Erster jüdisch-christlicher Moped-Gottesdienst in Sachsen

Erster jüdisch-christlicher Moped-Gottesdienst in Sachsen
Frei-/Kirchen
Erster jüdisch-christlicher Moped-Gottesdienst in Sachsen
Zwei Pfarrer und ein Landesrabbiner leiteten die Feier in Großschirma. Sie erinnerten an die Geschichte der Firma Simson, die 1856 von jüdischen Brüdern gegründet wurde und das gleichnamige Kultmoped fertigte. Rund 80 Besucher und 50 Mopedfahrer nahmen an dem Gottesdienst im Rahmen des „Jahres der jüdischen Kultur in Sachsen“ teil.
24. August 2026 · Lesezeit: 3 min
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325x183Rund 80 Besucher und 50 Mopedfahrer nahmen an dem Gottesdienst im Rahmen des „Jahres der jüdischen Kultur in Sachsen“ teil. Foto: Helge Eisenberg
Der erste jüdisch-christliche Moped-Gottesdienst in Sachsen hat am 23. August Im Pfarrgarten der evangelischen Kirche in Großschirma (Landkreis Mittelsachsen) stattgefunden. Geleitet wurde er vom örtlichen evangelischen Pfarrer Justus Geilhufe, dem katholischen Pfarrer Roman Neumüll (Freiberg) und dem Landesrabbiner der Israelitischen Religionsgemeinschaft Sachsen, Zsolt Balla (Leipzig). Der Gottesdienst unter dem Motto „Zwei Takte für ein Halleluja“ war Teil des „Jahres der jüdischen Kultur in Sachsen“ und wurde im MDR-Fernsehen sowie im Radiosender MDR Kultur übertragen. Wie Geilhufe der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA sagte, nahmen daran rund 80 Besucher zu Fuß sowie weitere 50 Moped-Fahrer teil. 
In dem Gottesdienst erinnerten mehrere Redner an die Geschichte der Firma Simson, die das gleichnamige Kultmoped fertigte. Sie war 1856 von den jüdischen Brüdern Löb und Moses Simson im thüringischen Suhl gegründet worden. Im Dritten Reich wurde die Familie von den Nationalsozialisten enteignet. Diesen Faden griffen Balla und Geilhufe im Rahmen des Jahres der jüdischen Kultur wieder auf.

Das Moped spielt in der Region seit drei Generationen eine große Rolle
In seiner Predigt, die Geilhufe gemeinsam mit Neumüll hielt, erläuterte er die Idee für den Moped-Gottesdienst: Während Motorradfahrer bereits seit langem eigene Gottesdienste feierten, hätten viele Jugendliche in der Region mit ihren Mopeds „noch gar nicht so richtig ihren Platz bei uns in der Kirche“ gehabt. Dabei präge das Moped das Leben in der Region „seit drei Generationen tiefgreifend“. Geilhufe dankte Gott mit den Worten „Du bist unser Antrieb. Du bist unser Ziel. Du bringst uns ins Gleichgewicht.“ 
Neumüll wiederum zog Parallelen zwischen einzelnen Bauteilen eines Mopeds und geistlichen Fragen. Der Tank stehe für die Frage: „Woher nehme ich meine Kraft, wie teile ich meine Kräfte ein, und habe ich dabei auch an die Reserven gedacht?“ Der Motor verweise auf den eigenen Antrieb und die Motivation, der Lenker auf Orientierung und Sinn im Leben. Auch die biblische Gestalt Simson, nach der das Moped benannt sei, habe trotz aller Fehler und Schwächen Gott im Blick behalten.

Rabbiner: Vertrauen auf Gott entbindet nicht von Verantwortung
Balla verwies in seinem Grußwort auf die Bedeutung des Mopedhelms. Man trage ihn nicht nur, um eine gesetzliche Vorschrift zu erfüllen, sondern es entspreche auch einem Gebot der Thora: „Hütet sehr eure Seele.“ Wer den Ewigen um Schutz bitte, habe zugleich die Pflicht, „alles in unserer Macht Stehende zu tun, um uns selbst und andere zu schützen“. Vertrauen auf Gott entbinde nicht von eigener Verantwortung, sondern setze sie voraus.

Dierks: Signal christlich-jüdischer Verbundenheit
Der Präsident des Sächsischen Landtags, Alexander Dierks (CDU), würdigte als Co-Vorsitzender des Kuratoriums des „Jahres der jüdischen Kultur in Sachsen“ die Veranstaltung. Die biblische Geschichte Simsons und die Geschichte der Firma Simson zeigten „eindrücklich die Ambivalenz menschlichen Lebens, die Abgründe, aber auch die Kraft, die in uns steckt“. Der Moped-Gottesdienst mache deutlich, „dass Glaube immer dann einen Platz in unserer Gesellschaft hat und auch haben kann in einer Zeit, die so nach Orientierung ruft, wenn sie ganz nah bei den Menschen ist und wenn sich Alltagskultur und Religion so glücklich verbinden“. Er sprach von einem „ganz großen Signal der christlich-jüdischen Verbundenheit

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