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📃 Der Geltungsbereich des Gesetzes

📃 Der Geltungsbereich des Gesetzes
Wir hatten die Unterteilung des Themas bereits vorweggenommen und anhand des Umfangs des Missionsauftrags des Evangeliums aufgezeigt, dass das Gesetz Gottes von den Menschen überall auf der Welt bekannt war und übertreten wurde; dass, da das Evangelium  bis zur Wiederkunft Christi in der ganzen Welt gepredigt werden soll, die Sünde ebenso weit verbreitet sein und ebenso  lange bestehen wird und dass folglich das Gesetz, dessen Übertretung die Sünde ist, bis zum Ende der Zeit in der ganzen Welt bindend sein wird. Wir möchten das Thema jedoch noch ein wenig vertiefen.

Der Apostel [Paulus] schreibt, dass "Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte" [2. KOR. 5,19] [SLT] und dass GOTT die Fortführung dieses Werkes seinen Botschaftern – den Dienern des Evangeliums – anvertraut hat, "an Christi statt" die Menschen bitten: "Lasst euch versöhnen mit Gott!" [2. KOR. 5,20] [ELB] Nun setzt Versöhnung einen vorherigen Zustand der Feindschaft voraus und wenn die Welt mit GOTT versöhnt werden musste, dann deshalb, weil sich die Welt mit IHM in Feindschaft befand. Und da das Werk der Versöhnung noch immer fortgesetzt wird, folgt daraus, dass die Rebellion oder Feindschaft noch immer besteht. Damit stellt sich die Frage: Worin besteht diese Feindschaft? Derselbe Apostel bezeugt: "Fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch sich dem Gesetz Gottes nicht unterwirft; denn es vermag’s auch nicht." [RÖ. 8,7] [LUT2017] Die Menschen sind Rebellen, weil sie sich gegen Gottes Gesetz auflehnen. Und dies ist dieselbe Wahrheit, die Jahrhunderte zuvor von dem inspirierten Propheten [Jesaja] [wie folgt] ausgesprochen worden war: "Geh nun hin, schreib es bei ihnen auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch ein, damit es für einen künftigen Tag als Zeuge bleibt bis in Ewigkeit! Denn ein widerspenstiges Volk ist es, verlogene Söhne, Söhne, die das Gesetz des HERRN nicht hören wollen." [JES. 30,8-9] [ELB]

Dies unterstreicht erneut die bereits erwähnte Tatsache, dass das Evangelium das Gesetz verkündet und "an vorderster Front trägt." Es war die Übertretung des Gesetzes, die es notwendig machte, dass CHRISTUS kam, um die Menschen mit Gott zu versöhnen. Und da die Menschen durch fortwährendes Sündigen ihr Gespür für die Abscheulichkeit der Sünde und ihre Verpflichtung gegenüber GOTT verloren hatten, wurde es immer notwendiger, dass das Evangelium, - indem es den Menschen den Weg der Vergebung und Versöhnung verkündete - ihnen die Notwendigkeit einer solchen Versöhnung und Vergebung bewusst machte, indem es in klaren Worten das Gesetz darlegte, gegen das sie verstoßen hatten. Dies ist es, was Petrus klar zum Ausdruck bringt, als er, nachdem er Jesajas Lobpreisung der Beständigkeit des Gesetzes zitiert hatte [das Folgende schrieb]: "Denn »alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie die Blume des Grases. Das Gras ist verdorrt und seine Blume abgefallen; aber das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit.« Das ist aber das Wort, welches euch als Evangelium verkündigt worden ist." [1. PETR.1,24-25] [SLT]

Aussagen von John Wesley und Bischof Simpson stehen im Einklang mit dieser Schlussfolgerung. Tatsächlich ist diese Schlussfolgerung so naheliegend, dass jeder nachdenkliche und aufrichtige Mensch zu ihr gelangen muss. Gerade die Tatsache, dass eine Begnadigung gewährt wird, bezeugt die Autorität des Gesetzes; und bevor eine Begnadigung gewährt werden kann, muss der Einzelne seine Schuld erkennen und anerkennen. Wenn ein Mensch sich für gerecht hält, wird er jedes Angebot der Begnadigung empört zurückweisen, auch wenn er sie vielleicht wirklich nötig hat. Die menschliche Natur würde solche Menschen dem Schicksal überlassen, das ihre eigene Blindheit und Hartnäckigkeit verdient, aber GOTT liebt die Welt und wünscht, dass alle Menschen durch die Annahme Seiner Vergebung mit IHM versöhnt werden. Deshalb bemüht ER Sich darum, den Menschen ihre sündige Lage bewusst zu machen, damit die Vergebung, die ER anbietet, angenommen werden kann. Derselbe Bote, der beauftragt ist, die Vergebung zu verkünden, verkündet auch das Gesetz Gottes, das den selbstgefälligen Sünder aufrüttelt, damit er seinen verlorenen Zustand erkennt.

Betrachten wir die Frage nach dem Geltungsbereich des Gesetzes noch etwas näher. Im Römerbrief steht [das Folgende geschrieben]: "Wir wissen aber, dass das Gesetz alles, was es spricht, zu denen sagt, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei." [RÖ. 3,19] Das Gesetz spricht [also] nur zu denen [- bzw. ist nur für diejenigen verbindlich -] die sich innerhalb der Grenzen seiner Zuständigkeit befinden, es kann niemanden verurteilen, der seinen Bestimmungen zuwiderhandelt, wenn dieser sich außerhalb seiner Zuständigkeitsgrenzen befindet. Zum Beispiel könnte ein Mann in Russland eine Tat begehen, die nach den Gesetzen der Vereinigten Staaten verboten ist, dennoch könnte er deswegen nicht für schuldig erklärt werden, einfach weil das Gesetz der Vereinigten Staaten in seinem Fall keine Zuständigkeit hat. Er unterliegt ihm nicht. Doch infolge der Aussage des Gesetzes Gottes, wird die ganze Welt vor GOTT für schuldig befunden, was eindeutig zeigt, dass die ganze Welt verpflichtet ist, dieses Gesetz zu halten.

Hinsichtlich dieser Tatsache gibt es keine Ausnahmen. Weil geschrieben steht "ein jeder, der Sünde tut, übertritt das Gesetz, und die Sünde ist die Gesetzesübertretung." [1. JOH. 3,4] [SLT1951] und "wo kein Gesetz ist, da ist auch keine Übertretung." [RÖ. 4,15] [SLT] wissen wir, dass dort, wo Sünde zu finden ist, auch das Gesetz [verbindlich] sein muss. Wem auch immer Sünde angerechnet wird, an den erhebt das Gesetz Anspruch denn "wo kein Gesetz ist, da wird Sünde nicht angerechnet." [RÖ. 5,13] [LUT2017] Nun finden wir folgende Aussagen im dritten Kapitel des Römerbriefs: "Was sagen wir denn nun? Haben wir einen Vorzug? Gar keinen. Denn wir haben soeben bewiesen, dass alle, Juden wie Griechen, unter der Sünde sind, wie geschrieben steht: »Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer.... Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott haben sollen." [RÖ. 3,9-10.23] [LUT2017] Der Apostel geht hier ins Detail und zeigt, dass Sünde nicht nur den Juden, sondern auch den Heiden zugerechnet wird und beweist so - über jeden Zweifel erhaben - dass die Heiden ebenso wie die Juden unter der Gerichtsbarkeit des Gesetzes Gottes stehen und dieses übertreten haben.

Unsere Untersuchung des Gesetzes begann mit dem Zeitpunkt, als es auf dem Berg Sinai gegeben wurde und wir sollten daher nun prüfen, ob dies der Beginn seiner Existenz war. Und hier, wie bei unserer gesamten Auseinandersetzung mit dem Gesetz, hilft uns die Erkenntnis, dass das Gesetz der "Gerechtigkeit Gottes" entspricht. Somit muss es notwendigerweise schon vor dem Auszug aus Ägypten existiert haben. Da es ein Abbild des Charakters Gottes ist, folgt daraus zwangsläufig, dass seine Existenz zeitgleich mit der Existenz Gottes ist.

Aber jemand könnte einwenden: "Das Gesetz als Ausdruck der Gerechtigkeit Gottes könnte auch existieren, ohne dass es zur Lenkung der Menschheit niedergeschrieben worden wäre." [Nun] das wäre möglich, wenn es keine Geschöpfe gegeben hätte, denen es mitgeteilt werden konnte, oder wenn es nach der Erschaffung der Geschöpfe eine Zeit gegeben hätte, in der GOTT keine Herrschaft über sie ausübte. Aber es steht uns nicht zu, über den Zustand der Dinge zu spekulieren, als GOTT allein war und Seine Eigene Ewigkeit bewohnte, noch bevor diejenigen existierten, die bei der Erschaffung dieser Erde als "Söhne Gottes jubelten" [HI. 38,7] [SLT] und es hat sicherlich nie eine Zeit gegeben, seit intelligente Geschöpfe geschaffen wurden, sei es im Himmel oder auf der Erde, in der GOTT nicht der oberste Herrscher war. Kein geschaffenes Wesen war jemals unabhängig von seiner Herrschaft. Und wenn GOTT immer Herrscher war, muss ER eine Regierungsordnung gehabt haben, und das konnte nichts anderes sein als Seine Gerechtigkeit – sein Gesetz. Die Zehn Gebote repräsentieren Gerechtigkeit, sie sind "vollkommen" [PS. 19,8], "heilig, gerecht und gut." [RÖ. 7,12] [SLT] und daher geeignet, die Grundlage einer gerechten und rechtschaffenen Regierung zu bilden. Daraus sollten wir, ausgehend von der Natur des Gesetzes selbst, schließen, dass es für die Menschen verbindlich war, bevor es vom Berg Sinai verkündet wurde. Wir kommen in Kürze auf das in diesem Absatz angesprochene Argument zurück, doch zunächst soll anhand von Beweisen aufgezeigt werden, dass das Gesetz der Zehn Gebote den Menschen bekannt und für sie verbindlich war, noch bevor es auf dem Sinai gegeben wurde.

In Römer Kapitel 5 schreibt Paulus: "Gleichwie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, und so der Tod zu allen Menschen hingelangt ist, weil sie alle gesündigt haben." [RÖ. 5,12] [SLT] Der Apostel zeigt hier, dass der Tod eine Folge der Sünde ist - der Tod kam in die Welt kam, weil es Sünde in der Welt gab. Ohne Sünde hätte es keinen Tod gegeben und wo immer es Tod gibt, ist dies ein eindeutiger Beweis dafür, dass Sünde existiert. Dazu passt die folgende Aussage: "Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber ist das Gesetz." [1. KOR.15,56] [SLT] Hier wird der Tod als grausames "Ungeheuer" dargestellt, das viele Menschen durch seinen Stachel - ein Sinnbild der Sünde - in seine Gewalt gebracht hat. ... Würde dieser Stachel beseitigt - die Sünde ausgelöscht - wäre die Macht des Todes dahin. Aber weil "die Kraft der Sünde das Gesetz ist“ und  "die Sünde Gesetzesübertretung ist" ist es das übertretene Gesetz, das dem Tod seinen mächtigen Stachel verleiht. Gäbe es das Gesetz nicht, besäße der Tod keinen Stachel, das heißt, er wäre machtlos zu zerstören. So haben wir auch hier wieder den Beweis, dass, wo es Tod gibt, auch das Gesetz existiert.

Weiter schreibt Paulus im Römerbrief: "... bis zum Gesetz war Sünde in der Welt; Sünde aber wird nicht zugerechnet, wenn kein Gesetz ist. Aber der Tod herrschte von Adam bis auf Mose selbst über die, welche nicht gesündigt hatten in der Gleichheit der Übertretung Adams, der ein Bild des Zukünftigen ist." [RÖ.5,13-14] [SLT] Hier haben wir die Aussage, dass "bis zum Gesetz" - bis als es zur Zeit Mose vom Sinai verkündet wurde - Sünde und Tod in der Welt waren. Daher wissen wir, dass [auch] das Gesetz "in der Welt" war und dass der Ausdruck "bis zum Gesetz" nicht bedeutet, dass die so bezeichnete Zeit den Beginn der Existenz des Gesetzes markierte, denn sowohl Sünde als auch Tod waren bereits vor jener Zeit in der Welt und keines von beiden kann ohne das Gesetz – und dessen Übertretung – existieren.

Gehen wir noch etwas mehr ins Detail. [Da geschrieben steht]: "Die Sünde ist die  Gesetzesübertretung" und "wo kein Gesetz ist, da wird Sünde nicht angerechnet" und Kain seine Sünde angerechnet wurde (Siehe dazu 1. Mo. 4,7-8) folgt daraus, dass [bereits zu seiner Zeit] das Gesetz vorhanden war um [ihn] zu verurteilen. Betrachtet man die Gebote stellt, man fest, dass gerade das sechste Gebot besonders oft übertreten wurde.

Weiter steht geschrieben: "Die Leute von Sodom waren sehr böse und sündigten schlimm gegen den HERRN." [1. MO. 13,13] [SLT] "Wo kein Gesetz ist, da wird Sünde nicht angerechnet" zeigt uns, dass GOTT die Sodomiter nach Seinem Gesetz richtete. Wenn ER so richtete, war ihnen die Existenz Seines Gesetzes sicherlich bekannt, andernfalls wäre ihre Strafe nicht gerecht gewesen, doch können wir sicher sein, dass der "Richter der ganzen Erde" [1. MO. 18,25] [SLT] [nur] gerecht handeln wird.

Betrachten wir den Fall der Söhne Noahs. (Siehe dazu 1. Mose 9,22–26.) Hier finden wir einen direkten Beweis dafür, dass das fünfte Gebot bekannt war, dass es von Ham, dem jüngsten Sohn Noahs, übertreten und von den beiden anderen [Söhnen] eingehalten wurde und dass infolgedessen der eine wegen seiner Sünde verflucht wurde, während die anderen für die Einhaltung des Gebots gesegnet wurden. Diese Dinge belegen die Existenz dieses Gebots, das Wissen um seine Existenz und auch das Wissen, dass es in vollem Umfang galt, um die Schuldigen zu verurteilen und die Unschuldigen freizusprechen.

In 1. Mose 31,30 wird auch die Übertretung des achten Gebotes berichtet. Es besteht [zwar] keine Notwendigkeit, auf jedes einzelne Gebot im Einzelnen einzugehen, doch möchten wir noch auf eines verweisen. In 1. Mose Kapitel 15 finden wir die folgenden Worte des Herrn an Abraham: "Du sollst in Frieden zu deinen Vätern eingehen und in gutem Alter begraben werden. Sie aber sollen in der vierten Generation wieder hierherkommen, denn das Maß der Sünden der Amoriter ist noch nicht voll." [1. MO. 15,15-16] [KJV] Dies zeigt, dass in den Tagen Abrahams die Bewohner Kanaans, die Heiden, der Ungerechtigkeit schuldig waren. Ungerechtigkeit ist Sünde und "Sünde ist die Übertretung des Gesetzes." Die Amoriter besaßen also das Gesetz Gottes und wessen sich die Amoriter schuldig gemacht hatten erfahren wir durch die Heilige Schrift wie folgt: "(Gar niemand war wie Ahab, der sich verkauft hatte, zu tun, was böse war in den Augen des HERRN, wozu seine Frau Isebel ihn anstachelte. Und er verübte sehr viele Gräuel, indem er den Götzen nachfolgte, ganz wie es die Amoriter getan hatten, die der HERR vor den Kindern Israels vertrieben hatte.)" [1. KÖ. 21,25-26] [SLT]

Wir sehen also, dass die Amoriter wegen Götzendienstes aus Kanaan vertrieben wurden – eines Götzendienstes, der in seinen Riten nicht nur die Übertretung des ersten und zweiten Gebots, sondern aller zehn Gebote beinhaltete und stellen somit fest, dass alle Gebote bereits Hunderte von Jahren bevor die Juden zum Berg Sinai kamen und bevor es überhaupt Juden gab, bekannt waren und verletzt wurden. Das ist Tatsache sowohl aufgrund der Natur des Gesetzes als auch durch die vorstehende Betrachtung des Sachverhalts.

( Ellet J. Waggoner, August 1891 )

Kommentare

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JesusComesBackSoon 11.05.2026 20:50
Auch wenn der Inhalt dieses Artikels von Ellet J. Waggoner bereits vor fast 125 Jahren verfasst wurde, hat er deswegen nichts an seiner Bedeutsamkeit für das persönliche, insbesondere auch geistige Leben eines jeden Nachfolgers des Sohnes Gottes verloren.

Für diejenigen, die gerne noch weitere solche (zeitgeistfreien, nah am Wort Gottes ausgerichteten ) Artikel lesen möchten, nachstehend der folgende Link:

https://gerechtigkeit-durch-glauben.de/gesamtuebersicht-artikel-neu/

Mein Wunsch und Gebet ist, dass jeder Leser durch den bzw. die Artikel reichlich gesegnet wird, er Dingen besser verstehen und das Gelesene in seinem Leben Frucht zur Ehre Gottes bringen möge.

Die angegebenen Bibelverse wurden, sofern nicht speziell angegeben, aus LUTHER 1912 entnommen. Die Abkürzungen [KJV] [LUT2017] [ELB] [SLT1951] und [SLT] stehen falls vorhanden für King James Version, Luther 2017, Elberfelder, Schlachter 1951 und Schlachter 2000.
Eckige Klammern im Text - abgesehen von Bibelzitaten - beinhalten Einfügungen von mir, die einer besseren Verständlichkeit nach Übertragung des Artikels ins Deutsche dienen sollen.
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