Gedanken zum Schabbat
20.06.2025 23:59
Gedanken zum Schabbat
20.06.2025 23:59
Gedanken zum Schabbat
Gedanken zum Schabbat
von Anat Schneider | Juni 20, 2025 at 7:19 am | Themen: Thora, Gedanken zum Schabbat
Diese Wochenlesung ist ein Blick in die Tiefen menschlicher Seele und kollektiver Berufung.
Wochenlesung – שְׁלַח לְךָ – Schlach Lecha – Schicke dir ;
4.Mose 13,1 – 15,41
Josua 2,1 – 24
Gott fordert Mose auf, Kundschafter ins verheißene Land zu senden – doch was als Erkundung beginnt, endet in Angst, Zweifel und einer nationalen Krise. Nur zwei sehen klar: Kaleb und Josua erkennen das Potenzial, nicht nur die Gefahr. Ihre Perspektive lehrt uns, dass wahrer Glaube nicht im Rückzug lebt, sondern im mutigen Schritt nach vorn – trotz aller Herausforderungen.
Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.
Diese Wochenlesung ist wie „Ein Blick in die Zukunft“.
Gott fordert Mose auf, Männer zu entsenden, um das Land zu erkunden. Sie sollen sehen, kennenlernen und entdecken, den neuen und unbekannten Ort. „Und der Ewige sprach zu Mose: Sende dir Männer aus, dass sie das Land Kanaan auskundschaften, das ich den Israeliten gebe. Je einen Mann pro Stamm ihrer Väter sollt ihr entsenden – jeder von ihnen ein Fürst.“ Der Fortgang der Geschichte ist bekannt, die Kundschafter kehren zurück und bezeichnen das Land als „ein Land, das seine Bewohner frisst“. Mit Ausnahme von Kaleb Ben Jephunneh und Josua Ben Nun raten alle davon ab, es zu betreten. Damit besiegeln sie das Urteil über das ganze Volk: 40 Jahre Wanderung in der Wüste, ein Jahr für jeden Tag der Erkundung, bis die Generation der Wüste, die Generation der Sklaven, gestorben ist.
Man kann die Worte der Kundschafter als Ausdruck von Unglauben und Unsicherheit deuten, als Sklavenblick, als defizitäres Sehen. Und all das ist zutreffend. Aber man kann sie auch anders interpretieren, vielleicht hatten die Kundschafter nicht Angst vor dem Scheitern, sondern vor dem Erfolg. Denn Erfolg hätte eine radikale Veränderung ihres Lebensstils erfordert.
Ihr Fehler war ein Fehler, der vielen religiösen Menschen eigen ist. Sie wollten ihr ganzes Leben unter dem Schutz Gottes verbringen, ihm so nahe wie möglich bleiben. Doch sie verstehen nicht, dass Gott etwas anderes will, nämlich mit uns hier auf Erden zu wohnen. Ein aufmerksames Lesen der Texte zeigt die wirkliche Welt und das Leben selbst, das ist der Ort, an dem Gott uns haben will. Dorthin schickt er uns. Dorthin führte er Mose und das Volk Israel.
Wie bequem war es doch in der Wüste und wie herausfordernd ist es, diese Wirklichkeitsferne zu verlassen und in eine bewohnte, reale Welt einzutreten, mit allem, was das bedeutet. Die Kundschafter, die aus dem Land zurückkamen, beschrieben es so: „Und sie erzählten ihm und sagten: Wir kamen in das Land, in das du uns gesandt hast. Und es fließt wirklich über von Milch und Honig – das ist seine Frucht! Aber stark ist das Volk, das darin wohnt, und die Städte sind sehr fest und groß. Und auch die Kinder Enaks sahen wir dort. Amalek wohnt im Negev, der Hittiter, der Jebusiter und der Emoriter wohnen im Gebirge, und der Kanaaniter am Meer und entlang des Jordans.“
Ein Land, das von Milch und Honig fließt, bewohnt, befestigt, voller anderer Völker. Bis hierhin, alles korrekt. Sie berichteten, was sie sahen, und alles war wahr. Doch dann fügten sie hinzu: „Und sie verbreiteten unter den Israeliten ein böses Gerücht über das Land, das sie erkundet hatten, und sagten: Das Land, das wir durchwandert haben, um es zu erkunden – es frisst seine Bewohner! Und alles Volk, das wir dort sahen, sind Leute von großer Gestalt. Wir sahen dort auch die Riesen, die Söhne Enaks – von den Nephilim – und wir kamen uns selbst vor wie Heuschrecken, und so sahen wir wohl auch in ihren Augen aus.“
Das war ihre Interpretation, beeinflusst von ihrer inneren Welt und der Geisteshaltung in ihren Herzen. Das Land ist gut – aber es frisst seine Bewohner. Es ist reich, aber es verlangt viel. Es gibt, aber es fordert.
Und in ihren Worten klang mit: „Wie sollen wir diese Aufgabe bewältigen? Dort wohnen Riesen, sie lassen uns wie Heuschrecken erscheinen – wie sollen wir sie besiegen? Wir fühlen uns schwach, wertlos, kraftlos. Wir sind es gewohnt, die Welt aus der Perspektive eines Sklaven zu sehen, nicht aus der eines Hausherrn. Wie sollen wir die bedrohlichen Schwierigkeiten überwinden?“
Ich zweifle nicht daran, dass die Kundschafter ihre Aufgabe ernst nahmen, als göttlichen Auftrag und dass sie ihn erfüllt haben. Aber vielleicht war die Aufgabe zu groß für sie? Vielleicht verstanden sie plötzlich, was es wirklich bedeutet, frei zu sein, ein Volk, das ein Land regiert? Und vielleicht zogen sie das „bequeme“ Leben in der Wüste vor – genauso wie sie einst das „bequeme“ Leben in Ägypten vorgezogen hatten?
Nicht selten in meinen fast 60 Lebensjahren habe ich mich gefragt: Warum gibt es so viele Kriege in Israel? Oft habe ich um ruhige, bequeme Tage gebetet, mir ein Leben in der stillen Nähe Gottes gewünscht und war enttäuscht von den Antworten, die ich bekam. Es hat lange gedauert, bis ich verstand: Gott will etwas anderes. Er will Mut, Glauben, Taten, Kühnheit. Das ist Sein und unser Weg, das „Zusammensein“ zu spüren. Und bis heute gestehe ich: Ich falle immer wieder in die Denkweise der zehn Kundschafter zurück und von dort aus muss ich mich immer wieder erheben.
Diese Denkweise, diese Ängste und Sorgen übertrugen die Kundschafter mühelos auf das ganze Volk, das sich sehr fürchtete und den Weg ins Verheißene Land, das Land der großen Chancen, nicht weitergehen wollte. Ich habe einmal ein Sprichwort gelesen, das mich sehr zum Nachdenken brachte: „Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind. Unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich mächtig sind.“ Um das wirklich zu verinnerlichen und danach zu leben, um ein Licht in der Welt zu sein, ein richtiger Anführer, braucht man sehr großen Glauben und ein weites Blickfeld. Einen Blick wie aus der Vogelperspektive, der mehr sieht als den aktuellen Moment. Der es schafft, alle Punkte zu einem bedeutungsvollen Gesamtbild zu verbinden.
Und tatsächlich, in unserer Parascha gab es zwei besondere Menschen, die sich aus dieser Enge erheben konnten – Kaleb und Josua.
Sie sahen das Land mit den Augen des Glaubens und des Mutes. Sie waren bereit, die Stärke zu sehen, auch die Stärke des Volkes. Sie sahen die Schönheit und die Vorteile des Landes, trotz der vielen Herausforderungen. Und obwohl sie exakt dasselbe sahen wie die anderen, entschieden sie sich, etwas anderes zu sagen. Weil ihr Herz an einem anderen Ort war. „Denn wir werden sie gewiss bezwingen!“ Diese beiden vergaßen keinen Moment, wer sie gesandt hatte – und welche Kraft mit ihnen und in ihnen war. „Der Ewige ist mit uns – fürchtet sie nicht!“ Das Land ist wirklich sehr gut. Die Befestigungen, die Feinde – sie sind real. Das Land ist wirklich herausfordernd – das bestreitet keiner.
So wie damals ist es auch heute: Das Land ist herausfordernd, die Feinde zahlreich, die Bedrohungen von allen Seiten, die Einsamkeit kaum auszuhalten, der Tod, die Gefallenen, die Kriege, die Angst um unsere Kinder, die schlaflosen Nächte, die Raketen, Explosionen, Selbstmordattentäter – all das existiert, so wie damals, so auch heute.
Aber Josua und Kaleb sahen etwas anderes:
Die Kraft, die Israel beisteht. Die großen Möglichkeiten. Die Verwirklichung der Berufung, die Gott dem Volk gab. Und den Weg, den man gehen muss, um Gott nahe zu sein.
Sie verstanden: Wir sind nicht zufällig in dieses Land und in diese Prüfung gekommen. Das ist unser Weg – um Glauben, Kraft und Entschlossenheit zu finden. Mit großem Mut sagten sie ihre Meinung – gegen die Mehrheit – und wären beinahe gesteinigt worden.
Auch heute – in Zeiten der Angst, des Schmerzes, der Not – fällt es schwer, die Herausforderungen unseres Lebens im Geiste von Josua Ben Nun und Kaleb Ben Jephunneh zu sehen. Es braucht Mut und Stärke, die eigene Kraft zu erkennen und dem Herzen zuzurufen:
Gott ist mit uns – immer.
Gerade in Momenten von Angst, Schmerz und Schwierigkeit. Doch wenn man sicher im Weg ist und diese schwierigen Orte gut meistert, dann wird man nicht von der Angst gelähmt und nicht durch alte Denkmuster aufgehalten, die uns in der Wüste festhalten wollen.
Es gibt eine göttliche Vorsehung. Es gibt Einen, der uns von oben sieht – und Er will, dass wir ankommen. Deshalb ist unser Streben – als Einzelne, als Volk, als wahre Freunde – uns den Geist von Josua und Kaleb zu eigen zu machen. Wie sie aufzusteigen, unsere unermessliche Stärke zu erkennen, denn der Ewige ist mit uns.
Schabbat Schalom!
Schabbatzeiten in Israel (Ortszeit) :
Jerusalem – Beginn 19:08, Ausgang 20:30
Tel Aviv – Beginn 19:30, Ausgang 20:32
Haifa – Beginn 19:19, Ausgang 20:32
Beersheva – Beginn 19:28, Ausgang 20:34
Eilat – Beginn 19:13, Ausgang 20:25
Wenn ihr mehr über die Wochenabschnitte lesen möchtet, könnt ihr mein Buch „Und wählt das Leben“ erwerben.
von Anat Schneider | Juni 20, 2025 at 7:19 am | Themen: Thora, Gedanken zum Schabbat
Diese Wochenlesung ist ein Blick in die Tiefen menschlicher Seele und kollektiver Berufung.
Wochenlesung – שְׁלַח לְךָ – Schlach Lecha – Schicke dir ;
4.Mose 13,1 – 15,41
Josua 2,1 – 24
Gott fordert Mose auf, Kundschafter ins verheißene Land zu senden – doch was als Erkundung beginnt, endet in Angst, Zweifel und einer nationalen Krise. Nur zwei sehen klar: Kaleb und Josua erkennen das Potenzial, nicht nur die Gefahr. Ihre Perspektive lehrt uns, dass wahrer Glaube nicht im Rückzug lebt, sondern im mutigen Schritt nach vorn – trotz aller Herausforderungen.
Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.
Diese Wochenlesung ist wie „Ein Blick in die Zukunft“.
Gott fordert Mose auf, Männer zu entsenden, um das Land zu erkunden. Sie sollen sehen, kennenlernen und entdecken, den neuen und unbekannten Ort. „Und der Ewige sprach zu Mose: Sende dir Männer aus, dass sie das Land Kanaan auskundschaften, das ich den Israeliten gebe. Je einen Mann pro Stamm ihrer Väter sollt ihr entsenden – jeder von ihnen ein Fürst.“ Der Fortgang der Geschichte ist bekannt, die Kundschafter kehren zurück und bezeichnen das Land als „ein Land, das seine Bewohner frisst“. Mit Ausnahme von Kaleb Ben Jephunneh und Josua Ben Nun raten alle davon ab, es zu betreten. Damit besiegeln sie das Urteil über das ganze Volk: 40 Jahre Wanderung in der Wüste, ein Jahr für jeden Tag der Erkundung, bis die Generation der Wüste, die Generation der Sklaven, gestorben ist.
Man kann die Worte der Kundschafter als Ausdruck von Unglauben und Unsicherheit deuten, als Sklavenblick, als defizitäres Sehen. Und all das ist zutreffend. Aber man kann sie auch anders interpretieren, vielleicht hatten die Kundschafter nicht Angst vor dem Scheitern, sondern vor dem Erfolg. Denn Erfolg hätte eine radikale Veränderung ihres Lebensstils erfordert.
Ihr Fehler war ein Fehler, der vielen religiösen Menschen eigen ist. Sie wollten ihr ganzes Leben unter dem Schutz Gottes verbringen, ihm so nahe wie möglich bleiben. Doch sie verstehen nicht, dass Gott etwas anderes will, nämlich mit uns hier auf Erden zu wohnen. Ein aufmerksames Lesen der Texte zeigt die wirkliche Welt und das Leben selbst, das ist der Ort, an dem Gott uns haben will. Dorthin schickt er uns. Dorthin führte er Mose und das Volk Israel.
Wie bequem war es doch in der Wüste und wie herausfordernd ist es, diese Wirklichkeitsferne zu verlassen und in eine bewohnte, reale Welt einzutreten, mit allem, was das bedeutet. Die Kundschafter, die aus dem Land zurückkamen, beschrieben es so: „Und sie erzählten ihm und sagten: Wir kamen in das Land, in das du uns gesandt hast. Und es fließt wirklich über von Milch und Honig – das ist seine Frucht! Aber stark ist das Volk, das darin wohnt, und die Städte sind sehr fest und groß. Und auch die Kinder Enaks sahen wir dort. Amalek wohnt im Negev, der Hittiter, der Jebusiter und der Emoriter wohnen im Gebirge, und der Kanaaniter am Meer und entlang des Jordans.“
Ein Land, das von Milch und Honig fließt, bewohnt, befestigt, voller anderer Völker. Bis hierhin, alles korrekt. Sie berichteten, was sie sahen, und alles war wahr. Doch dann fügten sie hinzu: „Und sie verbreiteten unter den Israeliten ein böses Gerücht über das Land, das sie erkundet hatten, und sagten: Das Land, das wir durchwandert haben, um es zu erkunden – es frisst seine Bewohner! Und alles Volk, das wir dort sahen, sind Leute von großer Gestalt. Wir sahen dort auch die Riesen, die Söhne Enaks – von den Nephilim – und wir kamen uns selbst vor wie Heuschrecken, und so sahen wir wohl auch in ihren Augen aus.“
Das war ihre Interpretation, beeinflusst von ihrer inneren Welt und der Geisteshaltung in ihren Herzen. Das Land ist gut – aber es frisst seine Bewohner. Es ist reich, aber es verlangt viel. Es gibt, aber es fordert.
Und in ihren Worten klang mit: „Wie sollen wir diese Aufgabe bewältigen? Dort wohnen Riesen, sie lassen uns wie Heuschrecken erscheinen – wie sollen wir sie besiegen? Wir fühlen uns schwach, wertlos, kraftlos. Wir sind es gewohnt, die Welt aus der Perspektive eines Sklaven zu sehen, nicht aus der eines Hausherrn. Wie sollen wir die bedrohlichen Schwierigkeiten überwinden?“
Ich zweifle nicht daran, dass die Kundschafter ihre Aufgabe ernst nahmen, als göttlichen Auftrag und dass sie ihn erfüllt haben. Aber vielleicht war die Aufgabe zu groß für sie? Vielleicht verstanden sie plötzlich, was es wirklich bedeutet, frei zu sein, ein Volk, das ein Land regiert? Und vielleicht zogen sie das „bequeme“ Leben in der Wüste vor – genauso wie sie einst das „bequeme“ Leben in Ägypten vorgezogen hatten?
Nicht selten in meinen fast 60 Lebensjahren habe ich mich gefragt: Warum gibt es so viele Kriege in Israel? Oft habe ich um ruhige, bequeme Tage gebetet, mir ein Leben in der stillen Nähe Gottes gewünscht und war enttäuscht von den Antworten, die ich bekam. Es hat lange gedauert, bis ich verstand: Gott will etwas anderes. Er will Mut, Glauben, Taten, Kühnheit. Das ist Sein und unser Weg, das „Zusammensein“ zu spüren. Und bis heute gestehe ich: Ich falle immer wieder in die Denkweise der zehn Kundschafter zurück und von dort aus muss ich mich immer wieder erheben.
Diese Denkweise, diese Ängste und Sorgen übertrugen die Kundschafter mühelos auf das ganze Volk, das sich sehr fürchtete und den Weg ins Verheißene Land, das Land der großen Chancen, nicht weitergehen wollte. Ich habe einmal ein Sprichwort gelesen, das mich sehr zum Nachdenken brachte: „Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind. Unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich mächtig sind.“ Um das wirklich zu verinnerlichen und danach zu leben, um ein Licht in der Welt zu sein, ein richtiger Anführer, braucht man sehr großen Glauben und ein weites Blickfeld. Einen Blick wie aus der Vogelperspektive, der mehr sieht als den aktuellen Moment. Der es schafft, alle Punkte zu einem bedeutungsvollen Gesamtbild zu verbinden.
Und tatsächlich, in unserer Parascha gab es zwei besondere Menschen, die sich aus dieser Enge erheben konnten – Kaleb und Josua.
Sie sahen das Land mit den Augen des Glaubens und des Mutes. Sie waren bereit, die Stärke zu sehen, auch die Stärke des Volkes. Sie sahen die Schönheit und die Vorteile des Landes, trotz der vielen Herausforderungen. Und obwohl sie exakt dasselbe sahen wie die anderen, entschieden sie sich, etwas anderes zu sagen. Weil ihr Herz an einem anderen Ort war. „Denn wir werden sie gewiss bezwingen!“ Diese beiden vergaßen keinen Moment, wer sie gesandt hatte – und welche Kraft mit ihnen und in ihnen war. „Der Ewige ist mit uns – fürchtet sie nicht!“ Das Land ist wirklich sehr gut. Die Befestigungen, die Feinde – sie sind real. Das Land ist wirklich herausfordernd – das bestreitet keiner.
So wie damals ist es auch heute: Das Land ist herausfordernd, die Feinde zahlreich, die Bedrohungen von allen Seiten, die Einsamkeit kaum auszuhalten, der Tod, die Gefallenen, die Kriege, die Angst um unsere Kinder, die schlaflosen Nächte, die Raketen, Explosionen, Selbstmordattentäter – all das existiert, so wie damals, so auch heute.
Aber Josua und Kaleb sahen etwas anderes:
Die Kraft, die Israel beisteht. Die großen Möglichkeiten. Die Verwirklichung der Berufung, die Gott dem Volk gab. Und den Weg, den man gehen muss, um Gott nahe zu sein.
Sie verstanden: Wir sind nicht zufällig in dieses Land und in diese Prüfung gekommen. Das ist unser Weg – um Glauben, Kraft und Entschlossenheit zu finden. Mit großem Mut sagten sie ihre Meinung – gegen die Mehrheit – und wären beinahe gesteinigt worden.
Auch heute – in Zeiten der Angst, des Schmerzes, der Not – fällt es schwer, die Herausforderungen unseres Lebens im Geiste von Josua Ben Nun und Kaleb Ben Jephunneh zu sehen. Es braucht Mut und Stärke, die eigene Kraft zu erkennen und dem Herzen zuzurufen:
Gott ist mit uns – immer.
Gerade in Momenten von Angst, Schmerz und Schwierigkeit. Doch wenn man sicher im Weg ist und diese schwierigen Orte gut meistert, dann wird man nicht von der Angst gelähmt und nicht durch alte Denkmuster aufgehalten, die uns in der Wüste festhalten wollen.
Es gibt eine göttliche Vorsehung. Es gibt Einen, der uns von oben sieht – und Er will, dass wir ankommen. Deshalb ist unser Streben – als Einzelne, als Volk, als wahre Freunde – uns den Geist von Josua und Kaleb zu eigen zu machen. Wie sie aufzusteigen, unsere unermessliche Stärke zu erkennen, denn der Ewige ist mit uns.
Schabbat Schalom!
Schabbatzeiten in Israel (Ortszeit) :
Jerusalem – Beginn 19:08, Ausgang 20:30
Tel Aviv – Beginn 19:30, Ausgang 20:32
Haifa – Beginn 19:19, Ausgang 20:32
Beersheva – Beginn 19:28, Ausgang 20:34
Eilat – Beginn 19:13, Ausgang 20:25
Wenn ihr mehr über die Wochenabschnitte lesen möchtet, könnt ihr mein Buch „Und wählt das Leben“ erwerben.
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