Die Recherche von Public Eye zeigt: Landarbeitende auf Bananenplantagen werden massiv ausgebeutet, ihre Grundrechte werden verletzt, und ihre Arbeitsbedingungen verstossen gegen internationale Normen (bspw. den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte oder die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation, die auch die Schweiz unterzeichnet hat). Guatemala ist geprägt von Armut, Drogenhandel, grossen Problemen im Strafvollzug und systemischer Gewalt. Auf den Plantagen herrschen Angst und Misstrauen. José Maldonado bringt es auf den Punkt: «Hier kann niemand Nein sagen. Du musst die langen Arbeitszeiten und die Chemikalien auf der Haut ertragen, sonst bist du deinen Job los.» Um die befragten Personen vor Entlassungen und Misshandlungen zu schützen, hat Public Eye die meisten von ihnen sowie die Betriebe, in denen sie beschäftigt sind, anonymisiert.
Was die Brüder Maldonado erzählen, ist kein Einzelfall. Im Süden des Landes konzentrieren sich 85% der Arbeitsplätze in der Bananenindustrie. Subunternehmen, welche die Plantagen im Auftrag von Chiquita bewirtschaften, setzen auf junge, isolierte und gewerkschaftlich schwach organisierte Arbeitskräfte. Diese wehren sich nicht gegen belastende Arbeitsbedingungen und Überwachung. Die Banane ist hier das grüne Gold, das die Wirtschaft der ganzen Region antreibt. Zu Goldgelb reift die Frucht selten vor Ort.
Mit unserer Reportage tauchen wir ein in Plantagen, in denen die Weltwirtschaft auf das Schweigen von Institutionen trifft, die sich oft mitschuldig machen. In denen Tausende beinahe unsichtbar schuften. Und wo die Geschichte Guatemalas noch immer mit der Machete geschrieben wird, zwischen Schweiss, Pestiziden und Medikamentencocktails.
Das Land des grünen Goldes
19.08.2026 16:07
Das Land des grünen Goldes
19.08.2026 16:07
Das Land des grünen Goldes
Teil eins
Noch bevor die Sonne den feuchten Nebel an der Südküste Guatemalas durchbricht, erwacht die Bananenplantage im Morgengrauen zum Leben. Auf den Plantagen, die im Auftrag von Chiquita durch Subunternehmen betrieben werden, schlängeln sich Landarbeitende mit ausgemergelten Gesichtern zwischen den Bananenstauden hindurch. Ihre Gummistiefel versinken im schwarzen Schlamm. Am Gürtel tragen sie scharfe Macheten. Sie alle wissen, dass es ein langer Arbeitstag wird: zehn bis zwölf Stunden, für wenig Geld. Oft verdienen sie nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn.
José Maldonado* reibt sich die Unterarme. Das Jucken kommt von den ausgebrachten Pestiziden. Er sagt nicht viel, aber seine knorrigen Hände sprechen für ihn. Die jahrelange Arbeit hat etliche Narben hinterlassen, eine Wunde ist gar noch offen. «Der menschliche Körper ist keine Maschine», flüstert er und zeigt seine letzte Lohnabrechnung: 1198 Quetzal, das sind netto knapp 105 Franken für zwei Wochen Arbeit. Und 35% weniger, als der nationale Mindestlohn in der Landwirtschaft vorschreibt.
Im Schatten der Bananenstauden senkt José den Blick. Seine Geschichte ist verwoben mit der Geschichte dieser Region und der Menschen, die das Land bewirtschaften. Seine Brüder Rogelio* und Luis* verrichten die gleiche Arbeit, atmen die gleichen Chemikalien ein und verdienen nach zwei Wochen genauso wenig. Die Familie Maldonado lebt für die Bananenindustrie – und leidet gemeinsam an den gesundheitlichen Folgeschäden.
Das Land des grünen Goldes
Noch bevor die Sonne den feuchten Nebel an der Südküste Guatemalas durchbricht, erwacht die Bananenplantage im Morgengrauen zum Leben. Auf den Plantagen, die im Auftrag von Chiquita durch Subunternehmen betrieben werden, schlängeln sich Landarbeitende mit ausgemergelten Gesichtern zwischen den Bananenstauden hindurch. Ihre Gummistiefel versinken im schwarzen Schlamm. Am Gürtel tragen sie scharfe Macheten. Sie alle wissen, dass es ein langer Arbeitstag wird: zehn bis zwölf Stunden, für wenig Geld. Oft verdienen sie nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn.
José Maldonado* reibt sich die Unterarme. Das Jucken kommt von den ausgebrachten Pestiziden. Er sagt nicht viel, aber seine knorrigen Hände sprechen für ihn. Die jahrelange Arbeit hat etliche Narben hinterlassen, eine Wunde ist gar noch offen. «Der menschliche Körper ist keine Maschine», flüstert er und zeigt seine letzte Lohnabrechnung: 1198 Quetzal, das sind netto knapp 105 Franken für zwei Wochen Arbeit. Und 35% weniger, als der nationale Mindestlohn in der Landwirtschaft vorschreibt.
Im Schatten der Bananenstauden senkt José den Blick. Seine Geschichte ist verwoben mit der Geschichte dieser Region und der Menschen, die das Land bewirtschaften. Seine Brüder Rogelio* und Luis* verrichten die gleiche Arbeit, atmen die gleichen Chemikalien ein und verdienen nach zwei Wochen genauso wenig. Die Familie Maldonado lebt für die Bananenindustrie – und leidet gemeinsam an den gesundheitlichen Folgeschäden.
Das Land des grünen Goldes
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calando 19.08.2026 16:36
Deshalb protestieren wir
Chiquita ist einer der weltweit grössten Bananenproduzenten und hat seinen Sitz in der Schweiz. Der Konzern wirbt mit «Nachhaltigkeit» und «fairen Arbeitsbedingungen». Recherchen von Public Eye auf Zulieferplantagen in Guatemala zeichnen ein anderes Bild: Arbeiter:innen schuften dort bis zu zwölf Stunden täglich unter enormem Zeitdruck - für Löhne, die oft unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen. Bei drückender Hitze arbeiten sie ohne ausreichenden Schutz vor Pestiziden, welche Flugzeuge über ihren Köpfen versprühen.
Viele stehen die harten Arbeitsbedingungen nur mit einem Mix aus Energy-Drink und Tramadol, einem Opioid, durch. Wer sich gegen diese Zustände wehrt oder an Gewerkschaftssitzungen teilnimmt, riskiert die Kündigung.
Die von Public Eye besuchten Plantagen in Guatemala beliefern Chiquita direkt. Der Konzern trägt Verantwortung - und hat die Marktmacht, die Situation der Arbeiter*innen sofort zu verbessern.
Mit dem digitalen Protest fordern wir:
Den gesetzlichen Mindestlohn für alle Plantagenarbeiter:innen.
Schutz vor Pestiziden. Dazu gehört ein sofortiges Verbot von Pestizid-Sprühflügen während der Arbeitszeit.
Respektierung der Gewerkschaftsfreiheit. Niemand darf entlassen oder diskriminiert werden, weil er sich gewerkschaftlich organisiert.
Chiquita muss bei den Zulieferern durchsetzen, dass die gesetzlichen Mindeststandards Guatemalas, die Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und der Verhaltenskodex für das Pestizidmanagement der Welternährungsorganisation FAO eingehalten werden. Schweizer Konzerne müssen endlich Verantwortung für Missstände in ihren Lieferketten übernehmen!
Forderungen im Detail
Wenn Chiquita keine konkreten und überprüfbaren Schritte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen einleitet, bleibt unser Protest nicht digital. Wir bringen ihn nach Etoy (VD) – direkt vor den Hauptsitz des Unternehmens.
Jetzt am digitalen Protest teilnehmen!
Weiterlesen: Bericht aus Guatemala
Chiquita ist einer der weltweit grössten Bananenproduzenten und hat seinen Sitz in der Schweiz. Der Konzern wirbt mit «Nachhaltigkeit» und «fairen Arbeitsbedingungen». Recherchen von Public Eye auf Zulieferplantagen in Guatemala zeichnen ein anderes Bild: Arbeiter:innen schuften dort bis zu zwölf Stunden täglich unter enormem Zeitdruck - für Löhne, die oft unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen. Bei drückender Hitze arbeiten sie ohne ausreichenden Schutz vor Pestiziden, welche Flugzeuge über ihren Köpfen versprühen.
Viele stehen die harten Arbeitsbedingungen nur mit einem Mix aus Energy-Drink und Tramadol, einem Opioid, durch. Wer sich gegen diese Zustände wehrt oder an Gewerkschaftssitzungen teilnimmt, riskiert die Kündigung.
Die von Public Eye besuchten Plantagen in Guatemala beliefern Chiquita direkt. Der Konzern trägt Verantwortung - und hat die Marktmacht, die Situation der Arbeiter*innen sofort zu verbessern.
Mit dem digitalen Protest fordern wir:
Den gesetzlichen Mindestlohn für alle Plantagenarbeiter:innen.
Schutz vor Pestiziden. Dazu gehört ein sofortiges Verbot von Pestizid-Sprühflügen während der Arbeitszeit.
Respektierung der Gewerkschaftsfreiheit. Niemand darf entlassen oder diskriminiert werden, weil er sich gewerkschaftlich organisiert.
Chiquita muss bei den Zulieferern durchsetzen, dass die gesetzlichen Mindeststandards Guatemalas, die Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und der Verhaltenskodex für das Pestizidmanagement der Welternährungsorganisation FAO eingehalten werden. Schweizer Konzerne müssen endlich Verantwortung für Missstände in ihren Lieferketten übernehmen!
Forderungen im Detail
Wenn Chiquita keine konkreten und überprüfbaren Schritte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen einleitet, bleibt unser Protest nicht digital. Wir bringen ihn nach Etoy (VD) – direkt vor den Hauptsitz des Unternehmens.
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Weiterlesen: Bericht aus Guatemala
calando 19.08.2026 16:37
teil vier
In Puerto San José, einer kleinen Stadt an der Pazifikküste, empfängt Pater Leonel in seiner Pfarrei diejenigen, die es noch wagen, zu sprechen. Er erzählt von erschöpften Arbeitern, besorgten Familien, jungen Menschen, die zwei Wochen lang verschwinden, um auf den Plantagen im Süden zu arbeiten: «Sie kamen in die Kirche. Zuerst wegen Gott... dann fingen sie an zu reden. Immer wieder.» Der Pater legt seine Hände auf das Pult. In diesem Teil Guatemalas ist die Angst allgegenwärtig: «Man weiss nie, mit wem man spricht. Viele fürchten nicht nur um ihren Arbeitsplatz, sondern auch um ihr Leben.»
Pater Leonel sagt von sich, er sei ein «Vermittler, kein Unruhestifter». Er will «das Soziale aus der Sicht des Glaubens beleuchten und beeinflussen». Prompt wurde ihm der Zugang zu einer kleinen Kirche in der Nähe einer Plantage verwehrt. «Die Türen sind immer verschlossen», meint er. In einer Region, in der die Agrarindustrie dominiert, kann ein Priester zur Bedrohung werden, wenn er denen eine Stimme gibt, die selbst keine haben
In Puerto San José, einer kleinen Stadt an der Pazifikküste, empfängt Pater Leonel in seiner Pfarrei diejenigen, die es noch wagen, zu sprechen. Er erzählt von erschöpften Arbeitern, besorgten Familien, jungen Menschen, die zwei Wochen lang verschwinden, um auf den Plantagen im Süden zu arbeiten: «Sie kamen in die Kirche. Zuerst wegen Gott... dann fingen sie an zu reden. Immer wieder.» Der Pater legt seine Hände auf das Pult. In diesem Teil Guatemalas ist die Angst allgegenwärtig: «Man weiss nie, mit wem man spricht. Viele fürchten nicht nur um ihren Arbeitsplatz, sondern auch um ihr Leben.»
Pater Leonel sagt von sich, er sei ein «Vermittler, kein Unruhestifter». Er will «das Soziale aus der Sicht des Glaubens beleuchten und beeinflussen». Prompt wurde ihm der Zugang zu einer kleinen Kirche in der Nähe einer Plantage verwehrt. «Die Türen sind immer verschlossen», meint er. In einer Region, in der die Agrarindustrie dominiert, kann ein Priester zur Bedrohung werden, wenn er denen eine Stimme gibt, die selbst keine haben
calando 19.08.2026 16:39
Viele Arbeiter*innen kommen aus Cobán, einer indigenen Stadt im Hochland, zehn Autostunden von Puerto San José entfernt. Abgeschnitten von ihren Communitys, ohne Information und Unterstützung, akzeptieren sie die Bedingungen der Plantagen. Seit Nichtregierungsorganisationen, die von der US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit USAID finanziert waren, ihre Arbeit einstellen mussten, gibt es noch weniger Hilfe. In der Not macht sich seit einigen Jahren eine illegale, gefährliche chemische Krücke breit.
Im Laufe der Wochen bekommen wir es immer wieder zu hören: «la bomba». Es ist eine selbstgemachte Mischung aus Tramadol – einem Schmerzmittel aus der Familie der Opioide –, aufgelöst in Raptor, einem Energy-Drink. «Damit es schneller einfährt», erklärt Pedro*, ein junger Mann, der unter den härtesten Bedingungen gearbeitet hat. Der explosive Cocktail unterdrückt den Hunger, mindert die Müdigkeit und sorgt für ein künstliches Wohlbefinden. Um durchzuhalten, konsumieren die Arbeiter bis zu sieben davon pro Tag. «Es gibt einem das Gefühl, dass dein Körper weitermachen kann», fasst Pedro zusammen.
Tramadol zirkuliert unter der Hand und wird von erfahrenen Arbeitskollegen verkauft, die dafür zuständig sind, die Medikamente zu beschaffen und zu verteilen. Die Vorgesetzten behaupten, nichts davon zu wissen, sagt Pedro. Aber die Arbeiter*innen sagen alle dasselbe: «Ohne die Bomba würden viele nicht durchhalten.» Angesichts der Arbeitsrhythmen, der Hitze und der fehlenden Pausen ist der Cocktail überlebenswichtig geworden. Ein alltägliches Rauschmittel in den Bananenplantagen.
Im Laufe der Wochen bekommen wir es immer wieder zu hören: «la bomba». Es ist eine selbstgemachte Mischung aus Tramadol – einem Schmerzmittel aus der Familie der Opioide –, aufgelöst in Raptor, einem Energy-Drink. «Damit es schneller einfährt», erklärt Pedro*, ein junger Mann, der unter den härtesten Bedingungen gearbeitet hat. Der explosive Cocktail unterdrückt den Hunger, mindert die Müdigkeit und sorgt für ein künstliches Wohlbefinden. Um durchzuhalten, konsumieren die Arbeiter bis zu sieben davon pro Tag. «Es gibt einem das Gefühl, dass dein Körper weitermachen kann», fasst Pedro zusammen.
Tramadol zirkuliert unter der Hand und wird von erfahrenen Arbeitskollegen verkauft, die dafür zuständig sind, die Medikamente zu beschaffen und zu verteilen. Die Vorgesetzten behaupten, nichts davon zu wissen, sagt Pedro. Aber die Arbeiter*innen sagen alle dasselbe: «Ohne die Bomba würden viele nicht durchhalten.» Angesichts der Arbeitsrhythmen, der Hitze und der fehlenden Pausen ist der Cocktail überlebenswichtig geworden. Ein alltägliches Rauschmittel in den Bananenplantagen.
calando 19.08.2026 16:43
Die Folgen dürften schwerwiegend sein. In einem langen Artikel von Oktober 2024 dokumentiert das guatemaltekische Investigativmagazin «No Ficción» eine Epidemie, die weitgehend unbemerkt die gesamte Südküste heimsucht: Chronische Niereninsuffizienz ist heute eine der Haupttodesursachen in der Region. Die Gründe sind umstritten, aber viele Fachleute halten die Arbeit in der Agrarindustrie für einen entscheidenden Faktor. Tatsächlich zeigen Gesundheitsdaten einen Anstieg chronischer Nierenerkrankungen im Departement Escuintla, wo auch Puerto San José liegt: An der Pazifikküste, wo nur etwa ein Zehntel der Bevölkerung lebt, sterben überproportional viele Menschen an diesen Krankheiten.
Wissenschaftliche Studien und Beobachtungen von medizinischen Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen bestätigen den Anstieg von Nierenschäden bei Landarbeitenden, obwohl sie keinen direkten Zusammenhang mit Tramadol herstellen. Eine Studie, die unter guatemaltekischen Arbeiter*innen durchgeführt wurde, schätzt die Prävalenz von Nierenerkrankungen unbekannter Ursache auf etwa 3%. Im Bananensektor sei die Rate noch höher. Vor Ort denken viele, dass die körperlichen Beschwerden der Erntehelfer – Ohnmachtsanfälle, Übelkeit, teils Todesfälle – mit der extremen Hitze, den Süssgetränken, der Arbeit unter Zwang sowie der Bomba zusammenhängen.
Wissenschaftliche Studien und Beobachtungen von medizinischen Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen bestätigen den Anstieg von Nierenschäden bei Landarbeitenden, obwohl sie keinen direkten Zusammenhang mit Tramadol herstellen. Eine Studie, die unter guatemaltekischen Arbeiter*innen durchgeführt wurde, schätzt die Prävalenz von Nierenerkrankungen unbekannter Ursache auf etwa 3%. Im Bananensektor sei die Rate noch höher. Vor Ort denken viele, dass die körperlichen Beschwerden der Erntehelfer – Ohnmachtsanfälle, Übelkeit, teils Todesfälle – mit der extremen Hitze, den Süssgetränken, der Arbeit unter Zwang sowie der Bomba zusammenhängen.
calando 19.08.2026 16:46
Public Eye trifft die Brüder Maldonado erneut, diesmal vor ihrer Haustür. Im Süden Guatemalas wird der Körper nicht nur durch Arbeitsrhythmen oder Aufputschmittel zermürbt. Auf den Plantagen wirkt ein weiteres Gift, fast unsichtbar, aber allgegenwärtig, Woche für Woche aus der Luft versprüht.
Neben José steht sein Bruder Rogelio und schweigt. Sein Blick ist in die Ferne gerichtet, als sähe er noch immer die kleinen Flugzeuge über den Bananenstauden kreisen, die Mancozeb versprühen. Auf den Tausenden Hektar Bananenplantagen Guatemalas ist das Fungizid allgegenwärtig: Es ist die Hauptwaffe gegen die Schwarzfleckenkrankheit, eine Pilzerkrankung, welche die Ernten des kostbaren «grünen Goldes» vernichtet.
Neben José steht sein Bruder Rogelio und schweigt. Sein Blick ist in die Ferne gerichtet, als sähe er noch immer die kleinen Flugzeuge über den Bananenstauden kreisen, die Mancozeb versprühen. Auf den Tausenden Hektar Bananenplantagen Guatemalas ist das Fungizid allgegenwärtig: Es ist die Hauptwaffe gegen die Schwarzfleckenkrankheit, eine Pilzerkrankung, welche die Ernten des kostbaren «grünen Goldes» vernichtet.
calando 19.08.2026 16:50
Für die Arbeiter ist es eine tägliche Bedrohung. «Sie fliegen sehr tief, und das gelbe Pulver fällt direkt auf uns herab. Manchmal schaffen wir es, zu unserem Schutz ein Bananenblatt abzuschneiden, aber das reicht nicht», sagt Rogelio, der Älteste der Maldonado-Brüder, die alle bei Subunternehmen von Chiquita beschäftigt sind. Kein Unterbruch, keine Warnung: Die Arbeiter schneiden weiter, laden weiter, ziehen weiter an den Bananenbüscheln auf der Transportseilbahn. Manchmal, erklärt er, überrascht sie der saure Regen gar beim Mittagessen, das sie unter den Stauden einnehmen. Der chemische Nebel dringt in ihre Kleidung, ihr Essen und ihre Poren ein, getragen von der schweren Luftfeuchtigkeit im Süden Guatemalas.
In diesem Interview-Auszug berichtet Rogelio Maldonado davon, wie er Pestiziden ausgesetzt ist:
Mancozeb wurde 2020 in der Europäischen Union bzw. 2021 in der Schweiz verboten; der Stoff gefährde die menschliche Fortpflanzung und störe das Hormonsystem von Mensch und Umwelt. Studien haben gezeigt, dass die Exposition gegenüber dem Fungizid zudem zu Fehlbildungen des Gehirns beim Ungeborenen führt. Mancozeb wird von den europäischen Behörden auch als vermutlich krebserregend betrachtet.
Dennoch verkaufen zahlreiche Unternehmen, darunter der Basler Agrochemiekonzern Syngenta, das Produkt weiterhin in Ländern wie Guatemala, wo die Vorschriften schwächer sind. 180 Tonnen davon hat zum Beispiel der bulgarische Konzern Agria im Jahr 2024 laut einem Bericht von Public Eye aus Europa nach Guatemala exportiert.
In diesem Interview-Auszug berichtet Rogelio Maldonado davon, wie er Pestiziden ausgesetzt ist:
Mancozeb wurde 2020 in der Europäischen Union bzw. 2021 in der Schweiz verboten; der Stoff gefährde die menschliche Fortpflanzung und störe das Hormonsystem von Mensch und Umwelt. Studien haben gezeigt, dass die Exposition gegenüber dem Fungizid zudem zu Fehlbildungen des Gehirns beim Ungeborenen führt. Mancozeb wird von den europäischen Behörden auch als vermutlich krebserregend betrachtet.
Dennoch verkaufen zahlreiche Unternehmen, darunter der Basler Agrochemiekonzern Syngenta, das Produkt weiterhin in Ländern wie Guatemala, wo die Vorschriften schwächer sind. 180 Tonnen davon hat zum Beispiel der bulgarische Konzern Agria im Jahr 2024 laut einem Bericht von Public Eye aus Europa nach Guatemala exportiert.
calando 19.08.2026 16:52
Ein Sprecher von Syngenta erklärt, man arbeite «unter vollständiger Einhaltung der lokalen Gesetze und Vorschriften». Zudem sei Syngenta mit einem einstelligen Marktanteil bei Fungiziden lediglich ein mittelgrosser Akteur im Bananensektor und sein Mancozeb-Produkt Ridomil Gold «nicht für den Einsatz in Bananenplantagen in Guatemala zugelassen». Weiter betont der Sprecher, die tropische Landwirtschaft unterscheide sich grundlegend von der in Europa, weshalb die Massnahmen im Pflanzenschutz den lokalen Gegebenheiten entsprechen müssten.
Im Kampf gegen die Schwarzfleckenkrankheit wird Mancozeb nach wie vor häufig eingesetzt. So hat die Zertifizierungsstelle der Rainforest Alliance eine Ausnahmegenehmigung für den Einsatz auf guatemaltekischen Plantagen bis zum 31. Dezember 2028 erteilt; es sei «dringend nötig, die Krankheit zu bekämpfen».
Auf den Bananenplantagen Guatemalas ist der Einsatz von Fungiziden keine punktuelle Angelegenheit, sondern eine permanente Massnahme. Kleinflugzeuge sprühen Mancozeb ein-, zwei- oder dreimal pro Woche, das ganze Jahr über. Im Dokumentarfilm «Banana Land: Blood, Bullets and Poison», der 2014 die unheilvolle Geschichte der Bananenindustrie in Lateinamerika nachzeichnete, berichtet ein Forscher: Ecuadorianische Piloten geben an, während bestimmter Flüge aufgrund der Dämpfe des Fungizids kurz das Bewusstsein verloren zu haben oder in ihren kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt gewesen zu sein. Offiziellen Statistiken zufolge sind zwischen 2012 und 2025 in Guatemala 43 Sprühflugzeuge abgestürzt, hauptsächlich im Departement Escuintla – das sind durchschnittlich drei Abstürze pro Jahr. Als Ursache wird in den Berichten teils ein rätselhafter «situativer Bewusstseinsverlust» des Piloten genannt.
Mancozeb ist nur eines der Produkte, die auf den Plantagen verwendet werden. Weitere Fungizide, Herbizide und Insektizide werden während des gesamten Anbauzyklus aus der Luft, mittels Rückenspritzen aber auch auf den Boden ausgebracht. Auf seiner guatemaltekischen Website listet Syngenta 18 Pestizide für den Bananenanbau auf. Acht davon enthalten Wirkstoffe, die heute in der Schweiz und in der Europäischen Union aufgrund der Risiken für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt verboten sind. Auf den Plantagen im Süden Guatemalas werden diese Produkte jedoch weiterhin routinemässig eingesetzt, wobei die Arbeiter in direkten Kontakt mit ihnen kommen
Im Kampf gegen die Schwarzfleckenkrankheit wird Mancozeb nach wie vor häufig eingesetzt. So hat die Zertifizierungsstelle der Rainforest Alliance eine Ausnahmegenehmigung für den Einsatz auf guatemaltekischen Plantagen bis zum 31. Dezember 2028 erteilt; es sei «dringend nötig, die Krankheit zu bekämpfen».
Auf den Bananenplantagen Guatemalas ist der Einsatz von Fungiziden keine punktuelle Angelegenheit, sondern eine permanente Massnahme. Kleinflugzeuge sprühen Mancozeb ein-, zwei- oder dreimal pro Woche, das ganze Jahr über. Im Dokumentarfilm «Banana Land: Blood, Bullets and Poison», der 2014 die unheilvolle Geschichte der Bananenindustrie in Lateinamerika nachzeichnete, berichtet ein Forscher: Ecuadorianische Piloten geben an, während bestimmter Flüge aufgrund der Dämpfe des Fungizids kurz das Bewusstsein verloren zu haben oder in ihren kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt gewesen zu sein. Offiziellen Statistiken zufolge sind zwischen 2012 und 2025 in Guatemala 43 Sprühflugzeuge abgestürzt, hauptsächlich im Departement Escuintla – das sind durchschnittlich drei Abstürze pro Jahr. Als Ursache wird in den Berichten teils ein rätselhafter «situativer Bewusstseinsverlust» des Piloten genannt.
Mancozeb ist nur eines der Produkte, die auf den Plantagen verwendet werden. Weitere Fungizide, Herbizide und Insektizide werden während des gesamten Anbauzyklus aus der Luft, mittels Rückenspritzen aber auch auf den Boden ausgebracht. Auf seiner guatemaltekischen Website listet Syngenta 18 Pestizide für den Bananenanbau auf. Acht davon enthalten Wirkstoffe, die heute in der Schweiz und in der Europäischen Union aufgrund der Risiken für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt verboten sind. Auf den Plantagen im Süden Guatemalas werden diese Produkte jedoch weiterhin routinemässig eingesetzt, wobei die Arbeiter in direkten Kontakt mit ihnen kommen
calando 19.08.2026 16:59
In den Bananenplantagen werden weder Risiken noch körperlicher Verschleiss oder die Exposition gegenüber Giftstoffen vergütet. Bezahlt wird pro Stück – was der Körper noch leisten kann. Das Lohnsystem ist kein Geheimnis, sondern ein unerbittlicher Mechanismus: Für die Arbeitgeber ist es ein Instrument der Effizienz, für die Arbeiter*innen eine Falle, die sie zur Erschöpfung treibt. Der «trabajo a destajo» – der Akkordlohn – bestimmt jede Minute des Tages, unabhängig von den Wetterbedingungen.
In Puerto Barrios im Nordosten des Landes werden die neun umliegenden Plantagen direkt von Chiquita kontrolliert. Hier verdienen die 2700 Beschäftigten (davon 20% mit befristeten Verträgen) kaum einen Quetzal mehr pro Tag als den Mindestlohn – vorausgesetzt, sie erreichen genau definierte Leistungsziele. Diese sind in einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) festgehalten, den Public Eye einsehen konnte.
In Puerto Barrios im Nordosten des Landes werden die neun umliegenden Plantagen direkt von Chiquita kontrolliert. Hier verdienen die 2700 Beschäftigten (davon 20% mit befristeten Verträgen) kaum einen Quetzal mehr pro Tag als den Mindestlohn – vorausgesetzt, sie erreichen genau definierte Leistungsziele. Diese sind in einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) festgehalten, den Public Eye einsehen konnte.
Lagiba 19.08.2026 17:50
Regelmäßiger Verzehr von Energydrinks führen tats. zur Niereninsuffizienz. Dann noch die täglichen Giftstoffe auf der Plantage und der Emotionaler Stress, sind auch eine Art von Horrortrip 😩 😭
Alysa 19.08.2026 21:27
Diese Frau ist mein Jahrgang. Wir hatten vor vielen Jahren persönlich Kontakt. Passt zwar nicht ganz zum Thema, aber als sie in Guatemala Fuß fasste, schrieb sie eine Broschüre über ihre Liebe zu Bananen. Das war sehr bewegend.
https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwjN-dmHta2WAxWX1gIHHQJQKG0QFnoECB0QAQ&url=https%3A%2F%2Feuropean-environment-foundation.eu%2Fen-en%2Flaureates-convention%2F7th-convention-2018%2Fparticipants%2Fsusanne-heisse&usg=AOvVaw1UxNuNtk-WhPrQTfSuA9Mk&opi=89978449
https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwjN-dmHta2WAxWX1gIHHQJQKG0QFnoECB0QAQ&url=https%3A%2F%2Feuropean-environment-foundation.eu%2Fen-en%2Flaureates-convention%2F7th-convention-2018%2Fparticipants%2Fsusanne-heisse&usg=AOvVaw1UxNuNtk-WhPrQTfSuA9Mk&opi=89978449
Fixstern121 20.08.2026 10:03
@calando
Danke!
Das alles nochmal zu lesen ist schwer und tut mir im Herzen weh.
Ich stehe seit ca. 30 Jahren in dem Thema, habe seitdem keine einzige Chiquitabanane & Co. angerührt.
Das Schlimme aber ist: Ähnliches finden wir auf Rosenplantagen, Anananasplantagen...in der Kleidungsindustrie, allem voran in der Jeansproduktionstoffprodukti ...etc., etc.
Menschen / Menschenleben sind seit jeher Spielbälle dunkler Herrschereliten, die durchaus wissen, was sie tun!
Ich bemühe mich stets, nicht die Augen davor zu verschließen und mein persönliches Konsumverhalten dementsprechend auszurichten, aber der Moloch ist so, so groß.
Erschreckend finde ich, dass in meiner Wahrnehmung die Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber diesen Themen (die schon immer groß war) selbst in christlichen Kreisen größer wird.
Ich kämpfe bspw. sehr auf verlorenem Posten, den GEPA Handel in "meinen" Gemeinden wieder ins Bewusstsein zu rufen - ziemlich erfolglos.
Ein GEPA Stand nach dem Gottesdienst war früher in den meisten kath. und ev. Landeskirchen selbstverstädnlich, gehörte einfach "zum guten Ton".
Heute trinken die Gemeinden Aldi- statt GEPA Kaffee und verzehren auf Gemeindefesten Billigwürstchen aus Massentierhaltung - auch, wenn der Gottesdienst zum Weltfrauentag das Thema "Fairness" hat.
Diese Brüche ohne Störgefühle in sich als Christen verstehenden Menschen machen mich fertig.
Danke!
Das alles nochmal zu lesen ist schwer und tut mir im Herzen weh.
Ich stehe seit ca. 30 Jahren in dem Thema, habe seitdem keine einzige Chiquitabanane & Co. angerührt.
Das Schlimme aber ist: Ähnliches finden wir auf Rosenplantagen, Anananasplantagen...in der Kleidungsindustrie, allem voran in der Jeansproduktionstoffprodukti ...etc., etc.
Menschen / Menschenleben sind seit jeher Spielbälle dunkler Herrschereliten, die durchaus wissen, was sie tun!
Ich bemühe mich stets, nicht die Augen davor zu verschließen und mein persönliches Konsumverhalten dementsprechend auszurichten, aber der Moloch ist so, so groß.
Erschreckend finde ich, dass in meiner Wahrnehmung die Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber diesen Themen (die schon immer groß war) selbst in christlichen Kreisen größer wird.
Ich kämpfe bspw. sehr auf verlorenem Posten, den GEPA Handel in "meinen" Gemeinden wieder ins Bewusstsein zu rufen - ziemlich erfolglos.
Ein GEPA Stand nach dem Gottesdienst war früher in den meisten kath. und ev. Landeskirchen selbstverstädnlich, gehörte einfach "zum guten Ton".
Heute trinken die Gemeinden Aldi- statt GEPA Kaffee und verzehren auf Gemeindefesten Billigwürstchen aus Massentierhaltung - auch, wenn der Gottesdienst zum Weltfrauentag das Thema "Fairness" hat.
Diese Brüche ohne Störgefühle in sich als Christen verstehenden Menschen machen mich fertig.
calando 20.08.2026 14:31
Danke Fixstern für Deinen Kommentar und schön, dass Du auch ein Auge darauf hast.
Dieser ganze Themenkomplex fehlt mir zum Beispiel auch in der ganzen Parteilandschaft.
Was sagen die Parteien zu dem geändertem Lieferkettengesetz usw.?
Dieser ganze Themenkomplex fehlt mir zum Beispiel auch in der ganzen Parteilandschaft.
Was sagen die Parteien zu dem geändertem Lieferkettengesetz usw.?

Jetzt
Aufgrund des Klimas der Gewalt, das auf den Plantagen im Süden Guatemalas herrscht, haben wir die meisten Erfahrungsberichte anonymisiert.
Im November 2025 bereist Public Eye Guatemala. Von der Hafenstadt Puerto Barrios im Nordosten bis nach Puerto San José, im Süden des Landes. Ziel ist, die Arbeits- und Lebensbedingungen auf den Plantagen des Konzerns Chiquita, der seit 2008 im Kanton Waadt ansässig ist, und jenen seiner Subunternehmer zu dokumentieren.
Am Rande der Bananenplantagen und in behelfsmässigen Unterkünften spricht Public Eye mit Dutzenden Menschen, die Bananen pflücken, mit Pestiziden behandeln, entblättern, verpacken und versiegeln. All diese Tätigkeiten erfolgen sowohl direkt für den Chiquita-Konzern als auch für seine zahlreichen Subunternehmer an der Südküste des Landes, wo Public Eye viele Produktionsstandorte ausfindig machen konnte. Überall zeigt sich das gleiche Bild. Die Menschen berichten von extremer Müdigkeit, unzureichenden Löhnen, ungeschützter Exposition gegenüber Chemikalien, Einschränkungen der Gewerkschaftsfreiheit. Dies, obwohl im Süden, wo die schlimmsten Bedingungen beobachtet wurden, sämtliche besuchten Plantagen von der Rainforest Alliance zertifiziert sind: Das Label dieser US-amerikanischen NGO soll eigentlich die Biodiversität sowie die Rechte und die Sicherheit der Mitarbeitenden schützen.