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📃 Das Gesetz Christi

📃 Das Gesetz Christi
Das vierzehnte Kapitel des Römerbriefs führt uns unsere Pflicht gegenüber jenen vor Augen, die im Glauben schwach und übermäßige Gewissensbisse in Bezug auf Dinge haben, die an sich ohne Bedeutung sind. Wir sind nicht als Richter über andere gesetzt, sondern müssen alle vor einem einzigen Richterstuhl erscheinen. Wenn wir mehr Erkenntnis haben als unser Bruder, dürfen wir ihn nicht willkürlich auf unser Niveau heranziehen, genauso wenig wie er uns auf sein Niveau herabziehen darf. Unsere größere Erkenntnis bürdet uns vielmehr die Verantwortung auf, größere Nächstenliebe und Geduld zu üben. Die Quintessenz all dessen ist in diesen Versen enthalten: "Verstöre nicht um der Speise willen Gottes Werk. Es ist zwar alles rein; aber es ist nicht gut dem, der es ißt mit einem Anstoß seines Gewissens. Es ist besser, du essest kein Fleisch und trinkest keinen Wein und tust nichts, daran sich dein Bruder stößt oder ärgert oder schwach wird. Hast du den Glauben, so habe ihn bei dir selbst vor Gott." [RÖ, 14,20-22]

DIE PFLICHT, EINANDER ZU HELFEN

"Wir aber, die Starken, haben die Pflicht, die Gebrechen der Schwachen zu tragen und nicht Gefallen an uns selbst zu haben. Denn jeder von uns soll seinem Nächsten gefallen zum Guten, zur Erbauung. Denn auch Christus hatte nicht an sich selbst Gefallen, sondern wie geschrieben steht: »Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen«. Denn alles, was zuvor geschrieben worden ist, wurde zu unserer Belehrung zuvor geschrieben, damit wir durch das Ausharren und den Trost der Schriften Hoffnung fassen. Der Gott des Ausharrens und des Trostes aber gebe euch, untereinander eines Sinnes zu sein, Christus Jesus gemäß, damit ihr einmütig, mit einem Mund den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus lobt. Darum nehmt einander an, gleichwie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes!" [RÖ. 15,1-7] [SLT]

FRAGEN ZUM TEXT

Was sollen die Starken tun?  
"Die Gebrechen der Schwachen tragen."
  
Was sollen sie nicht tun?  
"Gefallen an sich selbst zu haben“
  
Wozu werden wir für unseren Nächsten ermahnt?  
"Jeder von uns soll seinem Nächsten gefallen."
  
In welcher Weise sollen wir unserem Nächsten gefallen?  
"Zu seinem Guten, zu seiner Erbauung."
  
Wer hat uns in dieser Hinsicht ein Beispiel gegeben?  
"Christus hatte nicht an sich selbst Gefallen."
  
Welche Schriftstelle wird angeführt, um dies zu zeigen?  
"»Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen«."  ( Siehe auch Ps. 69,10.)
 
Zu welchem Zweck wurden die Schriften des Alten Testaments verfasst?  
"Alles, was zuvor geschrieben worden ist, wurde zu unserer Belehrung zuvor geschrieben."

Mit welchem besonderen Ziel?  
"Damit wir durch das Ausharren und den Trost der Schriften Hoffnung fassen."

Welche Ermahnung wird angesichts des Beispiels Christi gegeben?  
"Der Gott des Ausharrens und des Trostes aber gebe euch, untereinander eines Sinnes zu sein, Christus Jesus gemäß."

Zu welchem Zweck?  
"Damit ihr einmütig, mit einem Mund den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus lobt."

Welche Ermahnung wird zum Abschluss dieses Abschnitts des Themas wiederholt?  
"Darum nehmt einander an." Siehe auch Rö. 14,1) 
 
Wie sollen wir einander annehmen?  
"Gleichwie auch Christus uns angenommen hat." 
 
Zu welchem Zweck?
"Zur Ehre Gottes."

Die Verse, aus denen sich Kapitel 15 zusammensetzt, ergänzen die Anweisungen aus Kapitel 14 und knüpfen daran an. So beginnt jenes Kapitel mit der Ermahnung: "Nehmt den Schwachen im Glauben an." [RÖ. 14,1] [SLT] und der letzte Vers unserer vorliegenden Betrachtung lautet: "Darum nehmt einander an."

Wie sollen wir einander annehmen? Die Antwort lautet: "Gleichwie auch Christus uns angenommen hat." Dies unterstreicht, dass der Apostel – als er im vierzehnten Kapitel sagte: "Einer hält einen Tag vor dem andern; der andere aber hält alle Tage gleich. Ein jeglicher sei in seiner Meinung gewiß." [RÖ. 14,5] – nicht die geringste Absicht hatte, eines der zehn Gebote in irgendeiner Weise herabzusetzen. Denn CHRISTUS machte – um denen, die ER aufnehmen wollte, entgegenzukommen – nicht im Geringsten Zugeständnisse bezüglich [Übertretung] der Gebote.  ER sagte: "Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen;" [MATTH. 5,17] [ELB] Und weiter: "So ihr meine Gebote haltet, so bleibet ihr in meiner Liebe, gleichwie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe." [JOH. 15,10] Die Gebote Christi und die des Vaters sind dieselben, denn unser HERR bezeugte: "Ich und mein Vater sind eins." [JOH. 10,30] [KJV] Als ein junger Mann IHM nachfolgen wollte, sagte ER ihm: "Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote." [JOH. 19,17] Daher ist offensichtlich, dass bei Zugeständnissen um des Friedens und der Harmonie willen keinerlei Zugeständnisse hinsichtlich der Einhaltung der Gebote Gottes gemacht werden dürfen.

Dies wird noch deutlicher durch die Ermahnung: "Jeder von uns soll seinem Nächsten gefallen zum Guten, zur Erbauung." Wir werden niemals dazu ermahnt, einem Bruder – um ihm zu gefallen – in einer Sünde zu unterstützen. Ebenso wenig werden wir ermahnt, die Augen vor der Sünde eines Bruders zu verschließen und ihn – aus Angst, ihm zu missfallen – ohne ihn zu warnen, darin weitermachen zu lassen. Darin liegt keine Güte. Deshalb ermahnt Gottes Wort: "Du sollst deinen Bruder nicht in deinem Herzen hassen; du sollst deinen Nächsten durchaus zurechtweisen, damit du seinetwegen keine Sünde auf dich lädst." [3. MO. 19,17] [KJV] Eine Mutter, die ihr Kind – aus Angst davor, ihm zu missfallen – nicht davon abhalten würde, seine Hand ins Feuer zu halten, würde Grausamkeit statt Güte an den Tag legen. Wir sollen unseren Nächsten gefallen, aber nur zu ihrem Besten, nicht um sie in die Irre zu führen.

Bei weiterer Betrachung des ersten Verses [von Römer Kap. 15] entdecken wir, dass diese Lehre [wie folgt] dort noch stärker betont wird: "Wir aber, die Starken, haben die Pflicht, die Gebrechen der Schwachen zu tragen und nicht Gefallen an uns selbst zu haben. Denn jeder von uns soll seinem Nächsten gefallen zum Guten, zur Erbauung. Denn auch Christus hatte nicht an sich selbst Gefallen."  Vergleiche dies [bitte] mit Folgendem: "Liebe Brüder, so ein Mensch etwa von einem Fehler übereilt würde, so helfet ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist ihr, die ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, daß du nicht auch versucht werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen." [GAL. 6,1-2] Indem wir die Schwächen der Schwachen tragen, erfüllen wir das Gesetz Christi. Aber die Lasten eines anderen zu tragen bedeutet nicht, ihm beizubringen, dass er getrost irgendein Gebot missachten könnte. [Und] die Gebote Gottes zu halten, entspricht auch keiner Last, denn sie "sind nicht schwer." [1. JOH. 5,3]

CHRISTUS trägt unsere Lasten, nicht indem ER das Gesetz Gottes aufhebt, sondern indem ER unsere Sünden wegnimmt und uns befähigt, das Gesetz zu halten. [So schreibt Paulus:] "Denn was dem Gesetz unmöglich war (sintemal es durch das Fleisch geschwächt ward), das tat Gott und sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches und der Sünde halben und verdammte die Sünde im Fleisch,4auf daß die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geist." [RÖ. 8,3-4]

Eine segensreiche Sache im Dienst des Herrn ist, dass ER nicht sagt: "geht" sondern "kommt." ER schickt uns nicht fort, um allein zu arbeiten, sondern ruft uns dazu auf, IHM nachzufolgen. ER verlangt nichts von uns, was ER nicht Selbst tut. Wenn ER sagt, dass wir die Schwächen der Schwachen tragen sollen, sollten wir dies als Ermutigung betrachten und nicht als  auferlegte Aufgabe, denn es erinnert uns daran, was ER für uns tut. ER ist der "Held" von dem der Psalmist und Jesaja bezeugen: "Hilfe habe ich auf einen Helden gelegt, ich habe einen Auserwählten erhöht aus dem Volk." [PS: 89,20] [ELB] "Unsere Leiden – er hat ⟨sie⟩ getragen, und unsere Schmerzen – er hat sie auf sich geladen. Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen ⟨eigenen⟩ Weg; aber der HERR ließ ihn treffen unser aller Schuld." [JES. 53,4.6] [ELB]

Das ist es, was es uns leicht macht, einander die Lasten zu tragen. Wenn wir wissen, dass CHRISTUS unsere Lasten trägt, wird es uns zur Freude werden, die Lasten anderer zu tragen. Unser Problem besteht darin, dass wir allzu oft vergessen, dass CHRISTUS der Lastenträger ist und da wir von der Last überwältigt von eigener Schwäche noch weniger Geduld mit den Schwächen anderer haben. Wenn uns jedoch bewusst wird, dass CHRISTUS tatsächlich der Lastenträger ist, werfen wir unsere eigene Sorge auf IHN und wenn wir uns dann die Last eines anderen zu eigen machen, trägt ER auch diese.

GOTT ist "der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden." [2. KOR. 1,3-4] [SLT] ER nimmt alle Schmähungen auf sich, die auf die Menschen herabkommen. [So schreibt David:] "Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen." [PS. 69,9] Bezüglich der Kindern Israels [und IHM] steht geschrieben: "Bei all ihrer Bedrängnis war er auch bedrängt." [JES. 63,9] [SLT] Die Worte Christi [prophetisch vorhergesagt] lauten: "Du weißt um meine Schmach, um meine Schande und Beschimpfung ... die Schmach hat mein Herz gebrochen." [PS. 69,20-21] [SLT] Doch in all dem gab es keine Ungeduld, kein Murren. Da ER also bereits die Lasten der Welt im Fleisch getragen hat, ist ER vollkommen in der Lage, auch unsere Lasten in unserem Fleisch zu tragen, ohne zu klagen, um uns mit aller Kraft zu stärken "gemäß der Macht seiner Herrlichkeit zu allem standhaften Ausharren und aller Langmut, mit Freuden." [KOL. 1,11] [SLT]

Diese Lehre ist es, die uns die gesamte Heiligen Schrift vermittelt. "Was aber zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf daß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben." [RÖ. 15,4] Das Buch Hiob verdeutlicht dies. [So schreibt Jakobus:] "Von Hiobs standhaftem Ausharren habt ihr gehört, und ihr habt das Ende gesehen, das der Herr [für ihn] bereitet hat; denn der Herr ist voll Mitleid und Erbarmen." [JAK. 5,11] [SLT] In den Schriften Mose wird dies ebenso klar dargelegt, [denn] CHRISTUS sagte: "Wenn ihr Mose glauben würdet, so würdet ihr auch mir glauben; denn von mir hat er geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?" [JOH. 5,46-47] [SLT] Wenn das Evangelium nach Mose ignoriert wird, nützt es nichts, das Evangelium nach Johannes zu lesen, denn das Evangelium lässt sich nicht teilen. Das Evangelium Christi ist, wie ER Selbst, eins.

Also: "Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes." Wen nimmt CHRISTUS an? – "Dieser nimmt Sünder an." [LUK. 15,2] [SLT] Wie viele wird ER annehmen? – "Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben." [MATTH. 11,28] [ELB] Wie wird ER sie annehmen? – "In Bezug auf Israel aber spricht er: »Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt nach einem ungehorsamen und widerspenstigen Volk!«" [RÖ. 10,21] [SLT] Und wenn sie [zu IHM] kommen, welche Gewissheit dürfen sie dann haben? – "Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen." [JOH. 6,37] [Deshalb] lasst uns von IHM lernen; und
daran denken: Wo immer auch die Heilige Schrift aufgeschlagen wird, ihr Text zeugt von IHM.


( Ellet J. Waggoner, Juli 1895 )

Kommentare

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JesusComesBackSoon 01.11.2026 18:11
Auch wenn der Inhalt dieses Artikels von Ellet J. Waggoner bereits mehr als 130 Jahren verfasst wurde, hat er deswegen nichts an seiner Bedeutsamkeit für das persönliche, insbesondere auch geistige Leben eines jeden Nachfolgers des Sohnes Gottes verloren.

Für diejenigen, die gerne noch weitere solche (zeitgeistfreien, nah am Wort Gottes ausgerichteten ) Artikel lesen möchten, nachstehend der folgende Link:

https://gerechtigkeit-durch-glauben.de/gesamtuebersicht-artikel/

Mein Wunsch und Gebet ist, dass jeder Leser durch den bzw. die Artikel reichlich gesegnet wird, er Dingen besser verstehen und das Gelesene in seinem Leben Frucht zur Ehre Gottes bringen möge.

Die angegebenen Bibelverse wurden, sofern nicht speziell angegeben, aus LUTHER 1912 entnommen. Die Abkürzungen [KJV] [LUT2017] [ELB] [SLT1951] und [SLT] stehen falls vorhanden für King James Version, Luther 2017, Elberfelder, Schlachter 1951 und Schlachter 2000.
Eckige Klammern im Text - abgesehen von Bibelzitaten - beinhalten Einfügungen von mir, die einer besseren Verständlichkeit nach Übertragung des Artikels ins Deutsche dienen sollen.
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