
Gottes Wohnort (03) - Tempel
3.) Das nächste Bild vom Wohnen Gottes bei den Menschen (das Zelt der Zusammenkunft) wird uns später noch beschäftigen. Es ist kein vorübergehender Besuch bei einem Einzelnen, sondern ein Bleiben bei seinem Volk während der Wüstenreise und danach.
4.) Als das Zelt der Zusammenkunft in das Land gebracht worden war, wurde es in Siloh aufgestellt. Nach der verheerenden Geschichte Israels, wie sie im Buch der Richter beschrieben wird – eine Abtrünnigkeit nach der anderen –, wird die Bundeslade von den Philistern entführt, und obwohl Gott sie aus ihrer Hand befreite, wurde sie doch nie wieder im Zelt der Zusammenkunft in Siloh aufgestellt (vgl. Ps 78,60–72). Und das ist einer von mehreren Hinweisen darauf, dass das Zelt der Zusammenkunft nur einen symbolischen Wert hatte – indem es von Christus redete. 2. Chronika 1,3.13 zeigt uns das Zelt der Zusammenkunft in Gibeon, doch nicht für den festgelegten Gottesdienst, so viel uns berichtet wird.
5.) Wir kommen als Nächstes zu einem Symbol des ständigen Wohnortes Gottes auf der Erde – dem Tempel. Dieser, errichtet durch Salomo, war die prächtige Krönung seiner herrlichen Herrschaft. Während grundsätzlich der Plan des Zeltes der Zusammenkunft eingehalten wird, spricht doch alles von Beständigkeit: Seine Steine sprechen von göttlicher Stabilität; seine Schnitzereien und sein Gold von Herrlichkeit. Doch es ist immer noch nur ein Symbol. „Salomo aber baute ihm ein Haus“, verkündete Stephanus, nur um seine Hörer gleich daran zu erinnern, dass „der Höchste nicht in Wohnungen wohnt, die mit Händen gemacht sind“ (Apg 7,47–50).
Bezeichnenderweise schließt Stephanus seine Zusammenfassung der Geschichte Israels mit dem Tempel; es war der Höhepunkt der Herrlichkeit der Nation, und wir müssen nur die Geschichte Salomos weiter verfolgen, um zu sehen, dass alles nur ein Schatten war. Das Einweihungsgebet war in den Bergen Jerusalems noch nicht ganz verhallt, da fiel Salomo in beschämende Sünde und Götzendienerei. Alles war nur ein Bild und wartete darauf, dass die ganze Herrlichkeit Gottes Einem anvertraut werden würde, der vollkommen, absolut und ständig – im Herzen, Leben und Wesen – die Darstellung Gottes war.
6.) Nebukadnezar zerstörte den Tempel, verbrannte ihn völlig und führte die goldenen Geräte mit dem Volk nach Babylon weg. Durch Gnade wird ein Überrest des Volkes nach 70 Jahren Gefangenschaft wieder nach Jerusalem zurückgebracht, und der Tempel wird wieder aufgebaut. Gewiss, alles war sehr reduziert, und wir lesen nichts davon, dass die Schechina-Wolke zu sehen war. Aber das Haus Gottes war da und auch die Verheißung an das Volk, dass, wenn sie aufrichtig zu Gott umkehrten, Er die Herrlichkeit des letzten Hauses größer machen würde als die des ersten (Hag 2,9).
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Jetzt
Gottes Wohnort (02) - Abrahams Zelt
Wir gehen weiter zu einer anderen Anspielung im ersten Buch Mose auf das Wohnen Gottes oder besser den Besuch Gottes bei den Menschen.
Gibt es ein schöneres Bild in diesem Buch als den Besuch jener drei Fremden bei Abraham (1. Mo 18,1–8), als er bei der Hitze des Tages am Eingang seines Zeltes saß? Der glaubensvolle Patriarch sieht die Fremden näherkommen und bietet ihnen mit Eifer die Gastfreundschaft seines Hauses an. Einer von ihnen ist der lebendige Gott, die anderen beiden sind seine Engel, die Er in Kürze zu einem anderen Dienst aussenden wird. Der heilige Gott nimmt die angebotene Gastfreundschaft an und wird ein Gast im Zelt Abrahams, des Pilgers.
Hier, im ersten Buch der Schrift, haben wir ein Bild des Charakters der Vertrautheit Gottes mit seinem Volk. In den als Speise angebotenen ungesäuerten Kuchen und dem Kalb sehen wir vorbildlich „das Brot Gottes“ – die sündlose Person Christi – und sein Opfer. Dies ist die einzige Grundlage, auf der ein gerechter und heiliger Gott überhaupt Gemeinschaft mit einem gefallenen Geschöpf haben kann; der Glaube erkennt das immer an, anfangend von Abel.
Im ernsten Gegensatz dazu werden die Engel nach Sodom gesandt, wo Lot sein Zuhause gefunden hat. Dort gibt es weder Zelt noch Altar. Lot hatte für irdischen Gewinn seinen Charakter sowohl als Fremdling als auch als Priester geopfert, deshalb nähert sich Gott ihm auch nicht persönlich. Seine Engel retten ihn aus Gnaden, aber es gibt keine Vertrautheit.
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