Der Dekalog und das Gesetzbuch des Mose

Der Dekalog und das Gesetzbuch des Mose
Aufgrund dessen, dass hier auf CsC in Blogs und Kommentaren immer wieder, wenn auch zum Teil nur indirekt, die Auffassung vertreten wird, dass es keinen Unterschied zwischen dem Dekalog und dem Gesetz des Mose gäbe, möchte ich mich im Folgenden der Beantwortung der Frage widmen: Ist das wirklich so?

Betrachten wir hierzu zunächst einen Vers aus dem 2. Buch der Könige, wo geschrieben steht bzw. GOTT selber sagt: "und will den Fuß Israels nicht mehr bewegen lassen von dem Lande, das ich ihren Vätern gegeben habe, so doch, daß sie halten und tun nach allem, was ich geboten habe, und nach allem Gesetz, das mein Knecht Mose ihnen geboten hat." [2. KÖ. 21,8]

Sollte hieraus nicht abgeleitet werden können, dass man bezüglich der Gesetzgebung im AT die Gebote Gottes vom Gesetz Mose unterscheiden sollte? 

Hinsichtlich der Beantwortung dieser Frage soll nachfolgend anhand weiterer Zeugnisse der Schrift auf einige wichtige Trennungsmerkmale verwiesen werden:


[1] UNTERSCHIED(e) BEZÜGLICH SCHREIBER

Während der Schreiber des Dekalogs GOTT selbst war, schrieb Mose die vorstehend genannten Ordnungen und Rechtsbestimmungen.

"Und als er mit Mose auf dem Berg Sinai zu Ende geredet hatte, gab er ihm die beiden Tafeln des Zeugnisses, Tafeln aus Stein, beschrieben mit dem Finger Gottes." [2. MO. 31,18] [SLT]

"Und die Tafeln waren das Werk Gottes, und die Schrift war die Schrift Gottes, eingegraben in die Tafeln." [2. MO.32,16]

"Da nun Mose die Worte dieses Gesetzes ganz ausgeschrieben hatte in ein Buch, gebot er den Leviten, die die Lade des Zeugnisses des HERRN trugen, und sprach: Nehmt das Buch dieses Gesetzes und legt es an die Seite der Lade des Bundes des HERRN, eures Gottes, daß es daselbst ein Zeuge sei wider dich." [5. MO. 31,24-26] [SLT]


[2] UNTERSCHIED(e) BEZÜGLICH BEZEICHNUNG

GOTT selbst bezeichnet den Inhalt der zwei Steintafeln als Gesetz und Gebot.

"Und der HERR sprach zu Mose: Steig zu mir herauf auf den Berg und sei dort, damit ich dir die steinernen Tafeln, das Gesetz und das Gebot gebe, das ich geschrieben habe, um sie zu unterweisen!" [2. MO.24,12] [ELB]

Weitere Bezeichnungen für den Inhalt der zwei Steintafeln finden sich in den nachfolgend zitierten Texten:

"Mose aber wandte sich um und stieg vom Berg hinab, die zwei Tafeln des Zeugnisses in seiner Hand; diese waren auf beiden Seiten beschrieben, vorn und hinten waren sie beschrieben." [2. MO.32,15] [SLT]

"Und Er schrieb die Worte des Bundes auf die Tafeln, die zehn Worte." [2. MO. 34,28] [SLT]

Zusammengefasst ergibt sich, dass die 10 Worte, auf Grundlage der Heiligen Schrift sowohl als Gesetz, Gebot, Zeugnis oder auch Bund verstanden werden können.


[3] UNTERSCHIED(e) BEZÜGLICH INHALT

Während GOTT selbst nur das schrieb, was wie vorstehend zitiert unter anderem sein Bund genannt wurde, schrieb Mose etwas bei weitem Längeres, - nämlich auch Ordnungen und Rechtsbestimmungen für das Leben im verheißenen Land.

"Und er verkündigte euch seinen Bund, den zu halten er euch gebot: die zehn Worte. Und er schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln. Und mir gebot der HERR zu jener Zeit, euch Ordnungen und Rechtsbestimmungen zu lehren, damit ihr sie haltet in dem Land, in das ihr hinüberzieht, um es in Besitz zu nehmen." [5. MO. 4,13-14]


[4] UNTERSCHIED(e)  BEZÜGLICH SCHREIBUNTERLAGE

"Und als er mit Mose auf dem Berg Sinai zu Ende geredet hatte, gab er ihm die beiden Tafeln des Zeugnisses,  Tafeln aus Stein, beschrieben mit dem Finger Gottes." [2. MO. 31,18] [SLT]

"Da nun Mose die Worte dieses Gesetzes ganz  ausgeschrieben hatte in ein Buch ..." [5. MO. 31,24] [SLT]


[5] UNTERSCHIED(e)  BEZÜGLICH LAGERORT

Während die 10 von GOTT in Stein gravierten Worte oder Gebote in der Bundeslade selbst aufbewahrt wurden, fand das von Mose geschriebene Gesetzbuch (nur) an der Seite der Bundeslade seinen Platz.

"Und sollst in die Lade das Zeugnis legen, das ich dir geben werde." [2. MO. 25,16] 

"Nehmt das Buch dieses Gesetzes und legt es an die Seite der Lade des Bundes des HERRN, eures Gottes, daß es daselbst ein Zeuge sei wider dich." [5. MO. 31,26]


Fassen wir kurz zusammen:
 
Es gibt oder gab also unterschiedliche Gesetze,  das Moralgesetz von GOTT selbst eingraviert in Steintafeln, gelagert in der Bundeslade und das von Mose geschriebene Gesetzbuch, das seitlich der Bundeslade gelagert wurde.

Während der Dekalog heute noch voll gültig ist, trifft dies auf den Inhalt des Gesetzbuches Mose nur noch teilweise zu. 
Christen, bringen ja beispielsweise keine Tieropfer mehr, es gibt keinen Tempel und dazugehörige Zeremonien mehr usw. Ich denke, das ist verständlich genug.

Sicherlich legt auch das, dass GOTT - präziser gesagt der Sohn Gottes - die 10 Gebote SELBST schrieb und das (Stein)Material auf welches ER schrieb, Zeugnis darüber ab, dass der Dekalog oder das Moralgesetz, welches das Verhältnis zwischen GOTT und Mensch und zwischenmenschliche Beziehungen nach dem Willen Gottes definiert, von größerer Bedeutung und anderer Gültigkeitsdauer sein sollten, als das was von Mose geschrieben wurde. 

Nicht umsonst sagte unser HERR doch auch: 

"Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen! Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht ein Buchstabe noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist." [MATTH. 5,17-18] [SLT]

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