Von Seemenschen und Landmenschen - Eine Kurzgeschichte
31.05.2025 18:20
Von Seemenschen und Landmenschen - Eine Kurzgeschichte
31.05.2025 18:20
Von Seemenschen und Landmenschen - Eine Kurzgeschichte
Es gab einmal eine Zeit,
da fuhren die Menschen noch mit Schiffen auf dem Meer,
saßen in Hafenkneipen
und erzählten abenteuerliche Geschichten von ihren Reisen,
während die anderen auf dem Land wohnten,
ihre Felder bestellten, Nahrungsmittel produzierten
und gerne Geschichten hörten.
Alles hatte seine feste Ordnung,
jeder wusste wo er hingehörte.
Doch eines Tages geschah ein Unglück.
In einem wütenden Sturm
zerschellte ein majestätisches Schiff an einem Felsen
und der Kapitän
fand sich als einziger Überlebender an Land wieder.
Er suchte sofort die nächste Hafenkneipe auf,
um einen klaren Kopf zu bekommen.
Er trank viel Rum, sang viele traurige und herrliche Lieder
über das Meer, die Reisen, seine Mannschaft und sein Schiff.
Dann sah er seinem Elend frontal ins Gesicht.
Er hatte kein Schiff mehr
und damit weder Taler noch Mannschaft, um ein neues zu bauen.
Es gab nur eine Lösung: er musste an Land!
So begann er, sich in abgeschiedenen Winkeln zu verbergen,
um die Landmenschen genau zu studieren.
Einem Seemenschen würden sie nicht trauen,
er musste werden wie sie.
Dann konnte er bei ihnen arbeiten,
Geld verdienen und ein neues Schiff bauen.
Das war der Plan.
Er bemerkte immer mehr: ihre Gewohnheiten,
die Kleidung zu verschiedenen Anlässen,
ihre Gestik, Mimik und die Art und Richtung ihrer Konversation
und prägte sich alles genau ein.
Nacht für Nacht trainierte er ihren gemäßigten Gang,
fluchte über seine schwankende Seemanns-Statur
und trank eine Menge Rum.
Eines Tages stand er auf,
rasierte sich, schnitt die wilden Haare ab,
zog einen Anzug an (der einsam an einer Leine im Wind flatterte)
und ging in die Stadt.
Seine dröhnende Stimme,
die sich sonst gegen Wind, Wellen
und einen rabiaten Männerhaufen stemmen musste,
dämpfte er
und sprach höflich und respektabel
die ersten ländlichen Worte.
Und ein Wunder geschah!
Die Landmenschen bemerkten nichts von seiner Verwandlung,
sie behandelten ihn wie Ihresgleichen
und bald hatte er eine ordentliche Arbeit.
Er hörte auf,
sich in lauten und vulgären Hafenkneipen herumzutreiben
und trank nun lieber ein Glas guten Wein zum Essen.
Sogar die Frauen sahen ihn anders an,
er war jetzt ein „ernstzunehmender Kandidat“
statt eines kurzen Abenteuers zwischendurch
und er dachte über ein Haus und eine Familie nach.
Er war jetzt ordentlich, zuverlässig, pflichtbewusst und respektiert.
Die Menschen an Land achteten ihn.
Nie hätte er gedacht, dass er es mal so weit bringen würde.
Wenn nur diese Kleinigkeiten nicht wären.
Er musste sich ständig bezwingen
es gab hier keine direkten Äußerungen,
alles war geheimnisvoll verschlüsselt.
Wenn jemand ein Vollidiot war,
dann durfte man ihm das nicht direkt sagen.
Es gab da dieses „höfliche Schweigen“,
man schluckte seinen Ärger hinunter
und redete dann mit anderen über seine Missstimmungen.
Auch wieder leise und gedämpft, das war höflich.
Man musste alles über Blicke deuten, weil keiner direkt war
und langsam wurde auch er von dieser unsichtbaren Furcht ergriffen:
„Was denken die anderen, reden sie über mich?“
Dann schlug er kräftig mit der Faust auf den Tisch:
„Nu is aber gut!“
So zogen viele Jahre ins Land
und unser grobschlächtiger Kapitän wurde sehr erfolgreich
und in die Riege der wichtigen Bürger aufgenommen.
Gekonnt erhob er an diesem Abend sein Glas,
wählte die Worte, setzte sich dezent
und erntete überall anerkennende Blicke.
Zufrieden ging er danach ein wenig spazieren
und zündete sich eine teure Zigarre an.
Ohne es zu bemerken,
war er in die Nähe des Hafens gekommen,
wo die Sonne gerade unterging.
Ihn überkam ein seltsames Gefühl.
Gleich würde es dunkel sein,
so spät trieb man sich nicht alleine am Hafen herum,
schon gar nicht mit teurer Zigarre!
Da legte sich von hinten eine Pranke auf seine Schulter
und riss ihn herum.
Er war starr vor Angst.
da fuhren die Menschen noch mit Schiffen auf dem Meer,
saßen in Hafenkneipen
und erzählten abenteuerliche Geschichten von ihren Reisen,
während die anderen auf dem Land wohnten,
ihre Felder bestellten, Nahrungsmittel produzierten
und gerne Geschichten hörten.
Alles hatte seine feste Ordnung,
jeder wusste wo er hingehörte.
Doch eines Tages geschah ein Unglück.
In einem wütenden Sturm
zerschellte ein majestätisches Schiff an einem Felsen
und der Kapitän
fand sich als einziger Überlebender an Land wieder.
Er suchte sofort die nächste Hafenkneipe auf,
um einen klaren Kopf zu bekommen.
Er trank viel Rum, sang viele traurige und herrliche Lieder
über das Meer, die Reisen, seine Mannschaft und sein Schiff.
Dann sah er seinem Elend frontal ins Gesicht.
Er hatte kein Schiff mehr
und damit weder Taler noch Mannschaft, um ein neues zu bauen.
Es gab nur eine Lösung: er musste an Land!
So begann er, sich in abgeschiedenen Winkeln zu verbergen,
um die Landmenschen genau zu studieren.
Einem Seemenschen würden sie nicht trauen,
er musste werden wie sie.
Dann konnte er bei ihnen arbeiten,
Geld verdienen und ein neues Schiff bauen.
Das war der Plan.
Er bemerkte immer mehr: ihre Gewohnheiten,
die Kleidung zu verschiedenen Anlässen,
ihre Gestik, Mimik und die Art und Richtung ihrer Konversation
und prägte sich alles genau ein.
Nacht für Nacht trainierte er ihren gemäßigten Gang,
fluchte über seine schwankende Seemanns-Statur
und trank eine Menge Rum.
Eines Tages stand er auf,
rasierte sich, schnitt die wilden Haare ab,
zog einen Anzug an (der einsam an einer Leine im Wind flatterte)
und ging in die Stadt.
Seine dröhnende Stimme,
die sich sonst gegen Wind, Wellen
und einen rabiaten Männerhaufen stemmen musste,
dämpfte er
und sprach höflich und respektabel
die ersten ländlichen Worte.
Und ein Wunder geschah!
Die Landmenschen bemerkten nichts von seiner Verwandlung,
sie behandelten ihn wie Ihresgleichen
und bald hatte er eine ordentliche Arbeit.
Er hörte auf,
sich in lauten und vulgären Hafenkneipen herumzutreiben
und trank nun lieber ein Glas guten Wein zum Essen.
Sogar die Frauen sahen ihn anders an,
er war jetzt ein „ernstzunehmender Kandidat“
statt eines kurzen Abenteuers zwischendurch
und er dachte über ein Haus und eine Familie nach.
Er war jetzt ordentlich, zuverlässig, pflichtbewusst und respektiert.
Die Menschen an Land achteten ihn.
Nie hätte er gedacht, dass er es mal so weit bringen würde.
Wenn nur diese Kleinigkeiten nicht wären.
Er musste sich ständig bezwingen
es gab hier keine direkten Äußerungen,
alles war geheimnisvoll verschlüsselt.
Wenn jemand ein Vollidiot war,
dann durfte man ihm das nicht direkt sagen.
Es gab da dieses „höfliche Schweigen“,
man schluckte seinen Ärger hinunter
und redete dann mit anderen über seine Missstimmungen.
Auch wieder leise und gedämpft, das war höflich.
Man musste alles über Blicke deuten, weil keiner direkt war
und langsam wurde auch er von dieser unsichtbaren Furcht ergriffen:
„Was denken die anderen, reden sie über mich?“
Dann schlug er kräftig mit der Faust auf den Tisch:
„Nu is aber gut!“
So zogen viele Jahre ins Land
und unser grobschlächtiger Kapitän wurde sehr erfolgreich
und in die Riege der wichtigen Bürger aufgenommen.
Gekonnt erhob er an diesem Abend sein Glas,
wählte die Worte, setzte sich dezent
und erntete überall anerkennende Blicke.
Zufrieden ging er danach ein wenig spazieren
und zündete sich eine teure Zigarre an.
Ohne es zu bemerken,
war er in die Nähe des Hafens gekommen,
wo die Sonne gerade unterging.
Ihn überkam ein seltsames Gefühl.
Gleich würde es dunkel sein,
so spät trieb man sich nicht alleine am Hafen herum,
schon gar nicht mit teurer Zigarre!
Da legte sich von hinten eine Pranke auf seine Schulter
und riss ihn herum.
Er war starr vor Angst.
Kommentare
(Nutzer gelöscht) 31.05.2025 19:33
Ist die von dir?
(Nutzer gelöscht) 31.05.2025 20:53
ich denke, wenn Harlekin die Geschichte nicht selbst geschrieben hätte, dann stünde der Autor darunter, oder darüber.............. ich glaub schon, dass sie von ihm ist
Engelslhaar 31.05.2025 20:56
Lieber Harlekin, irgendwie sehe ich ein Stück weit dich selbst in der Geschichte: Der wilde und doch besonnene Mann...
Harlekin2 31.05.2025 21:50
Guten Abend Ihr Lieben,
danke für eure Aufmerksamkeit 🙏
Es freut mich,
dass mein Blog Interesse geweckt hat.
Von wem die Geschichte ist,
"offenbare" ich am Ende 😉
Bin noch am Überlegen,
ob ich den Rest nochmal splitte
danke für eure Aufmerksamkeit 🙏
Es freut mich,
dass mein Blog Interesse geweckt hat.
Von wem die Geschichte ist,
"offenbare" ich am Ende 😉
Bin noch am Überlegen,
ob ich den Rest nochmal splitte

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