Die Bibel beschreibt Demut mit Sanftmütigkeit, Bescheidenheit und Abwesenheit des Ichs. Das griechische Wort, welches in Kolosser 3,12 und in anderen Passagen mit "Demut"übersetzt wird, bedeutet wörtlich "Niedrigkeit des Geistes". Damit wird klar, dass Demut eine Einstellungssache des Herzens und nicht nur ein äußerliches Verhalten ist. Man kann nach außen Demut verkörpern, aber im Herzen dennoch voller Stolz und Arroganz sein. Jesus sagte, dass diejenigen, die "geistlich arm sind" das Himmelreich haben werden (Matthäus 5,3). Arm im Geiste zu sein bedeutet, dass nur derjenige das ewige Leben erben wird, der sich den absoluten Bankrott seines geistlichen Wertes eingesteht. Deshalb ist Demut eine Voraussetzung für den Christen.
Wenn wir als Sünder zu Christus kommen, müssen wir in Demut kommen. Wir erkennen an, dass wir Arme und Bettler sind, die ihm nichts anzubieten haben außer unserer Sünde und unserer Notwendigkeit erlöst zu werden.
Wir erkennen unseren Mangel etwas aus eigener Kraft zu verdienen und unsere völlige Unfähigkeit, uns selbst zu retten. Wenn er uns dann die Gnade und Barmherzigkeit Gottes anbietet, nehmen wir sie in demütiger Dankbarkeit an und setzen unser Leben für ihn und andere ein. Unser altes Ich stirbt bzw. "das Alte ist vergangen", damit wir als neue Schöpfung in Christus leben können (2. Korinther 5,17). Wir vergessen nie, dass er unsere Wertlosigkeit gegen seinen unendlichen Wert eingetauscht hat, unsere Sünde gegen seine Gerechtigkeit, und das Leben, das wir jetzt führen, leben wir durch den Glauben an den Sohn Gottes, der uns geliebt und sich für uns hingegeben hat (Galater 2,20). Das ist wahre Demut.
Biblische Demut ist nicht nur erforderlich, um ins Himmelreich zu gelangen, sondern auch, um im Himmelreich groß zu sein (Matthäus 20,26-27). Hierfür ist Jesus unser Beispiel. Er kam nicht, um bedient zu werden, sondern um zu dienen; also müssen wir uns selbst dazu verpflichten, auch anderen zu dienen und ihre Interessen vor unsere eigenen stellen (Philipper 2,3). Diese Haltung schließt auch selbstsüchtigen Ehrgeiz, Eitelkeit und den Streit, der mit Selbstrechtfertigung und Selbstverteidigung einhergeht, aus. Jesus schämte sich nicht, sich als Knecht zu erniedrigen (Johannes 13,1-16), sogar bis zum Tod am Kreuz (Philipper 2,8).
Demut
04.12.2025 08:01
Demut
04.12.2025 08:01
Demut
Demut in der Bibel bedeutet,
die eigene Abhängigkeit von Gott anzuerkennen, sich selbst im Vergleich zu ihm klein zu sehen und in Ehrfurcht und Liebe zu leben. Sie steht im Gegensatz zu Hochmut und beinhaltet eine Haltung der Bescheidenheit, Sanftmut und Ehrfurcht gegenüber Gott und anderen Menschen. Demut ist laut Bibel kein Zeichen von Schwäche, sondern von wahrer Stärke und führt zu Gottes Gnade und Erhöhung.
Wieder ein Blick in das Buch der Bücher.
BMX1
🙂
die eigene Abhängigkeit von Gott anzuerkennen, sich selbst im Vergleich zu ihm klein zu sehen und in Ehrfurcht und Liebe zu leben. Sie steht im Gegensatz zu Hochmut und beinhaltet eine Haltung der Bescheidenheit, Sanftmut und Ehrfurcht gegenüber Gott und anderen Menschen. Demut ist laut Bibel kein Zeichen von Schwäche, sondern von wahrer Stärke und führt zu Gottes Gnade und Erhöhung.
Wieder ein Blick in das Buch der Bücher.
BMX1
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Kommentare
BMX1 04.12.2025 08:11
In seiner Demut war er dem Vater stets gehorsam, und so sollte auch der demütige Christ bereit sein, allen Egoismus abzulegen und sich im Gehorsam Gott und seinem Wort zu unterwerfen. Wahre Demut bringt Frömmigkeit, Zufriedenheit und Sicherheit hervor.
Gott hat versprochen, den Demütigen Gnade zu gewähren, während er die Stolzen bekämpft (Sprüche 3,34; 1 Petrus 5,5). Deshalb müssen wir unseren Stolz bekennen und ablegen. Wenn wir uns selbst hervorheben, stellen wir uns gegen Gott, der uns in seiner Gnade und zu unserem Besten demütigen wird. Wenn wir uns aber demütigen, schenkt Gott uns mehr Gnade und erhöht uns (Lukas 14,11). Neben Jesus soll auch Paulus unser Beispiel für Demut sein. Trotz der großen Gaben und Erkenntnisse, die er erhalten hatte, sah Paulus sich selbst als den "Geringsten unter den Aposteln" und als Erster unter den Sündern (1. Timotheus 1,15; 1. Korinther 15,9). Wie Paulus werden die wahrhaft Demütigen sich der Gnade Gottes und des Kreuzes rühmen, nicht der Selbstgerechtigkeit (Philipper 3,3-9).
Gott hat versprochen, den Demütigen Gnade zu gewähren, während er die Stolzen bekämpft (Sprüche 3,34; 1 Petrus 5,5). Deshalb müssen wir unseren Stolz bekennen und ablegen. Wenn wir uns selbst hervorheben, stellen wir uns gegen Gott, der uns in seiner Gnade und zu unserem Besten demütigen wird. Wenn wir uns aber demütigen, schenkt Gott uns mehr Gnade und erhöht uns (Lukas 14,11). Neben Jesus soll auch Paulus unser Beispiel für Demut sein. Trotz der großen Gaben und Erkenntnisse, die er erhalten hatte, sah Paulus sich selbst als den "Geringsten unter den Aposteln" und als Erster unter den Sündern (1. Timotheus 1,15; 1. Korinther 15,9). Wie Paulus werden die wahrhaft Demütigen sich der Gnade Gottes und des Kreuzes rühmen, nicht der Selbstgerechtigkeit (Philipper 3,3-9).
BMX1 04.12.2025 08:20
Das deutsche Wort „Demut“ kommt von dem althochdeutschen Wort diemuoti, das sich aus dionōn „dienen“ sowie muoti „Mut“ zusammensetzt und die Grundhaltung eines Dienenden bezeichnet. Anders als im griechisch-antiken Verständnis bezeichnet Demut im nicht-profanen Gebrauch innerhalb des Alten Testaments die positiv konnotierte Grundhaltung einer bewussten und absoluten Anerkennung der Angewiesenheit auf Gott oder Mitmenschen samt der Beugung unter deren Willen.
Zwischenmenschliche Demütigung
In zwischenmenschlichem Verhalten vermag ein Mensch andere Menschen zu demütigen ( Gen 16,6.9
; Ex 22,22 u.ö.); Frauen werden vergewaltigt (Gen 34,2; Dtn 22,24; 2Sam 13,12; Ez 22,11 u.ö.), gedemütigt wird in kriegerischen Auseinandersetzungen, wie etwa die Völker von Assur und Eber in Num 24 oder Midian vor den Kindern Israels in Ri 8 (Num 24,24; Ri 8,28; Ri 11,33; 1Sam 7,13; 1Chr 18,1; Neh 9,24 u.ö.). Ein Einzelner vermag gedemütigt zu werden (Jes 53,7 u.ö.) oder ein Volk (Gen 15,13; Ps 94,5 u.ö.); gedemütigt werden Arme und Schwache (Ps 94,6; Spr 22,22 u.ö.). Z.B. im → Buch der Sprüche wird Demut selbst zum Thema gemacht, wenn es etwa heißt, dass vor der Ehre Demut steht. Hierbei steht Demut innerhalb eines → Tun-Ergehen-Zusammenhangs (Spr 15,33; Spr 18,12; Spr 22,4).
Zwischenmenschliche Demütigung
In zwischenmenschlichem Verhalten vermag ein Mensch andere Menschen zu demütigen ( Gen 16,6.9
; Ex 22,22 u.ö.); Frauen werden vergewaltigt (Gen 34,2; Dtn 22,24; 2Sam 13,12; Ez 22,11 u.ö.), gedemütigt wird in kriegerischen Auseinandersetzungen, wie etwa die Völker von Assur und Eber in Num 24 oder Midian vor den Kindern Israels in Ri 8 (Num 24,24; Ri 8,28; Ri 11,33; 1Sam 7,13; 1Chr 18,1; Neh 9,24 u.ö.). Ein Einzelner vermag gedemütigt zu werden (Jes 53,7 u.ö.) oder ein Volk (Gen 15,13; Ps 94,5 u.ö.); gedemütigt werden Arme und Schwache (Ps 94,6; Spr 22,22 u.ö.). Z.B. im → Buch der Sprüche wird Demut selbst zum Thema gemacht, wenn es etwa heißt, dass vor der Ehre Demut steht. Hierbei steht Demut innerhalb eines → Tun-Ergehen-Zusammenhangs (Spr 15,33; Spr 18,12; Spr 22,4).
BMX1 04.12.2025 08:24
Demut vor Gott
Von besonderer theologischer Bedeutung ist die Demut des Menschen vor Gott. Alle Aussagen der Selbstdemütigung des Menschen (s.o. zu 4.1.) zielen hin auf eine Demut vor Gott; ebendies gilt auch für Aussagen zur Demut innerhalb des weisheitlichen Tun-Ergehen-Zusammenhangs (s.o. zu 4.2.). Demut meint dabei eine Grundhaltung des Menschen vor Gott. Der Mensch bekundet Gott seine unbedingte Angewiesenheit auf ihn und hofft auf seine Empathie in Wort und Handeln. Den Aussagen der Texte zufolge zeigt Gott eine besondere Nähe zu den Demütigen. Diese wird vor allem in den Psalmen ( Ps 22,25
; Ps 34,7; Ps 35,10; Ps 74,19.21 u.ö.) und Jesaja (Jes 10,2; Jes 14,32; Jes 41,17; Jes 49,13; Jes 57,15; Jes 66,2 u.ö.) bezeugt (vgl. aber ebenso Hi 34,28; Zef 3,12 u.ö.).
Gott als Demütigender
Ebenso wie Gott eine besondere Empathie für Demütige aufweist, zeigt er sich als Demütigender gegen die Menschen. Dies kann positiv oder negativ gemeint sein und sich gegen Einzelne ( Dtn 8,2.3.16; Ps 119,75 u.ö.) oder Gruppen richten, sogar gegen ganz Israel (1Kön 8,35; 1Kön 11,39; 2Chr 6,26; Ps 90,15; Ps 107,12.17 u.ö.). Das Ziel der Demütigung durch JHWH kann in der Umkehr des oder der Gedemütigten liegen (Ps 119,67.71.75.107 u.ö.). Die Demütigung von Feinden meint dagegen letztlich deren Vernichtung und steht meist im Kontext von Verheißungen (1Chr 17,10; Jes 25,5; Jdt 8,17 u.ö.).
Von besonderer theologischer Bedeutung ist die Demut des Menschen vor Gott. Alle Aussagen der Selbstdemütigung des Menschen (s.o. zu 4.1.) zielen hin auf eine Demut vor Gott; ebendies gilt auch für Aussagen zur Demut innerhalb des weisheitlichen Tun-Ergehen-Zusammenhangs (s.o. zu 4.2.). Demut meint dabei eine Grundhaltung des Menschen vor Gott. Der Mensch bekundet Gott seine unbedingte Angewiesenheit auf ihn und hofft auf seine Empathie in Wort und Handeln. Den Aussagen der Texte zufolge zeigt Gott eine besondere Nähe zu den Demütigen. Diese wird vor allem in den Psalmen ( Ps 22,25
; Ps 34,7; Ps 35,10; Ps 74,19.21 u.ö.) und Jesaja (Jes 10,2; Jes 14,32; Jes 41,17; Jes 49,13; Jes 57,15; Jes 66,2 u.ö.) bezeugt (vgl. aber ebenso Hi 34,28; Zef 3,12 u.ö.).
Gott als Demütigender
Ebenso wie Gott eine besondere Empathie für Demütige aufweist, zeigt er sich als Demütigender gegen die Menschen. Dies kann positiv oder negativ gemeint sein und sich gegen Einzelne ( Dtn 8,2.3.16; Ps 119,75 u.ö.) oder Gruppen richten, sogar gegen ganz Israel (1Kön 8,35; 1Kön 11,39; 2Chr 6,26; Ps 90,15; Ps 107,12.17 u.ö.). Das Ziel der Demütigung durch JHWH kann in der Umkehr des oder der Gedemütigten liegen (Ps 119,67.71.75.107 u.ö.). Die Demütigung von Feinden meint dagegen letztlich deren Vernichtung und steht meist im Kontext von Verheißungen (1Chr 17,10; Jes 25,5; Jdt 8,17 u.ö.).
BMX1 04.12.2025 08:28
Demut als Ideal
Weder für Demut, noch für das gedemütigt Werden lassen sich ausschließlich positive oder negative Beispiele finden. Weder das Demütigen von Mitmenschen (s.o. zu 4.2.), noch das Demütigen von Feinden durch Gott ist positiv konnotiert (s.o. zu 4.4.), außer im Kontext von Verheißungen. Hingegen sind Selbstdemütigungen (s.o. zu 4.1.) und Demut vor Gott (s.o. zu 4.3.) positiv konnotiert. Dieses Verständnis von Demut ist von dem Akt des Demütigens abzugrenzen. Wo Demut selbst zum Thema gemacht wird ( Spr 15,33; Spr 18,12; Spr 22,4; Sir 1,27 [Lutherbibel: Sir 1,33] u.ö.), wird sie stets positiv, sogar als Ideal verstanden. Während ein gedemütigt Werden im Sinne eines Zustands negativ ist, ist eine demütige Gesinnung positiv. E. Jacob bezeichnet Demut sogar als „eine Grundhaltung der isr. Frömmigkeit“ (335). Als „sehr demütiger Mann“ wird in Num 12,3 (vgl. auch Sir 45,4) → Mose als Ideal eines Demütigen beschrieben. Auch dem verheißenen König von Sach 9,9 kommt das Attribut „demütig“ zu. Gott hat eine besondere Affinität zu den Demütigen, er erwählte sein eigenes Volk (→ Gottesvolk) aus der Demütigung. Die Erwählung von Demütigen durch JHWH (Ri 6,15; Jes 11,4; Jdt 9,11 u.ö.) hat schließlich zu der Überzeugung geführt, dass diese erstrebt werden kann und zum wahren Leben führt (Zef 2,3; Spr 22,4 u.ö.; vgl. Deselaers, 89-90). Nach P. Deselaers beschreibt Demut somit „nicht Beginn, sondern Ende eines Suchweges“ (90). Die Affinität JHWHs zu den „Demütigen“ bezeugen insbesondere die → Psalmen, wobei die semantische Schwierigkeit des Scheidens von Armut, die niemals ein Ideal darstellt, und Demut unbedingt zu beachten ist (s.o. zu 3., vgl. auch Ps 10,12.17; Ps 25,9; Ps 76,10; Ps 149,4 u.ö.). Die Semantik verdeutlicht dabei eine Entwicklung von Demut als Ideal aus einem materiell-sozialen Armutsverständnis heraus, das sich jedoch nicht, wie von R. Kittel vermutet, ab der exilischen Zeit, sondern erst später in weisheitlichen Texten (→ Weisheit) der hellenistischen Zeit vollzogen haben mag. Die Psalmen verdeutlichen, dass noch bis in die hellenistische Zeit hinein die semantische Grundlage primär auf materiell-soziale Armut bezogen ist. Die Entstehung und Redaktion des Psalmenbuches zeigt Entwicklungslinien, in denen unter anderem in Selbstbezeichnungen des Beters nicht mehr von materiell-sozialer Armut auszugehen ist. Noch in den Psalmen werden jedoch durchgehend weder Armut noch Demut als Ideal angesehen, bis gemäß Ps 149,4 die עֲנָוִים ‘ǎnāwîm mit Heil geschmückt werden.
Weder für Demut, noch für das gedemütigt Werden lassen sich ausschließlich positive oder negative Beispiele finden. Weder das Demütigen von Mitmenschen (s.o. zu 4.2.), noch das Demütigen von Feinden durch Gott ist positiv konnotiert (s.o. zu 4.4.), außer im Kontext von Verheißungen. Hingegen sind Selbstdemütigungen (s.o. zu 4.1.) und Demut vor Gott (s.o. zu 4.3.) positiv konnotiert. Dieses Verständnis von Demut ist von dem Akt des Demütigens abzugrenzen. Wo Demut selbst zum Thema gemacht wird ( Spr 15,33; Spr 18,12; Spr 22,4; Sir 1,27 [Lutherbibel: Sir 1,33] u.ö.), wird sie stets positiv, sogar als Ideal verstanden. Während ein gedemütigt Werden im Sinne eines Zustands negativ ist, ist eine demütige Gesinnung positiv. E. Jacob bezeichnet Demut sogar als „eine Grundhaltung der isr. Frömmigkeit“ (335). Als „sehr demütiger Mann“ wird in Num 12,3 (vgl. auch Sir 45,4) → Mose als Ideal eines Demütigen beschrieben. Auch dem verheißenen König von Sach 9,9 kommt das Attribut „demütig“ zu. Gott hat eine besondere Affinität zu den Demütigen, er erwählte sein eigenes Volk (→ Gottesvolk) aus der Demütigung. Die Erwählung von Demütigen durch JHWH (Ri 6,15; Jes 11,4; Jdt 9,11 u.ö.) hat schließlich zu der Überzeugung geführt, dass diese erstrebt werden kann und zum wahren Leben führt (Zef 2,3; Spr 22,4 u.ö.; vgl. Deselaers, 89-90). Nach P. Deselaers beschreibt Demut somit „nicht Beginn, sondern Ende eines Suchweges“ (90). Die Affinität JHWHs zu den „Demütigen“ bezeugen insbesondere die → Psalmen, wobei die semantische Schwierigkeit des Scheidens von Armut, die niemals ein Ideal darstellt, und Demut unbedingt zu beachten ist (s.o. zu 3., vgl. auch Ps 10,12.17; Ps 25,9; Ps 76,10; Ps 149,4 u.ö.). Die Semantik verdeutlicht dabei eine Entwicklung von Demut als Ideal aus einem materiell-sozialen Armutsverständnis heraus, das sich jedoch nicht, wie von R. Kittel vermutet, ab der exilischen Zeit, sondern erst später in weisheitlichen Texten (→ Weisheit) der hellenistischen Zeit vollzogen haben mag. Die Psalmen verdeutlichen, dass noch bis in die hellenistische Zeit hinein die semantische Grundlage primär auf materiell-soziale Armut bezogen ist. Die Entstehung und Redaktion des Psalmenbuches zeigt Entwicklungslinien, in denen unter anderem in Selbstbezeichnungen des Beters nicht mehr von materiell-sozialer Armut auszugehen ist. Noch in den Psalmen werden jedoch durchgehend weder Armut noch Demut als Ideal angesehen, bis gemäß Ps 149,4 die עֲנָוִים ‘ǎnāwîm mit Heil geschmückt werden.
BMX1 04.12.2025 08:33
Ausblick auf Entwicklungen im Judentum und Christentum
Die bereits im Alten Testament zu findende positive Konnotation der Demut wird in → Qumran
sowie in → Talmud und → Midrasch weiter ausgebaut. In Qumran gehört Demut zu den Grundgeboten der Bundesregel (1QS II,24; 1QS IV,3-5 u.ö.). Wie Langmut, Klugheit und Weisheit zählt Demut zu den Tugenden. Ein solches Verständnis wird in weisheitlichen Texten des Alten Testaments (insbesondere → Sprüche, → Sirach) bezeugt, wo Demut selbst zum Thema gemacht wird. Auch in Midrasch und Talmud gehört Demut zu den Hauptattributen des Frommen und zählt zu den 48 Tugenden, durch die man die Tora erwerben kann (Mischna-Traktat Avot 6,5). Gott liebt besonders den Demütigen (Babylonischer Talmud, Traktat Eruvin 13b und 54,a sowie Traktat Hullin 89a u.ö.; Text Talmud).
Für das Neue Testament wurde auf den Hauptbegriff ταπεινός tapeinós bereits verwiesen (s.o. zu 2.5.). Wie im Alten Testament hat ταπεινός tapeinós anders als in profaner Literatur fast immer eine positive Bedeutung und gilt als Tugend des Frommen. Die innerhalb des Alten Testaments beobachtete Entwicklung des Demutsbegriffs, die sich in den Qumranschriften und in Talmud und Midrasch fortsetzt, lässt sich auch im Neuen Testament beobachten. Dort wird Demut auf Christus selbst bezogen (Joh 4,34; Phil 2,6-11 u.ö.), der auf weltliche Attribute verzichtet, um den Menschen gegenüber Demut zu erweisen (Mt 20,28 u.ö.). In den Evangelien wird Demut als Lebensmaxime beschrieben: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht.“ (Mt 23,12; Lk 14,11; Lk 18,14; vgl. auch die Aussage des Magnifikat Lk 1,48). Die Demut Christi wird von Paulus unter anderem als Vorbild für die Demut der Christen dargestellt (Phil 2,5 u.ö.). Sie möge sich im Verhältnis des Menschen zu Gott (1Kor 4,7 u.ö.) wie zum Mitmenschen (Röm 9,3 u.ö.) zeigen.
Quelle...: Deutsche Biebelgesellschaft...Bibel...Johannes Bremer
Die bereits im Alten Testament zu findende positive Konnotation der Demut wird in → Qumran
sowie in → Talmud und → Midrasch weiter ausgebaut. In Qumran gehört Demut zu den Grundgeboten der Bundesregel (1QS II,24; 1QS IV,3-5 u.ö.). Wie Langmut, Klugheit und Weisheit zählt Demut zu den Tugenden. Ein solches Verständnis wird in weisheitlichen Texten des Alten Testaments (insbesondere → Sprüche, → Sirach) bezeugt, wo Demut selbst zum Thema gemacht wird. Auch in Midrasch und Talmud gehört Demut zu den Hauptattributen des Frommen und zählt zu den 48 Tugenden, durch die man die Tora erwerben kann (Mischna-Traktat Avot 6,5). Gott liebt besonders den Demütigen (Babylonischer Talmud, Traktat Eruvin 13b und 54,a sowie Traktat Hullin 89a u.ö.; Text Talmud).
Für das Neue Testament wurde auf den Hauptbegriff ταπεινός tapeinós bereits verwiesen (s.o. zu 2.5.). Wie im Alten Testament hat ταπεινός tapeinós anders als in profaner Literatur fast immer eine positive Bedeutung und gilt als Tugend des Frommen. Die innerhalb des Alten Testaments beobachtete Entwicklung des Demutsbegriffs, die sich in den Qumranschriften und in Talmud und Midrasch fortsetzt, lässt sich auch im Neuen Testament beobachten. Dort wird Demut auf Christus selbst bezogen (Joh 4,34; Phil 2,6-11 u.ö.), der auf weltliche Attribute verzichtet, um den Menschen gegenüber Demut zu erweisen (Mt 20,28 u.ö.). In den Evangelien wird Demut als Lebensmaxime beschrieben: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht.“ (Mt 23,12; Lk 14,11; Lk 18,14; vgl. auch die Aussage des Magnifikat Lk 1,48). Die Demut Christi wird von Paulus unter anderem als Vorbild für die Demut der Christen dargestellt (Phil 2,5 u.ö.). Sie möge sich im Verhältnis des Menschen zu Gott (1Kor 4,7 u.ö.) wie zum Mitmenschen (Röm 9,3 u.ö.) zeigen.
Quelle...: Deutsche Biebelgesellschaft...Bibel...Johannes Bremer
BMX1 04.12.2025 08:38
Hochmut und Demut
"Der Zöllner stand ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!"
Lukas 18,13
Hochmut zählt in der alten Kirche zu den sieben Todsünden. Er hat im Gepäck eine überfordernde Selbsteinschätzung und auf der anderen Seite abwertende Haltungen anderen gegenüber. Der hochmütige Mensch überschätzt sich und kann die Besonderheit des anderen nicht sehen. Dieser selbstgebaute Heiligenschein braucht sehr viel innere Energie, um zu strahlen und muss ständig aufgebaut werden. Der demütige Mensch hingegen erkennt die Realitäten an. Er weiß um seine Kraft und um seine Möglichkeiten. Er kennt aber auch seine Begrenzungen. Er weiß, dass er nicht alles kann und dass er von Gott sein Leben bekommen hat und es auch vor ihm verantworten muss. Er findet seinen Platz. Es muss aber auch noch erwähnt werden, dass es eine falsche Demut gibt. Das ist die Haltung der Unterwürfigkeit und der Selbstverachtung. Diese Minderwertigkeit findet nicht zu der realistischen Kraft der starken Demut. Neuerdings ist auch wieder in manchen Kreisen eine Demutshaltung zu finden, die sich einschleimt und das ist eigentlich versteckte Selbstliebe.
Ein Vorbild in Demut wird uns in dem Gleichnis Jesu vom Pharisäer und Zöllner dargestellt. Der Pharisäer schaut selbstherrlich und verächtlich auf den Zöllner. Der Zöllner schaut realistisch in sein eigenes Leben. Dort stellt er erschreckt fest, dass sein ganzes Geld nicht reicht, einen lieben Menschen zu kaufen. Seine erfolgreiche Tüchtigkeit reicht nicht für ein gutes Gewissen und seine Gewissenlosigkeit bringt ihm keinen Frieden. Er müsste die Zuneigung Gottes für sein Leben bekommen. So spricht er den Wunsch seines Lebens aus. Gott sei mir Sünder gnädig. So steht es im Lukasevangelium, Kapitel 18 Vers 13: „Der Zöllner stand ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!“
Der Zöllner hatte erkannt, dass es keine Form der Bestechung bei Gott gibt. Er appelliert an das Gut-Sein Gottes. Das ist der Schlüssel zum Leben. Jesus sagt darauf: Ich sage euch: „Dieser, der Zöllner ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener, der Pharisäer. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“
Hier verrät Jesus ein entscheidendes Geheimnis seines Lebens und seines Glücks. Er lebt aus der Gnade Gottes und aus der Liebe, die er beim Vater empfängt. Das macht grundsätzlich zufrieden, stark und schenkt die Bereitschaft zum Dienen. Obwohl es der Sohn Gottes ist, gab er alles, um uns diese Liebe glaubwürdig zu schenken. Egal, ob wir Pharisäer oder Zöllner, Normalbürger oder Promi sind, einen anderen Zugang zur Liebe Gottes gibt es nicht. Sie wird geschenkt von Gott und angenommen von uns. Es gibt Untersuchungen, dass demütige Menschen glücklicher, gesünder, umweltbewusster und freundschaftlicher verbunden leben. Sogar auf das Sterben hat die Haltung der Demut Einfluss, denn am Ende zählt nur die liebende Zuwendung Gottes. Das wusste der hochmütige Pharisäer noch nicht, aber der demütige Zöllner war froh über diese lebensrettende Wirklichkeit.
"Der Zöllner stand ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!"
Lukas 18,13
Hochmut zählt in der alten Kirche zu den sieben Todsünden. Er hat im Gepäck eine überfordernde Selbsteinschätzung und auf der anderen Seite abwertende Haltungen anderen gegenüber. Der hochmütige Mensch überschätzt sich und kann die Besonderheit des anderen nicht sehen. Dieser selbstgebaute Heiligenschein braucht sehr viel innere Energie, um zu strahlen und muss ständig aufgebaut werden. Der demütige Mensch hingegen erkennt die Realitäten an. Er weiß um seine Kraft und um seine Möglichkeiten. Er kennt aber auch seine Begrenzungen. Er weiß, dass er nicht alles kann und dass er von Gott sein Leben bekommen hat und es auch vor ihm verantworten muss. Er findet seinen Platz. Es muss aber auch noch erwähnt werden, dass es eine falsche Demut gibt. Das ist die Haltung der Unterwürfigkeit und der Selbstverachtung. Diese Minderwertigkeit findet nicht zu der realistischen Kraft der starken Demut. Neuerdings ist auch wieder in manchen Kreisen eine Demutshaltung zu finden, die sich einschleimt und das ist eigentlich versteckte Selbstliebe.
Ein Vorbild in Demut wird uns in dem Gleichnis Jesu vom Pharisäer und Zöllner dargestellt. Der Pharisäer schaut selbstherrlich und verächtlich auf den Zöllner. Der Zöllner schaut realistisch in sein eigenes Leben. Dort stellt er erschreckt fest, dass sein ganzes Geld nicht reicht, einen lieben Menschen zu kaufen. Seine erfolgreiche Tüchtigkeit reicht nicht für ein gutes Gewissen und seine Gewissenlosigkeit bringt ihm keinen Frieden. Er müsste die Zuneigung Gottes für sein Leben bekommen. So spricht er den Wunsch seines Lebens aus. Gott sei mir Sünder gnädig. So steht es im Lukasevangelium, Kapitel 18 Vers 13: „Der Zöllner stand ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!“
Der Zöllner hatte erkannt, dass es keine Form der Bestechung bei Gott gibt. Er appelliert an das Gut-Sein Gottes. Das ist der Schlüssel zum Leben. Jesus sagt darauf: Ich sage euch: „Dieser, der Zöllner ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener, der Pharisäer. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“
Hier verrät Jesus ein entscheidendes Geheimnis seines Lebens und seines Glücks. Er lebt aus der Gnade Gottes und aus der Liebe, die er beim Vater empfängt. Das macht grundsätzlich zufrieden, stark und schenkt die Bereitschaft zum Dienen. Obwohl es der Sohn Gottes ist, gab er alles, um uns diese Liebe glaubwürdig zu schenken. Egal, ob wir Pharisäer oder Zöllner, Normalbürger oder Promi sind, einen anderen Zugang zur Liebe Gottes gibt es nicht. Sie wird geschenkt von Gott und angenommen von uns. Es gibt Untersuchungen, dass demütige Menschen glücklicher, gesünder, umweltbewusster und freundschaftlicher verbunden leben. Sogar auf das Sterben hat die Haltung der Demut Einfluss, denn am Ende zählt nur die liebende Zuwendung Gottes. Das wusste der hochmütige Pharisäer noch nicht, aber der demütige Zöllner war froh über diese lebensrettende Wirklichkeit.
BMX1 04.12.2025 08:46
Demut
Wie sieht ein Demütiger aus?
Im Mittelalter gab es den frommen jüdischen Gelehrten Mose ben Nachman, der sagte: „Einen Demütigen erkennt man an seinem Verhalten, an seinem Äußeren. Ein Demütiger spricht mit Gelassenheit und hat seinen Kopf stets geneigt. Ein
Demütiger hat seine Augen niedergeschlagen, doch sein Herz wendet er ganz nach oben. Er vergilt nicht Böses mit Bösem und erträgt willig den Spott anderer.“ Kurz nach Verfassung dieser Worte brachen fanatisierte Kreuzfahrer auf nach
Jerusalem, um das „Heilige Land von den Moslems zu befreien“. Ihr Kreuzzug begann allerdings schon hier mit der Jagd auf jüdische Bewohner, die im Schatten der deutschen Dome lebten. Es kam zu Progromen. Viele Juden haben dann tatsächlich oft „demütig“ reagiert, haben sich wehrlos schlagen und umbringen lassen mit niedergeschlagenen Augen und stillem Leiden. Hat Mose ben Nachman das so gemeint? Hat Gott das gemeint, wenn er im Propheten Micha sagt: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Mi 6,8) Heißt demütig sein, dass man sich nicht wehren darf, dass man eigentlich im Grunde keinen eigenen Wert beanspruchen darf?
Für mich ist Demut kein einfaches Thema. Heißt Demut: Den Schwanz einziehen, zu allem schweigen, dass man sozusagen nur „heimlich“ auf der Welt sein darf? Ich kenne Menschen mit einer demütig gebückten Haltung und einem stets süßlichen Lächeln nach dem Motto: „In meiner Demut lasse ich mich von niemandem überbieten!“ Menschen, bei denen man den Eindruck hat: Obwohl die Haltung demütig wirkt, ist das Herz nicht bei Gott, sondern nur bei sich selber und bei dem Gedanken: „Bin ich auch demütig genug, dass ich in den Himmel komme?“ Luther meint dazu: „Wahre Demut vergisst ganz, dass sie demütig ist!“ Biblisch gesehen ist Demut keine bestimmte Körperhaltung, sondern eine Herzenshaltung, etwas, das unseren natürlichen Augen entzogen ist.
Die kirchliche Hochachtung der Demut
Für die Mütter und Väter des Glaubens ist die Haltung der Demut die Grundhaltung christlicher Frömmigkeit. Origenes sieht im 2.Jahrhundert n.Chr. die Welt in einem Gegenüber von Licht und Dunkel. Auf der dunklen Seite regiert die Hochmut. Sie ist die Wurzel aller Sünde. Auf der Lichtseite herrscht die Demut. Sie ist die Wurzel aller Tugend. Für ihn kommen alle guten Werke aus dieser Grundhaltung des Herzens. Das demütige Herz ist gleichsam das fruchtbare Ackerfeld, auf dem alle guten Pflanzen des Glaubens gedeihen. Auch Kirchenvater Augustin befasst sich im 5. Jahrhundert intensiv mit dem Thema Demut. Für ihn kämpfen Stolz und Demut ein Leben lang miteinander. Johannes Chrysostomus sagt: „Demut ist die Mutter aller Tugenden, die Elementartugend, aus der alles Gute hervorwächst.“
Geiler von Kaisersberg, ein berühmter Straßburger Prediger im 15. Jahrhundert, der mit bildhaften Predigten wahre Menschenmassen angezogen hat, bindet Demut und Glaube eng zusammen. Gemeinsam ergeben sie für ihn das „Fundament des christlichen Lebens“. Demut ist sozusagen „das Loch“, der ausgehobene Keller, und Glaube, das sind die Grundsteine, die nun in diesen Keller hineingelegt werden und auf denen der ganze Bau des Hauses steht. „Demut üben“ heißt also: nach unten gehen, zu Boden gehen, ein Loch graben, damit Glaube, Liebe, Hoffnung in uns wohnen können. Hier klingen mönchische Gedanken an. Cassianus, einer der Väter des Mönchtums, sagt: „Dämonen werden durch nichts anderes besiegt als durch Demut!“ In asketischen Klöstern kann man deswegen hören: „Erst wenn wir den Leib abtöten und keusch leben, wenn wir Buße tun und die eigenen Bedürfnisse in uns töten, hat Gott Raum, dass er ganz in uns wohnen kann.“ Aber ist das biblisch? Geht es bei der Demut um die Selbstauslöschung des Ich?
Wie sieht ein Demütiger aus?
Im Mittelalter gab es den frommen jüdischen Gelehrten Mose ben Nachman, der sagte: „Einen Demütigen erkennt man an seinem Verhalten, an seinem Äußeren. Ein Demütiger spricht mit Gelassenheit und hat seinen Kopf stets geneigt. Ein
Demütiger hat seine Augen niedergeschlagen, doch sein Herz wendet er ganz nach oben. Er vergilt nicht Böses mit Bösem und erträgt willig den Spott anderer.“ Kurz nach Verfassung dieser Worte brachen fanatisierte Kreuzfahrer auf nach
Jerusalem, um das „Heilige Land von den Moslems zu befreien“. Ihr Kreuzzug begann allerdings schon hier mit der Jagd auf jüdische Bewohner, die im Schatten der deutschen Dome lebten. Es kam zu Progromen. Viele Juden haben dann tatsächlich oft „demütig“ reagiert, haben sich wehrlos schlagen und umbringen lassen mit niedergeschlagenen Augen und stillem Leiden. Hat Mose ben Nachman das so gemeint? Hat Gott das gemeint, wenn er im Propheten Micha sagt: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Mi 6,8) Heißt demütig sein, dass man sich nicht wehren darf, dass man eigentlich im Grunde keinen eigenen Wert beanspruchen darf?
Für mich ist Demut kein einfaches Thema. Heißt Demut: Den Schwanz einziehen, zu allem schweigen, dass man sozusagen nur „heimlich“ auf der Welt sein darf? Ich kenne Menschen mit einer demütig gebückten Haltung und einem stets süßlichen Lächeln nach dem Motto: „In meiner Demut lasse ich mich von niemandem überbieten!“ Menschen, bei denen man den Eindruck hat: Obwohl die Haltung demütig wirkt, ist das Herz nicht bei Gott, sondern nur bei sich selber und bei dem Gedanken: „Bin ich auch demütig genug, dass ich in den Himmel komme?“ Luther meint dazu: „Wahre Demut vergisst ganz, dass sie demütig ist!“ Biblisch gesehen ist Demut keine bestimmte Körperhaltung, sondern eine Herzenshaltung, etwas, das unseren natürlichen Augen entzogen ist.
Die kirchliche Hochachtung der Demut
Für die Mütter und Väter des Glaubens ist die Haltung der Demut die Grundhaltung christlicher Frömmigkeit. Origenes sieht im 2.Jahrhundert n.Chr. die Welt in einem Gegenüber von Licht und Dunkel. Auf der dunklen Seite regiert die Hochmut. Sie ist die Wurzel aller Sünde. Auf der Lichtseite herrscht die Demut. Sie ist die Wurzel aller Tugend. Für ihn kommen alle guten Werke aus dieser Grundhaltung des Herzens. Das demütige Herz ist gleichsam das fruchtbare Ackerfeld, auf dem alle guten Pflanzen des Glaubens gedeihen. Auch Kirchenvater Augustin befasst sich im 5. Jahrhundert intensiv mit dem Thema Demut. Für ihn kämpfen Stolz und Demut ein Leben lang miteinander. Johannes Chrysostomus sagt: „Demut ist die Mutter aller Tugenden, die Elementartugend, aus der alles Gute hervorwächst.“
Geiler von Kaisersberg, ein berühmter Straßburger Prediger im 15. Jahrhundert, der mit bildhaften Predigten wahre Menschenmassen angezogen hat, bindet Demut und Glaube eng zusammen. Gemeinsam ergeben sie für ihn das „Fundament des christlichen Lebens“. Demut ist sozusagen „das Loch“, der ausgehobene Keller, und Glaube, das sind die Grundsteine, die nun in diesen Keller hineingelegt werden und auf denen der ganze Bau des Hauses steht. „Demut üben“ heißt also: nach unten gehen, zu Boden gehen, ein Loch graben, damit Glaube, Liebe, Hoffnung in uns wohnen können. Hier klingen mönchische Gedanken an. Cassianus, einer der Väter des Mönchtums, sagt: „Dämonen werden durch nichts anderes besiegt als durch Demut!“ In asketischen Klöstern kann man deswegen hören: „Erst wenn wir den Leib abtöten und keusch leben, wenn wir Buße tun und die eigenen Bedürfnisse in uns töten, hat Gott Raum, dass er ganz in uns wohnen kann.“ Aber ist das biblisch? Geht es bei der Demut um die Selbstauslöschung des Ich?
BMX1 04.12.2025 08:51
Demut und die Germanen – oder: was den natürlichen vom geistlichen Menschen unterscheidet!
Demut war für unsere germanischen Vorfahren etwas Wesensfremdes. Der Begriff „Demut“ kam in ihrem Wortschatz nicht vor. Ihre Lieblingsgeschichte in den Evangelien war die Stelle, als Petrus bei der Gefangennahme Jesu dem Knecht des Hohenpriesters ein Ohrläppchen abgeschlagen hat.
Diesen Gefühlsausbruch, dieses Kämpfen mit dem Schwert für die Gerechtigkeit konnten sie nachvollziehen. Das, was Jesus dagegen brachte, Liebe und Verzeihen, war unseren Vorfahren zunächst einmal völlig fremd. Da prallten natürlich er und geistlicher Mensch aufeinander, und dazwischen lag die Demut. Der Gottesleugner Friedrich Nietzsche hat geschrieben, das Christentum habe den Germanen ihren „natürlichen Selbstbehauptungstrieb“ genommen und sie zu Knechten und Sklaven gemacht. Demut sei – so Nietzsche – ein „Sklavengeist“, etwas, das den Menschen ihre Freiheit, ihren „gesunden Kämpfergeist“ nehme. Heute würde er vielleicht formulieren: „Demut macht die Menschen zu Memmen!“
Als die iro-schottischen Mönche kamen, um den Deutschen das Evangelium zu bringen, kannten sie bereits das lateinische Wort „humilitas“ (Niedrigkeit, Kleinheit). „Humus“ steckt da drin: der Erdboden. Eine menschliche Eigenschaft also, die da mit zu tun hat, zu Boden zu gehen. Wir denken an biblische Sätze, in denen sich Menschen vor Gott wie Abraham „in Staub und Asche werfen“ (1.Mose 18,27) oder sich im Angesicht des Allmächtigen als „ein Wurm“ empfinden (Ps 22,6). Demütige sind also „Kellerkinder“, die nahe am Boden leben – gleichsam „im Loch“. Dafür steht die Bezeichnung „Humilitas“. Aber wie sollte man das nun in die Sprache der kämpferischen Germanen übersetzen?
„Diomuti“ schien das Wort zu sein, das wie ein Schlüssel erklärt, welches die Grundhaltung des Christen vor Gott sein soll. „Diomuti“ ist althochdeutsch und steht im Gegensatz zum lateinischen „lucrum“ (Gewinn, Lohn). Der „Diomuti“ ist einer, der ohne Lohngedanken seinen Dienst tut und in völliger Loyalität. Einer, der immer und überall von der Weisung seines Herrn und in völligem Gehorsam lebt. Aber entscheidend ist das eine: Der „Diomuti“ ist kein Sklave, kein von vornherein Abhängiger! Er tut seinen Dienst freiwillig! Er tritt aus eigener Entscheidung in den Dienst seines Herrn. Er erkennt und anerkennt die Macht und Stärke seines Herrn.
Dieses Wort Demut, das sich von dem „Diomuti“ her entwickelt, bedeutet also nicht: gehorchen, weil man muss, weil man Sklave ist – wie Nietzsche meint –, sondern: gehorchen aus Weisheit heraus, weil man den wahren Herrn erkannt hat. Entspricht das nicht auch dem biblischen Zeugnis?
Demut war für unsere germanischen Vorfahren etwas Wesensfremdes. Der Begriff „Demut“ kam in ihrem Wortschatz nicht vor. Ihre Lieblingsgeschichte in den Evangelien war die Stelle, als Petrus bei der Gefangennahme Jesu dem Knecht des Hohenpriesters ein Ohrläppchen abgeschlagen hat.
Diesen Gefühlsausbruch, dieses Kämpfen mit dem Schwert für die Gerechtigkeit konnten sie nachvollziehen. Das, was Jesus dagegen brachte, Liebe und Verzeihen, war unseren Vorfahren zunächst einmal völlig fremd. Da prallten natürlich er und geistlicher Mensch aufeinander, und dazwischen lag die Demut. Der Gottesleugner Friedrich Nietzsche hat geschrieben, das Christentum habe den Germanen ihren „natürlichen Selbstbehauptungstrieb“ genommen und sie zu Knechten und Sklaven gemacht. Demut sei – so Nietzsche – ein „Sklavengeist“, etwas, das den Menschen ihre Freiheit, ihren „gesunden Kämpfergeist“ nehme. Heute würde er vielleicht formulieren: „Demut macht die Menschen zu Memmen!“
Als die iro-schottischen Mönche kamen, um den Deutschen das Evangelium zu bringen, kannten sie bereits das lateinische Wort „humilitas“ (Niedrigkeit, Kleinheit). „Humus“ steckt da drin: der Erdboden. Eine menschliche Eigenschaft also, die da mit zu tun hat, zu Boden zu gehen. Wir denken an biblische Sätze, in denen sich Menschen vor Gott wie Abraham „in Staub und Asche werfen“ (1.Mose 18,27) oder sich im Angesicht des Allmächtigen als „ein Wurm“ empfinden (Ps 22,6). Demütige sind also „Kellerkinder“, die nahe am Boden leben – gleichsam „im Loch“. Dafür steht die Bezeichnung „Humilitas“. Aber wie sollte man das nun in die Sprache der kämpferischen Germanen übersetzen?
„Diomuti“ schien das Wort zu sein, das wie ein Schlüssel erklärt, welches die Grundhaltung des Christen vor Gott sein soll. „Diomuti“ ist althochdeutsch und steht im Gegensatz zum lateinischen „lucrum“ (Gewinn, Lohn). Der „Diomuti“ ist einer, der ohne Lohngedanken seinen Dienst tut und in völliger Loyalität. Einer, der immer und überall von der Weisung seines Herrn und in völligem Gehorsam lebt. Aber entscheidend ist das eine: Der „Diomuti“ ist kein Sklave, kein von vornherein Abhängiger! Er tut seinen Dienst freiwillig! Er tritt aus eigener Entscheidung in den Dienst seines Herrn. Er erkennt und anerkennt die Macht und Stärke seines Herrn.
Dieses Wort Demut, das sich von dem „Diomuti“ her entwickelt, bedeutet also nicht: gehorchen, weil man muss, weil man Sklave ist – wie Nietzsche meint –, sondern: gehorchen aus Weisheit heraus, weil man den wahren Herrn erkannt hat. Entspricht das nicht auch dem biblischen Zeugnis?
BMX1 04.12.2025 08:55
Demut im Alten Testament
Zunächst ist Demut im AT tatsächlich – wie der jüdische Rabbi Mose ben Nachman beschreibt – eine gewisse Haltung. Das zugrunde liegende hebräische Wort „’nh“(ana) heißt so viel wie: „sich ducken, sich beugen“. Wenn z.B. irgendwo ein großer Löwe auftaucht und man sofort erkennt, wer hier der Stärkere ist, dann bleibt nur noch eines: sich ducken und in Deckung gehen. Es ist also durchaus eine bestimmte Haltung, die als Bild hinter diesem Wort steckt, gemeint aber ist die Herzenshaltung. Des Weiteren: Demut wird im Alten Testament noch nicht über Gott ausgesagt.
Gott ist der Souverän. Er ist nicht der, der sich duckt, beugt oder vor irgendjemandem in Deckung gehen muss. Dies ist allein die Haltung, die dem Menschen zukommt, und es ist die einzige Haltung, die Gott gegenüber korrekt ist: „Suchet den Herrn, alle ihr Elenden im Lande, die ihr seine Rechte haltet! Suchet Gerechtigkeit, suchet Demut! Vielleicht könnt ihr euch bergen am Tage des Zorns des Herrns“ (Zef 2,3). Mit jedem Wort drückt dieser Satz aus: Gott ist größer und stärker als jeder Löwe. Der einzige Weg, vor ihm zu bestehen, ist die Demut. In Sprüche 15,33 heißt es: „Die Furcht des Herrn ist Zucht, die zur Weisheit führt, und ehe man zu Ehren kommt, muss man Demut lernen.“
In diesem Vers ist beides drin: Einerseits gehört es zur Furcht des Herrn, dass man Demut lernen muss und dass es die einzige Haltung ist, wie man vor dem großen Gott existieren kann. Dies zu erkennen, hat etwas mit Weisheit zu tun, mit Klugheit. Wer klug ist, der geht vor Gott in die Knie, weil er erkennt, dass es einen himmelweiten Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf gibt. Doch es gilt auch das andere: Wer vor Gott demütig handelt, wird zu Ehren kommen. Eine demütige Haltung hat positive Folgen für den Menschen – genauso wie der Hochmut negative Konsequenzen bringt.
Sprüche 18,12 spitzt es zu: „Wenn einer zugrunde gehen soll, wird sein Herz zuvor stolz; und ehe man zu Ehren kommt, muss man demütig werden.“ Manchmal kommt die Demütigung auch von außen, von Gott her, wenn z.B. Krankheit oder ein anderes Schicksal hereinbricht. Auch das Babylonische Exil wird als Demütigung angesehen. Der Mensch wird dabei klein und arm, aber – es ist wie bei einem Hund, der sich auf den Rücken legt: Spätestens jetzt ist der Kampf aus. Wer auf dem Rücken liegt, wird nicht auch noch zertreten werden! Auch der Arme, der Kleine, der Geringe hat ein eigenes Recht und eine eigene Würde. „Er soll dem Elenden im Volk Recht schaffen und den Armen helfen und die Bedränger zermalmen“ (Ps 72,4). Wer keinen eigenen Stand mehr hat, wird von Gott aufgerichtet und zu Ehren gebracht. In 5.Mose 8,2ff. heißt es: „Und gedenke des ganzen Weges, den dich der Herr, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit kundwürde, was in deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht. Er demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit Manna, das du und deine Väter nie gekannt hatten, auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des Herrn geht.“ Die Wüste – ein Ort der Demütigung, aber auch ein
Ort der Erziehung und Erkenntnis, dass Gott die Kleinen und Schwachen nicht vernichtet, sondern versorgt und führt.
Wenn Friedrich Nietzsche in der Demut eine Sklavenmoral sieht, so finden wir im Alten Testament etwas ganz anderes: Es ist nicht die Haltung eines Sklaven. Nein, es ist die Haltung eines Weisen, der klugerweise erkennt: Gott ist der Schöpfer, vor dem sich Demut gehört. Demut ist die Haltung der aus der Knechtschaft Befreiten, die nun in der Beziehung mit dem lebendigen Gott leben, freiwillig und gern.
Zunächst ist Demut im AT tatsächlich – wie der jüdische Rabbi Mose ben Nachman beschreibt – eine gewisse Haltung. Das zugrunde liegende hebräische Wort „’nh“(ana) heißt so viel wie: „sich ducken, sich beugen“. Wenn z.B. irgendwo ein großer Löwe auftaucht und man sofort erkennt, wer hier der Stärkere ist, dann bleibt nur noch eines: sich ducken und in Deckung gehen. Es ist also durchaus eine bestimmte Haltung, die als Bild hinter diesem Wort steckt, gemeint aber ist die Herzenshaltung. Des Weiteren: Demut wird im Alten Testament noch nicht über Gott ausgesagt.
Gott ist der Souverän. Er ist nicht der, der sich duckt, beugt oder vor irgendjemandem in Deckung gehen muss. Dies ist allein die Haltung, die dem Menschen zukommt, und es ist die einzige Haltung, die Gott gegenüber korrekt ist: „Suchet den Herrn, alle ihr Elenden im Lande, die ihr seine Rechte haltet! Suchet Gerechtigkeit, suchet Demut! Vielleicht könnt ihr euch bergen am Tage des Zorns des Herrns“ (Zef 2,3). Mit jedem Wort drückt dieser Satz aus: Gott ist größer und stärker als jeder Löwe. Der einzige Weg, vor ihm zu bestehen, ist die Demut. In Sprüche 15,33 heißt es: „Die Furcht des Herrn ist Zucht, die zur Weisheit führt, und ehe man zu Ehren kommt, muss man Demut lernen.“
In diesem Vers ist beides drin: Einerseits gehört es zur Furcht des Herrn, dass man Demut lernen muss und dass es die einzige Haltung ist, wie man vor dem großen Gott existieren kann. Dies zu erkennen, hat etwas mit Weisheit zu tun, mit Klugheit. Wer klug ist, der geht vor Gott in die Knie, weil er erkennt, dass es einen himmelweiten Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf gibt. Doch es gilt auch das andere: Wer vor Gott demütig handelt, wird zu Ehren kommen. Eine demütige Haltung hat positive Folgen für den Menschen – genauso wie der Hochmut negative Konsequenzen bringt.
Sprüche 18,12 spitzt es zu: „Wenn einer zugrunde gehen soll, wird sein Herz zuvor stolz; und ehe man zu Ehren kommt, muss man demütig werden.“ Manchmal kommt die Demütigung auch von außen, von Gott her, wenn z.B. Krankheit oder ein anderes Schicksal hereinbricht. Auch das Babylonische Exil wird als Demütigung angesehen. Der Mensch wird dabei klein und arm, aber – es ist wie bei einem Hund, der sich auf den Rücken legt: Spätestens jetzt ist der Kampf aus. Wer auf dem Rücken liegt, wird nicht auch noch zertreten werden! Auch der Arme, der Kleine, der Geringe hat ein eigenes Recht und eine eigene Würde. „Er soll dem Elenden im Volk Recht schaffen und den Armen helfen und die Bedränger zermalmen“ (Ps 72,4). Wer keinen eigenen Stand mehr hat, wird von Gott aufgerichtet und zu Ehren gebracht. In 5.Mose 8,2ff. heißt es: „Und gedenke des ganzen Weges, den dich der Herr, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit kundwürde, was in deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht. Er demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit Manna, das du und deine Väter nie gekannt hatten, auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des Herrn geht.“ Die Wüste – ein Ort der Demütigung, aber auch ein
Ort der Erziehung und Erkenntnis, dass Gott die Kleinen und Schwachen nicht vernichtet, sondern versorgt und führt.
Wenn Friedrich Nietzsche in der Demut eine Sklavenmoral sieht, so finden wir im Alten Testament etwas ganz anderes: Es ist nicht die Haltung eines Sklaven. Nein, es ist die Haltung eines Weisen, der klugerweise erkennt: Gott ist der Schöpfer, vor dem sich Demut gehört. Demut ist die Haltung der aus der Knechtschaft Befreiten, die nun in der Beziehung mit dem lebendigen Gott leben, freiwillig und gern.
BMX1 04.12.2025 08:59
Mose als Beispiel eines demütigen Menschen
Im Alten Testament wird uns Mose als Beispiel des demütigen Menschen schlechthin gezeigt: „Mose war ein sehr demütiger Mensch, mehr als alle Menschen auf Erden“ (4.Mose 12,3). Er war eine starke Führerpersönlichkeit, keiner mit geneigtem Kopf und gesenkten Augen. Er konnte durchaus zornig werden. Am äußerlichen Verhalten war seine Demut sicher nicht immer zu erkennen, aber er war ein Geretteter aus Gnaden. „Mose“ heißt: aus dem Wasser herausgezogen! Über den hebräischen Knaben hing der Tötungsbeschluss des Pharaos, doch Mose hat überlebt. Er war ein Geretteter, ein Begnadigter, und er hat darauf mit Gehorsam reagiert. Er lebte aus der Begegnung mit dem lebendigen Gott, aus dem Hören auf sein Wort. Moses Herz, so engagiert, so verzagt, so trotzig es manchmal auch gewesen sein mag, es war beim Herrn! Das ist die rechte Demut.
Im Alten Testament wird uns Mose als Beispiel des demütigen Menschen schlechthin gezeigt: „Mose war ein sehr demütiger Mensch, mehr als alle Menschen auf Erden“ (4.Mose 12,3). Er war eine starke Führerpersönlichkeit, keiner mit geneigtem Kopf und gesenkten Augen. Er konnte durchaus zornig werden. Am äußerlichen Verhalten war seine Demut sicher nicht immer zu erkennen, aber er war ein Geretteter aus Gnaden. „Mose“ heißt: aus dem Wasser herausgezogen! Über den hebräischen Knaben hing der Tötungsbeschluss des Pharaos, doch Mose hat überlebt. Er war ein Geretteter, ein Begnadigter, und er hat darauf mit Gehorsam reagiert. Er lebte aus der Begegnung mit dem lebendigen Gott, aus dem Hören auf sein Wort. Moses Herz, so engagiert, so verzagt, so trotzig es manchmal auch gewesen sein mag, es war beim Herrn! Das ist die rechte Demut.
BMX1 04.12.2025 09:03
Demut im Neuen Testament
Das griechische Wort für Demut ist „tapeinos“. Im allgemein-griechischen Sprachgebrauch hatte dieses Wort zunächst eine eher negative Bedeutung im Sinne von etwas „Sklavischem“ – wie bei Nietzsche. Der antike Grieche wollte anders sein, nicht „tapeinos“! Vielmehr aufrecht, frei und selbstbestimmt. Ganz anders im NT: Durchgehend begegnet der Begriff „tapeinos“ in einem positiven Zusammenhang. Er bedeutet: Nächstenliebe und Selbstvergessenheit. „Gott stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen“ (Lk 1,52). Demut gilt als etwas Vorbildhaftes. Beim Rangstreit der Jünger stellt Jesus ein Kind in die Mitte und sagt: „Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich!“ (Mt 18,4) Und dann das Neue des Neuen Testamentes: Im Alten Testament ist immer der Mensch demütig, von Gottes Demut wird dort nicht geredet. Im Neuen Bund dagegen offenbart sich Gott selbst als der Demütige schlechthin. Er ist der, der in Jesus Christus sich zu den Menschen beugt, nach unten geht, am Kreuz zu Boden geht, sich duckt. Beispielhaft in der Geschichte von der Fußwaschung der Jünger (Joh 13). Jesus tut hier, was im gehobenen Haushalt die Aufgabe des untersten Sklaven war: das Waschen der Füße von Besuchern! „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele“ (Mt 20,28). Kein Gott, der sich bedienen lassen will, sondern einer, der uns dient, auf dass wir das Leben haben. Seine Hingabe ist gleichsam der Wurzelboden, das Fundament, auf dem auch unsere Liebe wächst. Die Geschichte von der Fußwaschung schließt ab mit dem Auftrag an die Jünger: „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe“ (Joh 13,15).
Aus dem Sacramentum wird ein Exemplum, aus dem Urbild das Vorbild: Jesus dient uns, auf dass wir einander dienen. Dieselbe Bewegung begegnet im Philipper-Hymnus (Phil 2,5-11). Darin wird der Selbstverzicht Gottes in Jesus Christus beschrieben. Er verzichtet auf seine göttliche Gestalt, damit er uns Menschen nahe sein kann. Und auch hier der Auftrag: „Seid so untereinander gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Jesus Christus entspricht. Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auf das, was dem andern dient“ (Phil 2,2ff). Jesus gibt sein Gottsein nicht auf, aber er verzichtet darauf, es vor den Menschen Gestalt werden zu lassen, weil diese unbändige Kraft wie der Löwe den Menschen erschrecken würde. Gott möchte nicht unsere Angst, sondern unsere Liebe – die Liebe der Freien.
Das griechische Wort für Demut ist „tapeinos“. Im allgemein-griechischen Sprachgebrauch hatte dieses Wort zunächst eine eher negative Bedeutung im Sinne von etwas „Sklavischem“ – wie bei Nietzsche. Der antike Grieche wollte anders sein, nicht „tapeinos“! Vielmehr aufrecht, frei und selbstbestimmt. Ganz anders im NT: Durchgehend begegnet der Begriff „tapeinos“ in einem positiven Zusammenhang. Er bedeutet: Nächstenliebe und Selbstvergessenheit. „Gott stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen“ (Lk 1,52). Demut gilt als etwas Vorbildhaftes. Beim Rangstreit der Jünger stellt Jesus ein Kind in die Mitte und sagt: „Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich!“ (Mt 18,4) Und dann das Neue des Neuen Testamentes: Im Alten Testament ist immer der Mensch demütig, von Gottes Demut wird dort nicht geredet. Im Neuen Bund dagegen offenbart sich Gott selbst als der Demütige schlechthin. Er ist der, der in Jesus Christus sich zu den Menschen beugt, nach unten geht, am Kreuz zu Boden geht, sich duckt. Beispielhaft in der Geschichte von der Fußwaschung der Jünger (Joh 13). Jesus tut hier, was im gehobenen Haushalt die Aufgabe des untersten Sklaven war: das Waschen der Füße von Besuchern! „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele“ (Mt 20,28). Kein Gott, der sich bedienen lassen will, sondern einer, der uns dient, auf dass wir das Leben haben. Seine Hingabe ist gleichsam der Wurzelboden, das Fundament, auf dem auch unsere Liebe wächst. Die Geschichte von der Fußwaschung schließt ab mit dem Auftrag an die Jünger: „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe“ (Joh 13,15).
Aus dem Sacramentum wird ein Exemplum, aus dem Urbild das Vorbild: Jesus dient uns, auf dass wir einander dienen. Dieselbe Bewegung begegnet im Philipper-Hymnus (Phil 2,5-11). Darin wird der Selbstverzicht Gottes in Jesus Christus beschrieben. Er verzichtet auf seine göttliche Gestalt, damit er uns Menschen nahe sein kann. Und auch hier der Auftrag: „Seid so untereinander gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Jesus Christus entspricht. Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auf das, was dem andern dient“ (Phil 2,2ff). Jesus gibt sein Gottsein nicht auf, aber er verzichtet darauf, es vor den Menschen Gestalt werden zu lassen, weil diese unbändige Kraft wie der Löwe den Menschen erschrecken würde. Gott möchte nicht unsere Angst, sondern unsere Liebe – die Liebe der Freien.
BMX1 04.12.2025 09:05
Paulus als Beispiel eines demütigen Menschen
Paulus sagt: „Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf. Niemand suche das Seine, sondern was dem anderen dient“ (1.Kor 9,23). Paulus zeigt uns die klare Haltung des freien Menschen. In Christus sind wir befreit von Tod, Teufel, Sünde und Hölle.
Aber als Freie in der Bindung an Christus werden wir zu Dienern der Menschen, werden „Jesus Christus gleich gestaltet“ (Phil 3,21) – auch in seiner Demut. Auch Paulus war keine „Memme“, sondern eine starke Persönlichkeit. Seine Demut war ein Stück tapferes Aufrechtgehen.
Luther und die Demut
Für mittelalterliche Mönche war das Erwerben der Demut eine lebenslange Aufgabe: tägliche Buße, Selbstkasteiung bis hin zur Selbstauslöschung. Luther ist an dieser Aufgabe bei aller Anstrengung und Ernsthaftigkeit gescheitert. Sein Gewissen hat in der eigenen „Werkerei“ keine Ruhe gefunden. Erst bei Christus entdeckt er Frieden und den Grund, auf dem sein Glaube sicher steht. In einem Bild formuliert er es so: „Demut ist das Zurückschlupfen des Kükens unter die Flügel der Henn.“ Darin spiegelt sich nicht ein Verhältnis des Sklaven zum Herrn, sondern die Beziehung einer Mutter zu ihrem Kind. Darin finden sich höchste Freiheit und gleichzeitig höchste Geborgenheit.
Am Vorabend seines Todes schreibt Luther mit verlöschender Kraft einen Brief an seine Ehefrau. Im letzten Satz steht ein Wort tiefster Demut: „Wir sind Bettler, das ist wahr!“
Demut ist Mut zum Dienen
Demut ist also etwas anderes als das, was man sich gemeinhin darunter vorstellt: nicht dieses Geduckte, Memmenhafte, nicht der Sklavengeist, den Nietzsche den Christen vorwirft. Wir müssen uns als Christen kein bestimmtes Aussehen angewöhnen, an dem man unsere Demut ablesen kann. Es ist die Herzenshaltung, die in der Liebe zur Tat wird.
Demut ist nicht ein Selbstverzicht, bei dem man dauernd seine Opfer beklagt – ähnlich dem älteren Bruder im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Dieser war zwar äußerlich brav und demütig, aber sein Herz war nicht wirklich beim Vater. Demut ist vielmehr die Haltung des Vaters, der sich selbst ganz vergisst, weil er die Not seines Sohnes sieht. Er beugt sich hinunter zu ihm und richtet ihn auf undvergisst dabei völlig, dass er demütig ist.
Paulus sagt: „Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf. Niemand suche das Seine, sondern was dem anderen dient“ (1.Kor 9,23). Paulus zeigt uns die klare Haltung des freien Menschen. In Christus sind wir befreit von Tod, Teufel, Sünde und Hölle.
Aber als Freie in der Bindung an Christus werden wir zu Dienern der Menschen, werden „Jesus Christus gleich gestaltet“ (Phil 3,21) – auch in seiner Demut. Auch Paulus war keine „Memme“, sondern eine starke Persönlichkeit. Seine Demut war ein Stück tapferes Aufrechtgehen.
Luther und die Demut
Für mittelalterliche Mönche war das Erwerben der Demut eine lebenslange Aufgabe: tägliche Buße, Selbstkasteiung bis hin zur Selbstauslöschung. Luther ist an dieser Aufgabe bei aller Anstrengung und Ernsthaftigkeit gescheitert. Sein Gewissen hat in der eigenen „Werkerei“ keine Ruhe gefunden. Erst bei Christus entdeckt er Frieden und den Grund, auf dem sein Glaube sicher steht. In einem Bild formuliert er es so: „Demut ist das Zurückschlupfen des Kükens unter die Flügel der Henn.“ Darin spiegelt sich nicht ein Verhältnis des Sklaven zum Herrn, sondern die Beziehung einer Mutter zu ihrem Kind. Darin finden sich höchste Freiheit und gleichzeitig höchste Geborgenheit.
Am Vorabend seines Todes schreibt Luther mit verlöschender Kraft einen Brief an seine Ehefrau. Im letzten Satz steht ein Wort tiefster Demut: „Wir sind Bettler, das ist wahr!“
Demut ist Mut zum Dienen
Demut ist also etwas anderes als das, was man sich gemeinhin darunter vorstellt: nicht dieses Geduckte, Memmenhafte, nicht der Sklavengeist, den Nietzsche den Christen vorwirft. Wir müssen uns als Christen kein bestimmtes Aussehen angewöhnen, an dem man unsere Demut ablesen kann. Es ist die Herzenshaltung, die in der Liebe zur Tat wird.
Demut ist nicht ein Selbstverzicht, bei dem man dauernd seine Opfer beklagt – ähnlich dem älteren Bruder im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Dieser war zwar äußerlich brav und demütig, aber sein Herz war nicht wirklich beim Vater. Demut ist vielmehr die Haltung des Vaters, der sich selbst ganz vergisst, weil er die Not seines Sohnes sieht. Er beugt sich hinunter zu ihm und richtet ihn auf undvergisst dabei völlig, dass er demütig ist.
israelgreece2019 04.12.2025 09:32
Eph 4,2 mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, einander in Liebe ertragend! Spr 16,19 Besser bescheiden sein mit Demütigen, als Beute teilen mit Hochmütigen. Spr 29,23 Der Hochmut eines Menschen erniedrigt ihn; der Demütige aber erlangt Ehre.

Jetzt
Anerkennung der Abhängigkeit von Gott:
Demut ist das Eingeständnis, dass alle Fähigkeiten und Talente Geschenke Gottes sind.
Gegenteil von Hochmut:
Sie steht im klaren Gegensatz zu Stolz und Selbstüberschätzung.
Vorbild Jesus:
Jesus Christus ist das höchste Vorbild für Demut, indem er sich dem Willen seines Vaters unterordnete.
Haltung gegenüber Mitmenschen:
Demut bedeutet auch, andere höher als sich selbst zu achten und bereit zu sein, zu dienen.
Innere Einstellung:
Sie ist eine innere Haltung, die sich in sanftem, stillem Geist zeigt, und nicht nur in äußerem Verhalten wie Knien.
Die Frucht der Demut:
Demütige Menschen werden von Gott erhöht, erhalten Gnade und finden Ruhe für ihre Seele.
Bibelstellen zu Demut
Philipper 2,3: "Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst."
Jakobus 4,10: "Demütigt euch vor dem Herrn, so wird er euch erhöhen."
Matthäus 11,29: "Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen."
Sprüche 22,4: "Die Hoffart des Menschen wird ihn stürzen; aber bei dem Demütigen ist Ehre."