Unbiblischer dispensationalistischer Zukunftsplan mit Vorentrückung und Wiederherstellung Israels

Unbiblischer dispensationalistischer Zukunftsplan mit Vorentrückung und Wiederherstellung Israels
https://www.betanien.de/argumente-gegen-den-dispensationalismus/

aus: Argumente gegen den Dispensationalismus 
von Hans-Werner Deppe 


Der dispensationalistische Zukunftsplan mit Vorentrückung und Wiederherstellung Israels ist nicht nur nicht im Neuen Testament zu finden, sondern widerspricht auch klaren und wichtigen Schriftstellen über die Zukunft.

In 2. Petrus 3 wird ausführlich beschrieben, was wir als Christen zu „erwarten“ haben: Den „Tag des Herrn“, an dem Himmel und Elemente vergehen und „in Brand aufgelöst werden“ (2Petr 3,10-14): „… indem ihr die Ankunft des Tages Gottes erwartet und beschleunigt, um dessentwillen die Himmel in Feuer geraten und aufgelöst und die Elemente im Brand zerschmelzen werden! Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde … da ihr dies erwartet, befleißigt euch, unbefleckt und tadellos von ihm im Frieden gefunden zu werden.“

Nach 1. Korinther 15,23 findet die Auferstehung (und Entrückung) der Gläubigen bei Jesu „Ankunft“ statt, woraufhin das ewige Reich anbricht (V. 24). Die messianische Königsherrschaft findet nach V. 25 (vgl. Hebr 10,12-13) zuvor jetzt statt. Am Ende dieser Herrschaftszeit wird er alle seine Feinde unterwerfen und als letzten Feind auch den Tod abschaffen (V. 26). In 15,51-56 wird dieser Sieg über den Tod mit der Entrückung verbunden.

Nach 2. Thessalonicher 2,1-12 wird vor der Wiederkunft Jesu „und unserer Vereinigung mit ihm“ (V. 2) der „Abfall“ kommen und „der Mensch der Gesetzlosigkeit“, „der Sohn des Verderbens“ geoffenbart werden (V. 3). Nach meinem Verständnis macht es keinen Sinn, in „dem, was zurückhält“ die Gemeinde bzw. den Heiligen Geist zu sehen. Diese dispensationalistische Sicht wird dem Text aufgezwungen. Wir wissen nicht mit letzter Gewissheit, was mit dem „Zurückhaltenden“ gemeint ist. Es könnte, wie viele Ausleger meinen, Recht und Ordnung oder auch der römische Kaiser und das römische Reich sein. Letzteres würde Sinn machen, da das Papsttum durch den Niedergang des römischen Reiches hervorkommen konnte und der Papst quasi an die Stelle des römischen Reiches trat. Dies entspricht auch den Prophetie in Daniel 7,8, wo das „kleine Horn“ aus den Hörnern des römischen Reiches hervorgeht. Daniel 7 wiederum entspricht Offenbarung 13, wo vom Tier aus dem Meer und dem Tier aus dem Land als religiös-politische Macht die Rede ist. Martyn Lloyd-Jones zeigt neun bedeutsame Übereinstimmungen zwischen der Schilderung dieses „Antichristen“ in Daniel, 2. Thessalonicher und Offenbarung 13 auf („Gott und seine Gemeinde“, S. 145-147). Eigentlich erfüllt das Papsttum alles, was über diese Peron in 2. Thessalonicher 2 vorausgesagt ist; das schließt jedoch nicht aus, dass die endgültige Manifestation des Antichristen noch in der Zukunft liegt.

Römer 11,25 sagt nichts von einer künftigen Wiederherstellung Israels. Dort steht nicht „danach wird ganz Israel errettet werden“, sondern „so wird ganz Israel errettet werden“, wobei mit „so“ der zuvor beschriebene, gegenwärtige Prozess des Bildens des einen „Ölbaums“ aus gläubigen Juden und Heiden gemeint ist. Da es nur einen Ölbaum gibt, nur eine Heilslinie und nicht zwei, widerspricht eine Wiedereinführung des jüdischen Systems dieser Schriftstelle.

Auch Matthäus 24-25 lehrt weder Vorentrückung noch Wiederherstellung Israels und widerspricht diesen sogar. Auch wenn diese prophetische Rede Jesu nicht einfach auszulegen ist, liegt die Lösung nicht darin, die ganze Sache noch komplizierter zu machen und wie die Dispensationalisten zu behaupten, dies alles gelte nur den Juden in der angeblichen künftigen Trübsalszeit. Der Herr spricht in Kapitel 24 offensichtlich sowohl von der Zerstörung Jerusalems und dem schrecklichen Jüdischen Krieg 66-73 nach Christus, als auch von seiner Wiederkunft. Er sagt jedoch nichts davon, dass seine Jünger geraume Zeit vorher entrückt würden. Auch sagt er nichts von einem irdischen Reich nach seiner Wiederkunft. Vielmehr hält er bei seiner Wiederkunft Gericht, und dann gehen die einen „zur ewigen Strafe, die Gerechten aber in das ewige Leben“ (Mt 25,46).

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