Unser Sonntag: Fels der Kirche
22.08.2026 21:18
Unser Sonntag: Fels der Kirche
22.08.2026 21:18
Unser Sonntag: Fels der Kirche
Diese Betrachtung von Patrick Körbs ist gespickt mit Zitaten von Paulus und Kardinal Ratzinger. Immer geht es um die Tradition der Kirche und den Felsen, auf den sie gegründet ist. Letztlich wird aber die Größe Gottes sichtbar, der seine Kirche durch die Zeiten trägt.
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Unser Sonntag: Fremdlinge
15/08/2026
Unser Sonntag: Fremdlinge
Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, liebe Schwestern und Brüder im Herrn, zwei Lesungstexte stehen heute im Mittelpunkt unserer Besinnung: Der Hymnus des Apostels Paulus über die unergründliche Tiefe Gottes in Röm 11,33–36 und das Bekenntnis des Petrus in Mt 16,13–20. Auf den ersten Blick scheinen sie weit voneinander entfernt – hier der jubelnde Lobpreis des Paulus über Gottes Weisheit, und im Evangeliumstext die konkrete Einsetzung des Petrus als Fels der Kirche.
Doch in ihrer Verbindung offenbart sich das Großartige, Staunenswerte: Die Kirche, das Katholische ist Tradition und Gegenwart zugleich - ihr Fundament ist historisch nachvollziehbar und als Institution ist sie vor allem eine Weltgemeinschaft, getragen von der göttlichen Weisheit und sichtbar gemacht im apostolischen Dienst. Wir wollen diese Verbindung heute gemeinsam bedenken und dabei hören, was ein großer Theologe und späterer Papst, Joseph Kardinal Ratzinger – Benedikt XVI., dazu gedacht hat.
Paulus bricht am Ende seiner großen Betrachtung über das Heilshandeln Gottes in einen hymnischen Lobpreis aus:
"O Tiefe des Reichtums,
der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!
Wie unergründlich sind seine Entscheidungen,
wie unerforschlich seine Wege! [...] Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin
ist die ganze Schöpfung. Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen." (Röm 11,33.36)
Paulus schaut auf das Ganze der Heilsgeschichte – auf die Erwählung Israels, auf die Einbeziehung der Heiden, auf den einen Heilsplan, der in Christus seine Mitte und sein Ziel hat. Er erkennt: Alles hat seinen Ursprung, seinen Grund und sein Ziel in Gott. Die Kirche ist nicht eine menschliche Gründung unter vielen. Sie ist Teil dieses unergründlichen göttlichen Planes, der auf die Verherrlichung Gottes hinausläuft.
Der weite Blick des Paulus
Doch dieser weite, universale Blick des Paulus bleibt nicht in der Schwebe. Er ist kein reiner Selbstzweck, ein Selbstlob… Er findet sein konkretes Gesicht in der Berufung der Apostel. Der unergründliche Gott hat sich in der Geschichte offenbart – in Menschen, die er beruft, die er sendet, die er zu Zeugen seines Wortes macht. Der zweite Text führt uns an einen konkreten Ort: nach Caesarea Philippi. Jesus fragt seine Jünger:
"Für wen halten die Menschen den Menschensohn? [...] Ihr aber, für wen haltet ihr mich?" (Mt 16,13.15)
Simon Petrus antwortet – und sein Bekenntnis ist mehr als eine persönliche Meinung: "Du bist der Christus,
der Sohn des lebendigen Gottes!" (Mt 16,16).
Daraufhin spricht Jesus das entscheidende Wort, das in der Kuppel des Petersdoms in Rom verewigt wurde:
"Du bist Petrus – der Fels –
und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen
und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben…" (Mt 16,18–19)
Hier wird etwas Grundlegendes sichtbar. Joseph Ratzinger hat darauf hingewiesen, dass in der Sicht der Alten Kirche der entscheidende Vers zum Verständnis des Ganzen Vers 16 – das Bekenntnis des Petrus ist: Petrus wird Fels der Kirche als Träger des Credo, des Glaubens an Gott. Das Bekenntnis gibt es nur als persönlich verantwortetes, und daher ist das Bekenntnis an die Person gebunden. Umgekehrt ist nicht eine sozusagen metaphysisch-neutral betrachtete Person das Fundament, sondern die Person als Träger des Bekenntnisses.
„Ratzinger: "Das Wir der Kirche beginnt mit dem Namen desjenigen, der namentlich und als Person zuerst das Christusbekenntnis vortrug.“
Ratzinger formuliert es so: "Das Wir der Kirche beginnt mit dem Namen desjenigen, der namentlich und als Person zuerst das Christusbekenntnis vortrug: 'Du bist der Sohn des lebendigen Gottes' (Mt 16,16)." In Petrus, der einen neuen Namen erhält, wird er zur Institution, die die Geschichte hindurchgeht – aber so, dass diese Institution nur als Person und in namentlicher und persönlicher Verantwortung existieren kann.
Der Papst: Diener der Einheit
Das ist die tiefe Wahrheit: Die Kirche ist nicht ein Bauwerk, das aus sich selbst steht. Sie ist getragen von lebendigen Menschen, von Frauen und Männern, die das Bekenntnis weitergeben – allen voran Petrus und seine Nachfolger. Aber dieses Fundament ist nicht menschliche Größe, sondern es ist, wie Ratzinger in einem anderen Zusammenhang sagte, das Paradox, dass Gott im Angesicht menschlicher Ohnmacht die Macht seiner Liebe zeigt. Der Papst, der Nachfolger Petri, ist nicht ein mächtiger Herrscher, sondern ein Diener der Einheit, der – wie Petrus selbst – immer wieder neu erfährt, dass er selbst nur getragen wird von dem, den er bekennt.
Weltumspannende Gemeinschaft des Glaubens
Die Schönheit dieses Fundaments zeigt sich in seiner Frucht: der weltumspannenden Gemeinschaft des Glaubens. Denn der Auftrag an Petrus war nie auf Rom beschränkt. Der Petrusdienst ist ein Dienst an der Einheit der ganzen Kirche, ein Dienst an der Katholizität. Auch hier hat Ratzinger eine Erfahrung in Worte gefasst, die er als Kardinal bei einer Pilgerreise nach Rom machte. Er beschrieb, wie er über den Petersplatz ging und Menschen aus allen Ländern, allen Altersgruppen und allen Schichten begegnete. Und er sagt:
"Sie erkennen mich als Bischof und freuen sich, weil ein Bischof für sie Nachfolger der Apostel ist, Träger des Geheimnisses der Kirche, Bote Jesu Christi ist. Es ist immer wieder, wie wenn wir alle alte Freunde wären. Keiner ist dem anderen unbekannt.
Durch die Kirche gehören wir alle zueinander."
Diese Erfahrung der Katholizität – das Überwinden aller Grenzen, das Einswerden in der einen Gemeinschaft des Glaubens – ist das lebendige Gesicht der Kirche. Ratzinger nennt es eine Erfahrung, die heute, besonders heute, möglich ist: "Der Glaube bringt Freude hervor, und der Glaube eint uns über alle Grenzen hinweg: das ist die Erfahrung der Katholizität, die Erfahrung der lebendigen Kirche."
Diese weltumspannende Gemeinschaft ist das Ziel, auf das das Fundament der Apostel verweist. Der Petrusdienst ist nicht dazu da, Macht auszuüben, sondern Einheit zu ermöglichen – eine Einheit, die nicht Gleichmacherei ist, sondern versöhnte Vielfalt im gemeinsamen Bekenntnis zu Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes.
Der Fels Petrus
So schließt sich der Kreis: Der Lobpreis des Paulus in Röm 11 – "aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung" – findet sein konkretes Gesicht in der Kirche, die auf dem Felsen Petrus gebaut ist. Und diese Kirche wiederum ist nicht Selbstzweck. Sie existiert, um das Lob Gottes zu singen, um ihn zu verherrlichen – in der ganzen Welt, bis ans Ende der Zeiten. Die Apostel, insbesondere Petrus, sind nicht das Fundament, weil sie so groß wären. Sie sind es, weil sie zu Trägern des Bekenntnisses geworden sind, weil Christus selbst seine Kirche auf dieses Bekenntnis baut. Und in ihrer Schwachheit, in ihrer menschlichen Begrenztheit – ja, sogar in ihrem Versagen – wird die Größe Gottes sichtbar, der seine Kirche durch die Zeiten trägt.
„O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!“
Die Kirche ist Fundament und Weltgemeinschaft: Fundament im lebendigen Fels des Petrusbekenntnisses, Weltgemeinschaft in der Überwindung aller Schranken und Grenzen durch den Geist Christi. Beides ist ein Geschenk. Und beides lässt uns mit Paulus staunen: "O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!"
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!
(Radio Vatikan - Redaktion Claudia Kaminski)
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Doch in ihrer Verbindung offenbart sich das Großartige, Staunenswerte: Die Kirche, das Katholische ist Tradition und Gegenwart zugleich - ihr Fundament ist historisch nachvollziehbar und als Institution ist sie vor allem eine Weltgemeinschaft, getragen von der göttlichen Weisheit und sichtbar gemacht im apostolischen Dienst. Wir wollen diese Verbindung heute gemeinsam bedenken und dabei hören, was ein großer Theologe und späterer Papst, Joseph Kardinal Ratzinger – Benedikt XVI., dazu gedacht hat.
Paulus bricht am Ende seiner großen Betrachtung über das Heilshandeln Gottes in einen hymnischen Lobpreis aus:
"O Tiefe des Reichtums,
der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!
Wie unergründlich sind seine Entscheidungen,
wie unerforschlich seine Wege! [...] Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin
ist die ganze Schöpfung. Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen." (Röm 11,33.36)
Paulus schaut auf das Ganze der Heilsgeschichte – auf die Erwählung Israels, auf die Einbeziehung der Heiden, auf den einen Heilsplan, der in Christus seine Mitte und sein Ziel hat. Er erkennt: Alles hat seinen Ursprung, seinen Grund und sein Ziel in Gott. Die Kirche ist nicht eine menschliche Gründung unter vielen. Sie ist Teil dieses unergründlichen göttlichen Planes, der auf die Verherrlichung Gottes hinausläuft.
Der weite Blick des Paulus
Doch dieser weite, universale Blick des Paulus bleibt nicht in der Schwebe. Er ist kein reiner Selbstzweck, ein Selbstlob… Er findet sein konkretes Gesicht in der Berufung der Apostel. Der unergründliche Gott hat sich in der Geschichte offenbart – in Menschen, die er beruft, die er sendet, die er zu Zeugen seines Wortes macht. Der zweite Text führt uns an einen konkreten Ort: nach Caesarea Philippi. Jesus fragt seine Jünger:
"Für wen halten die Menschen den Menschensohn? [...] Ihr aber, für wen haltet ihr mich?" (Mt 16,13.15)
Simon Petrus antwortet – und sein Bekenntnis ist mehr als eine persönliche Meinung: "Du bist der Christus,
der Sohn des lebendigen Gottes!" (Mt 16,16).
Daraufhin spricht Jesus das entscheidende Wort, das in der Kuppel des Petersdoms in Rom verewigt wurde:
"Du bist Petrus – der Fels –
und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen
und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben…" (Mt 16,18–19)
Hier wird etwas Grundlegendes sichtbar. Joseph Ratzinger hat darauf hingewiesen, dass in der Sicht der Alten Kirche der entscheidende Vers zum Verständnis des Ganzen Vers 16 – das Bekenntnis des Petrus ist: Petrus wird Fels der Kirche als Träger des Credo, des Glaubens an Gott. Das Bekenntnis gibt es nur als persönlich verantwortetes, und daher ist das Bekenntnis an die Person gebunden. Umgekehrt ist nicht eine sozusagen metaphysisch-neutral betrachtete Person das Fundament, sondern die Person als Träger des Bekenntnisses.
„Ratzinger: "Das Wir der Kirche beginnt mit dem Namen desjenigen, der namentlich und als Person zuerst das Christusbekenntnis vortrug.“
Ratzinger formuliert es so: "Das Wir der Kirche beginnt mit dem Namen desjenigen, der namentlich und als Person zuerst das Christusbekenntnis vortrug: 'Du bist der Sohn des lebendigen Gottes' (Mt 16,16)." In Petrus, der einen neuen Namen erhält, wird er zur Institution, die die Geschichte hindurchgeht – aber so, dass diese Institution nur als Person und in namentlicher und persönlicher Verantwortung existieren kann.
Der Papst: Diener der Einheit
Das ist die tiefe Wahrheit: Die Kirche ist nicht ein Bauwerk, das aus sich selbst steht. Sie ist getragen von lebendigen Menschen, von Frauen und Männern, die das Bekenntnis weitergeben – allen voran Petrus und seine Nachfolger. Aber dieses Fundament ist nicht menschliche Größe, sondern es ist, wie Ratzinger in einem anderen Zusammenhang sagte, das Paradox, dass Gott im Angesicht menschlicher Ohnmacht die Macht seiner Liebe zeigt. Der Papst, der Nachfolger Petri, ist nicht ein mächtiger Herrscher, sondern ein Diener der Einheit, der – wie Petrus selbst – immer wieder neu erfährt, dass er selbst nur getragen wird von dem, den er bekennt.
Weltumspannende Gemeinschaft des Glaubens
Die Schönheit dieses Fundaments zeigt sich in seiner Frucht: der weltumspannenden Gemeinschaft des Glaubens. Denn der Auftrag an Petrus war nie auf Rom beschränkt. Der Petrusdienst ist ein Dienst an der Einheit der ganzen Kirche, ein Dienst an der Katholizität. Auch hier hat Ratzinger eine Erfahrung in Worte gefasst, die er als Kardinal bei einer Pilgerreise nach Rom machte. Er beschrieb, wie er über den Petersplatz ging und Menschen aus allen Ländern, allen Altersgruppen und allen Schichten begegnete. Und er sagt:
"Sie erkennen mich als Bischof und freuen sich, weil ein Bischof für sie Nachfolger der Apostel ist, Träger des Geheimnisses der Kirche, Bote Jesu Christi ist. Es ist immer wieder, wie wenn wir alle alte Freunde wären. Keiner ist dem anderen unbekannt.
Durch die Kirche gehören wir alle zueinander."
Diese Erfahrung der Katholizität – das Überwinden aller Grenzen, das Einswerden in der einen Gemeinschaft des Glaubens – ist das lebendige Gesicht der Kirche. Ratzinger nennt es eine Erfahrung, die heute, besonders heute, möglich ist: "Der Glaube bringt Freude hervor, und der Glaube eint uns über alle Grenzen hinweg: das ist die Erfahrung der Katholizität, die Erfahrung der lebendigen Kirche."
Diese weltumspannende Gemeinschaft ist das Ziel, auf das das Fundament der Apostel verweist. Der Petrusdienst ist nicht dazu da, Macht auszuüben, sondern Einheit zu ermöglichen – eine Einheit, die nicht Gleichmacherei ist, sondern versöhnte Vielfalt im gemeinsamen Bekenntnis zu Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes.
Der Fels Petrus
So schließt sich der Kreis: Der Lobpreis des Paulus in Röm 11 – "aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung" – findet sein konkretes Gesicht in der Kirche, die auf dem Felsen Petrus gebaut ist. Und diese Kirche wiederum ist nicht Selbstzweck. Sie existiert, um das Lob Gottes zu singen, um ihn zu verherrlichen – in der ganzen Welt, bis ans Ende der Zeiten. Die Apostel, insbesondere Petrus, sind nicht das Fundament, weil sie so groß wären. Sie sind es, weil sie zu Trägern des Bekenntnisses geworden sind, weil Christus selbst seine Kirche auf dieses Bekenntnis baut. Und in ihrer Schwachheit, in ihrer menschlichen Begrenztheit – ja, sogar in ihrem Versagen – wird die Größe Gottes sichtbar, der seine Kirche durch die Zeiten trägt.
„O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!“
Die Kirche ist Fundament und Weltgemeinschaft: Fundament im lebendigen Fels des Petrusbekenntnisses, Weltgemeinschaft in der Überwindung aller Schranken und Grenzen durch den Geist Christi. Beides ist ein Geschenk. Und beides lässt uns mit Paulus staunen: "O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!"
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!
(Radio Vatikan - Redaktion Claudia Kaminski)
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