Benediktiner aus Jerusalem: Christen besonders betroffen vom Krieg
Heute, 15:03
Benediktiner aus Jerusalem: Christen besonders betroffen vom Krieg
Heute, 15:03
Benediktiner aus Jerusalem: Christen besonders betroffen vom Krieg
Am Dienstag (27. Oktober) stehen in Israel Parlamentswahlen an. Was er sich vom Sieger wünschen würde, sagt uns der deutsche Benediktiner Nikodemus Schnabel. Er ist Abt der Dormitio Abtei in Jerusalem. Er erinnert auch an ein anderes Datum im Oktober, nämlich den 28.10.. An diesem Tag im Jahr 1965 hat Papst Paul VI. die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über das Verhältnis der römisch-katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, Nostra Aetate,chrome-distiller://a73ddf22-c01d-4215-8d9f-edb84fd0f4ef_d62c5b8c5924990aad4e682e06c68007ff5ae5d5eceb1ac14154f2c772f79315/?title=Nostra+aetate&time=3223821342&url=https%3A%2F%2Fwww.vatican.va%2Farchive%2Fhist_councils%2Fii_vatican_council%2Fdocuments%2Fvat-ii_decl_19651028_nostra-aetate_ge.html unterzeichnet.
Lesen Sie auch
Dem Krieg zum Trotz: „Lebanon Faith Tours“ zeigt die Schönheit des Landes
22/10/2026
Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt*
Nikodemus Schnabel OSB, Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem: „Was viele, glaube ich, nicht wissen, ist, dass Nostra aetate uns als Dormitio Abtei unfassbar am Herzen liegt, denn Nostra Aeatate hat tatsächlich als einen Geburtsort meine Abtei: E iner meiner Vorgänger, Leo von Rudloff, hat tatsächlich entscheidend mitgewirkt. Das, was jetzt Artikel vier von Nostra Aetate ist, sprich das Verhältnis der römisch katholischen Kirche zum Judentum. Deswegen ist es so in unserer DNA drin."
Radio Vatikan: In Jerusalem sind Sie oft in Kontakt mit anderen Religionen. Wie leben Sie Nostra Aetate dort?
Nikodemus Schnabel: „Es ist prekärer geworden. W as man, glaube ich, wissen muss: Die Christen sind eine ganz, ganz kleine Minderheit. Wir sind weit unter zwei Prozent, je nachdem, welche Statistik man heranzieht, sind wir zwischen ein und zwei Prozent Christen. Und das meint Christen aller Konfessionen: Das heißt also Orthodoxe, Orientalisch-Orthodoxe, Katholiken, Lutheraner, Anglikaner. Eine kleine Minderheit, die sehr, sehr bunt aufgefächert ist - in Arabisch sprechende palästinensische Christen in Gaza, in der Westbank, in Ostjerusalem, in Israel und aber auch eine kleine Gruppe hebräisch sprechender Christen, dann gibt es auch eine sehr große Gruppe der "unsichtbaren" Christen, der Migranten und Asylsuchenden, natürlich dann auch eine große Zahl von "Berufs-Christen": Wir haben allein als katholische Kirche 1000 Ordensfrauen und 600 Ordensmänner und natürlich die ganzen Expats. Es ist eine denkbar bunte Zusammensetzung. Und die Christen, das ist meine These, sind die am meisten betroffene Gruppe vom Krieg. Denn: 60 Prozent der Christen arbeiten im Tourismus. Und das ist das, was zusammengebrochen ist seit dem 7. Oktober 2023, aber nicht erst seitdem, denn da vor war Corona. I ch kann für mein Kloster sprechen: Das letzte gute Jahr, wo der Tourismus gebrummt hat, wo wirklich viele Pilger kamen, wo wir Rücklagen bilden konnten, war das Jahr 2019.
„Die Christen, das ist meine These, sind die am meisten betroffene Gruppe vom Krieg. Denn: 60 Prozent der Christen arbeiten im Tourismus. Und das ist das, was zusammengebrochen ist seit dem 7. Oktober 2023, aber nicht erst seitdem, denn davor war Corona“
Radio Vatikan: Es gibt ja auch Angriffe auf die Christen i mmer wieder. Zuletzt wieder im christlichen Dorf Taybeh . Was sagt dieser konkrete Vorfall über die Lage der Christen im Heiligen Land aus?
Nikodemus Schnabel: „Hintergrundinformation: Taybeh ist das einzige vollständige christliche palästinensische Dorf in der Westbank mit drei sehr lebendigen Pfarrgemeinden, eine römisch katholische, genannt lateinische, eine melkitisch-griechisch-katholische und eine griechisch.orthodoxe. Also da leben nur Christen. Und tatsächlich, dieses Dorf hat eine traurige Berühmtheit erlangt. Es ist das biblische Ephraim, dort, wo Jesus gerastet hat.
Und dieser wunderschöne kleine Ort, der wirklich, wirklich sehr bezaubernd ist, d ieser Ort hat jetzt eine traurige Berühmtheit erlangt, weil er wirklich täglich attackiert wird von Siedlern. Das bedeutet entweder, dass sie ihr Weidevieh durchs Dorf treiben, dass sie Autos anstecken, Hass-Graffitis sprühen oder eben jetzt bei der Olivenernte, die gerade ist, wirklich die Ernte stören: Entweder versuchen sie die, die ihre Bäume ernten, anzugreifen oder sogar die Ernte zu klauen. Und sie schrecken wirklich auch nicht vor brutaler Gewalt zurück.
„Minderheiten in jeder Demokratie sind wirklich so was wie die Kanarienvögel in den Minen: Die merken einfach als erste, wenn die Luft dünn wird. Und da wünsche ich mir einfach eine beherzte Null-Toleranz- Politik“
Und das ist ein Punkt, den muss man, glaube ich ansprechen, weil letztendlich sitzen wir, glaube ich, als Weltgemeinschaft in einem Boot: W ir müssen uns eine grundsätzliche Frage stellen. Und ich sage das jetzt als Deutscher und als Katholik: D er wachsende Antisemitismus bereitet mir große Sorgen. Das ist ein Phänomen, was mich beschäftigt. Ich finde es schrecklich, wenn Juden in Deutschland sagen: ,Ich fühle mich nicht mehr sicher, wenn ich auf die Straße gehe.` Und ich glaube, Minderheiten in jeder Demokratie sind wirklich so was wie die Kanarienvögel in den Minen: Die merken einfach als erste, wenn die Luft dünn wird. Und da wünsche ich mir einfach eine beherzte Null-Toleranz- Politik. I ch möchte auch gar nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen, sondern ich glaube, für alle Staaten, die von sich selbst behaupten, sie seien ein Rechtsstaat, sie seien eine liberale Demokratie gilt, d ass diese Staaten ein ganz wichtiges Augenmerk auf die Minderheiten haben und denen gut zuhören, weil die sind wirklich ganz kostbare Stimmen: Wie gesund ist der Rechtsstaat? Wie gesund ist die liberale Demokratie?
Lage der Christen kein Thema im Wahlkampf
Radio Vatikan: Jetzt steht Israel ja auch kurz vor den Wahlen. Haben Sie Hoffnung, dass das vielleicht Positives ändern kann?
Nikodemus Schnabel: „Also, um noch mal klarzumachen: Die Christen in Israel, auch in Palästina, aber gerade in Israel, sind eine verschwindende Minderheit. Wir spielen keine Rolle. Auch in keinem Wahlkampf habe ich irgendjemand gehört, dass das irgendein Thema sei, sondern der Wahlkampf in Israel geht um andere Themen besonders sehr, sehr konzentriert e igentlich auf die Frage: Bist du für Bibi Netanjahu oder dagegen. Das ist eigentlich das große Thema.
„Ich wünsche mir einfach von der neuen Regierung, welche auch immer das ist, dass sie ernst nimmt, was in der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel von 1948 steht“
I ch wünsche mir einfach von der neuen Regierung, welche auch immer das ist, dass sie ernst nimmt, was in der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel von 1948 steht: Nämlich einerseits die Vision, dass Israel eine Heimstatt ist, ein sicherer Hafen für alle Jüdinnen und Juden weltweit. Dass jeder Jude, der mit Antisemitismus konfrontiert wird, weiß: Wenn ich nach Israel gehe, kann ich dort angstfrei jüdisch leben, aber zugleich stolz ist und selbstverständlich auf Augenhöhe auch die nichtjüdischen Minderheiten sieht.
„Auch die nichtjüdischen Minderheiten auf Augenhöhe sehen“
Und das ist tatsächlich etwas, das ich ganz stark vermisse und dem ich nachtrauere. Als ich ein junger Mönch war, v or einem Vierteljahrhundert, weiß ich noch, wie stolz Israel war auf die Minderheiten. Man hat Werbung gemacht mit dem Bahai-Tempel in Haifa und mit den Bahai-Schreinen. Man hat Werbung gemacht mit uns, der Dormitio. Man war wirklich förmlich stolz zu sagen: ,Guck mal hier, wir sind eigentlich das Zentrum vieler Weltreligionen. Wir sind hier der Sehnsuchtsort.` Und in letzter Zeit hat es sich wirklich total verengt auf diese eine Perspektive: Wir sind ein jüdischer Staat. Ich wünsche mir, dass diese einzigartige Demokratie mit einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit, die auch geprägt ist vom Judentum als Kultur, dass die wirklich auch Zukunft hat. Und ich glaube, sie hat genau dann Zukunft, wenn sie wie in der Vision die 1948 niedergelegt ist, eben auch die Minderheiten wirklich ernst nimmt, ihnen zuhört, sie auf Augenhöhe behandelt. Das ist mein größter Wunsch. Ich glaube, das ist der allererste Schritt, um auch wirklich hin zu einem versöhnten Miteinander, zu einer wirklich tragfähigen Zukunft zu gehen.
„Zukunft politisch auf diesem Planeten gibt es nur, wenn man gemeinsam in eine Richtung schaut“
Ich glaube überhaupt, Zukunft politisch auf diesem Planeten gibt es nur, wenn man gemeinsam in eine Richtung schaut. Und ich glaube, alle diese ja ich sag mal nicht Visionen, sondern eher Dystopien, zu sagen: Ich muss irgendjemanden besiegen, muss irgendjemand ausschalten, dann geht es besser - i ch glaube, das ist immer eine Situation, die nur Verlierer hervorbringt."
* Redaktioneller Hinweis: Das Interview wurde am 23.10.2026 geführthttps://www.vaticannews.va/de/welt/news/2026-10/israel-benediktiner-schnabel-jerusalem-interview-religion-wahlen.html
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..
Lesen Sie auch
Dem Krieg zum Trotz: „Lebanon Faith Tours“ zeigt die Schönheit des Landes
22/10/2026
Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt*
Nikodemus Schnabel OSB, Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem: „Was viele, glaube ich, nicht wissen, ist, dass Nostra aetate uns als Dormitio Abtei unfassbar am Herzen liegt, denn Nostra Aeatate hat tatsächlich als einen Geburtsort meine Abtei: E iner meiner Vorgänger, Leo von Rudloff, hat tatsächlich entscheidend mitgewirkt. Das, was jetzt Artikel vier von Nostra Aetate ist, sprich das Verhältnis der römisch katholischen Kirche zum Judentum. Deswegen ist es so in unserer DNA drin."
Radio Vatikan: In Jerusalem sind Sie oft in Kontakt mit anderen Religionen. Wie leben Sie Nostra Aetate dort?
Nikodemus Schnabel: „Es ist prekärer geworden. W as man, glaube ich, wissen muss: Die Christen sind eine ganz, ganz kleine Minderheit. Wir sind weit unter zwei Prozent, je nachdem, welche Statistik man heranzieht, sind wir zwischen ein und zwei Prozent Christen. Und das meint Christen aller Konfessionen: Das heißt also Orthodoxe, Orientalisch-Orthodoxe, Katholiken, Lutheraner, Anglikaner. Eine kleine Minderheit, die sehr, sehr bunt aufgefächert ist - in Arabisch sprechende palästinensische Christen in Gaza, in der Westbank, in Ostjerusalem, in Israel und aber auch eine kleine Gruppe hebräisch sprechender Christen, dann gibt es auch eine sehr große Gruppe der "unsichtbaren" Christen, der Migranten und Asylsuchenden, natürlich dann auch eine große Zahl von "Berufs-Christen": Wir haben allein als katholische Kirche 1000 Ordensfrauen und 600 Ordensmänner und natürlich die ganzen Expats. Es ist eine denkbar bunte Zusammensetzung. Und die Christen, das ist meine These, sind die am meisten betroffene Gruppe vom Krieg. Denn: 60 Prozent der Christen arbeiten im Tourismus. Und das ist das, was zusammengebrochen ist seit dem 7. Oktober 2023, aber nicht erst seitdem, denn da vor war Corona. I ch kann für mein Kloster sprechen: Das letzte gute Jahr, wo der Tourismus gebrummt hat, wo wirklich viele Pilger kamen, wo wir Rücklagen bilden konnten, war das Jahr 2019.
„Die Christen, das ist meine These, sind die am meisten betroffene Gruppe vom Krieg. Denn: 60 Prozent der Christen arbeiten im Tourismus. Und das ist das, was zusammengebrochen ist seit dem 7. Oktober 2023, aber nicht erst seitdem, denn davor war Corona“
Radio Vatikan: Es gibt ja auch Angriffe auf die Christen i mmer wieder. Zuletzt wieder im christlichen Dorf Taybeh . Was sagt dieser konkrete Vorfall über die Lage der Christen im Heiligen Land aus?
Nikodemus Schnabel: „Hintergrundinformation: Taybeh ist das einzige vollständige christliche palästinensische Dorf in der Westbank mit drei sehr lebendigen Pfarrgemeinden, eine römisch katholische, genannt lateinische, eine melkitisch-griechisch-katholische und eine griechisch.orthodoxe. Also da leben nur Christen. Und tatsächlich, dieses Dorf hat eine traurige Berühmtheit erlangt. Es ist das biblische Ephraim, dort, wo Jesus gerastet hat.
Und dieser wunderschöne kleine Ort, der wirklich, wirklich sehr bezaubernd ist, d ieser Ort hat jetzt eine traurige Berühmtheit erlangt, weil er wirklich täglich attackiert wird von Siedlern. Das bedeutet entweder, dass sie ihr Weidevieh durchs Dorf treiben, dass sie Autos anstecken, Hass-Graffitis sprühen oder eben jetzt bei der Olivenernte, die gerade ist, wirklich die Ernte stören: Entweder versuchen sie die, die ihre Bäume ernten, anzugreifen oder sogar die Ernte zu klauen. Und sie schrecken wirklich auch nicht vor brutaler Gewalt zurück.
„Minderheiten in jeder Demokratie sind wirklich so was wie die Kanarienvögel in den Minen: Die merken einfach als erste, wenn die Luft dünn wird. Und da wünsche ich mir einfach eine beherzte Null-Toleranz- Politik“
Und das ist ein Punkt, den muss man, glaube ich ansprechen, weil letztendlich sitzen wir, glaube ich, als Weltgemeinschaft in einem Boot: W ir müssen uns eine grundsätzliche Frage stellen. Und ich sage das jetzt als Deutscher und als Katholik: D er wachsende Antisemitismus bereitet mir große Sorgen. Das ist ein Phänomen, was mich beschäftigt. Ich finde es schrecklich, wenn Juden in Deutschland sagen: ,Ich fühle mich nicht mehr sicher, wenn ich auf die Straße gehe.` Und ich glaube, Minderheiten in jeder Demokratie sind wirklich so was wie die Kanarienvögel in den Minen: Die merken einfach als erste, wenn die Luft dünn wird. Und da wünsche ich mir einfach eine beherzte Null-Toleranz- Politik. I ch möchte auch gar nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen, sondern ich glaube, für alle Staaten, die von sich selbst behaupten, sie seien ein Rechtsstaat, sie seien eine liberale Demokratie gilt, d ass diese Staaten ein ganz wichtiges Augenmerk auf die Minderheiten haben und denen gut zuhören, weil die sind wirklich ganz kostbare Stimmen: Wie gesund ist der Rechtsstaat? Wie gesund ist die liberale Demokratie?
Lage der Christen kein Thema im Wahlkampf
Radio Vatikan: Jetzt steht Israel ja auch kurz vor den Wahlen. Haben Sie Hoffnung, dass das vielleicht Positives ändern kann?
Nikodemus Schnabel: „Also, um noch mal klarzumachen: Die Christen in Israel, auch in Palästina, aber gerade in Israel, sind eine verschwindende Minderheit. Wir spielen keine Rolle. Auch in keinem Wahlkampf habe ich irgendjemand gehört, dass das irgendein Thema sei, sondern der Wahlkampf in Israel geht um andere Themen besonders sehr, sehr konzentriert e igentlich auf die Frage: Bist du für Bibi Netanjahu oder dagegen. Das ist eigentlich das große Thema.
„Ich wünsche mir einfach von der neuen Regierung, welche auch immer das ist, dass sie ernst nimmt, was in der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel von 1948 steht“
I ch wünsche mir einfach von der neuen Regierung, welche auch immer das ist, dass sie ernst nimmt, was in der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel von 1948 steht: Nämlich einerseits die Vision, dass Israel eine Heimstatt ist, ein sicherer Hafen für alle Jüdinnen und Juden weltweit. Dass jeder Jude, der mit Antisemitismus konfrontiert wird, weiß: Wenn ich nach Israel gehe, kann ich dort angstfrei jüdisch leben, aber zugleich stolz ist und selbstverständlich auf Augenhöhe auch die nichtjüdischen Minderheiten sieht.
„Auch die nichtjüdischen Minderheiten auf Augenhöhe sehen“
Und das ist tatsächlich etwas, das ich ganz stark vermisse und dem ich nachtrauere. Als ich ein junger Mönch war, v or einem Vierteljahrhundert, weiß ich noch, wie stolz Israel war auf die Minderheiten. Man hat Werbung gemacht mit dem Bahai-Tempel in Haifa und mit den Bahai-Schreinen. Man hat Werbung gemacht mit uns, der Dormitio. Man war wirklich förmlich stolz zu sagen: ,Guck mal hier, wir sind eigentlich das Zentrum vieler Weltreligionen. Wir sind hier der Sehnsuchtsort.` Und in letzter Zeit hat es sich wirklich total verengt auf diese eine Perspektive: Wir sind ein jüdischer Staat. Ich wünsche mir, dass diese einzigartige Demokratie mit einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit, die auch geprägt ist vom Judentum als Kultur, dass die wirklich auch Zukunft hat. Und ich glaube, sie hat genau dann Zukunft, wenn sie wie in der Vision die 1948 niedergelegt ist, eben auch die Minderheiten wirklich ernst nimmt, ihnen zuhört, sie auf Augenhöhe behandelt. Das ist mein größter Wunsch. Ich glaube, das ist der allererste Schritt, um auch wirklich hin zu einem versöhnten Miteinander, zu einer wirklich tragfähigen Zukunft zu gehen.
„Zukunft politisch auf diesem Planeten gibt es nur, wenn man gemeinsam in eine Richtung schaut“
Ich glaube überhaupt, Zukunft politisch auf diesem Planeten gibt es nur, wenn man gemeinsam in eine Richtung schaut. Und ich glaube, alle diese ja ich sag mal nicht Visionen, sondern eher Dystopien, zu sagen: Ich muss irgendjemanden besiegen, muss irgendjemand ausschalten, dann geht es besser - i ch glaube, das ist immer eine Situation, die nur Verlierer hervorbringt."
* Redaktioneller Hinweis: Das Interview wurde am 23.10.2026 geführthttps://www.vaticannews.va/de/welt/news/2026-10/israel-benediktiner-schnabel-jerusalem-interview-religion-wahlen.html
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..

Jetzt