📃 Der Geltungsbereich des Gesetzes [Fortsetzung]
28.05.2026 22:00
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📃 Der Geltungsbereich des Gesetzes [Fortsetzung]
Während wir [in vorherigen Artikeln] in den Raum gestellt und bewiesen haben, dass das Gesetz Gottes jede nur denkbare Handlung oder jeden Gedanken umfasst und dass kein verantwortungsbewusstes Wesen außerhalb seinem Geltungsbereich steht, wurde auf die Textpassage verwiesen, die besagt, dass die Heiden das Gesetz nicht haben, sondern sich selbst zum Gesetz machen. Vielleicht ist jetzt - wie zu jeder anderen Zeit - ein guter Zeitpunkt um diesen Text zu betrachten. Eine Antwort darauf beinhaltet auch die Betrachtung der Frage, warum die Zehn Gebote - obwohl sie universelle Geltung haben - [bei der Verkündigung des Gesetzes] am Berg Sinai nur an die Juden gerichtet wurden. Lesen wir vorerst die oben erwähnte Passage: "Die ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verlorengehen; und alle, die unter dem Gesetz gesündigt haben, werden durch das Gesetz verurteilt werden — denn vor Gott sind nicht die gerecht, welche das Gesetz hören, sondern die, welche das Gesetz befolgen, sollen gerechtfertigt werden. Wenn nämlich Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur aus tun, was das Gesetz verlangt, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz, da sie ja beweisen, dass das Werk des Gesetzes in ihre Herzen geschrieben ist, was auch ihr Gewissen bezeugt, dazu ihre Überlegungen, die sich untereinander verklagen oder auch entschuldigen." [RÖ. 2,12-15] [SLT]
Eine kurze Betrachtung der Argumentation Pauli in diesem Kapitel ist notwendig, um diesen Text richtig zu verstehen. Es sollte auffallen, dass die Verse 13, 14 und 15 nur Einschübe darstellen und daher hinsichtlich der Hauptargumentation zweitrangig sind. Daher werden sie bei der folgenden Interpretation der Argumentation unberücksichtigt bleiben. Im ersten Kapitel des Römerbriefs zeigt der Apostel den schrecklich unmoralischen Zustand der heidnischen Welt auf und verweist dann im zweiten Kapitel darauf, dass jeder, der die Heiden verurteilt, sich selbst verurteilt, denn alle sind schuldig. GOTT, so bezeugt er, wird jedem vergelten "nach seinen Werken: denen nämlich, die mit Ausdauer im Wirken des Guten Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit erstreben, ewiges Leben; denen aber, die selbstsüchtig und der Wahrheit ungehorsam sind, dagegen der Ungerechtigkeit gehorchen, Grimm und Zorn!" [RÖ. 2,6-8] [SLT] ... Und diese Belohnung hinsichtlich des Guten oder Bösen wird jedem Menschen zuteil, sei er Jude oder Heide. "Denn bei Gott gibt es kein Ansehen der Person." [RÖ. 2,11] [SLT] "Die ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verlorengehen und alle, die unter dem Gesetz gesündigt haben, werden durch das Gesetz verurteilt werden." [Und das geschieht, so bezeugt Paulus weiter,] "an dem Tag, da Gott das Verborgene der Menschen durch Jesus Christus richten wird nach meinem Evangelium." [RÖ. 2,16]
In den ersten beiden Kapiteln des Römerbriefs führt der Apostel die Tatsache an, die im dritten Kapitel klar zum Ausdruck kommt, dass "alle, Juden wie Griechen, unter der Sünde sind." [RÖ. 3,9] [LUT2017] und dass "wie geschrieben steht: »Da ist kein Gerechter, auch nicht einer." [RÖ. 3,10] [ELB] In der hier betrachteten Passage erklärt er, dass infolgedessen alle, die nicht Buße tun, [den Zorn bzw. die Offenbarung] "des gerechten Gerichtes Gottes" [RÖ.2,5] erleiden werden, weil GOTT "jedem vergelten wird nach seinen Werken." [Und] dies geschieht ohne Rücksicht auf die Nationalität, "denn bei Gott gibt es kein Ansehen der Person." Das bedeutet, nicht die Herkunft eines Menschen, sondern sein Charakter, verschafft ihm Gunst bei GOTT. Der HERR rechtfertigt die, "welche das Gesetz befolgen" - seien es Juden oder Heiden - und nicht jene, die - wie viele der Juden - das Gesetz hören, es aber nicht befolgen. Alle, die sündigen, sei es mit dem Gesetz oder ohne es, werden umkommen.
In den Versen 12 und 14 werden uns die beiden Gruppen vor Augen geführt – jene, die das Gesetz haben, und jene, wo dies nicht zutrifft. Es steht außer Frage, dass die Juden das Gesetz hatten, sie verließen sich darauf und entehrten GOTT, indem sie es übertraten (Siehe dazu Röm 2,17-18.23-24.) Und der vierzehnte Vers sagt uns deutlich, dass diejenigen, die das Gesetz nicht haben, die Heiden sind. Bevor wir uns mit ihrem Fall befassen, dürfen wir nicht versäumen, die Tatsache zu berücksichtigen, dass sowohl die Juden, die das Gesetz besaßen, als auch die Heiden, die es nicht besaßen, gesündigt hatten. Beide waren vor GOTT gleichermaßen schuldig. (Siehe dazu, wie vorstehend, zitiert Römer 3,9–10.) Nun [es steht geschrieben:] "Jeder, der Sünde tut, übertritt das Gesetz, und die Sünde ist die Gesetzesübertretung." [1.JOH. 3,4] [SLT1951] und "wo kein Gesetz ist, da ist auch keine Übertretung." [RÖ. 4,15] [SLT] Daher steht außer Frage, dass beide hier erwähnten Gruppen das Gesetz übertreten hatten und sich darüber hinaus dieser Tatsache bewusst waren, denn "wo kein Gesetz ist, da wird Sünde nicht angerechnet." [RÖ. 5,13] [LUT2017] Es ist also sicher, dass die Heiden das Gesetz übertreten hatten und dass sie "ohne Gesetz sündigten." Wie ist dieser scheinbare Widerspruch zu erklären? Lasst uns das klären. Betrachte [bitte] noch einmal die [bereits zitierten] Verse 14 und 15: "Wenn nämlich Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur aus tun, was das Gesetz verlangt, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz, da sie ja beweisen, dass das Werk des Gesetzes in ihre Herzen geschrieben ist, was auch ihr Gewissen bezeugt, dazu ihre Überlegungen, die sich untereinander verklagen oder auch entschuldigen."
Als GOTT den Menschen nach Seinem Ebenbild schuf, schuf er ihn "aufrichtig." [PRED. 7,29] Nicht nur in seiner körperlichen Gestalt, sondern auch in seiner moralischen Natur entsprach er dem Ebenbild Gottes. Solange Adam in diesem aufrichtigen, sündlosen Zustand verharrte, befand sich [natürlich] das Gesetz Gottes in seinem Herzen. Das bezeugt David, der bezugnehmend auf den Messias, sagt: "Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen." [PS. 40,8] Die Existenz des Gesetzes Gottes im Herzen zeigt sich in der Bereitschaft, diesem Gesetz zu gehorchen und wer - wie es bei CHRISTUS der Fall war - das Gesetz vollkommen in seinem Herzen geformt hat, wird im völligem Gehorsam gegenüber dem Gesetz leben - wie es [anfänglich auch] bei unseren ersten Eltern im Garten Eden der Fall war.
Doch der Mensch fiel von seinem hohen Stand, er sündigte gegen GOTT und zerstörte damit das vollkommene Abbild des Gesetzes, das in seinem Herzen existiert hatte. Die Neigung der Sünde besteht darin, sich zu vermehren. Wie "Unkraut, mitten unter den Weizen gesät" [MATTH. 13,24] [SLT], wächst sie, ohne dass man ihr Beachtung schenkt. So bereitete die erste Sünde den Weg für viele weitere, bis schließlich fast die ganze Welt völlig der Sünde verfallen war. Der Hebräerbrief bezeugt, dass die [Herzen der] Menschen verhärtet werden "durch den Betrug der Sünde." [HEBR. 3,13] Das bedeutet, dass, den Menschen - je mehr sie sündigen - die Sünde immer weniger abscheulich erscheint, bis schließlich das Böse nur noch als gut und das Gute als böse erscheint und sie ohne geringste Gewissensbisse sündigen. Dieses Prinzip ist etwas, womit jeder vertraut ist. Nun ist diese fortschreitende Liebe zur Sünde und die Gleichgültigkeit ihr gegenüber nichts anderes als die Auslöschung der Abschrift des Gesetzes, die in jedem Herzen in mehr oder weniger vollkommener Form vorhanden ist. Dieses Werk vollzieht sich nicht augenblicklich, es braucht Zeit, bis die Menschen das Gesetz so vollständig aus ihren Herzen ausgelöscht haben, dass sie [gegenüber dem Bösen] absolut keine Hemmung mehr verspüren. Und wenn dann vom Gesetz absolut nichts mehr vorhanden ist, befinden sich die Menschen in dem Zustand, in dem sich die Gottlosen unmittelbar vor der Sintflut befanden, als "alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar." [1. MO. 6,5] [LUT2017] Solange jedoch auch nur ein Teil des Gesetzes im Herzen verbleibt, ist der Geist [Gottes] in der Lage, mit dem Menschen zu ringen und ihn durch eben dieses Gesetz der Sünde zu überführen, völlig unabhängig davon, ob dem Einzelne etwas von der geschriebenen Offenbarung bekannt ist oder nicht.
Nun besaßen die Heiden - im Gegensatz zu den Juden - das Gesetz nicht auf Stein und in Schriftrollen geschrieben, sondern verfügten nur über jenen Teil, der in ihren Herzen noch unversehrt erhalten geblieben war. Natürlich trugen die Juden - die über weitaus mehr Erkenntnis verfügten als die Heiden - somit eine weitaus größere Verantwortung. Die Ersteren müssen zwangsläufig nach der Fülle des Gesetzes gerichtet werden, da sie sich nicht auf Unkenntnis irgendeines Teils davon berufen könnten. Entsprechend ihrer Sünden, verlangte die Gerechtigkeit, dass die Verurteilung durch das Gesetz sie in vollem Umfang träfe. Die Heiden hingegen können nur nach dem Licht beurteilt werden, das sie hatten. Da sie keine schriftliche Offenbarung besaßen, könnte diese ihnen natürlich nicht zur Last gelegt werden. Sie kannten jedoch in vielen Dingen den Unterschied zwischen Recht und Unrecht und werden so danach beurteilt werden. Hätten sie dem Licht, das sie von Natur aus hatten, voll und ganz entsprochen, wären sie als Täter des Gesetzes befunden worden, da sie dies jedoch nicht taten - da ihr eigenes Gewissen sie verurteilte - müssen sie die Folgen tragen. Die Juden, die das geschriebene Gesetz haben, werden nach dem Gesetz gerichtet und die Heiden, die das geschriebene Gesetz nicht haben, gehen zugrunde, ohne durch dieses gerichtet zu werden.
Vielleicht lässt sich dies anhand eines Beispiels verdeutlichen. Die Juden hatten jedes einzelne der zehn Gebote in einer Form vor Augen, die es ihnen ermöglichte, ständig an sie erinnert zu werden und den Umfang der an sie gestellten Anforderungen zu erkennen. Wenn sie nun vor Gericht stehen, entspricht es nichts andererem als Gerechtigkeit, dass ihnen das gesamte Gesetz vor Augen geführt wird, damit das Ausmaß ihrer Schuld offenbar wird. Aber hier ist ein armer, unwissender Heide, der - nehmen wir an - im Lichte der Natur nur zwei Gebote des Gesetzes kannte – dass es falsch ist, zu töten und Ehebruch zu begehen. Dass ihm die Sündhaftigkeit dieser Taten bewusst ist, zeigt sich daran, dass er - wenn er das eine oder das andere begangen hatte - die Tat zu verbergen suchte. Sein eigenes Gewissen klagte ihn an. Nun besteht keine Notwendigkeit, ihn der Sünde zu überführen, dass alle Zehn Gebote mit der Aufzeichnung seines Lebens verglichen werden. Im Gericht genügt es, ihm die beiden Gebote in Erinnerung zu rufen, mit denen er vertraut war. Allein durch diese ist er als Sünder verurteilt und da "der Lohn der Sünde der Tod ist" [RÖ. 6,23] [SLT], geht er zu Recht zugrunde, ohne jemals das geschriebene Gesetz gesehen zu haben. So sehen wir, dass alle Menschen, unabhängig von ihrem Stand, dem Gesetz Gottes unterliegen und nach ihm auch gerichtet werden. Wenn Paulus sagt, dass die Heiden "das Gesetz nicht haben", meint er, dass sie keine schriftliche Offenbarung hatten, nicht aber, dass sie keine Kenntnis von Recht und Unrecht hatten, wie es durch das Moralgesetz definiert ist. (Fortsetzung folgt.)
( Ellet J. Waggoner, August 1891 )
Eine kurze Betrachtung der Argumentation Pauli in diesem Kapitel ist notwendig, um diesen Text richtig zu verstehen. Es sollte auffallen, dass die Verse 13, 14 und 15 nur Einschübe darstellen und daher hinsichtlich der Hauptargumentation zweitrangig sind. Daher werden sie bei der folgenden Interpretation der Argumentation unberücksichtigt bleiben. Im ersten Kapitel des Römerbriefs zeigt der Apostel den schrecklich unmoralischen Zustand der heidnischen Welt auf und verweist dann im zweiten Kapitel darauf, dass jeder, der die Heiden verurteilt, sich selbst verurteilt, denn alle sind schuldig. GOTT, so bezeugt er, wird jedem vergelten "nach seinen Werken: denen nämlich, die mit Ausdauer im Wirken des Guten Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit erstreben, ewiges Leben; denen aber, die selbstsüchtig und der Wahrheit ungehorsam sind, dagegen der Ungerechtigkeit gehorchen, Grimm und Zorn!" [RÖ. 2,6-8] [SLT] ... Und diese Belohnung hinsichtlich des Guten oder Bösen wird jedem Menschen zuteil, sei er Jude oder Heide. "Denn bei Gott gibt es kein Ansehen der Person." [RÖ. 2,11] [SLT] "Die ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verlorengehen und alle, die unter dem Gesetz gesündigt haben, werden durch das Gesetz verurteilt werden." [Und das geschieht, so bezeugt Paulus weiter,] "an dem Tag, da Gott das Verborgene der Menschen durch Jesus Christus richten wird nach meinem Evangelium." [RÖ. 2,16]
In den ersten beiden Kapiteln des Römerbriefs führt der Apostel die Tatsache an, die im dritten Kapitel klar zum Ausdruck kommt, dass "alle, Juden wie Griechen, unter der Sünde sind." [RÖ. 3,9] [LUT2017] und dass "wie geschrieben steht: »Da ist kein Gerechter, auch nicht einer." [RÖ. 3,10] [ELB] In der hier betrachteten Passage erklärt er, dass infolgedessen alle, die nicht Buße tun, [den Zorn bzw. die Offenbarung] "des gerechten Gerichtes Gottes" [RÖ.2,5] erleiden werden, weil GOTT "jedem vergelten wird nach seinen Werken." [Und] dies geschieht ohne Rücksicht auf die Nationalität, "denn bei Gott gibt es kein Ansehen der Person." Das bedeutet, nicht die Herkunft eines Menschen, sondern sein Charakter, verschafft ihm Gunst bei GOTT. Der HERR rechtfertigt die, "welche das Gesetz befolgen" - seien es Juden oder Heiden - und nicht jene, die - wie viele der Juden - das Gesetz hören, es aber nicht befolgen. Alle, die sündigen, sei es mit dem Gesetz oder ohne es, werden umkommen.
In den Versen 12 und 14 werden uns die beiden Gruppen vor Augen geführt – jene, die das Gesetz haben, und jene, wo dies nicht zutrifft. Es steht außer Frage, dass die Juden das Gesetz hatten, sie verließen sich darauf und entehrten GOTT, indem sie es übertraten (Siehe dazu Röm 2,17-18.23-24.) Und der vierzehnte Vers sagt uns deutlich, dass diejenigen, die das Gesetz nicht haben, die Heiden sind. Bevor wir uns mit ihrem Fall befassen, dürfen wir nicht versäumen, die Tatsache zu berücksichtigen, dass sowohl die Juden, die das Gesetz besaßen, als auch die Heiden, die es nicht besaßen, gesündigt hatten. Beide waren vor GOTT gleichermaßen schuldig. (Siehe dazu, wie vorstehend, zitiert Römer 3,9–10.) Nun [es steht geschrieben:] "Jeder, der Sünde tut, übertritt das Gesetz, und die Sünde ist die Gesetzesübertretung." [1.JOH. 3,4] [SLT1951] und "wo kein Gesetz ist, da ist auch keine Übertretung." [RÖ. 4,15] [SLT] Daher steht außer Frage, dass beide hier erwähnten Gruppen das Gesetz übertreten hatten und sich darüber hinaus dieser Tatsache bewusst waren, denn "wo kein Gesetz ist, da wird Sünde nicht angerechnet." [RÖ. 5,13] [LUT2017] Es ist also sicher, dass die Heiden das Gesetz übertreten hatten und dass sie "ohne Gesetz sündigten." Wie ist dieser scheinbare Widerspruch zu erklären? Lasst uns das klären. Betrachte [bitte] noch einmal die [bereits zitierten] Verse 14 und 15: "Wenn nämlich Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur aus tun, was das Gesetz verlangt, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz, da sie ja beweisen, dass das Werk des Gesetzes in ihre Herzen geschrieben ist, was auch ihr Gewissen bezeugt, dazu ihre Überlegungen, die sich untereinander verklagen oder auch entschuldigen."
Als GOTT den Menschen nach Seinem Ebenbild schuf, schuf er ihn "aufrichtig." [PRED. 7,29] Nicht nur in seiner körperlichen Gestalt, sondern auch in seiner moralischen Natur entsprach er dem Ebenbild Gottes. Solange Adam in diesem aufrichtigen, sündlosen Zustand verharrte, befand sich [natürlich] das Gesetz Gottes in seinem Herzen. Das bezeugt David, der bezugnehmend auf den Messias, sagt: "Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen." [PS. 40,8] Die Existenz des Gesetzes Gottes im Herzen zeigt sich in der Bereitschaft, diesem Gesetz zu gehorchen und wer - wie es bei CHRISTUS der Fall war - das Gesetz vollkommen in seinem Herzen geformt hat, wird im völligem Gehorsam gegenüber dem Gesetz leben - wie es [anfänglich auch] bei unseren ersten Eltern im Garten Eden der Fall war.
Doch der Mensch fiel von seinem hohen Stand, er sündigte gegen GOTT und zerstörte damit das vollkommene Abbild des Gesetzes, das in seinem Herzen existiert hatte. Die Neigung der Sünde besteht darin, sich zu vermehren. Wie "Unkraut, mitten unter den Weizen gesät" [MATTH. 13,24] [SLT], wächst sie, ohne dass man ihr Beachtung schenkt. So bereitete die erste Sünde den Weg für viele weitere, bis schließlich fast die ganze Welt völlig der Sünde verfallen war. Der Hebräerbrief bezeugt, dass die [Herzen der] Menschen verhärtet werden "durch den Betrug der Sünde." [HEBR. 3,13] Das bedeutet, dass, den Menschen - je mehr sie sündigen - die Sünde immer weniger abscheulich erscheint, bis schließlich das Böse nur noch als gut und das Gute als böse erscheint und sie ohne geringste Gewissensbisse sündigen. Dieses Prinzip ist etwas, womit jeder vertraut ist. Nun ist diese fortschreitende Liebe zur Sünde und die Gleichgültigkeit ihr gegenüber nichts anderes als die Auslöschung der Abschrift des Gesetzes, die in jedem Herzen in mehr oder weniger vollkommener Form vorhanden ist. Dieses Werk vollzieht sich nicht augenblicklich, es braucht Zeit, bis die Menschen das Gesetz so vollständig aus ihren Herzen ausgelöscht haben, dass sie [gegenüber dem Bösen] absolut keine Hemmung mehr verspüren. Und wenn dann vom Gesetz absolut nichts mehr vorhanden ist, befinden sich die Menschen in dem Zustand, in dem sich die Gottlosen unmittelbar vor der Sintflut befanden, als "alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar." [1. MO. 6,5] [LUT2017] Solange jedoch auch nur ein Teil des Gesetzes im Herzen verbleibt, ist der Geist [Gottes] in der Lage, mit dem Menschen zu ringen und ihn durch eben dieses Gesetz der Sünde zu überführen, völlig unabhängig davon, ob dem Einzelne etwas von der geschriebenen Offenbarung bekannt ist oder nicht.
Nun besaßen die Heiden - im Gegensatz zu den Juden - das Gesetz nicht auf Stein und in Schriftrollen geschrieben, sondern verfügten nur über jenen Teil, der in ihren Herzen noch unversehrt erhalten geblieben war. Natürlich trugen die Juden - die über weitaus mehr Erkenntnis verfügten als die Heiden - somit eine weitaus größere Verantwortung. Die Ersteren müssen zwangsläufig nach der Fülle des Gesetzes gerichtet werden, da sie sich nicht auf Unkenntnis irgendeines Teils davon berufen könnten. Entsprechend ihrer Sünden, verlangte die Gerechtigkeit, dass die Verurteilung durch das Gesetz sie in vollem Umfang träfe. Die Heiden hingegen können nur nach dem Licht beurteilt werden, das sie hatten. Da sie keine schriftliche Offenbarung besaßen, könnte diese ihnen natürlich nicht zur Last gelegt werden. Sie kannten jedoch in vielen Dingen den Unterschied zwischen Recht und Unrecht und werden so danach beurteilt werden. Hätten sie dem Licht, das sie von Natur aus hatten, voll und ganz entsprochen, wären sie als Täter des Gesetzes befunden worden, da sie dies jedoch nicht taten - da ihr eigenes Gewissen sie verurteilte - müssen sie die Folgen tragen. Die Juden, die das geschriebene Gesetz haben, werden nach dem Gesetz gerichtet und die Heiden, die das geschriebene Gesetz nicht haben, gehen zugrunde, ohne durch dieses gerichtet zu werden.
Vielleicht lässt sich dies anhand eines Beispiels verdeutlichen. Die Juden hatten jedes einzelne der zehn Gebote in einer Form vor Augen, die es ihnen ermöglichte, ständig an sie erinnert zu werden und den Umfang der an sie gestellten Anforderungen zu erkennen. Wenn sie nun vor Gericht stehen, entspricht es nichts andererem als Gerechtigkeit, dass ihnen das gesamte Gesetz vor Augen geführt wird, damit das Ausmaß ihrer Schuld offenbar wird. Aber hier ist ein armer, unwissender Heide, der - nehmen wir an - im Lichte der Natur nur zwei Gebote des Gesetzes kannte – dass es falsch ist, zu töten und Ehebruch zu begehen. Dass ihm die Sündhaftigkeit dieser Taten bewusst ist, zeigt sich daran, dass er - wenn er das eine oder das andere begangen hatte - die Tat zu verbergen suchte. Sein eigenes Gewissen klagte ihn an. Nun besteht keine Notwendigkeit, ihn der Sünde zu überführen, dass alle Zehn Gebote mit der Aufzeichnung seines Lebens verglichen werden. Im Gericht genügt es, ihm die beiden Gebote in Erinnerung zu rufen, mit denen er vertraut war. Allein durch diese ist er als Sünder verurteilt und da "der Lohn der Sünde der Tod ist" [RÖ. 6,23] [SLT], geht er zu Recht zugrunde, ohne jemals das geschriebene Gesetz gesehen zu haben. So sehen wir, dass alle Menschen, unabhängig von ihrem Stand, dem Gesetz Gottes unterliegen und nach ihm auch gerichtet werden. Wenn Paulus sagt, dass die Heiden "das Gesetz nicht haben", meint er, dass sie keine schriftliche Offenbarung hatten, nicht aber, dass sie keine Kenntnis von Recht und Unrecht hatten, wie es durch das Moralgesetz definiert ist. (Fortsetzung folgt.)
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Jetzt
Für diejenigen, die gerne noch weitere solche (zeitgeistfreien, nah am Wort Gottes ausgerichteten ) Artikel lesen möchten, nachstehend der folgende Link:
https://gerechtigkeit-durch-glauben.de/gesamtuebersicht-artikel-neu/
Mein Wunsch und Gebet ist, dass jeder Leser durch den bzw. die Artikel reichlich gesegnet wird, er Dingen besser verstehen und das Gelesene in seinem Leben Frucht zur Ehre Gottes bringen möge.
Die angegebenen Bibelverse wurden, sofern nicht speziell angegeben, aus LUTHER 1912 entnommen. Die Abkürzungen [KJV] [LUT2017] [ELB] [SLT1951] und [SLT] stehen falls vorhanden für King James Version, Luther 2017, Elberfelder, Schlachter 1951 und Schlachter 2000.
Eckige Klammern im Text - abgesehen von Bibelzitaten - beinhalten Einfügungen von mir, die einer besseren Verständlichkeit nach Übertragung des Artikels ins Deutsche dienen sollen.