Apfelwickler
Apfelwickler
Ich halte den Atem an, als ich den zarten, kleinen Falter bewundere.
Keine Dame der Gesellschaft könnte geschmackvoller gekleidet sein als er: Sanft braune Vorderflügel, nahe der Spitze geziert von einem metallisch glänzenden kupferbraunen Spiegel, die hellgrauen Hinterflügel geben dazu genau rechten stilvollen Untergrund.
Kaum größer als zwei Zentimeter ist er und, keine Frage, er ist ein Wunder der Natur.
Mitten im Staunen habe ich allerdings plötzlich vor Augen, dass der kleine Falter vor nicht allzu langer Zeit aus einer Puppe geschlüpft ist, die ehemals nichts weiter war als ein blassrosa Wurm mit dunklen Warzen und braunem Köpfchen.
Und seine Welt war der Apfel, der vom Baum fiel.
Der Wurm im Apfel.
Bei diesem Bild wird mir bewusst, wie einseitig auch ich unsere Welt sehe, und wie ich die Natur oft genug nur nach dem Nutzen für uns Menschen beurteile.
Und dabei hatte sich unversehens auch mein Blick auf den liebenswerten kleinen Apfelwickler getrübt.
Schade.
Aber es bedarf eben manchmal einer gewissen Unbefangenheit, um Wunder kritiklos wahrzunehmen.
Ich jedenfalls werde, das ist sicher, weiter selbstvergessen in den Sommerhimmel hineinträumen und mit dem hübschen weißen, schwarzgepunkteten Schmetterlingen in Gedanken über den Gärten tanzen und gaukeln.
Kohlweißling?
Nun ja, das mit den unglaublich hungrigen Raupen ist eben eine andere Sache.
(Elftraud von Kalckreuth)
Schmetterling,
das da über Blumen schwebet,
nur von Tau und Blüten lebet.
(Johann Gottfried Herder)