Ahmad Mansour

Ahmad Mansour
https://de.wikipedia.org/wiki/Ahmad_Mansour_(Autor)

Kritik
Die Herausgeberin der Blätter für deutsche und internationale Politik, Katajun Amirpur, kritisierte Mansour im Januar 2015 dafür, dass er behaupte, „die Inhalte des IS seien im Mainstream-Islam angelegt, den viele Muslime in Deutschland praktizieren“.[56]

2020 bezeichnete die Islamwissenschaftlerin Angelika Neuwirth Mansour als „oberflächlich religiös Gebildeten“, seine Kritik zeuge häufig von einem mangelnden Wissen über den historisch gewachsenen Islam. Dies führe dazu, dass er vermeintliche Missstände als charakteristisch für den Islam darstelle und dabei moderne Neuerungen verabsolutiere, die im Kontext der Anpassung an den säkularen Westen zu Verwerfungen geführt hätten.[57]

Laut der Anthropologin Esra Özyürek (Universität Cambridge) stützt sich Ahmad Mansour maßgeblich auf Theorien vom autoritären Nationalcharakter, er stelle die These auf, dass die autoritären väterlichen Praktiken in muslimischen Familien zwangsläufig gewalttätige, paranoide und antisemitische Jugendliche hervorbringe, die sich nur in autoritären Ideologien zurechtfinden und daher besonders anfällig für autoritäre Ideologien und islamistische Radikalisierung seien.[58] Özyürek weist Mansours Thesen als „pseudowissenschaftliche“ Behauptungen zurück und kritisiert seine Annahme einer homogenisierten muslimischen „Psychokultur“.[59] Dessen Thesen stellt Özyürek in die Tradition des Anthropologen Raphael Patai, dessen Buch The Arab Mind (1973) einen vereinfachenden und essentialisierenden Blick auf die Araber entwarf. Darin wird der Kindererziehung sowie dem Stellenwert der Sexualität in der arabischen Kultur eine unverhältnismäßig große Aufmerksamkeit zugeschrieben. Das Werk gilt zudem als Inspiration für die Misshandlungen und Folterungen im irakischen Abu-Ghuraib-Gefängnis.[60] Schlussendlich zielt Mansours Integrationsvorschlag in die deutsche Gesellschaft darauf ab, die Patrilinearität zu durchbrechen – nicht jedoch zwingend das Patriarchat.[61]

Ähnlich beurteilt der Extremismusforscher Michail Logvinov Mansours psychologischen Erklärungsansatz als „einseitige [...] und am Ende gefährliche [...] Verkürzung [...]“ und fragte kritisch zurück, wie denn dann zu erklären sei, dass ein Drittel der bekannten Salafismusanhänger weiblich seien und ein weiterer relevanter Teil von deutschen Konvertiten gestellt werde, die also in keinen traditionell patriarchalen Familien aufgewachsen waren.[62] Zu einer ähnlichen Einschätzung kam auch der Islamwissenschaftler Reinhard Schulze, der Mansours Behauptungen als Unsinn bezeichnete, da sie „völlig veraltete völkerpsychologische Annahmen“ widerspiegelten.[63]

Das Projekt Heroes veröffentlichte ein Statement auf seiner Website, in dem es sich von „populistischen, mithin offen Rassismus fördernden Äußerungen“ Mansours distanzierte, da dessen „offenes Anbändeln mit rassistischen Kräften“ der Haltung von Heroes widerspreche.[64][65]

Im Juli 2021 sagte Mansour: „Der Islam hat sich noch nie in eine andere Kultur integriert und wird es auch nicht in Europa tun.“ Von der Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan wurde der Satz als „Riesenprovokation“ bezeichnet. Zudem sei die Aussage historisch falsch – hätte der Islam sich nie in anderen Kulturen integrieren können, dann hätte er sich nicht nach seiner Entstehung bis nach Europa verbreitet – und zudem sei sie eine Abwertung aller Muslime, die in Deutschland lebten. Mansour warf sie vor mit solchen Sätzen zu spalten. Nach Angaben von Mansour sei dieser Satz aus dem Zusammenhang gerissen worden. Er habe sich auf den aktuellen politischen Islam bezogen, und er versuche, die Muslime ins deutsche Wertesystem zu integrieren.[5]

2023 kritisierte der Blog Volksverpetzer, dass Ahmad Mansour überhöhte und nicht belastbare Zahlen zu sogenannten „Messerangriffen“ verbreite. Mansour habe wiederholt von 20.000 Fällen pro Jahr gesprochen, obwohl offizielle Bundeskriminalamt-Daten deutlich niedrigere Werte ausweisen. Dennoch wurde er in die Nachrichtensendung Tagesthemen zu diesem Thema als „Experte“ eingeladen. Die Plattform wirft ihm vor, mit unzuverlässigen Quellen und vereinfachenden Darstellungen ein Bild von Gewalt und Migration zu zeichnen, das empirisch nicht gedeckt sei.[66]

Im Oktober 2025 kritisierte die Plattform Correctiv, dass seit Juli 2025 ein Projekt Mansours durch das Bundesforschungsministerium mit einer Summe von neun Millionen Euro gefördert werde, obwohl mehrere Wissenschaftler in Gutachten bemängelten, dass der entsprechende Antrag keine empirisch überprüfbaren Hypothesen oder klaren Forschungsfragen enthalte, methodisch unsystematisch sei und einen defizitorientierten Blick auf Menschen mit Migrationsbiografie und muslimischer Religiosität vermittle. Zudem basiere das Projekt auf der Vorannahme, dass antisemitische Einstellungen im „muslimischen Kulturkreis“ grundsätzlich gegeben seien, was von den Gutachtern als wissenschaftlich unzulässige Verkürzung bezeichnet worden sei.[67] Der Journalist Frederik Eikmanns (taz) griff dieses Thema auf.[68] Mansour selbst bezog in Die Zeit,[69] Cicero,[70] Focus[71] und Die Welt[72] Stellung dazu. Der Journalist Thomas Thiel kommentierte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den Beitrag von Correctiv damit, er sei „suggestiv und voreingenommen“. Ahmad Mansour werde „mit Zitaten, deren Wahrheitsgehalt nicht diskutiert wird, als Problemfigur eingeführt“. Wissenschaftler würden für Fragen, in denen sie keine besondere Expertise hätten, als unumstößliche Autoritäten eingeführt. Ihr Urteil werde auch dann als Beweis angeführt, wenn es nicht begründet werde oder sich nicht bestätige.[73] Grundsätzlich gelte, so Thiel, dass Projekte, die sich kritisch mit Islamismus befassen, in der damit befassten Wissenschaft bekanntermaßen einen schweren Stand hätten. Oft werde die Schuld für Antisemitismus bei Muslimen standardmäßig der diskriminierenden Mehrheitsgesellschaft zugeschrieben. Dies könne schon deshalb nicht stimmen, weil er auch außerhalb Deutschlands stark verbreitet sei. Dies führe oft dazu, dass die tieferen Ursachen unerforscht blieben. Ahmad und Beatrice Mansour, die auf religiöse und kulturelle Quellen von Antisemitismus hinwiesen, seien in diesem Schema hinderlich.[73] Ähnlich argumentierte die Ethnologin Susanne Schröter in der Jüdischen Allgemeine.[74] Laut des Blogs Volksverpetzer kündigte Mansour gegen die Recherchen von Correctiv rechtliche Schritte an, die mit Stand Dezember 2025 allerdings unterblieben. Die Autorin des Beitrags von Correctiv kritisierte Mansour dafür, ihnen vorzuwerfen zu „lügen“ oder ihn zu „diffamieren“: „Das Problematische dran: Die emotionalisierte Debatte hat den Schauplatz völlig verändert. Statt über die fragwürdige Vergabepraxis des Forschungsministeriums zu sprechen – das ohne abschließende wissenschaftliche Prüfung großzügig neun Millionen Euro vergeben hat – wird ein Konflikt zwischen uns und Ahmad Mansour inszeniert.“[75]

Im Dezember 2025 kritisierte Volksverpetzer Mansours Auftritte beim österreichischen Sender Servus TV und dessen Tätigkeit für die Organisation Republik 21, die die Brandmauer zur Alternative für Deutschland einreißen wolle, als Verharmlosung der Theorien der Neuen Rechten.[75]

Ebenfalls im Dezember 2025 äußerte der Migrationsforscher Hacı-Halil Uslucan von der Universität Duisburg-Essen Kritik an Ahmad Mansour. Uslucan zufolge seien Mansours Aussagen entweder banal, etwa die Forderung nach mehr Klartext in der Migrationsdebatte, oder alarmistisch, wenn er vor einer islamistischen Unterwanderung warne und Radikalisierungsprävention als vorrangig darstelle. Diese Darstellung widerspreche, so Uslucan, der Forschung zur Kriminalität in Deutschland. Er bemängelte zudem den wissenschaftliche Gehalt von Mansours „dumpfen Aussagen“. Präventionsansätze seien aus seiner Sicht wenig hilfreich, wenn sie rassifizierende Elemente aufwiesen.[75]

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