ex 21,24)
Erlaubt Gott, bei Schaden Rache zu nehmen? Die Formel "Auge für Auge, Zahn für Zahn" ist eine der missverständlichsten der Bibel. Sie wird bis heute verwendet, um ein für das Alte Testament angeblich charakteristisches Vergeltungsprinzip zu konstruieren – mit fatalen antijüdischen Implikationen. In der christlichen Rezeption wurde die Stelle oft als "Auge um Auge, Zahn um Zahn" übersetzt und als Talionsformel (von lateinisch talio, "Vergeltung"zwinkerndes Smiley aufgefasst, die das Opfer oder seine Vertreter auffordere, dem Täter Gleiches mit Gleichem "heimzuzahlen" beziehungsweise sein Vergehen zu sühnen.

Allerdings widersprechen der biblische Kontext und die jüdische Tradition dieser Auslegung. Denn die Formel stammt aus dem Ersatzrecht und ist als Prinzip des angemessenen Ausgleichs für Körperverletzungen zu verstehen. Sie zielt nicht auf eine Schädigung des Schädigers, sondern auf Entschädigung des Geschädigten. Sie stellt also ein Bemessungsprinzip dar, das auf eine gleichwertige Ersatzleistung, nicht auf einen gleichartigen Schaden abzielt. Heutzutage würde man das Schadensersetz nennen.


Bild: ©picture alliance / Uta Poss (Symbolbild)
Manche Bibelstellen sind Provokation. Damit setzten sich schon frühere Generationen von Lesern ausenander.

"Der Herr gibt es den Seinen im Schlaf" (Ps 127,2)
Werden Menschen, die faul sind, von Gott bevorzugt? Eine berühmte Stelle aus Psalm 127 scheint das zu belegen: "Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und euch spät erst niedersetzt, um das Brot der Mühsal zu essen; denn der Herr gibt es den Seinen im Schlaf." Erfahrungen aus dem Alltag verleiten einen manchmal dazu, das zu glauben: Einerseits gibt es Menschen, die ständig ackern, aber auf keinen grünen Zweig kommen. Anderen dagegen scheint alles zuzufallen. Ihnen gelingt alles, manchmal wirkt ihr Erfolg gar unverdient.

Wie ist der Satz in den Kontext des Psalms eingebettet? Bei dem Psalm handelt es sich um ein Wallfahrtslied. Die Pilger haben es gebetet, wenn sie zum Tempel hinaufgezogen sind, dem prächtigen Bauwerk, das einst König Salomo errichten ließ. "Wenn nicht der Herr das Haus baut, mühen sich umsonst, die daran bauen", heißt es am Beginn des Psalms. Damit wird das, was der Mensch erreichen kann, relativiert. Sein Wille oder seine Macht können noch so groß sein. Aber nur wenn das menschliche Tun und seine Mühen mit Gott verbunden sind, kann es letztlich Erfolg haben. Dann gibt es der Herr den Seinen im Schlaf. Oder anders gesagt: Alle Mühe ist vergebens, wenn nicht Gottes Segen dabei ist.

"Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr…" (Mk 10,25)
Es ist eine radikale Aussage Jesu: Die Behauptung, ein Kamel käme immer noch leichter durch ein Nadelöhr, als ein Reicher in den Himmel. Man findet den Satz in drei der vier Evangelien (Mk 10,25, Mt 19,24, Lk 18,25), jeweils etwas unterschiedlich eingebunden. Die Schärfe der Aussage irittiert seit jeher. Daher suchte man nach möglichen anderen Bedeutungen der Worte "Kamel" und "Nadelöhr". So schreibt etwa Kyrillos von Alexandria, in der Seemannssprache bezeichne "Kamel" ein dickes Seil. Und ab dem 10. Jahrhundert taucht in einigen neutestamentlichen Handschriften die Lesart "kamilos" auf, für die die Übersetzung "Schiffstau" verzeichnet wurde. Andere Kommentatoren interpretierten das Nadelöhr als ein kleines Nebentor in der Stadtmauer Jerusalems, durch das Kamele sich nur mühsam hindurchzwängen konnten. So würde aus dem Unmöglichen eine zwar schwierige, aber prinzipiell lösbare Aufgabe. Doch Exegeten halten beide Varianten nicht für wissenschaftlich haltbar.

Dass der Satz auch genau so gemeint ist, lässt schon Reaktion der Jünger im Text erkennen. Sie fragen: "Wer kann dann noch gerettet werden?" Darauf sagt Jesus den entscheidenden Satz: "Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich." Zwar macht Reichtum es unmöglich, in idealer Weise Jesus nachzufolgen. Denn dieser fordert diejenigen, die ihm nachfolgen wollen, auf, alles zurückzulassen – auch ihren Besitz. Aber ob ein Leben zum Reich Gottes führt, hängt nicht allein vom Menschen ab, sondern entscheidend von Gott. Der provozierende Satz vom Kamel enthält also keine Handlungsanweisung für den sicheren Weg in den Himmel, sondern soll aufrütteln. Denn das Reich Gottes wird von Gott bewirkt und den Menschen unverdient geschenkt."

Von Matthias Altmann
weiße TaubeJetzt kostenlos registrieren