Nur ein Land der Welt hat mehr Flüchtlinge als Deutschland

Nur ein Land der Welt hat mehr Flüchtlinge als Deutschland
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Nur ein Land der Welt hat mehr Flüchtlinge als Deutschland
19. Juni 2026von Thomas Oysmüller2,4 Minuten Lesezeit

Deutschland ist das Flüchtlingsheim der Welt. Es belegt allerdings im neuesten Bericht nur Rang zwei, weil viele Flüchtlinge bereits einen unbefristeten Aufenthaltstitel erhalten haben oder sogar eingebürgert worden sind. Aktuell leben 2,7 Millionen Flüchtlinge im Land.

Deutschland nimmt die zweithöchste Anzahl an Flüchtlingen weltweit auf. Das meldet die neueste jährliche Statistik der UN-Flüchtlingshilfsorganisation (UNHCR), die selbst oft in der Kritik steht. Aktuell erfasst die UNO insgesamt 35,6 Millionen internationale Flüchtlinge weltweit, wobei davon mehr als 12 Millionen in nur sechs Aufnahmeländern registriert sind. Für den Berichtszeitraum 2025 unterteilt der UN-Bericht diese Gruppe in 27 Millionen Personen mit Schutz nach der Genfer Konvention, 7,2 Millionen mit alternativen internationalen Schutzregelungen und 1,5 Millionen, die unter flüchtlingsähnlichen Bedingungen leben.

Kolumbien liegt weltweit an erster Stelle mit 2,8 Millionen Flüchtlingen – fast alle stammen aus dem Nachbarland Venezuela. Deutschland folgt unmittelbar als zweitgrößter Aufnahmestaat und beherbergt 2,7 Millionen Flüchtlinge. Im Gegensatz zu Kolumbien stammt davon niemand aus einem Nachbarland.

Dass Deutschland nicht auf Platz 1 liegt, liegt an der Erfassung des UNHCR. Naturgemäß gelten Personen, die einen unbefristeten Aufenthaltstitel erhalten, nicht mehr als Flüchtlinge. Auch eine Einbürgerung lässt den Flüchtlingsstatus verlieren.

Laut den Daten der Behörde sind die größten Flüchtlingsgruppen in Deutschland aktuell Ukrainer mit 1,2 Millionen (minus drei Prozent gegenüber dem Vorjahr), gefolgt von 668.600 Syrern (minus acht Prozent gegenüber 2024) und 288.300 Afghanen (plus drei Prozent). Das Minus bei Syrien dürfte allerdings irreführend sein. So wurden im Jahr 2026 bisher 4.800 syrische Asylanträge gestellt – die Zahl der Syrer in Deutschland steigt also weiter an. Das Minus liegt zudem nicht an Abschiebungen, sondern an Einbürgerungen. Viele Syrer, die 2015/2016 als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, erfüllen inzwischen die Voraussetzungen für die Einbürgerung. Allein im Jahr 2025 wurden 65.600 Syrer eingebürgert (die größte Gruppe aller Einbürgerungen, auch wenn es 21 % weniger waren als 2024). Seit 2016 haben rund 244.000 Syrer die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten.

Auf Platz drei der Liste folgt die Türkei mit 2,4 Millionen Flüchtlingen im Land. Auch hier kommt die überwiegende Mehrheit allerdings aus einem Nachbarland: Syrien. Im Gegensatz zu Deutschland kehren viele Syrer in der Türkei in ihre Heimat zurück, was 2025 zu einem Rückgang von 19 Prozent führte.

Es folgen Uganda mit 1,9 Millionen, Iran mit 1,7 Millionen (fast ausschließlich Afghanen), Tschad mit 1,5 Millionen und Pakistan mit 1,3 Millionen.

Bis Ende 2025 hat der Jahresbericht ermittelt, dass weltweit 117,8 Millionen Menschen durch Konflikte oder Verfolgung vertrieben waren. Das entspricht einem Rückgang von vier Prozent bzw. etwa 5,4 Millionen Menschen im Vergleich zum Vorjahr.
Bild „#guertelstr – Refugees resist on roof @ Berlin“ by Libertinus is licensed under CC BY-SA 2.0.

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