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Die Nacht ist schon im Schwinden

Die Nacht ist schon im Schwinden
Macht euch zum Stalle auf... 

Ich habe das Lied schon mal an anderer Stelle zitiert. Ist schon ein Weilchen her, dürfte auch in CsC nie wieder gelesen werden, da es von meinem alten Konto aus erstellt wurde und eine Suche nicht existiert. 
Nun ja, am Ende ist es nicht so wichtig.

Ich finde diese Zeile so schön. "Die Nacht ist schon im Schwinden" -  man kann schon ein Licht sehen! 
In der ersten Strophe geht es darum, dass die Nacht vorgedrungen ist, aber immerhin der Tag nicht mehr fern. Aber während es in Strophe 1 Hoffnung ist, steht in dieser Strophe die Gewissheit. Man hofft nicht auf den Morgen, man sieht ihn bereits.

"Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?"
Jesaja 43,19

Ich denke, dass Jochen Klepper dieses im Hinterkopf hatte, als er es schrieb. Und ich finde das bemerkenswert, eigentlich richtig schön. Man kann schließlich nicht behaupten, dass er ein einfaches Leben hatte. Wie viele Ängste er wohl ausstehen musste, wieviel Kummer ihm die Nazis bereiteten. Und dann dazu das Ende - es ist wirklich nicht einfach gewesen.

„Nachmittags die Verhandlung auf dem Sicherheitsdienst. Wir sterben nun – ach, auch das steht bei Gott – Wir gehen heute nacht gemeinsam in den Tod. Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des Segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.“

Wisst ihr, wenn ich diese Themen hier in CsC sehe, frage ich mich, was am Ende wirklich wichtig ist. Was am Ende wirklich entscheidend. Warum tun wir etwas, aus welcher Motivation heraus und was bewirkt es am Ende wirklich? 

Ich mache ab und zu im Leben auch einmal halt, bleibe stehen und sehe mich um. Ich sehe auf der einen Seite die Kinder mit ihren Bedürfnissen und auf der anderen Seite mich mit meinen Wünschen - und ja auch Bedürfnissen. Und ich frage mich dann, was ist was? Was ist Wunsch, was ein Bedürfnis. Was ist wirklich "Nacht" und was einfach nur eine momentane Stimmung. Ist bei mir die Nacht vorgedrungen oder ist sie bereits am Schwinden? Und was überwiegt. Überwiegen die Kinder, überwiege ich? Was ist richtig, was verkehrt? Was muss ich in den Vordergrund stellen und was steht hintenan? Meistens lautet die Antwort lapidar: Die Kinder. Doch geschieht das eher selten mit Missmut. Denn am Ende werde ich mich daran erinnern, wie sie mich angelacht haben, mit mir geweint und ausgeharrt, mit mir gehofft. Ja richtig. Nicht ich bin für die Kinder da sondern sie für mich. 

Jochen Klepper hatte, so wie ich es verstehe, mit Depressionen zu kämpfen. Er hatte unerfüllt Wünsche und die eine oder andere, schwere Niederlage und Anfechtung. Ich hätte verstanden, wenn seine letzten Zeilen Vorwürfe oder Depressionen ausgedrückt hätten.
Und was steht da: "Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des Segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben."

Ich lese dort Dankbarkeit und Hoffnung. Dankbarkeit und Hoffnung im Augenblick des Todes? 
Klepper fordert uns auf, uns auf den Weg zu machen, wenn wir das Licht sehen. Nicht stehen zu bleiben und sagen: Es wird wieder heller, ich brauch' nichts tun. Insofern war sein Freitod kein Aufgeben sondern ein Aufbruch.
Ich finde das beeindruckend. Könnte ich das selbst? So konsequent für seine Familie sein wie er? Ich weiß es nicht. Und ich bin dankbar, dass ich es wohl nicht herausfinden werde. Aber ich möchte daraus lernen. 

Ich verstehe es auch so, dass er diesen Weg nicht für seine Familie ging sondern sie diesen Weg mit ihm. Und schon bekommt vieles eine neue Bedeutung. Der Egoist sieht immer nur sich und seine Bedürfnisse. Dadurch ist er aber auch sehr alleine. Und dann sind die wirklich herausfordernden Wege auch sehr schwer. Denn als Egoist kann man auch nicht Jesus sehen. Jochen Klepper hat dies offensichtlich gut verstanden. 

Manchmal kann selbst der "ungewöhnlichste" Weg ein Aufbruch sein.
Für die allerwenigsten in den Tod! Aber selbst in diesen Momenten darf man sich geborgen fühlen.
Denn offensichtlich sah er es so (bezugnehmend auf das Eingangszitat): "Ich sehe das Licht." (Astrid Lindgren, falls Fragezeichen entstehen). 

Um Missverständnisse gleich vorweg zu nehmen, nein, für mich ist das keine Option. Mein Lebensweg hat mich in der Vergangenheit das ein oder andere Mal daran vorbei geführt. Daher kenne ich dieses Gefühl nur allzu gut. Doch Jesus hat mir deutlich zu verstehen gegeben, dass mein Platz hier ist. 
Außerdem habe ich noch ein paar Rechnungen in ferner Zukunft zu begleichen. Denn ich freue mich schon tierisch darauf, meine Jacke und einen Rucksack direkt hinter die Tür meiner noch nicht aus gezogenen Kinder zu schmeißen und mit Schmutzschuhen durch deren Wohnung zu stiefeln. 
Der zu erwartende Gesichtsausdruck... Himmlisch.

Kommentare

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WasserundGeist 14.12.2025 06:23
Man darf schon auch an sich denken ohne ein Egoist zu sein. Alleinerziehend mit fünf Kindern(soweit ich mich erinnere) das ist wirklich nicht einfach und da ist es gut, wenn man sich Hilfe holt und Hilfe zuläßt, denn das ist ein Langzeitprojekt, das über große Zeiträume viel Kraft fordert. Und auf dieser Strecke Pausen für sich einzubauen ist nicht leicht aber dennoch sehr angeraten. 

Ich habe auch schon häufig über die Entscheidung von Jochen Klepper nachgedacht, seine Entscheidung scheint folgerichtig, gerade bei der Alternative von Trennung von seiner geliebten Frau und noch mehr, zu wissen, welches Schicksal auf sie wartet. Der Freitod der Familie hat in der Nazizeit für ein Aufmerken gesorgt, da wurde nicht unbemerkt darüber hinweg gegangen. Es erinnert mich auch an die Männer auf der Titanic, die ihren Frauen den Platz im Rettungsboot überlassen haben mit dem Wissen um den eigenen sicheren Tod. Oder auch an Janusz Kortschak, der mit seinen Waisenkindern ins KZ gegangen ist. 

Treue ist das. Und ich bin sehr dankbar, dass wir nicht mehr in solchen Zeiten leben, die solche Entscheidungen erfordern. 
Ich würde das aber nicht romantisieren, denn so ein Tod ist brutal und kein Aufbruch in was Neues, sondern ein Lebensende, von dem ich nicht sicher bin, ob das von Gott wirklich so vorgesehen war. Denn unser Gott ist ein Gott des Lebens.
 
dschirge 14.12.2025 07:30
Ich romantisiere das auf keinen Fall. Man muss sich nur bewusst sein, dass schließlich nicht nur die Zwangsscheidung anstand, sondern auch sehr viele unmenschliche Qualen für seine Frau und sein angenommenes Kind. 
Und daher dann auch meine Frage an Dich: 
"Ich würde das aber nicht romantisieren, denn so ein Tod ist brutal und kein Aufbruch in was Neues, sondern ein Lebensende, von dem ich nicht sicher bin, ob das von Gott wirklich so vorgesehen war. Denn unser Gott ist ein Gott des Lebens."
Prinzipiell vollkommen richtig. Glaubst du, dass er Jochen Kleppers Entscheidung verurteilt? Verurteilst Du seine Entscheidung?
Natürlich hätte er sich anders entscheiden können. Er hätte die Scheidung mit allen Konsequenzen akzeptiert können. Sprich: Sein Leben wäre weitergegangen, das der beiden anderen vermutlich im KZ geendet. Und dann? 
Wäre das richtig gewesen? 
Ich glaube, dass dadurch den beiden sehr viele Qualen erspart blieben. Und das war nicht die Entscheidung eines einzelnen, sondern die einer Familie, welche ich nicht romantisch nennen würde. Konsequent trifft es da schon eher.
Ich bin aber auch dankbar, dass ich eher nicht davon betroffen bin. Möge es so bleiben! 

Zum "Egoismus". Ich meinte damit nicht, dass man nicht auch mal an sich denken darf. Das kommt auch bei mir durchaus mal vor. Es ist zwar eher selten, aber dennoch Teil meines Lebens.
Denn eine komplette Selbstaufgabe ist nicht nötig. Aber man muss sich bewusst sein, dass es in Teilen erforderlich ist. Das ist es schon, wenn man das Abenteuer "5 Kinder" zu zweit in Angriff nimmt. Und alleine aber erst recht. lachendes Smiley
 
WasserundGeist 14.12.2025 08:56
@dschirge, alles gut, es sind nur meine Gedanken zu deinem Text, was davon auf dich zutrifft, kannst nur du wissen.
Bezüglich des Selbstmordes von Jochen Klepper will ich nicht urteilen. Ich mach mir Gedanken, denn Gott sagt, du sollst nicht töten. Das betrifft auch den Selbstmord. Das ist schon ein großes Spannungsfeld.
 
dschirge 14.12.2025 09:28
@Wasserundgeist: So habe ich aucb es verstanden. Und ich finde es gut, dass Du sie äußerst. lachendes Smiley
Zu Jochen Klepper: Ich glaube an einen gnädigen Gott. Wir alle sind fehlbar, sonst wären wir nicht hier. Wenn Gott nicht verzeihen würde, wären wir alle verloren. Ob seine Entscheidung bzw. deren Entscheidung verkehrt war, obliegt nicht unserer Jurisdiktion. Wir können am Ende so eine Entscheidung nur hinnehmen.
 
Wiederum 14.12.2025 10:02
Die Schwierigkeit ist, von unserer eigenen kleinmütigen Sicht loszukommen und unser Leben ganz in Gottes Hände zu legen.
Es gibt viele Beispiele in der Bibel, wie Menschen vollkommen Gott vertrauten und wie Er aus ihren Schwierigkeiten Gutes machte. Hiob, Josef, Esther. 
Die Glaubenshelden in Hebräer 11:
35 Frauen erhielten ihre Toten durch Auferstehung wieder; andere aber ließen sich martern und nahmen die Befreiung nicht an, um eine bessere Auferstehung zu erlangen; 
36 und andere erfuhren Spott und Geißelung, dazu Ketten und Gefängnis; 
37 sie wurden gesteinigt, zersägt, versucht, sie erlitten den Tod durchs Schwert, sie zogen umher in Schafspelzen und Ziegenfellen, erlitten Mangel, Bedrückung, Mißhandlung; 
38 sie, deren die Welt nicht wert war, irrten umher in Wüsten und Gebirgen, in Höhlen und Löchern der Erde.  

Selbstmord ist keine Lösung. Gibt es dazu ein Beispiel in der Bibel? Gefällt Gott Selbstmord?

Wir können am Verzweifeln sein, aber trotzdem gehört unser Leben Gott und Er kann retten oder Qualen zulassen.
Alles ist nur vorübergehend. 
Drunterbleiben unter Seinem Willen. 
Wer überwindet, wird erben. 

Gott ist der gerechte Richter. Wir sollten Ihm vertrauen ganz und gar. 
Er gibt und Er nimmt.
 
WasserundGeist 14.12.2025 14:09
Hat dir das Gott aufs Herz gelegt, dass du das jetzt so schreiben sollst @Wiederun?
 
janinaj 14.12.2025 17:59
Das Lied heißt die Nacht ist vorgedrungen. Ich kenne es als kirchenlied und habe es immer gerne gesungen. 

Vielen lieben Dank, Dschirge, dass du mit diesem Block daran erinnerst. Ich habe mir den Text noch einmal komplett angesehen und bewusst durchgelesen. Es ist mir ein großer Trost weil es trotz aller Not immer auf unseren Namen untereinander Jesus Christus hinweist und so viel Hoffnung ausstrahlt. 

Diese Welt ist dunkel, jeder muss an seinem Platz kämpfen da wo Gott ihm hingestellt hat und trotzdem ist es eine Zusage, dass er uns nicht allein lässt. Das gibt Kraft und ist Trost gleichzeitig. Mehr kann ich heute dazu nicht sagen und tiefer einsteigen auch nicht, denn ich bin so entsetzlich müde, die letzten Wochen waren zu anstrengend. 

Lieben Dank für deine Mühe und deine Ausführungen auch für die der anderen Teilnehmer. Das ist einer der wenigen Blogs mit wirklich Tiefgang.
 
dschirge 14.12.2025 22:21
@Wiederum Das ist alles richtig, was du schreibst. Ich bleibe aber beim "dennoch". Nicht aus Trotz und schon gar nicht, weil ich es besser weiß, sondern aus einer tiefen Überzeugung heraus. Wir sind mit unseren Fehlern und Ängsten angenommen. Wir versagen alle und haben das Recht, wie ein kleines Kind, mit unseren Fehlern zum Vater zu kommen. Dafür ist jesus gekommen. Gerade dafür. 

Wir sind fehlbar und haben Ängste. Hatte Jesus auch. Er hat geweint und bat um Verschonung. Zwischen Jesus und Jochen Klepper gab es aber einige Unterschiede. Jesus war selbst betroffen, bei Jochen Klepper seine Familie. 
Ich will damit nicht den Freitod rechtfertigen, aber ich kann ihn nachvollziehen. 
Wie man ihn beurteilt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

@Janinal
Erhole Dich gut. Ich kann Deine Müdigkeit gut nachvollziehen. Meine Tage haben häufig 16-18 Arbeitsstunden. Oft genug sind sie am Wochenende deutlich länger als 10 Stunden. Müdigkeit ist ein treuer Begleiter. 😊
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