Teil 2 einer Kurzgeschichte
01.06.2025 11:05
Teil 2 einer Kurzgeschichte
01.06.2025 11:05
Teil 2 einer Kurzgeschichte
Teil 1 ist hier 👉 bitte klicken
Von Seemenschen und Landmenschen
Teil 2
Zwei blitzende Augen durchbohrten ihn,
ein Windstoß fuhr durch die langen Haare
und eine Stimme schien ihn zu zertrümmern.
„Hey Landmensch!“
Er rührte sich nicht.
„Du bist doch ein Landmensch, oder?“
brüllte er ihm ins Ohr.
Er fing sich: „Ja, natürlich,
was soll ich denn sonst sein?!“
„Dann komm mit!“
Da Landmenschen höflich sind und Anweisungen befolgen,
folgte er ihm zähneknirschend.
Sie gingen auf eine alte Seemannsspelunke zu.
„Was soll ich hier?“ rief er ärgerlich
und weigerte sich, noch einen Schritt weiterzugehen.
An der Hüfte des Mannes sah er im Mondlicht einen Dolch blitzen.
Doch er wurde am Kragen gepackt,
durch die Tür quer durch einen dunklen Raum gezogen
und in einer zwielichtigen Ecke auf einen Holzstuhl gedrückt.
Ihm verschlug es den Atem
als er Rauch, Tabak, Rum und Schweiß in seiner Lunge spürte.
Als er die Augen öffnete, blickte er direkt in das Gesicht des Fremden.
Der holte aus ...
und ließ Rum aus einem Krug in zwei Becher laufen.
Dann verzog er sein Gesicht zu einem breiten Grinsen:
„Landmenschen brauchen Geschichten!“
Fassungslos sank er in seinem Stuhl zusammen
und griff zitternd nach dem Becher.
Der Fremde prostete ihm lachend zu
und leerte seinen in einem Zug.
Nach einem donnernden Rülpser folgte eine dramatische Pause.
Die stahlblauen Augen richteten sich weit in die Ferne,
verweilten dort,
sprangen drohend und blitzend wieder zu ihm zurück,
nur um danach wieder zu verschwinden.
Rauch, Rum, Schweiß und Dämmerlicht vermischten sich
mit den stahlblauen Augen
und zogen ihn in eine ferne Welt.
Becher um Becher leerte sich,
je tiefer die Nacht wurde und je mehr der Fremde trank,
desto lebendiger wurden seine Schilderungen.
Versonnen betrachtete er die klaren, blitzenden Augen,
die sonnenverbrannte Haut,
die wind- und wellenzerfetzten Kleider
und die weitausladende Gestik seines Gegenübers,
die nur von seinen fliegenden Haaren übertroffen wurde,
mit denen er den Sturm zu imitieren schien,
von dem er gerade erzählte.
Seine Krawatte schnürte ihm die Kehle zusammen,
er lockerte sie zögernd und knöpfte sein Hemd auf: Luft!
Dann griff er nach dem Kautabak, seine Lieblingssorte,
kaute lange darauf herum
und spuckte ihn sich direkt vor die Füße,
um die eklige, schwarze Masse angewidert zu betrachten.
„Hey Landmensch!“ riss ihn der Fremde aus seinen Gedanken.
„Das Elendeste an der Geschichte ist,
dass unser Kapitän dabei draufgegangen ist.
Spitzenmannschaft, gutes Schiff aber kein Kapitän.
„Hast du eine Ahnung, was das bedeutet?“
Sein Gesicht kam ganz nah an ihn heran,
die klaren Augen durchbohrten ihn.
Er wand sich auf seinem Stuhl
und hielt sich mit den Augen an der Kautabakpfütze fest.
„Das war ein ECHTER Kapitän!“ fuhr der Fremde fort,
„keiner von der Sorte, die meinen es genüge,
einen Kompass dabei zu haben
und ein bisschen am Ruder zu drehen.
Er kannte das Meer, die Sterne, den Wind, die Mannschaft,
hat alles gewittert der alte Hund!
Seine Stimme hat nicht mal der Sturm gewagt zu übertönen.
SCHEISSE!“
Sein Kopf knallte auf den Tisch
und er rührte sich nicht mehr.
Pete stand langsam auf,
zahlte die Zeche
und suchte im Dunst den Weg zur Tür.
Als er sie aufstieß, sah er das glitzernde Meer vor sich.
Im Morgengrauen wurden gerade die prächtigen Schiffe beladen
und vertäut, um in See stechen zu können.
Er roch die frische, salzige Luft
und eine Flut der Erinnerungen überwältigte ihn.
Er wusste nicht, wie lange er da so gestanden hatte,
es mussten Stunden gewesen sein.
Die Schiffe waren alle weg,
das geschäftige Treiben hatte aufgehört.
Er war müde.
Seine Beine trugen ihn den weiten Weg zu seinem Haus.
Er sank auf die Stufen der Veranda
und zündete sich eine Zigarre an.
Dann stand er auf,
ging hinein,
schloss die Tür und zog die Vorhänge zu.
Er drehte den Schlüssel im Schloss, zweimal wie üblich.
Dann schlich er leise durch die Räume seiner Villa
und öffnete die Hintertür
zu seinem hoch ummauerten Garten.
Er sah auf einen riesigen Schrotthaufen,
der mit einem Leinentuch abgedeckt war.
Mit einem schnellen Griff
nahm er eine kleine Kordel von der Tür
und zog einmal kräftig dran.
Das Leinentuch fiel wie von Zauberhand zu Boden
und ein herrliches Schiff kam zum Vorschein.
„Es ist Zeit!“ rief er seinem größten Schatz zu.
Er hatte jeden Penny in dieses Schiff gesteckt,
nur die besten Materialien verwendet.
„Dieses Mal werden wir nicht absaufen!“
Verfasserin:
Miriam Fillbrandt (*26.09.1977; †28.12.2016)
Gefährtin und beste Freundin
Von Seemenschen und Landmenschen
Teil 2
Zwei blitzende Augen durchbohrten ihn,
ein Windstoß fuhr durch die langen Haare
und eine Stimme schien ihn zu zertrümmern.
„Hey Landmensch!“
Er rührte sich nicht.
„Du bist doch ein Landmensch, oder?“
brüllte er ihm ins Ohr.
Er fing sich: „Ja, natürlich,
was soll ich denn sonst sein?!“
„Dann komm mit!“
Da Landmenschen höflich sind und Anweisungen befolgen,
folgte er ihm zähneknirschend.
Sie gingen auf eine alte Seemannsspelunke zu.
„Was soll ich hier?“ rief er ärgerlich
und weigerte sich, noch einen Schritt weiterzugehen.
An der Hüfte des Mannes sah er im Mondlicht einen Dolch blitzen.
Doch er wurde am Kragen gepackt,
durch die Tür quer durch einen dunklen Raum gezogen
und in einer zwielichtigen Ecke auf einen Holzstuhl gedrückt.
Ihm verschlug es den Atem
als er Rauch, Tabak, Rum und Schweiß in seiner Lunge spürte.
Als er die Augen öffnete, blickte er direkt in das Gesicht des Fremden.
Der holte aus ...
und ließ Rum aus einem Krug in zwei Becher laufen.
Dann verzog er sein Gesicht zu einem breiten Grinsen:
„Landmenschen brauchen Geschichten!“
Fassungslos sank er in seinem Stuhl zusammen
und griff zitternd nach dem Becher.
Der Fremde prostete ihm lachend zu
und leerte seinen in einem Zug.
Nach einem donnernden Rülpser folgte eine dramatische Pause.
Die stahlblauen Augen richteten sich weit in die Ferne,
verweilten dort,
sprangen drohend und blitzend wieder zu ihm zurück,
nur um danach wieder zu verschwinden.
Rauch, Rum, Schweiß und Dämmerlicht vermischten sich
mit den stahlblauen Augen
und zogen ihn in eine ferne Welt.
Becher um Becher leerte sich,
je tiefer die Nacht wurde und je mehr der Fremde trank,
desto lebendiger wurden seine Schilderungen.
Versonnen betrachtete er die klaren, blitzenden Augen,
die sonnenverbrannte Haut,
die wind- und wellenzerfetzten Kleider
und die weitausladende Gestik seines Gegenübers,
die nur von seinen fliegenden Haaren übertroffen wurde,
mit denen er den Sturm zu imitieren schien,
von dem er gerade erzählte.
Seine Krawatte schnürte ihm die Kehle zusammen,
er lockerte sie zögernd und knöpfte sein Hemd auf: Luft!
Dann griff er nach dem Kautabak, seine Lieblingssorte,
kaute lange darauf herum
und spuckte ihn sich direkt vor die Füße,
um die eklige, schwarze Masse angewidert zu betrachten.
„Hey Landmensch!“ riss ihn der Fremde aus seinen Gedanken.
„Das Elendeste an der Geschichte ist,
dass unser Kapitän dabei draufgegangen ist.
Spitzenmannschaft, gutes Schiff aber kein Kapitän.
„Hast du eine Ahnung, was das bedeutet?“
Sein Gesicht kam ganz nah an ihn heran,
die klaren Augen durchbohrten ihn.
Er wand sich auf seinem Stuhl
und hielt sich mit den Augen an der Kautabakpfütze fest.
„Das war ein ECHTER Kapitän!“ fuhr der Fremde fort,
„keiner von der Sorte, die meinen es genüge,
einen Kompass dabei zu haben
und ein bisschen am Ruder zu drehen.
Er kannte das Meer, die Sterne, den Wind, die Mannschaft,
hat alles gewittert der alte Hund!
Seine Stimme hat nicht mal der Sturm gewagt zu übertönen.
SCHEISSE!“
Sein Kopf knallte auf den Tisch
und er rührte sich nicht mehr.
Pete stand langsam auf,
zahlte die Zeche
und suchte im Dunst den Weg zur Tür.
Als er sie aufstieß, sah er das glitzernde Meer vor sich.
Im Morgengrauen wurden gerade die prächtigen Schiffe beladen
und vertäut, um in See stechen zu können.
Er roch die frische, salzige Luft
und eine Flut der Erinnerungen überwältigte ihn.
Er wusste nicht, wie lange er da so gestanden hatte,
es mussten Stunden gewesen sein.
Die Schiffe waren alle weg,
das geschäftige Treiben hatte aufgehört.
Er war müde.
Seine Beine trugen ihn den weiten Weg zu seinem Haus.
Er sank auf die Stufen der Veranda
und zündete sich eine Zigarre an.
Dann stand er auf,
ging hinein,
schloss die Tür und zog die Vorhänge zu.
Er drehte den Schlüssel im Schloss, zweimal wie üblich.
Dann schlich er leise durch die Räume seiner Villa
und öffnete die Hintertür
zu seinem hoch ummauerten Garten.
Er sah auf einen riesigen Schrotthaufen,
der mit einem Leinentuch abgedeckt war.
Mit einem schnellen Griff
nahm er eine kleine Kordel von der Tür
und zog einmal kräftig dran.
Das Leinentuch fiel wie von Zauberhand zu Boden
und ein herrliches Schiff kam zum Vorschein.
„Es ist Zeit!“ rief er seinem größten Schatz zu.
Er hatte jeden Penny in dieses Schiff gesteckt,
nur die besten Materialien verwendet.
„Dieses Mal werden wir nicht absaufen!“
Verfasserin:
Miriam Fillbrandt (*26.09.1977; †28.12.2016)
Gefährtin und beste Freundin
Kommentare
Christinchen49 01.06.2025 11:49
ich habe wohl verstanden.....miriam war einst deine gefaehrtin .....erinnerungen kommen hoch..was für eine berührende geschichte...danke dir v herzen fürs teilen...
Harlekin2 01.06.2025 17:20
Ja, liebe Christinchen49,
genau so ist es
Es war ihre erste und schließlich auch einzige veröffentlichte Kurzgeschichte
Was ihr schon immer sehr wichtig war,
nicht nur die eigene Berufung zu finden,
sondern sie auch dann nicht aus den Augen zu verlieren,
wenn man sie mal (vorübergehend) nicht leben kann.
Ich finde, diese Geschichte beinhaltet auch sonst viel "Stoff"
genau so ist es
Es war ihre erste und schließlich auch einzige veröffentlichte Kurzgeschichte
Was ihr schon immer sehr wichtig war,
nicht nur die eigene Berufung zu finden,
sondern sie auch dann nicht aus den Augen zu verlieren,
wenn man sie mal (vorübergehend) nicht leben kann.
Ich finde, diese Geschichte beinhaltet auch sonst viel "Stoff"
(Nutzer gelöscht) 01.06.2025 17:46
@Harlekin, das ist so ein treues Andenken, das du pflegst..............👍
ja, die Geschichte hat viel Stoff
ich würde am liebsten mit an Bord gehen und aufs weite Meer segeln
ja, die Geschichte hat viel Stoff
ich würde am liebsten mit an Bord gehen und aufs weite Meer segeln

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