Advent
Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird.
Und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.
Rainer Maria Rilke
Zum 150. Geburtstag von Rainer Maria Rilke
04.12.2025 18:48
Zum 150. Geburtstag von Rainer Maria Rilke
04.12.2025 18:48
Zum 150. Geburtstag von Rainer Maria Rilke
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Rainer Maria Rilke
österreichischer Lyriker, Erzähler, Übersetzer und Romancier (1875–1926)
* 4. Dezember 1875 in Prag, Österreich-Ungarn;
† 29. Dezember 1926
https://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Maria_Rilke
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Rainer Maria Rilke
österreichischer Lyriker, Erzähler, Übersetzer und Romancier (1875–1926)
* 4. Dezember 1875 in Prag, Österreich-Ungarn;
† 29. Dezember 1926
https://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Maria_Rilke
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Kommentare
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Arina 04.12.2025 19:47
@ Advent, das Gedicht habe ich auch in meinen Blog zum Advent eingestellt ! Es ist schön!
Arina 04.12.2025 20:04
Sein Grab ist in Rauch in der Schweiz,
Grabinschrift
"Rose oh reiner Widerspruch, Lust.
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Liedern".
Die Inschrift spielt auf das Sinnbild der Rose an, die sowohl die Sehnsucht nach Ruhe als
auch die Kraft des Lebens symbolisiert.
Grabinschrift
"Rose oh reiner Widerspruch, Lust.
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Liedern".
Die Inschrift spielt auf das Sinnbild der Rose an, die sowohl die Sehnsucht nach Ruhe als
auch die Kraft des Lebens symbolisiert.
Autumn 04.12.2025 20:05
Über die Geduld
Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären…
Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit…
Man muss Geduld haben
Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein…
Rainer Maria Rilke
Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären…
Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit…
Man muss Geduld haben
Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein…
Rainer Maria Rilke
Autumn 04.12.2025 21:16
Arina, das Gedicht Advent gefällt mir auch so gut. 😊
Ich habe es schon auf meinen gebastelten Weihnachtskarten als Impuls mit verwendet,
dazu noch ein passendes Bild.
Ich habe es schon auf meinen gebastelten Weihnachtskarten als Impuls mit verwendet,
dazu noch ein passendes Bild.

Jetzt
Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.
Rainer Maria Rilke