Kollegengespräch: Vor der Papstreise nach Lateinamerika
Gestern, 13:23
Kollegengespräch: Vor der Papstreise nach Lateinamerika
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Kollegengespräch: Vor der Papstreise nach Lateinamerika
Am Freitag beginnt die Reise von Papst Leo XIV. nach Uruguay, Argentinien und Peru, die insgesamt 6. Auslandsreise des Papstes.
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Christine Seuss begleitet die Reise für uns. Wir baten sie um eine Vorschau auf das, was uns ab Freitag erwartet.
Interview
RV: Christine, du bist bereits seit Sonntagabend in Montevideo. Wie präsentiert sich Uruguay?
Christine: Uruguay ist ein vergleichsweise wohlhabendes und politisch stabiles Land. Es hat allerdings eine Besonderheit: Es gehört zu den am stärksten säkularisierten Ländern Lateinamerikas. Die katholische Kirche ist zahlenmäßig eher klein. Sie bleibt aber in Politik und Zivilgesellschaft ein wichtiger Gesprächspartner bei sozialen Fragen, etwa wenn es um die Menschenwürde, Bildung und die Unterstützung der Ärmsten geht.
RV: Merkt man in der Stadt schon, dass der Papstbesuch bevorsteht?
Christine: Ehrlich gesagt ist die Stimmung bisher recht ruhig. Auf der Plaza Independencia, wo der Papst di Behördenvertrter treffen wird, gibt es einige Vorbereitungen, rund um die nahe gelegene Kathedrale hängen ein paar Fahnen und Plakate. Aber eine große Erwartungshaltung auf den Straßen ist bislang nicht zu spüren. Uruguay ist ein laizistischer Staat, und die Gesellschaft geht generell eher zurückhaltend mit religiösen Themen um. Man muss sehen, ob sich das noch ändert, wenn der Papst dann tatsächlich eintrifft.
„Uruguay ist ein laizistischer Staat, und die Gesellschaft geht generell eher zurückhaltend mit religiösen Themen um“
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RV: Was steht für Leo XIV. in Uruguay auf dem Programm?
Christine: Die Reise beginnt in Montevideo mit offiziellen Begegnungen. Am Samstag fährt der Papst nach Paysandú, wo er die erste Messe der Reise feiern wird. Anschließend kehrt er in die Hauptstadt zurück. Dort trifft er Menschen, die unter schwierigen sozialen Bedingungen im Stadtviertel Casavalle leben, sowie Vertreter der Universitätswelt. Am Abend ist eine Vigil mit Jugendlichen im Estadio Centenario geplant. Am Sonntag geht es nach Florida, einem wichtigen Ort für die nationale Identität und die Marienverehrung. Dort befindet sich das Heiligtum der Virgen de los Treinta y Tres, der Schutzpatronin Uruguays. Nach der Messe reist der Papst weiter nach Buenos Aires und dann am 11. November nach Peru.
RV: Auch Argentinien wird wohl eine bedeutende Station sein – auch mit Blick auf das Erbe von Papst Franziskus...
Christine: Ja, ganz sicher. Franziskus war Argentinier, Erzbischof von Buenos Aires und ist als Papst nie in sein Heimatland zurückgekehrt. In der argentinischen Presse wird Leos Besuch deshalb teilweise als eine Art Begleichung einer „Schuld“ von Franziskus beschrieben, sogar der Erzbischof von Buenos Aires meinte, Leo würde mit der Reise die enttäuschte Erwartung des Besuchs von Franziskus "heilen" wollen. Das zeigt, wie stark dieser ausgebliebene Besuch noch immer nachwirkt. Dabei sollte man aber nicht vergessen: Es ist eine Reise, die Leo selbst gewünscht hat. Er wird eigene Akzente setzen, auch wenn Franziskus und sein Verhältnis zu Argentinien natürlich immer wieder eine Rolle spielen werden.
„Sogar der Erzbischof von Buenos Aires meinte, Leo würde mit der Reise die enttäuschte Erwartung des Besuchs von Franziskus "heilen" wollen“
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RV: Was für ein Land wird Leo heute vorfinden?
Christine: Argentinien hat in den vergangenen Jahren eine schwere Wirtschaftskrise durchlebt. Das Land, das früher als Kornkammer der Welt galt, hat die schwere Inflation inzwischen deutlich gesenkt. Die wirtschaftliche Lage bleibt für viele Menschen jedoch schwierig, und auch die politischen Verhältnisse sind angespannt.
RV: Welche Begegnungen sind in Argentinien vorgesehen?
Christine: In Buenos Aires besucht der Papst zunächst das Denkmal für General San Martín und trifft Präsident Javier Milei sowie Vertreter der Behörden und der Zivilgesellschaft. Außerdem steht ein Besuch im Pequeño Cottolengo Don Orione auf dem Programm, einer Einrichtung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen, die Franziskus selbst gut kannte. Danach feiert Leo eine Messe und trifft Vertreter der Arbeitswelt und anderer Religionsgemeinschaften. Zum Programm gehören auch ein Besuch in Córdoba und eine Jugendvigil in Buenos Aires. Vor der Weiterreise nach Peru besucht er noch das Bundesgefängnis und den Marienwallfahrtsort Luján.
„Im Norden Perus haben heftige Regenfälle im Zusammenhang mit El Niño zu Überschwemmungen geführt“
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RV: Peru ist die letzte Station der Reise und hat für Leo XIV. eine ganz besondere Bedeutung …
Christine: Ja. Peru ist das Land, in dem Leo XIV. viele Jahre als Missionar und später als Bischof gewirkt hat. Acht Jahre lang stand er an der Spitze der Diözese Chiclayo im Norden des Landes. Dort ist er bis heute liebevoll als „Padre Roberto“ in Erinnerung. Seine Rückkehr wird deshalb sicherlich sehr bewegend sein. Der Besuch fällt allerdings in eine schwierige Situation: Im Norden Perus haben heftige Regenfälle im Zusammenhang mit El Niño bereits zu Überschwemmungen geführt. Die Behörden müssen nun die Folgen bewältigen. Präsidentin Keiko Fujimori hat ihre Teilnahme an einem internationalen Gipfeltreffen in Madrid abgesagt, um sich der Lage im eigenen Land zu widmen. Ob und inwieweit die Wetterbedingungen Auswirkungen auf das Reiseprogramm haben werden – insbesondere mit Blick auf Chiclayo –, bleibt abzuwarten.
RV: Welche Orte wird der Papst in Peru besuchen?
Christine: Am ersten Tag ist er in Lima. Dort trifft er die Präsidentin und nimmt an mehreren Begegnungen teil. Anschließend reist er nach Chiclayo, in seine frühere Diözese. Dort feiert er eine Messe und trifft Priester, Ordensleute und Vertreter der Universitätswelt. Außerdem fliegt er mit dem Hubschrauber in die ländliche Region Santa Cruz de Succhabamba, um dort eine Messe zu feiern. So bekommen auch Menschen in abgelegenen Gemeinden die Gelegenheit, dem Papst zu begegnen. Später besucht er Cusco, das auf etwa 3.400 Metern Höhe liegt, und Pucallpa im peruanischen Amazonasgebiet. Dort trifft er Missionare und indigene Gemeinschaften. Zum Abschluss der Reise stehen in Lima noch der Besuch eines Altenheims und eine Messe auf dem Programm.
„Die Reise zeigt, wie vielfältig der Auftrag der Kirche in den unterschiedlichen gesellschaftlichen Realitäten Lateinamerikas ist“
RV: Wenn man die gesamte Reise betrachtet: Gibt es einen roten Faden, der diese drei Stationen verbindet?
Christine: Ich denke, ein gemeinsamer Akzent ist die Frage, wie eine missionarische Kirche heute den Menschen nahe sein kann. Die drei Mottos setzen dabei unterschiedliche Schwerpunkte: In Uruguay geht es um die große Freude, die die Kirche verkündet, in Argentinien um die Einladung an alle und den Auftrag, das Evangelium weiterzutragen, und in Peru darum, die Herzen für Gott, die Mitmenschen und die Mission zu öffnen. Dazu passt, dass der Papst vielen unterschiedlichen Menschen begegnet – jungen Menschen, sozial Benachteiligten und Gemeinschaften, die oft am Rand der Gesellschaft stehen. Die Reise zeigt damit auch, wie vielfältig der Auftrag der Kirche in den unterschiedlichen gesellschaftlichen Realitäten Lateinamerikas ist.

Die drei Logos
(vatican news)
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(vatican news)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..
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Kommentare
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Herrklavierspieler Heute, 11:15
@anton, 23:53h, " für Tote beten", das hat er leicht verständlich erklärt, Heiligenkreuz bringt viele, gute Früchte hervor.👍

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