Väterliche Mahnungen an Seine Kinder im Hebräerbrief...

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Sulzbacher 26.02.2020 um 17:59

☀ Die erste Warnung - väterliche Warnung vor der Gefahr desAbweichens - 2,1-4Deswegen müssen wir um so mehr aufdas achten^ was wir gehört ha ben, damit wir nicht etwa am Ziel vorbei gleiten. Denn wenn das durch Engel verkündete Wort fest war und jede Übertretung und jeder Unge horsam gerechte Vergeltung empfing, wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so große Rettung missachten? Sie ist ja, nachdem sie ihren An fang damitgenommen hatte, dass sie durch den Herrn verkündet wurde, uns gegenüber von denen bestätigt worden, die es gehört haben, wobei Gott zugleich Zeugnis gab durch Zeichen und Wunder und mancherlei Machttaten und Austeilungen des Heiligen Geistes nach seinem Willen.An dieser Stelle behandelt der Verfasser die erste der fünf Abwei chungen, um die erste seiner fünf Warnungen auszusprechen. Diese Warnung basiert auf dem, was er zuvor aufgezeigt hat: Der Messias ist den Engeln überlegen. Bevor der Autor fortfährt, um eine wei tere Beweiskette anzubringen, gibt er eine väterliche Warnung vorder Gefahr des Abweichens. Daher beginnt er in Vers 1 mit dem Wort deswegen, um die Anwendung vorzustellen, die sich aus der zu vor erörterten Wahrheit ergibt: Da Jesus den Engeln überlegen ist, müssen wir... aufdas achten (besondere Aufmerksamkeit), damit wir nicht... vorbei gleiten. Das hier benutzte griechische Wort fiir vor beigleiten wird sonst fiir Boote verwendet, die von ihrem Ankerplatz losgebunden worden sind und nun auf dem Wasser treiben. Es be deutet „vorbeiströmen", „abgleiten", „hinuntergleiten", „in den Wind hineingleiten", „aus der Erinnerung verschwinden". Die Septuaginta verwendet in Jesaja 44,4 dasselbe Wort auch für fließendes Wasser.2gVorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werk ^Gemeint ist Folgendes: Die Empfanger dürfen nicht zulassen, dass ihnen das, was sie gelernt haben, davon fließt, entgleitet oder aus der Erinnerung verschwindet. Bei der Anwendung geht es darum, dass die durch den Sohn übermittelte Offenbarung weit mehr ernste Verpflichtungen mit sich bringt als solche Offenbarungen, die durch Engel oder Menschen übermittelt wurden. Engel sind den Men schen überlegen und eine Offenbarung, die durch Engel zu uns kam, enthielt Verpflichtungen, doch der Sohn ist höher als Engel. Daher bringt die Offenbarung durch den Sohn gewichtigere Verpflichtungen und auch ein schwereres Gericht mit sich, falls sie ignoriert wird. Der Ausdruck laas wir gehört haben bezieht sich auf das Wesentliche der lehrhaften Wahrheiten, zu denen die Gläubigen Zugang gehabt haben. Sie müssen ihre besondere Aufmerksamkeit auf die neue Offenbarung richten, die durch den Sohn übermitteltwurde. Als Nächstes legt der Autor in Vers 2.3a dar, dass es nicht möglich ist, der gerechten Vergeltung zu entgehen, wenn wir eine so große Rettung missachten. Er nennt den Grund, warum die Leser dieser neuen Offenbarung mehr Beachtung schenken sollen: Das durch Engel verkündete Wort w'ar fest. So etwas wird im Griechischen erstklassige Bedingung genannt, die in diesem Fall gemäß des Kon textes bedeutet, dass die Aussage wahr ist, sofern sich das durch En gel übermittelte Gesetz als fest erwiesen hat. Und es hat sich wahr lich als fest erwiesen. Nirgendwo im mosaischen Gesetz gibt es eine klare Aussage darüber, dass Mose das Gesetz durch Engel empfing. Es gibt zwei alttestamentliche Andeutungen, die von einer Möglich keit der Gesetzesvermittlung durch Engel sprechen: 5. Mose 33,2 und Psalm 68,18. Auch wenn es diese Stellen nicht klar sagen - diese Lehre war Teil der rabbinischen Überlieferung. Hier und da bestäti gen neutestamtliche Stellen eine rabbinische Lehre und diese hier ist eine von ihnen. Dass Mose das Gesetz durch Engel empfing, wird an drei Stellen im Neuen Testament bestätigt: hier, Apostelgeschichte 7,53 und Galater 3,19. Gott benutzte Engel beim göttHchen OffenJPKapitel 2barungswerk, einschließlich des mosaischen Gesetzes. Das von den Engeln gesprochene Wort hat sich als fest erwiesen. Es hat sich alssicher und stabil bewährt. Wie viel mehr wird das nun für eine Of fenbarung gelten, die durch den, der den Engeln überlegen ist, kam- nämlich durch den Sohn! Außerdem folgte auf jede Übertretung des durch Engel über mittelten Gesetzes eine gerechte Strafe, und zwar eine körperliche Strafe. Zum Beispiel in 3. Mose 10 waren die beiden Söhne Aarons, Nadah und Abihu, dem mosaischen Gesetz gegenüber ungehorsam, indem sie unpassendes Räucherwerk verbrannten. Diese wurden durch den physischen Tod hinweggerafft. In 4. Mose 16 führten drei Rebellen, nämlich Korah, Datan und Abiram eine Revolte gegen die Vorherrschaft Aarons als Hoherpriester an und Gott vollstreckte dasGericht an ihnen, indem sich der Erdboden öffnete und sie und ihre Familien verschlang. In Josua 7 weigerte sich Achan, das Gesetz zu befolgen, und wurde gesteinigt. Das Gesetz wurde dem Mose durch Engel gegeben, und obwohl es lediglich durch Engel gegeben wurde, empfing jeder, der es nicht befolgte, eine körperliche Strafe. Wie viel mehr wird das geschehen, wenn man eine Rettung missachtet, diedurch den Sohn übermittelt wurde! Das Wort, das hier für „miss achten" steht, bedeutet, eine gleichgültige Einstellung zu haben. Es bedeutet vollkommenes Desinteresse gegenüber dem, was man be sitzt, und Abgestumpftheit gegenüber dem, was der Glaube erfor dert. Gemeint sind Leute, welche die Rettung haben. Das Heil ist in ihrem Besitz, doch sie missachten es. Sie werden gleichgültig. Das griechische Wort heißt sich nicht darum zu kümmern bzw. nicht darum besorgt zu sein, apathisch zu sein. Und Gott toleriert keine Christen, die in Bezug auf die Errettung apathisch werden. Die Tatsache, dass sie daran dachten, sich wieder dem Judaismus und dem levitischen System zuzuwenden, zeigt, dass ihnen die Rettung, die sie hatten, mehr und mehr egal wurde. Deshalb fragt der Schreiber: Wie werden wir en^iehen, wenn wir eine so große Rettung missachten? Der Aus druck wie werden wir entfliehen impliziert, dass von einer gerechten40Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem WerkVergeltung kein Entfliehen möglich war. Es wird nach Hebräer 12,511 Züchtigung in diesem Leben und beim kommenden Gericht gewiss den physischen Tod bedeuten. Wenn ein Gläubiger bezüglich der Errettung, die er empfangen hat, eine völlige Gleichgültigkeit entwickelt, wenn es ihm zunehmend egal ist, was den Glauben aus macht, dann wird er der göttlichen Züchtigung unterworfen. Wich tig ist, dass die Rettung durchaus in ihrem Besitz ist, aber sie ver nachlässigen diese bzw. werden gleichgültig. Wenn Christen ihre Rettung missachten, können sie sich damit selber in eine Situation bringen, die götthche Züchtigung erfordertT Unter dem Gesetz wur de die götthche Züchtigung an Israel als dem Bundesvolk Gottes vollzogen. Weil die Hebräer jedoch Kinder Gottes unter der Gnade waren, würde die göttliche Züchtigung über einzelne Gläubige kom men, die im Zustand des Ungehorsams verharrten. Daher besteht die Warnung darin, auf die Offenbarung zu achten, die durch den Sohn gegeben wurde, denn er ist den Engeln überlegen. Ungehorsam fuhrt nicht zum Verlust der geisthchen Errettung, Ungehorsam wird aber Verlust des physischen Lebens bedeuten. In Vers 3b.4 zeigt der Autor die Überlegenheit des EvangeHums über dem mosaischen Gesetz in dreierlei Hinsicht. Erstens, bei dessen ursprünghcher Bekanntgabe vmrde es durch den Herrn aus gesprochen. Also zuerst wurde es durch den Sohn selbst verkündet, nicht durch einen Engel, sondern durch den Sohn. Zweitens, es wur de beständig überzeugend proklamiert, denn es wurde durch jene be glaubigt, die selbst gehört hatten, wie Christus das Wort geredet hat. Damit sind die Apostel gemeint. Was Jesus lehrte, wurde fortgesetzt durch jene ausgebreitet, die ihn haben reden hören. Der Verfasser schließt sich selbst aus dieser Gruppe aus: uns gegenüber [das würde den Autor mit einschließen] von denen bestätigt worden. Im Gegensatz zu den anderen Aposteln war der Verfasser kein Augenzeuge dessen, was Jesus sagte. Drittens, die Wahrheit des Evangeliums wurde wei terhin beglaubigt durch Zeichen, Wunder, Machttaten und Austei lungen des Heihgen Geistes. Es gab vielfaltige göttliche Bestätigun41 ^Kapitell ——gen der Wahrheit und Gott beglaubigte die Botschaft der Apostel auf diesen vier Wegen. Mit Zeichen sind die Wundertaten gemeint, welche die göttliche Absicht verfolgen und diese auch offenbaren. Sie geben Zeugnis von dem, was eine Person verkündigt. „Wunder"unterstreichen die Tatsache, dass sie die Aufmerksamkeit der Menschen anziehen und Erstaunen hervorrufen. Mancherlei Machttaten zeigen, dass diese Wunder aus der Quelle göttlicher Macht kom men. Austeilungen des Heiligen Geistes sind göttliche Befähigungen. Ein verbreitetes Missverständnis lautet, in der Apostelgeschichte hätten alle Gläubigen alle Arten von Wundern und Zeichen voll bracht, doch das stimmt nicht. Die Einzigen, die Wunder vollbrach ten, waren die Apostel bzw. die apostolischen Gesandten (solche, die von den Aposteln den Auftrag dazu erhalten hatten, indem ihnen durch einen Apostel die Hände aufgelegt wurden). Jedenfalls wird an dieser Stelle klar gesagt, dass diese Zeichen, Wunder usw. durch Augenzeugen vollbracht wurden und nicht etwa durch die folgende Generation von Gläubigen. Diese geistlichen Gaben waren im Ein klang mit dem Willen Gottes, denn Gott entscheidet, wer welcheGabe erhält (IKor 12,7-11). Die Gaben werden souverän nach demWillen Gottes verteilt. Folglich, angesichts der Einzigartigkeit dessen, der diese Offen barung gab, und angesichts der Einzigartigkeit der Art und Wei se, wie sie geprüft und beglaubigt wurde und zu den Lesern dieses Briefes gelangte, warnt der Verfasser die Leser davor, diese Offen barung zu verachten und womöglich an einen Punkt zu gelangen, wo man gleichgültig und apathisch wird. Wenn Gott solche Gleich gültigkeit gegenüber seiner durch Engel übermittelten Offenbarung nicht geduldet hat, dann würde er solche Gleichgültigkeit gegenüber seiner durch den Sohn übermittelten Offenbarung erst recht nichtdulden.☀
 

Sulzbacher 26.02.2020 um 19:12

☀Die zweite Warnung: Väterliche Warnung VOR DER Gefahr des Ungehorsams - 3,7 bis 4,13Der Hintergrund dieses Textes ist 4. Mose 13 bis 14: Die Sünde von Kadesch-Barnea, die einen entscheidenden Wendepunkt in der Ge schichte Israels in der Wüste darstellte. Die Israeliten hatten gerade ein Jahr Wüstenwanderung hinter sich. Ein großer Teil des mosa ischen Gesetzes war ihnen bereits gegeben und die Stiftshütte war gebaut worden. Nun waren sie bei der Oase von Kadesch-Barnea, das an der Grenze zum verheißenen Land liegt. Bevor es mit der Er oberung ernst werden konnte, sandte Mose zwölf Kundschafter aus, die sich einen Überblick vom Territorium verschaffen sollten. Als sie vierzig Tage später zurückkehrten, erstatteten die zwölf Männer Bericht. Zwei von ihnen, Kaleb und Josua, erklärten, dass Israel mit Gottes Hilfe das Land einnehmen könne. Die anderen zehn behaup teten, dass es wegen der zahlenmäßigen Überlegenheit und militä rischen Stärke der Kanaaniter unmöglich sei, das Land zu erobern.[7] Ebd. S. 206 [8] Ebd. S. 21058Die Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werk ^Die Volksmenge entschied sich, der Mehrheitsmeinung zu folgen. Es gab eine weit verbreitete Revolte gegen Gott und Mose, und die Is raeliten standen kurz davor, Mose und Aaron umzubringen, bis Gott eingriff. Das war ein großer, entscheidender Wendepunkt. Die Kinder Israels hatten sich zuvor aufgelehnt und gemurrt, doch das hier war so einzigartig, dass auf diese Erbitterung im Psalm 95 Bezug genommen wurde. Gott verkündete dann das Gericht über je nes Geschlecht. Der Exodus-Generation, die aus Ägypten kam, wur de nicht gestattet ins Land einzuziehen. Sie mussten weitere vierzig Jahre wandern, bis jeder von ihnen, außer Josua, Kaleb und diejenigen, die jünger als 20 Jahre alt waren, gestorben war. Vierzig Jahre später würde es eine neue Nation geben, eine neue Generation, die Wüsten generation, die unter Josua ins verheißene Land einzog. Diese neue Generation, die nicht als Sklaven in Ägypten geboren wurde, sondern als Freie in der Wüste, würde diejenige sein, die das gelobte Land betreten würde. Die jüdische Generation, die Ägypten in Richtung verheißenes Land verlassen hatte, die Exodus-Generation, würde dasverheißene Land nicht betreten. Sie hatten den Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gab, und ihr Entschluss war nun unwiderruflich. Das Gericht bestand im physischen Tod außerhalb des Landes. Die Anwendung dieses Textes lautet, dass sich die Empfänger desHebräerbriefes in ähnlicher Gefahr befanden. Sie könnten eine un widerrufliche Entscheidung treffen und ebenso dem physischen Tod unterworfen werden. Nach diesem Schriftprinzip wird der Übertreter, wenn er einmal einen Punkt ohne Rückkehrmöglichkeit erreicht hat, dem göttlichen Gericht unterworfen. Dieses Gericht ist körperlicher, nicht geistlicher Natur. Es bedeutet nicht den Verlust des Heils. Aller dings sagt 4. Mose 14,20, dass das Volk Buße tat. Es heißt sogar wei ter, dass Gott die Sünde vergab. Niemandes Errettung wurde in Frage gestellt, doch die körperlichen Folgen ihrer Sünde mussten auf jeden Fall getragen werden. Wenn einmal ein Punkt ohne Wiederkehr er reicht ist, egal, wie sehr jemand im Nachhinein Buße tun mag, ist das kommende physische Gericht dann nicht mehr abzuwenden. Genau5P äs«Kapitel 2das geschah in diesem Fall. Sogar Mose musste wegen einer bestimm ten Sünde, die er begangen hatte, außerhalb des Landes sterben. Auch wenn seine persönliche Errettung dadurch nicht beeinträchtigt war, musste er die physischen Konsequenzen seiner Sünde tragen. Auch hier finden wir den Zusammenhang: Im Alten Testament geht es um physischen Tod und um den Verlust zeitlicher Segnungen, jedochnicht um den Verlust des Heils. Der Autor benutzt den BegrifF„Ruhe" häufig in diesem Text, docher wird zwischen drei verschiedenen Arten der Ruhe unterscheiden. Die erste ist die Kanaan-Ruhe, welche bedeutet, dass der Kampf ge gen den Feind aufgehört hat. Sie ist ein Symbol für die Ruhe der Einweihung. Sie hat damit zu tun, dass man sein Denken, seinen Willen und sein Herz der Macht Gottes unterstellt. Diese Art der Ruhe befähigt den Christen, der Sünde zu widerstehen. Die zweite Art ist die Schöpfungsruhey die ein vollendetes Werk kennzeichnet. Gott voll endete sein Werk nach sechs Tagen und ruhte danach. Diese Ruhe hat mit dem Aufhören einer Aktivität zu tun. Es gibt einen gegen wärtigen Aspekt der Schöpfungsruhe. Das ist eine Art Rettungs- oder Erlösungsruhe. Es bedeutet, auf das vollbrachte Werk des Messias zuvertrauen und nicht etwa zu den Werken des Gesetzes zurückzukeh ren. Es gibt auch einen zukünftigen Aspekt der Schöpfungsruhe. Das ist die letzte Facette der Errettung, wenn der Gläubige zum Himmel oder zum messianischen Reich gelangt. Das ist die Ruhe, in die ein Christ eingeht, wenn er stirbt. Sein Werk auf der Erde ist vollen det, und er geht in den Himmel ein. Die dritte Art der Ruhe ist die Sabbat-Ruhe, die eine geistliche Ruhe bedeutet. Sie symbolisiert die geistliche Ruhe der geistlichen Reife und wird manchmal als Glau bens- und Lebensruhe bezeichnet. Das ist die Art von Ruhe, zu der er die Leser ermutigt.ßQDie Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem JVerk1. Ermahnung gegen den Ungehorsam - 3,7-19 Gleason macht zum jüdischen Hintergrund dieses Textes folgende Beobachtung: Für dieses Studium ist es wichtig, die verschiedenen Besonderheiten beim Gebrauch des Alten Testaments durch den Schreiber des Hebräerbriefes zu kennen. Als Erstes ist die Anwendung frü her jüdischer Auslegungsprinzipien durch den Autor zu nennen, wenn er alttestamentliche Texte behandelt. Zum Beispiel benutzt er HiUels Auslegungsregel, bekannt als „gezera shawna" (wört liche Analogie), wenn er sich auf die Ruhe in 1. Mose 2,2 beruft, um die Bedeutung der Ruhe in Psalm 95 zu erklären. Außerdem folgte der Verfasser der Midrasch-Praxis des selektiven Editierens, wenn er 95,10 zitiert. Indem er das Demonstrativpronomen bei Jenes Geschlecht wie es in der Septuaginta steht, zu dieses Geschlecht (Heb 3,10) abändert, konnte er die Warnung aus Psalm 95 mitnoch mehr Nachdruck auf die Situation seiner Leser anwenden. Diese kleine Modifikation produziert einen rhetorischen Effekt, ohne die Bedeutung des Originalverses zu verändern. Ein weiteres Beispiel ist die wiederholte Verwendung von heute (semeron) ausPsalm 95 durch den Verfasser. Damit möchte er sowohl den alttestamentlichen Text aktualisieren, als auch die Dringlichkeit seiner Warnung an seine Adressaten betonen (Heb 3,7.13.15; 4,7). Zu sammenfassend ist zu sagen, dass der Verfasser alttestamentlicheTexte auf die Situation seiner Leser neu ausrichten wollte, indem er üblichen rabbinischen Gepflogenheiten folgt, ohne den eigent lichen Sinn der Texte, den sie für das ursprüngliche Publikum hatten, zu missachten oder abzuändern.Ein zweites Merkmal des Autors ist der ausfuhrliche Gebrauch von Auslegungen alttestamentlicher Bibelstellen in einer Weise, diebei anderen neutestamentlichen Schreibern kaum zu finden ist.^'^[9] Gleason, Randall C., „The Old Testament Background of Rest in Hebrews 3,7 - 4,11" in Bibiotheca Sacra, Juli bis September, 2000, S. 283Kapitel 2 —a. Die alttestamentliche Lektion - 7-11Deshalb, wie der Heilige Geist spricht: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht wie in der Erbitterung an dem Tage der Versuchung in der Wüste, wo eure Väter mich versuchten, indem sie mich auf die Probe stellten, und sie sahen meine Werke vierzig Jahre. Deshalb zürnte ich diesem Geschlecht und sprach: Allezeit gehen sie irre mit dem Herzen. Sie aber haben meine Wege nicht erkannt. So schwor ich in meinem Xom: Sie sollen nimmermehr in meine Ruhe eingehen!"Die alttestamentliche Lektion basiert auf der Größe des Sohnes und der Tatsache, dass der Sohn größer ist als Mose. Die Ermahnung hier lautet so: Werdet nicht abtrünnig durch Ungehorsam! Tut nicht dasselbe dem Einen an, was jene damals dem Mose angetan hatten! Der Vers beginnt mit „deshalb" und weist auf die Anwendung hin. Wenn man bedenkt, dass Jesus dem Mose überlegen ist, dann darf man nicht durch Ungehorsam abfallen. In diesen beiden Kapiteln impliziert das Wort „heute" eine gewisse Dringlichkeit bzw. den jet zigen Augenblick: Tu es jetzt!In Vers 7-11 zitiert der Verfasser Psalm 95,7-11 und schreibt die Stelle dem Heiligen Geist zu. Der Text in Psalm 95 nennt zwei frühere Situationen: 2. Mose 17,1-7 und 4. Mose 20,1-13. Dort geht es um den Anfang und um das bevorstehende Ende der Wüstenwan derung. Der Verfasser nennt es Erbitterung oder Rebellion, denn es war ein entscheidender Wendepunkt. Das griechische Wort für Erbitte rung wird nur dreimal im ganzen Neuen Testament verwendet, und zwar ausschließlich hier in diesem Kapitel, nämlich in Vers 8,15 und 16. Zusammenfassend schreibt Mose, dass die Kinder Israels Gott zehnmal geprüft hatten (4Mos 14,22.23), aber das eine Ereignis bei Kadsch-Barnea war der Wendepunkt. Das war die Erbitterung al ler Erbitterungen. Vers 9 erwähnt die vierzig Jahre des Umherirrens. Die Erwähnung der vierzig Jahre in der Wüste ist signifikant, denn bis zu der Zeit, als der Hebräerbrief geschrieben wurde, waren seit62Die Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werk ^der Kreuzigung fast vierzig Jahre vergangen. In Vers 10 finden wir den Zorn Gottes als Reaktion auf ihren Unglauben. Das griechische Wort für erzürnen heißt, Gott war „verärgert", er war „wütend". Er war zornig über das Geschlecht, das aus Ägypten kam, da sie alle zeit irregingen in ihrem Herzen und seine Wege nicht kannten. DerSchreiber wird nun eine Parallele ziehen zwischen dem Geschlecht der Juden in der Wüste und dem Geschlecht der Juden seiner Zeit. Vers 11 zeigt die Folge dieser Erbitterung bei Kadesch-Barnea: Sie konnten nicht in seine Ruhe eingehen. Gott hat die Möglichkeit, seinen Zorn über sein Volk wegen des fortgesetzten Ungehorsams zumanifestieren. Somit wurde ihnen der Eintritt in die Ruhe Kanaansverwehrt. In vielen geistlichen Liedern ist das gelobte Land ein Bild für denHimmel. In der Schrift ist das verheißene Land aber kein Bild fürden Himmel, sondern ein Bild für Ruhe und für das Aufhören des Kämpfens gegen den Feind. Der Punkt ist, dass ein erlöstes Volk sei ne Segnungen verlieren kann, die ihm zugedacht waren, weil es nicht im Glauben verharrte, um diese Segnungen zu genießen. Die Israe liten wurden aus der Sklaverei in Ägypten befreit, aber sie verpassten die Segnungen des Landes, weil sie nicht im Glauben blieben. Siekonnten nicht in die Ruhe Kanaans hineinkommen. Die KaananRuhe im Alten Testament wird in 5. Mose 1,34-36; 12,9.10 und in Josua 23,1 erwähnt. Sogar im Alten Testament sahen sie die RuheKanaans als Bild für die Ruhe der Weihe an. Das bedeutet eine Ruhe,die dann einzieht, wenn man seine Gedanken, seinen Willen und sein Herz der Herrschaft Gottes unterstellt. Und das befähigt den Christen, Sieg über die Sünde zu erleben. Josua gab den Israeliten Ruhe von ihren Feinden, als er die Feinde besiegte und die Gläu bigen ins Land brachte. Josua erwähnt dies dreimal in seinem Buch: in 21,24; 22,4 und in 23,1. Gleichwohl war es eine andere jüdische Generation, denn die Israeliten, die Ägypten verlassen hatten, wer den unterschieden von dem Israel, das ins Land einzog. Die ExodusGeneration, die aus Ägypten kam, konnte nie in die Ruhe KanaansÖJKapitel 2einziehen, die Josua erwirkt hatte. Diese Ruhe war für die Wüstenge neration bestimmt. Noch einmal: Ein erlöstes Volk mag Segnungen verlieren, die es hätte genießen können, wenn es im Glauben geblie ben wäre. Obwohl der Exodus-Generation die Sünde des Unglau bens vergeben wurde, wie es in 4. Mose 14,20 deutlich gesagt wird, erlitt sie die physischen Konsequenzen des Unglaubens und büßte die Ruhe ein, derer sie sich im gelobten Land hätte erfreuen können. Das Gericht war physischer Natur, also der körperliche Tod. Noch einmal: Es geht hier nicht um die ewige Errettung, sondern vielmehr darum, dass Ungehorsam zu zeithchen, physischen Gerichten und zum Verlust des künftigen Lohnes fuhren kann.b. Die Annoendung der Lektion -3^12-15^ Seht zUy Brüder, dass nicht etwa in jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei im Abfall vom lebendigen Gott, sondern ermuntert einander jeden Tag, solange es „heute'' heißt, damit niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der Sünde! Denn wir sind Teilhaber des Christus geworden, wenn wir die anfängliche Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten. Wenn gesagt wird: JTeute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht wie in der Erbitterung..."Die Anwendung hat eine negative und eine positive Seite. Die negative Seite steht in Vers 12. Der Verfasser des Hebräerbriefes nennt die Leser abermals Brüder und zeigt damit, dass er an Gläubige schreibt bzw. Gläubige anspricht. Die Warnung besteht darin, dass man kein böses Herz des Unglaubens entwickeln soll, welches sich darin äußert, dass man sich vom lebendigen Gott entfernt. Das griechische Wort, das hier für ,A^bfall" verwendet wird, ist der Ursprung des Wortes ,Apostasie". Der Verfasser meint: „Wendet euch nicht ab vom le bendigen Gott. Verlasst euren früheren Glauben nicht." Ansonsten würden sich diese Gläubigen am Ende ins Verderben bringen und andere Gläubige mit nach unten ziehen.64Die Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werk ^Die positive Seite der Anwendung steht in Vers 13. Die Gläubigen sollen sich jeden Tag gegenseitig ermuntern. Das griechische Wort für „ermuntern" bedeutet „Seite an Seite mit jemandem zu gehen, um ihm zu helfen." In Johannes 14,16 wird der Heilige Geist als Paraklet oder Tröster bezeichnet. Das Wort in Johannes 14 wird als Nomen gebraucht und dasselbe Wort wird hier als Verb benutzt. Der Heilige Geist geht nebenher und hilft. Ebenso sollen die Gläubigen einan der beistehen und sich gegenseitig helfen, besonders dann, wenn sie sehen, dass ein anderer Gläubiger in Schwierigkeiten ist oder im Be griff ist, geistlich abzudriften. Sie sollten versuchen, dem Betrug der Sünde entgegenzuwirken. Der griechische Text zeigt, dass es um eine spezifische Sünde geht, es ist genau diese Sünde. Wenn sie merken,dass ein Bruder vom Glauben abzuweichen droht, müssen sie sich an seine Seite stellen und ihm helfen. Diese Sünde war betrügerisch, denn sie gaukelte ihnen vor, dies sei der beste Ausweg aus ihrer ge genwärtigen Lage. Sie wurden um des Glaubens willen verfolgt. Das Gegenmittel gegen die Entstehung eines verhärteten Herzens war eine fürsorgliche und ermutigende Gemeinde von Gläubigen. In Vers 14 erklärt der Verfasser den Grund und die Notwenig keit für die Ermunterung. Das Thema, um das es hier geht, ist nicht etwa die Beibehaltung der Errettung auf der Basis unseres Durchhaltens im Glauben. Vielmehr ist das Bleiben im Glauben ein Be weis für den Besitz des Heils. Der Bedingungssatz in diesem Vers heißt nicht, dass die Gläubigen erst dann Teilhaber werden, wenn sie lange genug standhalten. Die Zeitform Perfekt wird benutzt und das bedeutet, dass die Gläubigen bereits Teilhaber des Christus ge worden sind. Und dennoch, wie kann jemand bei anderen erkennen, dass sie bereits Teilhaber des Christus geworden sind? Wenn sie biszum Ende standhaft bleiben, wenn sie an ihrem Glauben bis zumSchluss festhalten, dann wird dies ein Beweis dafür sein, dass siewirklich Teilhaber des Messias waren. Sie waren bereits Teilhaber,aber ihr Ausharren darin bis zum Ende würde den letzten Beweisdafür liefern. In Vers 15 zitiert der Verfasser Psalm 95,7.8. Er be- 65Kapitellkräftigt erneut die Ermahnung aus Vers 13. Die Anwendung lautet:„Weicht nicht ab."c. Die Auslegung der Lektion-3yl6-19Welche haben denn gehört und sich aufgelehnt? Waren es denn nicht alle, die durch Mose von Ägypten ausgezogen waren? Welchen aber zürnte er vierzig Jahre? Nicht denen^ welche gesündigt hatten^ deren Leiber in der Wüstefielen? Welchen aber schwor er, dass sie nicht in seine Ruhe eingehen sollten^ wenn nicht denen^ die ungehorsam ge wesen waren? Und wir sehen, dass sie wegen des Unglaubens nicht hineingehen konnten.Der Verfasser liefert eine Auslegung der Belehrung, indem er drei Fragen stellt. Die erste Frage steht in Vers 16: Welche haben sich auf gelehnt? Wer hatte Gott provoziert bei der Erbitterung? Die Ant wort lautet so: JDie Provokateure waren genau dieselben, die Gott aus Ägypten herausrettete. Genau dieselben, die sich im Glauben in Richtung verheißenes Land aufgemacht hatten, büßten das Land der Ruhe und das Leben der Ruhe ein, wegen des Unglaubens. Diejeni gen, die Gott errettet hatte, reizten ihn. In Vers 17 steht die zweite Frage: Wer waren die, die gesündigthatten? Die Antwort lautet: „Die Provokateure waren dieselben, die gesündigt hatten." Sie sündigten und erlitten die Folgen. Ihre Sünde war keine einmalige Sünde. Ihr Unglaube manifestierte sich während der gesamten vierzig Jahre der Wüstenwanderung. Und folglich fielen ihre Leiber in der Wüste. Man beachte, dass es hier erneut um ein körperliches Gericht geht. Der Vers redet nicht vom geistlichen Gericht. Die Strafe bestand also im physischen Tod. Nicht jeder, de in der Wüste starb, war auch geistlich verloren. Dem Mose wurde eT~ nicht gestattet, ins verheißene Land einzuziehen, wegen einer Sünde, die er begangen hatte. Er wurde mit dem physischen Tod außerhalb des Landes bestraft, aber er wurde nicht geistlich mit dem Verlust66Die Vorrangstellung des Sohnes in seinerPerson und in seinem Werk is?v=''der Seligkeit bestraft. Dasselbe galt auch für Aaron, Mirjam und viele andere. Das Strafgericht war der körperliche Tod, nicht der geistliche Tod Während Josua und Kaleb Sünder waren, machten sie sich den noch nicht eines speziellen Aktes des Ungehorsams schvddig, der den Tod verdient hätte. Sie durften lebend ins verheißene Land einzie hen. Es ist wuchtig zu erkennen, dass der Autor, wenn er von Be^afimg spricht, schwerpunktmäßig den körperhchen Tod meint. Dies gilt für das gesamte Buch. Das Thema lautet: körperhche Folgen des t'Tberschreitens des Punktes ohne Rückkehr. -^••e dritte Frage steht in Vers 18. Welchen aber sckwor er, dass sie efii,- Ruhe eingehen sollten? Die Antwort lautet: Er sagte dies üxt, ®®'''c3.schengruppe. Ungehorsam führte zur Abweisung, Sld -s, die nicht gehorchten, cfej ^ "'®ö/,j^ci,issfolgerung so: Wegen des Unglaubens die ihnen versprochen wurde. Die ;p^hc]\ion bedeutete den VerA'e ejjj j. ' wir, dass Israel nichtJöi rfreyOj'^^Pf» ^noch das |n Segen^dc t>., f-y pA . ^PJat I ^ 1 r.L ' c ^^p-f»A /? ^ forr ^ ^huk^Ilicb ®Kapitellder M ''"S- Es waren fast vierzig Jahre vergangen, seit der Messras gestorben war. Das Gericht des Jahres 70 n. Chr. würde am Ende der vierzig Jahre voUzogen werden. Viele starben nach den vierzig Jahren in der Wüste. Wenn die Leser dieses Briefes in denphysischen Toderleiden. Gleason kommt zum selben Schluss:Manche halben ie Erfahrung der Exodus-Generation, in der(3,11.8-^,4,6)irrtumhcherweise mit ewigerVerdammnis gleich gesetzt, aese Schlussfolgerung ist aus verschiedenen Gründen ungerechtfertigt. Erstens wäre damit unterstellt, dass Mose, Mir jam und A^on ebenfalls zu den Verdammten gehörten, denn auti sie starben in der Wüste und verwirkten ihren Einzus>--^ Kuhe Kanaans. Wenige, wenn überhaupt der Meinung, dass Mose, der ^ a mit Aaron, dem Begründy;^5tit^^^^s ^ o^To ^ ^ \7« ^ • er i«— Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werkziehen, gehört zu ein und demselben Schwur. Da sich Vergebung und ewige Verdammnis gegenseitig ausschließen, darf man we der ihren fehlgeschlagenen Einzug in die Ruhe Kanaans noch ih ren vorzeitigen Tod mit ewiger Verdammnis gleichsetzen. Dochbevor die Natur ihres Gerichts ermittelt werden kann, muss manden alttestamentlichen Gedanken von der Ruhe verstehen.'*"'2. Argument bezüglich der Ruhe des Glaubens - 4,1-10Nach Vers 1 gibt es die Gefahr, diese Ruhe nicht zu erreichen:^ Fürchten wir uns nun, dass nicht etwa - da die Verheißung, in seine Ruhe einzugehen, noch aussteht —jemand von euch als zurückgehliehenerscheint.Beachten wir wiederum das Wort nun. Im Anbetracht dessen, was der Verfasser gerade in 3,17-19 gesagt hat, wonach die Israeliten nicht in die Ruhe Kanaans einziehen konnten, gibt es nun eine Gefahr für diese Gläubigen hier. Sie könnten zurückbleiben und nicht in eine solche Ruhe einziehen, die Gott anbietet. Möglicherweise wird der Glaube dieser Judenchristen auf die Probe gestellt werden, denn sie erlitten zu jener Zeit, als der Brief an sie geschrieben wurde, gera de eine Verfolgung. Wegen ihrer gegenwärtigen Situation könntensie ebenfalls all das einbüßen, was sie nach Gottes Willen in diesem Leben erlangen sollten. Die Verheißung von der Ruhe gilt noch im mer, denn sie wurde niemals vollkommen erfüllt. Die Verheißungvon der Ruhe im Alten Testament blieb unerfüllt, wurde aber nicht zurückgezogen. Sie gilt denen, die sie jetzt wollen. Der ganze Zweck des Hebräerbriefes besteht darin, die jüdischen Gläubigen dahin zu bringen, dass sie in die Fülle der Ruhe einziehen.[10] ebenda, S. 294.<5PKapitellDer Schreiber benutzt in diesem Kapitel zwei verschiedene Wörter fiir Ruhe. Das, was er am häufigsten benutzt, ist katapartheis, wel ches achtmal in den Kapiteln 3 und 4 verwendet wird: 3,11.18; 4,1.3(zweimal) 5.10 und 11. Außerhalb des Hebräerbriefes wird die ser Begriff nur noch einmal im Neuen Testament gebraucht (Apg 14,18). Es gehört unverwechselbar zu diesem Verfasser. Das Wortbedeutet ,A-ufhören der Aktivität". Es bedeutet Ruhe im Sinne von Aufhören. Er sagt: Fürchten wir uns nun. Das ist die Einstellung, die Gläubige haben müssen, wenn sie erkennen, dass falsche Entschei dungen geistliche Konsequenzen haben. In diesem Fall werden di ese jüdischen Gläubigen hinter der Verheißung zurückbleiben. Sie werden Dinge versäumen, die sie hätten erreichen können, weil sie es versäumten, der Verheißung zu glauben und deren Erfüllung zuerleben. Pentecost kommentiert:In Hebräer 4 hat der Verfasser erkannt, dass sich die Christen, an die er gerade schreibt, in einer ganz ähnlichen Lage befinden wie Israel bei Kadesch. Die intensive Verfolgung gegen sie ent spricht dem Widerstand, den die Israeliten von den Bewohnern des Landes zu erwarten hatten. Diese jüdischen Gläubigen hat ten ihre Beziehung zum etablierten System abgebrochen, indem sie sich durch die Taufe mit Christus identifiziert hatten (Heb 10,22.23). Ihre Abkehr vom etablierten Judentum hatte den Zorn der religiösen Gemeinschaft zur Folge. Sie durchlebten eine intensive Verfolgung (V. 32-34), hatten aber noch nicht den Märtyrertod erlitten (12,4), auch wenn sie mit dieser Möglichkeit konfrontiert wurden. Auf der anderen Seite wohnten diese Christen nahe genug bei Jerusalem, um an den regelmäßigen Festen teilzunehmen, die man dort feierte. Diese Nachbarschaft hätte einen Ausweg aus ih ren Leiden ermöglichen können. Wenn sie, ohne ihren Glauben an Christus zu verleugnen, sich einfach unter die Teilnehmer an den etablierten Ritualen im Tempel mischten, dann könnten ihre70Die Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem WerkVerfolger vergessen, dass sie sich vorher durch die Taufe abgesondert hatten. Immerhin hatte Paulus auch während seines Dienstes im Gedenken an Christus jüdische Rituale befolgt (Apg 20,16;IKor 5,7). Somit versammelten sich viele nicht mit den Gläu bigen, sondern wollten sich erneut mit dem etablierten Judentum identifizieren, um der Verfolgung zu entgehen (Heb 10,25). Außerdem hatten die Briefempfänger, genau wie ihre Vorfah ren bei Kadesch, eine Verheißung von Gott, in seine Ruhe einzu gehen (Heb 4,1). Das ist nicht die Ruhe der Errettung, denn sie werden bereits als Gläubige anerkannt (3,1). Es ist auch nicht die künftige Ruhe des Tausendjährigen Reiches, während derer alle Verfolgung aufhören wird. Solch eine Zukunftserwartung würde weder ihre derzeitigen Probleme lösen noch dem Bild von der Ruhe entsprechen, die dem Volk Israel bei Kadesch vorgelegt wurde. Diese war nämlich eine Glaubens- und Lebensruhe, in die ein Gläubiger durch Glauben hineingeht und in welcher er die verheißenen Segnungen genießt, die Gott denen gibt, die an ihn glauben und ihm gehorchen.^"'Vers 2 beschreibt den Zustand der Leser dieses Briefes:» Denn auch uns ist eine gute Botschaft verkündigt vaordeny wie auchje nen; aber das gehörte Wort nützte jenen nicht, weil es bei denen, die eshörten, sich nicht mit dem Glauben verband.Der Verfasser sagt, dass diese Leser ohne Entschuldigung sind, weil sie das Evangelium, das ihnen gepredigt worden war, gehört haben.Und wieder zieht er eine Parallele zu 4. Mose 13 bis 14. Zwölf Männer kamen aus dem verheißenen Land zurück und erstatteten Bericht. Die Exodus-Generation erhielt durch zwölf Kundschafter eine Darstellung. Die Kinder Israels trafen eine falsche Entscheidung auf[11] Pentecost, S. 131-132-jl— —— Kapitell ^Grund des Berichts. Der Verfasser des Hebräerbriefes wendet sich an Menschen in ähnlicher Situation. Diese jüdischen Gläubigen haben eine Botschaft von den zwölf Aposteln erhalten. Was werden sie mit diesem Bericht tun? Die Betonung liegt auf der Notwendigkeit des Glaubens, um geistliche Segnungen zu erlangen, die mit der Erret tung einhergehen.Vers 3 sagt, dass einige Gläubige in die Ruhe einziehen:^ Wir gehen nämlich in die Ruhe ein als die, die geglaubt haben, wie er gesagt hat: So schwor ich in meinem 7.om: Sie sollen nimmermehr in meine Ruhe eingehen! obwohl die Werke von Grundlegung der Welt an geschaffen waren.Die Ruhe in diesem Vers ist Schöpfungsruhe. Weil hier meine Ruhe steht, ist damit Gottes Ruhe gemeint. Die Schöpfungsruhe ist eine Lebensqualität, die Gott genießt. Die Aussage wir ... die geglaubt haben steht in der Vergangenheit und bezieht sich sowohl auf denSchreiber als auch auf die Leser. Dann wechselt der Autor in die Gegenwartsform: Wir gehen nämlich in die Ruhe ein.]ttzt im Moment treten wir ein in die geistliche Ruhe. In Hebräer 4,11 wird er darle gen, dass die letzte Facette der Ruhe immer noch zukünftig ist. Der Punkt ist: Sie haben geglaubt, und weil sie geglaubt haben, haben sie begonnen, in diese Schöpfungsruhe einzuziehen, auch wenn ihr letzter Aspekt noch in der Zukunft liegt. Diese Judenchristen müs sen unaufhörlich ihren Glauben ausüben, um das zu genießen, wasdiese Ruhe zu bieten hat. Der Schreiber zitiert erneut Psalm 95,11. Er legt dar, dass die Wüstengeneration nicht in die Ruhe einging, obwohl diese Ruhe seit der Schöpfung im Besitz Gottes ist. In Psalm 95 kündigt Gott durch den Psalmisten die Existenz einer künftigen Ruhe an: die Ruhe des Heils. Dies galt, obwohl Gott selbst seine eigene Ruhe schon nach der Schöpfung antrat.72 ^Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem WerkDie Verse 4 und 5 zitieren das Alte Testament, um zu zeigen, dass dieRuhe vorbereitet worden ist:» Denn er hat irgendwo von dem siebten Tag so gesprochen: JJnd Gott ruhte am siebten Tag von allen seinen Werken." Und an dieser Stelle wiederum: „Sie sollen nimmermehr in meine Ruhe eingehen!"Vers 4 spricht von Schöpfungsruhe und zitiert 1. Mose 2,2, wo ge zeigt wird, dass die Schöpfungsruhe schon vorbereitet worden ist. Schöpfungsruhe weist auf ein vollendetes Werk hin. Es ist eine Art Erlösungsruhe, die durch das Werk des Messias vollendet wurde. Die Gläubigen werden sich eines Tages der Fülle der Schöpfungsruhe er freuen, wenn ihr Werk auf Erden vollendet ist und sie zum Himmel eingehen. Vers 5 formuliert eine Typologie der Erlösungsruhe und zitiert Psalm 95,11, um zu zeigen, dass Israel durch ein göttliches Urteil nicht in die Ruhe einging.Die Anwendung findet sich in Vers 6:^ Weil es nun dabei bleibt^ dass einige in sie eingehen und die, denen zuerst die gute Botschaft verkündigt worden ist, des Ungehorsams wegen nicht hineingegangen sind...Das Argument lautet, dass bestimmte Leute in diese Ruhe eingehen sollten, doch sie konnten es nicht. Gott verlangte immer noch da nach, sein Ziel zu erreichen, und deshalb hat er einen weiteren Tag festgelegt, an dem eine weitere Einladung ausgesprochen werden würde. Die Hoffnung eines künftigen Eintritts in diese Ruhe wur de durch David ausgesprochen, dem Verfasser des Psalms 95. Aber in diese Ruhe kann man nur durch den Glauben eingehen. Israel konnte nicht in sie hineingehen wegen seines Ungehorsams und Un glaubens. Trotzdem wird die Einladung, in Gottes Ruhe einzugehen, jetzt gegeben: Weil es nun dabei bleibt, dass einige in sie eingehen ...~ 73KapitellIn Vers 7 finden wir dieses erneute Angebot:y> ... bestimmt er wieder einen Tag: ein Heute, und sagt durch David nach so langer Zeit, wie vorhin gesa^ worden ist: Heute, wenn ihr seineStimme hört, verhärtet eure Herzen nicht!Durch David hat Gott den Gläubigen die Ruhe erneut angebotenin Psalm 95,7.8. Diesmal schreibt der Verfasser des Hebräerbriefes den Psalm David zu, während er ihn in 3,7 dem Heiligen Geist zuschreibt. Dies macht die duale Verfasserschaft der Schrift deutlich. Gott ist letztlich der Autor, aber er benutzt Menschen, um sie aufzu schreiben. Der Heilige Geist inspirierte David, den Psalm 95 aufzu zeichnen. Der Verfasser versucht nun, seine Leser zu ermutigen, an geistlicher Reife zuzunehmen, um in ein Leben der Glaubensruheeinzutreten. Er betont das Wort heute. Sie müssen darauf unmittelbar reagieren, denn manche Gelegenheiten sind auf eine bestimmte Zeit und einen speziellen Ort beschränkt. Für Israel damals entsprachKadesch-Barnea dieser bestimmten Zeit bzw. diesem bestimmten Ort. Für die jetzigen jüdischen Gläubigen ist es das Jahr 70 n. Chr. Folglich drängt sie der Briefschreiber dazu, ein fiir allemal eine Ent scheidung zu treffen, um in der geistlichen Reife voranzuschreiten,bevor sie einen unwiderruflichen Entschluss fassen und den Punkt ohne Rückkehr erreichen würden. Falls sie sich falsch entschieden,würden sie dasselbe Schicksal erleiden wie die Israeliten in der Wüs te. Sie vmrden den physischen Tod durchmachen.Vers 8 liefert die Illustration:^ Denn wennjosua sie in die Ruhe gebracht hätte, würde er danach nicht von einem anderen Tag geredet haben.Die Erwähnung Josuas soll verdeutlichen, dass das gegenwärtige An gebot der Ruhe gültig ist, da Josua die Kinder Israels nicht zu der7^ ^Die Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem WerkRuhe der geistlichen Reife gebracht hat. Das Land Israel entsprach nicht völlig der Ruhe, die Gott für sein Volk vorgesehen hatte. Josua gab ihnen in der Tat die Kanaan-Ruhe. Josua gab dem jüdischen Volk wirklich Ruhe von seinen Feinden (Jos 21,44; 22,4; 23,1). Und doch gab er ihnen nicht die Art Ruhe, welche durch geistliche Reife entsteht. Diese kann nur der Messias bringen.In Vers 9 verlässt der Verfasser die Kanaan-Ruhe, um sich der Sabbatruhe zuzuwenden:^ Also bleibt noch eine Sabbatruhe dem Volk Gottes übrig.Der Schreiber benutzt hier für Ruhe das zweite griechische Wort, das sich in diesem Kapitel findet. Es ist das Wort sabbatismos. Dieser griechische Begriff wird nur hier und sonst nirgendwo im Neuen Testament gefunden. Gleason sagt zu diesem Begriff Folgendesgrinsendes Smileyer Schreiber des Hebräerbriefes bezeichnete diese ursprüngliche Ruhe als [sabbatismos] (4,9). Obwohl dieser Begriff in der grie chischen Literatur vor Abfassung des Hebräerbriefes nirgendwozu finden war, taucht er mehrmals in anderen frühchristlichen Schriften auf. Jedes Mal ist mit [sabbatismos] nicht der Sabbat tag gemeint, sondern vielmehr die „Einhaltung des Sabbats" oder die „Sabbatfeier". Die Betonung lag nicht auf dem Aufhören der täglichen Aktivitäten, sondern vielmehr auf Israels unbegrenz ten Möglichkeiten, Gottes lebenserhaltende Gegenwart unter ihnen zu feiern (2Mos 31,12-16; vgl. 2Makk 8,27). Als solche war die Sabbatfeier gedacht als eine Zeit des festlichen Lob preises, einschheßlich besonderer Opfer, die an Gottes Fürsorgeerinnern sollten (3Mos 23,27-32; 24,5-8; 4Mos 28,9.10; iChr9,32; 23,30.31; 2Chr 2,4; 8,12.13; 31,3). Die Tatsache, dass diese Sabbatruhe ihren Ursprung in der Schöpfung hat, weist darauf hin, dass sie über jene Ruhe hinausgeht, welche die Exodus-Ge75Kapitel2 --5^neration eingebüßt und die man unter David und Josua genossen hat. Diese Ruhe bleibt somit heute für jeden Gläubigen erreichbar (Heb 4,4).fi2]Das ist die ideale Ruhe. Sie wird von Gott bereitgestellt. Sie ist heutezu bekommen und die Leser des Hebräerbriefes können sie durch Glauben erlangen. Sie bedeutet, dass ihre Leistungen ein gewissesStadium erreicht haben, nachdem sie Gottes Ziele fiir ihr Leben zufriedenstellend erfüllt haben. Gott vollendete sein Werk und trat in die Sabbatruhe ein. Sabbatruhe ist eine Typologie fiir geistliche Reife. Sie war in 2. Mose 20,8-11 in erster Linie fiir Israel bestimmt. Ihre symbolische Bedeutung besteht darin, dass sie fiir die wahren Gläubigen, sowohl Juden als auch Heiden, erhalten bleibt. Hier wird eine Ruhe verheißen, die jedem Gläubigen zugänglich ist. Wenn ein Christ am Glauben festhält, wird er ein Niveau geistlicher Reife er reichen, wo er aufhört, sich ständig mit den Grundlagen des Glau bens herumzuschlagen.In Vers 10 finden wir die Bekräftigung der Sabbatruhe:>> Denn wer in seine Ruhe eingegangen ist, der ist auch zur Ruhe gelangt von seinen Werken wie Gott von seinen eigenen.Diese Ruhe ist die Sabbatruhe fiir denjenigen, der zu ihr gelangt ist. Diese Person hat von ihren Werken abgelassen, so wie auch Gott von seinen Werken abgelassen hat. Das heißt, dass der Gläubige auf gehört hat, sich auf seine eigenen Werke und Bemühungen zu verlassen. Und durch Glauben hat er auf Gott vertraut, dass er ihn in seiner Lage durchträgt. Für Israel ist das Reich der künftige Aspekt. Für den einzelnen Gläubigen ist es der Himmel. Jedoch gibt es ei nen Ort der Ruhe, dessen sich der Gläubige hier und jetzt erfreuen[12] Gleason, S. 198-19975 iSafe.Die Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werkkann. Der Autor sagt: Denn wer in seine Ruhe eingegangen ist... Er verwendet die Vergangenheitsform, um zu zeigen, dass einige zu die ser geistlichen Ruhe des Lebens im Überfluss gelangt sind, welches durch Glauben erworben wird. Diese geistliche Ruhe wird erworben, indem man sich die Ruhe aneignet, die Gott bereitgestellt hat. Der Christ muss Gott vertrauen, sowohl jetzt als auch in Zukunft. Zusammenfassend ist zu sagen, dass Gott diese Ruhe in drei verschiedenen Zeitformen abhandelt. In der Vergangenheit war das die Errettung. Die Zukunft ist der Himmel oder das messianische Reich. In der Gegenwart geht es um die geistliche Reife. Diese Ju denchristen haben die Ruhe der Vergangenheit bereits erfahren. Sie sind gläubig geworden. Für die Zukunft liegt fiir sie eine Hoffnung bereit. Am wichtigsten für sie ist aber, was sie jetzt im Moment nötig haben. Sie müssen lernen, die gegenwärtige Glaubensruhe zu erfah ren: geistliche Reife. Wenn sie in ihrem Glauben voll entwickelt sind, werden sie aufhören, diese geistlichen Kämpfe zu durchlaufen. Sie werden nicht in Versuchung geraten, zum Judaismus zurückzukeh ren, und sie werden nicht mehr umhergetrieben von jedem Wind derLehre.3. Ermahnung, in diese Ruhe einzutreten - 4,11-13^ Lasst uns nun eifrig sein, in jene Ruhe einzugehen, damit nicht je mand nach demselben Beispiel des Ungehorsams falle! Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer alsjedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist,sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Richter der Gedan ken und Gesinnungen des Herzens; und kein Geschöpfist vor ihm un sichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mitdem wir es zu tun haben._____ 77KapitellDie Ermahnung selbst steht in Vers 11. In Anbetracht dessen, was der Autor in 4,1-10 gerade gesagt hat, sollen wir nun vorwärts schrei ten und in diese gegenwärtige Ruhe der geistlichen Reife eingehen. Die Leser sollen eifrig sein, in jene Ruhe einzugehen. Das Wort eifrig hat den Beiklang von Vbrdringlichkeit, heftigem Verlangen oder Schnel ligkeit. Die Sabbatruhe ist die Ruhe der geistlichen Reife. Und diese ist es, die sie jetzt anstreben sollen. Da es die Gefahr des Abfallens gibt, warnt der Verfasser sie davor, dem gleichen Beispiel des Unge horsams zu folgen. Das Beispiel des Ungehorsams Israels, das er zu vor erwähnte, war der Ungehorsam bei Kadesch-Barnea. Dieser führ te zum physischen Tod in der Wüste. Jene Leser, die hier versagten, könnten ebenfalls den physischen Tod erleiden. Sie würden ihr Heil nicht verlieren, doch sie würden ihr physisches Leben verlieren. Nachdem zum Voranschreiten in der geistlichen Reife ermahnt worden ist, liefert Vers 12.13 nun den Grund fiir die Ermahnung: Unglaube wird nicht unentdeckt bleiben. Nach Vers 12 ist es des halb nötig, eifrig zu sein, da die Entdeckung des Versagens durch das Wort Gottes geschehen wird. Weil das Wort Gottes sowohl le bendig als auch wirksam ist, wird es eines Tages jeden vor Gott zurRechenschaft ziehen. Der Autor beschreibt das Wort Gottes auf fünf verschiedene Weisen. Erstens, es ist lebendig. Im Anbetracht dessen, dass es vom lebendigen Gott kommt, hat es gewissermaßen Anteil an seinem Wesen. Beispielsweise kann das Wort Gottes ei nen geistlich toten Sünder geistlich lebendig machen. Zweitens, dasWort Gottes ist wirksam. Es manifestiert sein Leben in mancher lei lebhafter Aktivität. Das griechische Wort bedeutet mächtig. Das griechische Wort energes ist der Ursprung unseres deutschen Wortes „Energie". Wörtlich bedeutet es „innerhalb von etwas wirken", wie in Kolosser 1,29 erwähnt. Es hat moralische und geistliche Kraft. Das Wort Gottes ist so aktiv, dass es die Person verändert. Drittens, es istschärfer. Es ist von einschneidender Qualität. Es ist wie die schärfste aller Waffen. Es ist „schärfer als jedes zweischneidige Schwert". Das Wort Gottes wird oft mit dem Symbol des Schwertes verbunden. Inyp jiafe.Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem WerkEpheser 6,17 beispielsweise ist es das Schwert des Geistes. Viertens, es ist durchdringend. Dieses Adjektiv betont das Eindringen. Es ist dermaßen durchdringend, dass es eine Teilung von Seele und Geist ans Licht bringen kann. Die BegrijBfe Seele und Geist werden in der Schrift austauschbar verwendet. Es sind keine zwei voneinander getrennten Funktionseinheiten im menschlichen Wesen. Sie betonenzwei Facetten des immateriellen Teils des Menschen. Das Wort Got tes ist in der Lage, zu durchbohren, einzudringen und selbst Seeleund Geist des Menschen zu erkennen. Fünftens, das Wort Gottes ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens. Der Ausdruck Gedanken weist auf das hin, was ein Mensch gerade denkt. Es ist der objektive Aspekt des Gedankenprozesses. Das Wort Gottes kann zwischen Folgendem unterscheiden: was ein Mensch denkt und warum er es denkt. Weil das Wort Gottes das alles ist und weil das Wort alle Christen eines Tages zur Rechenschaft ziehen wird, müssen sich diese jüdischen Gläubigen eifrig zur geistlichen Reife entwickeln. Der Verfasser des Hebräerbriefes schließt seinen Gedankengang in Vers 13, indem er die Fülle der Offenbarung unterstreicht, die uns durch das Wort Gottes gegeben wurde. Es gibt kein Geschöpf, das vor Gott unsichtbar ist, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor ihm. Am Ende wird die Aufdeckung durch den Herrn geschehen, vor dem jeder Rechenschaft für alles ablegen muss. Gleasons Zusammenfassung des Abschnitts unterstützt die Schlussfolgerung dieses Kommentarsgrinsendes Smileyer Hebräerbrief ist an Judenchristen gerichtet, die in ihrem geisdichen Leben Rückschritte gemacht haben und mit dem Ge danken spielten, zum Judaismus zurückzukehren, um Verfolgung durch die Juden zu verhindern. Mithilfe einer Auslegung des alttestamentlichen Ruhegedankens ermahnt der Verfasser sie, ihr Vertrauen auf Christus standhaft festzuhalten (Heb 3,6.14). Da durch sollten sie „ermuntert" werden, die Entbehrungen mutig durchzustehen, da sie den Tagherannahen sahen (3,13; vgl. 10,25),79Kapitellan dem das Land verbrannt werden (6,7.8) und der Tempeldienst verschwinden würde (8,13). Indem er Psalm 95 erwähnt, warnte der Verfasser sie davor, ihre Ruhe durch Mangel an Vertrauen in Christus aufs Spiel zu setzen, wie es in ähnlicher Weise bei der Exodus-Generation geschah. Potenziell fuhrt das zum Verlust des körperlichen Lebens (Heb 3,17-19). In Psalm 95 bezieht sich Gottes Ruhe auf die Anbetung durch Israel unter persönlicher Anwesenheit Jahwes (V. 2 und 6), die durch ein verhärtetes, re bellisches Herz wie das der Exodus-Generation eingebüßt werden könnte (V. 8-10). Die Leser könnten immer noch in seine Ruhe eingehen (Heb 4,1.3), indem sie damit fortfahren, ihr Ver trauen in die lebenserhaltende Gegenwart Gottes zu setzen (4,4). Das Angebot der Ruhe war nicht auf die Exodus-Generationbeschränkt, denn diese Ruhe wurde zuerst von Adam und Eva im Garten Eden erlebt, nachdem Gott ruhte (IMos 2,7-9.15-22; vgl. Heb 4,4.10). Sie war auch nicht auf die Landnahme unterJosua beschränkt, denn David bot dieselbe Ruhe zu seiner Zeit an (4,7.8).l"l☀
 

Sulzbacher 27.02.2020 um 12:18

☀Die dritte Warnung: Väterliche Warnung vor der Gefahry keine Fort schritte in der geistlichen Reife zu machen — Syll bis 6y201. Die Tatsache des Stillstands - 5,11-14Darüber haben wir viel zu sagen, und es lässt sich schwer darlegen, weil ihr im Hören träge geworden seid Denn während ihr der TLeit nach Lehrer sein solltet, habt ihr wieder nötig, dass man euch lehre, was die Anfangsgründe der Aussprüche Gottes sind; und ihr seid solche gewor den, die Milch nötig haben und nicht feste Speise. Denn jeder, der noch Milch genießt, ist richtiger Rede unkundig, denn er ist ein Unmündiger; diefeste Speise aber ist für Erwachsene, die infolge der Gewöhnung ge übte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten wie auch des Bösen.Alle vier dieser Verse sind reich im Inhalt und jeder Vers enthält eine spezielle Verpflichtung. Die vorherige Belehrung, die er in Vers 1-10 dargelegt hat, bringt besondere Verpflichtungen mit sich. Immer, wenneine neue Wahrheit offenbart wird, müssen alle sich ihr unterordnen. Die Offenbarung der Wahrheit soll im Leben des Gläubigen Frucht91Kapitel 2bringen, sobald sie aufgenommen wird. Es gibt die allgegenwärtige Gefahr, sich auf den vorherigen Lorbeeren auszuruhen. Mit seinen Lesern ist Folgendes geschehen: Sie haben ein gewisses Level erreicht und nun ruhen sie sich darauf aus, was sie früher erreicht haben. Sie haben es versäumt, in der geistlichen Reife Fortschritte zu machen. In Vers 11-14 behandelt der Verfasser das Thema der Stagnation und spricht die geistlichen Probleme aus, die diese Gläubigen haben. Zunächst sagt der Autor in Vers 11, dass es Dinge gibt, die schwer zu verstehen sind. Er beginnt so: Darüber haben wir viel zu sagen. Mit darüber ist Melchisedek und die Ordnung Melchisedeks in Vers 10 gemeint. Er hat ihnen viel über Melchisedek zu erklären. Das Pro blem aber ist, dass die Lehre von der Ordnung Melchisedeks zur Kategorie Fleisch und nicht Milch gehört. Was er bei seinen Lesern befürchtet, ist die Tatsache, dass sie wegen ihres Stillstands und ih res Unvermögens, Fortschritte zu machen, nicht verstehen werden, was er ihnen über die Ordnung Melchsideks sagen wird. Er hat Be denken, dass sie auf die Schwierigkeiten nicht vorbereitet sind, die die Erwähnung Melchisedeks mit sich bringt. Deshalb bricht er das Thema vorläufig ab, um sie zu rügen. Später wird er noch einmal darauf zurückkommen. Jetzt falle es ihm schwer, ihnen zu erläutern, worum es bei diesem melchisedekschen Priestertum geht, und zwar wegen ihrer geistlichten Trägheit. Sie sind „im Hören träge gewor den". Das griechische Wort für „träge" bedeutet, „keinen Antrieb zu haben". Es bedeutet, faul oder schwerfällig im Hören zu sein. Dasmacht es ihm so schwer, sie über Melchisedek zu belehren. Außer dem sind sie träge geworden. Einst waren sie nicht so, aber nun sind sie anders. Sie sind im Hören träge geworden. Weil die Lehre über Melchisedek schwer darzulegen und nicht leicht zu erklären und zu verstehen ist, befürchtet er, er würde seine Leser verlieren, weil sie es nicht verstehen werden. Die Verpflichtung in Vers 11 lautet: Jeder Gläubige muss empfanglich dafür sein, Dinge zu hören, die schwer darzulegen sind. Jeder Gläubige muss an Reife zunehmen, um sich mit tieferen Sachverhalten biblischer Lehre zu beschäftigen.92— Die Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werk ^In Vers 12 erklärt er den Grund dafür. Die Leser sind nicht mehr jung im Glauben. Wenn sie noch junge, soeben geborene Gläubige wären, dann wäre ihre Unfähigkeit zu verstehen entschuldbar. Jeder Christ fängt als „Baby" im Glauben an, wenn er gerade erst zum Glauben gekommen ist. Von ihm wird erwartet, dass er Milch trinkt. Diese jü dischen Gläubigen aber wurden vor geraumer Zeit gerettet. Deshalb sollten sie zum jetzigen Zeitpunkt das Wort lehren. Damit ist ge sagt, dass sie nicht neu im Glauben waren. Obwohl nicht jeder Christ eine Lehrgabe besitzt, sollte jeder bis zu einem gewissen Grad in der Lage sein, im Privatgespräch zu lehren. Was ist mit diesen Lesern ge schehen? Ihnen musste man erneut die ,Anfangsgründe" beibringen, das Einmaleins der Aussprüche Gottes, das Einmaleins der göttlichen Offenbarung der Schrift. Damit ist das Einmaleins des Glaubens ge meint. Melchisedek dagegen hat mit Fleischkost zu tun, aber die Le ser brauchten Milch. Das zeigt ihren Zustand der Unreife, denn Milch ist für den unreifen Gläubigen. Milch hat mit dtw Anfangsgründen zu tun. Milch entspricht dem Einmaleins der Bibel. Die Fleischkost des Wortes Gottes wiederum befasst sich mit Lehrwahrheiten für Fort geschrittene und deren Anwendung in den verschiedenen Lebens bereichen. Ein Beispiel davon ist das melchisedek'sche Priestertum. Das ist fleischhaltige Lehre. Zum zweiten Mal benutzt der Autor den geworden. Sie waren nicht immer so. Sie sind erst so geworden. Das zeigt den Abstieg. Wenn Christen keine geistlichen Fortschritte machen, werden sie Rückschritte machen. Ihre Pflicht ist laut Vers 12, sich geistlich zu entwickeln, um Lehrfähigkeit zu zeigen, statt dass man ihnen die gleichen Dinge immer -wieder neu beibringen muss. In Vers 13 spricht der Verfasser weiter aus, worin das geistli che Säuglingsstadium besteht; Man scheitert daran, das erworbene Wissen praktisch anzuwenden. Man ist somit unbeholfen. Jemand, der noch Milch genießt, ist richtiger Rede unkundig. Solange ein Christ nicht umsetzt, was er lernt, wird er ein Unmündiger bleiben. Das Prinzip lautet: „Use it or lose it". (Wende es an, sonst verlierst du es.) In ihrem FaU wussten die Gläubigen, dass der Messias das letzte Op93—— Kapitel 2fer war, und doch meinten sie, es sei kein Fehler, zu den Opfern und Symbolen zurückzukehren. Mangelndes Wissen war nicht ihr Pro blem, sondern der Mangel, dieses Wissen im wirklichen Leben prak tisch umzusetzen. Sie mussten lernen, wie man das Wort anwendet, um zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden. Der Auftrag in Vers 13 lautet: Sie müssen ihre Fähigkeiten einsetzen, um das Wort Gottes zur Lösung größerer biblischer Lehrprobleme zu benutzen. In Vers 14 macht der Verfasser klar, was Reife heißt. Ein reifer Gläubiger hat einen Speiseplan ohne Einschränkungen und kanny^rte Speise zu sich nehmen. Ein reifer Christ ist mündig im Glauben. Das griechische Wort für Erwachsene ist „Ziel". Ein gereifter Christ hat das Ziel seines geistlichen Lebens erreicht, weil er wirklich das angewendet hat, was er wusste, und er war somit offen, noch mehr zu lernen. Geistliche Reife ist das Ergebnis sorgfaltiger Übung:.. .ßir Erwachseney die infolge der Gewöhnung geübte Sinne haben zur Unter scheidung des Guten wie auch des Bösen. Ein reifer Christ ist in der Lage, verantwortliche Entscheidungen zu treffen. Der Auftrag von Vers 14 gilt für alle Christen, damit sie rechten Gebrauch von demmachen, was sie wissen. Das ist die Zusammenfassung des geistlichen Zustands dieser Gläubigen. Sie sind schon seit langer Zeit Christen. Man hat ihnen in der Vergangenheit gesunde Lehre nahe gebracht, denn jetzt soll ten sie selbst Lehrer sein. Jedoch haben sie die Wahrheit, die man sie gelehrt hatte, nicht bewahrt bzw. angewendet. Und nun müssen sie erneut die Anfangsgründe der Aussprüche Gottes lernen. In geistlichen Fragen haben sie sich vom Erwachsenenalter zurückentwickelt bis ins Kleinkindstadium. Sie hatten eine Fehlentwicklung von der Reife zur Unreife und vom Fleisch zur Milch durchgemacht. Obwohl beide, der geistlich Erwachsene und der geistlich Unmündige, das Wort Gottes besitzen, weiß nur einer von ihnen, wie man das Wort anwen det. Die Umsetzung des Wortes bringt den Christen dazu, sich von der Unreife hin zur Reife zu entwickeln. Der Mangel an Umsetzung jedoch bedeutet Rückschritt von der Reife zu Unreife.94Die Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werk ^2. Die Notwendigkeit, Fortschritte zu machen - 6,1-8» Deshalb wollen wir das Wort vom Anfang des Christus lassen und uns der vollen Reife zuwenden und nicht wieder einen Grund legen mit der Buße von toten Werken und dem Glauben an Gott, der Lehre von Waschungen und der Handauflegung, der Totenauferstehung und dem ewigen Gericht Und dies werden wir tun, wenn Gott es erlaubt Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind und das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben und doch abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen. Denn ein Land, das den häufig darauf kommenden Regen trinkt und nützliches Kraut hervorbringtßr diejenigen, um de rentwillen es auch bebaut wird, empfängt Segen von Gott; wenn es aber Domen und Disteln hervorbringt, so ist es unbrauchbar und dem Fluch nahe, der am Ende zu Verbrennungfuhrt.Ihr zuvor erwähnter geistlicher Zustand zeigt, dass sie Wachstum nötig hatten. Wenn sie nicht wachsen würden, wäre die Gefahr groß, rückfällig zu werden. Dieser Abschnitt enthält eines der in Bibelstu dien am meisten diskutierten Stellen. Deshalb ist es weise, gewisse Prinzipien zu bedenken, wenn man diesen Text auslegt. Das erste Prinzip lautet: Diese acht Verse müssen im Kontext des gesamten Hebräerbriefes ausgelegt werden. Deshalb ist es immer besser, das Kapitel 6 erst dann zu behandeln, wenn man sich bereits mit den ersten fünf Kapiteln beschäftigt hat. Dieses Buch als Ganzes wurde speziell an eine Gruppe von Gläubigen geschrieben. Und der Verfasser des Buches spricht sie als Gläubige an und behandelt sie als solche. Außerdem vmrde es speziell an Judenchristen geschrieben, die im Ernst erwogen, zum Judaismus und zum levitischen System zurückzukehren, um der Verfolgung zu entgehen, die sie damals ge rade erlitten. Diese Judenchristen meinten, sie könnten zum Judais95Jäit-.Kapitellmus zurückkehren und später noch einmal gerettet werden, wenn die Verfolgung abgeklungen ist. Die neue Errettung würde die Sündeihres Abweichens auslöschen. Das zweite Prinzip lautet: Dieser Text muss unter Berücksichti gung des unmittelbaren Kontexts ausgelegt werden. Der unmittel bare Zusammenhang, der in Kap. 5,11 begann, ist Folgender: Der Verfasser versucht, die Gläubigen zur geistlichen Reife zu fuhren. Das ist sein Ziel. Sie müssen das Säuglingsstadium und die Milch verlassen, sie müssen Fortschritte machen in Richtung feste Speise und Reife. Sollten sie das nicht tun, stehen sie in Gefahr, einen unAviderruflichen Entschluss zu fassen, in dessen Folge sie dauerhaft im Zustand geistlicher Unreife bleiben werden. Das dritte Prinzip ist die Tatsache, dass die Schrift sich nicht selbst widerspricht. Folglich muss dieser Text im Einklang mit den übrigen biblischen Wahrheiten ausgelegt werden. Wenn die Bibel durchgehend auf die ewige Sicherheit hinweist, dann kann ein ein zelner Vers die vielen anderen nicht aufheben. Die schwierige Stelle muss unter Verwendung der eindeutigen Stellen ausgelegt werden. In Vers 1-3 betont er Anfangsgründe^ die man nun hinter sich lassen muss. Das Wort deshalb verbindet diesen Abschnitt mit dem, was unmittelbar davor steht (5,11-14). Deshalb müssen die Leser diese Basics der Schrift verlassen und zu Wichtigerem übergehen, nämhch der festen Speise der Schrift. Sie waren bereits gläubig, aber sie waren Unmündige. Obwohl sie unmündig waren, führten sie ein geistliches Leben. Wie der Verfasser in den vier Versen zuvor erläu tert hat, brauchen sie zu diesem Zeitpunkt nicht noch mehr Wissen. Was sie tun mussten, war, das Wissen, das sie bereits besaßen, an zuwenden und dann nach mehr zu verlangen. Wie er schon erklärt hat, waren sie in die Trägheit zurückgefallen, da sie diese Kenntnisse nicht benutzt hatten. Somit versagten sie darin, Fortschritte zu ma chen und noch mehr zu lernen. Noch einmal: Sie waren echte Gläu bige. Ansonsten hätte der Verfasser nicht von ihnen verlangt, jetzt bereits Lehrer zu sein. Er ermahnt sie: Deshalb wollen wir... uns der96Dfg Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werkvollen Reife zuwenden. Das griechische Wort fiir volle Reife bedeu tet „VoUkommenheit in der Reife". Es stammt von der griechischen Wurzel, welche bedeutet, „ein Ziel zu erreichen." Dieses Ziel ist die geistliche Reife. Das ist es, was Gott mit einem jeden Gläubigen, einschließlich den Adressaten diese Briefes, vorhat. Das wiederum ist der Schwerpunkt des Hebräerbriefes: sich der geistlichen Rei fe zuwenden. Die Betonung liegt auf der Notwendigkeit, geistliche Fortschritte zu machen, da sonst die Gefahr des Rückfalls besteht. Sie müssen Fortschritte machen, denn die Vergangenheit kann mannicht wiederholen. Der Verfasser wird in Vers 7.8 die Natur als Bild verwenden, um diese Unmöglichkeit zu veranschaulichen. Die Leser sind unreife, unmündige Gläubige, nicht etwa, weil sie erst vor kurzem errettet worden sind, sondern weil sie keine Anstalten machten, an Mündigkeit zuzunehmen, nachdem sie vor einiger Zeit gerettet worden waren. Diese unreifen Christen müssen das Ein maleins des Glaubens hinter sich lassen. Diese Dinge müssen sichin ihrem Gedächtnis ein für allemal festsetzen, damit die Leser zu fester Speise übergehen können. In Vers 1.2 listet der Verfasser ein paar Grundprinzipien aus dem Einmaleins des Glaubens auf. Es gibt sechs Dinge, aber sie werden in drei Doppelpaketen aufgezählt. Das erste hat mit der Bekehrung zu tun, das zweite mit den kultischen Elementen und das dritte befasstsich mit der Endzeitlehre. Die erste Basislehre, die man hinter sich lassen soll, ist die von der Buße von den toten Werken. Der „Bußefaktor" unterstreicht den negativen Aspekt des Bekehrungsprozesses - ein Sich-Abwenden. In diesem Fall ist damit speziell das levitische System gemeint. Daraus sind nämlich tote Werke geworden, da die Existenz des levitischen Systems begrenzt war. Mit dem Tod des Messias hatte es bereits sei ne Gültigkeit verloren. Während es noch immer von Ungläubigen ausgeübt wurde, wurde es von Gott nicht mehr beachtet. Es konnte also in keiner Weise irgendeine Wirkung haben. Der griechische Be griff fiir tote Werke wird nur hier und in 9,14 verwendet..=äiSiL. - 97 - ^Kapitel 2Die zweite Basislehre war der Glaube an Gott. Das ist die positive Seite der Bekehrung, eine Hinwendung. Damit ist die ein für allemal gültige Hingabe an den Messias gemeint, der sie in den Zustand der Errettung versetzt hat. Die dritte Basislehre ist die Lehre von den Waschungen. Das Wort Waschungen steht im Plural und bedeutet „Eintauchungen" oder „Waschungen durch Untertauchen". Wahrscheinlich ist darunter die zeremonielle Reinigung innerhalb des levitischen Systems zu verste hen, wie sie in 9,10 erwähnt wird. Wenn damit die Taufe gemeint ist, gäbe es für die Leser eine spezielle Anwendung, denn der Verfasser schreibt an Judenchristen, und bei diesen war die Taufe das letzte Zeichen der Trennung vom Judaismus. Die vierte Basislehre ist die von der Handauflegung. Im Alten Testament war die Handauflegung ein Mittel, um Segnungen zu übertragen. Das wurde im Neuen Testament übernommen, und zwar in Mt 19,13 und Apg 8,17. Außerdem bedeutete die Handauflegung im Alten Testament eine Ernennung zu einem Amt oder einer Funk tion. Der Priester wurde durch Handauflegung in sein Amt einge führt. Dies setzt sich im Neuen Testament fort, sodass Älteste und Diakone durch Handauflegung eingesetzt werden (Apg 6,6 und an dere in ITim 4,14; 5,25). Eine dritte Art der Handauflegung kommtim Alten Testament im Sinne von Identifikation zum Einsatz. Wenn der Priester seine Hände auf den Kopf des Opfertieres legte, dann wurde das Opfer mit Israel gleichgesetzt (3Mos 1,4; 16,21). Die fünfte Basislehre ist die von der Totenauferstehung. Auch dies hätte sich längst in den Köpfen der Leser festsetzen müssen, denn auch das ist alttestamentliche Lehre (Hi 19,25; Jes 26,19; Dan 12,2). Die sechste Basislehre ist die vom ewigen Gericht. Gemeint ist das Gericht vor dem großen weißen Thron und der Feuersee. Diese sechs Themen gehören zum Glaubenseinmaleins. Dies sind „Milchprinzipien" und sie sollten schon frühzeitig im geistlichen Le ben eines Gläubigen ein für allemal beherrscht werden. Das sind die Dinge, die man hinter sich lassen muss, um an Reife zuzunehmen.98Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werk ^In Vers 3 behandelt der Verfasser die Wichtigkeit der Reife. Und dies werden wir tun heißt: „Wir werden diese Dinge hinter uns las sen". Das Ziel kann erreicht werden, wenn der Wille des Gläubigenmit dem Willen Gottes übereinstimmt. Es ist Gottes Wille für die Leser, dass sie zur Reife kommen. Wenn der Verfasser sagt: wenn Gott es erlaubt^ verwendet er einen Konditionalsatz vom Typ I im Griechischen, was daraufhinweist, dass die Erfüllung der Bedingungwahrscheinhch ist. Es bedeutet: „Wenn Gott es erlaubt - und daswird er auch." Es ist Gottes Wille. Er will, dass sie vom Einmaleins ablassen und an Reife zunehmen. Doch Gott wird sie nicht drängen oder zwingen, zur Reife zu kommen. Dennoch können sie nicht vor wärts kommen, wenn sie nicht die Gleichgültigkeit von 5,11-14 hinter sich lassen. Weil es Gottes Wille ist, dass sie Fortschritte machen, ist ihr Mangel an Reife, ihr Mangel an Fortschritt nicht Gottes, son dern ihre eigene Schuld. Damit wird gesagt, dass ihre Trägheit nochnicht unwiderruflich oder unumkehrbar ist. Diese Christen könnensich immer noch dafür entscheiden, reif zu werden. Sie haben sich noch nicht entschieden, in den Judaismus zurückzugehen. Jedoch ist es immer noch mögHch für sie, dermaßen weit zurückzufallen, dass es schließlich unmöglich sein wird, sich zur Reife zu entwickeln. Es kann sein, dass sie den Punkt ohne Rückkehr erreichen.In Vers 4-6 befasst sich der Autor mit der Gefahr des Rückfalls und der Unmöglichkeit, wieder umzukehren. Er fängt in Vers 4a mit einer Bekräftigung an. Es ist unmöglich^ diejenigen ... wieder zur Buße zu erneuern. Sie haben zwar gewisse geistliche Privilegien, die er aufzählen wird, doch die Gefahr des Fehltritts besteht. Dieser wird nicht zu dem Ziel führen, dass sie sich erhofft haben. Sie meinen, sie könnten durch den Fehltritt später wieder erneuert werden. Aber der Verfasser wird nachweisen, dass es unmöglich ist, wieder ...zu erneu ern. Es ist wichtig zu verstehen, dass im griechischen Text der Be griff „es ist unmöghch" in Vers 4a steht. Einige englische Übersetzer haben, je nach Sichtweise des Übersetzers, diesen Begriff in Vers 6 gesetzt. Doch im griechischen Text steht der Ausdruck es ist unmög99Kapitell ^lieh am Satzanfang. Der Verfasser bekräftigt, dass etwas unmöglich ist. Im griechischen Text umfassen die Verse 4-6 einen langen Satz. Der Schwerpunkt des Satzes lautet: Es ist unmöglich ...zu erneuern. Dann legt er in Vers 4b.5 dar, dass die Leser fiinf geistliche Vor rechte erfahren haben. Für diejenigen, die diese fünf geistlichen Vor rechte genossen haben, gibt es etwas, das sie unmöglich tun können. Die fünf geistlichen Vorrechte stehen in der griechischen Zeitform Aorist, womit eine vollendete Handlung betont wird. Die erste Erfahrung ist einmal [und zwar ein für allemal] erleuchtet. Damit ist der entscheidende Augenblick gemeint, dessen sie Zeugen geworden sind, und das Licht wurde ergriffen. Sie verstanden und glaubten. Das bedeutet Erneuerung. Dasselbe Wort wird in Hebräer 10,32 benutzt und heißt, die Kenntnis der Wahrheit zu ergreifen. Es bedeutet, zu wissen, wie man diese anwendet (Job 1,9; Eph 1,18; 3,9; 2Kor 4,4-6; 2Tim 1,10). Der Text sagt nicht einfach nur erleuchtet^ sondern einmal erleuchtet. Das griechische Wort für einmal meint etwas,das nicht wiederholt wird. Der Verfasser verwendet dieses Wort mehr mals in diesem Brief (9,7.26-28; 10,2; 12,26-27). Die Leser wurden erleuchtet durch die Kenntnis des Evangeliums. Ihnen ging ein Licht auf und sie verstanden es (10,32). Sie wurden erneuert und errettet. Das zweite geistliche Vorrecht, das sie genossen, besteht darin, dass sie die himmlische Gabe geschmeckt haben. Das Wort geschmeckt bedeutet, sie hatten es wirklich erfahren (Apg 10,10; IPetr 2,3; Heb 2,9). Diejenigen, die da meinen, die Briefempfänger wären unerrettete Menschen gewesen, behaupten, sie hätten die Errettung nur ge schmeckt oder davon genascht, sie jedoch nicht heruntergeschluckt. Deshalb hätten sie sich die Errettung auch nicht angeeignet. Das entspricht aber nicht der Bedeutung von geschmeckt. Beispielsweise sagt Hebräer 2,9:yk Wir sehen aberjesusy der ein wenig unter die Engel erniedrigt war, we gen des Todesleidens mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt^ damit er durch Gottes Gnade für jeden den Tod schmeckte.100rffs Die Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem WerkHat Jesus am Tod nur ein bisschen „herumgeknabbert", ihn aber nicht wirklich erfahren? Auf keinen Fall! Er ist tatsächlich gestorben. Das Wort geschmeckt bedeutet, dass er ihn sehr wohl erlebt hat. Die Leser hatten also nicht nur ein bisschen von der himmlischen Gabe probiert,sondern sie wirklich erfahren. Sie hatten sich die himmlische Gabe zu Eigen gemacht. Das Wort schmecken heißt, gemeinsam mit etwas anderem oder jemand anders eine Sache festhalten. Das Wort Gabekann sich entweder auf den Messias selbst beziehen, wie es auch in Johannes 4,10 und 2. Korinther 9,15 der Fall ist, oder es meint die Errettung selbst, wie auch in Epheser 2,8.9. Wie dem auch sei, diese Leute sind gläubig. Die himmlische Gabe geschmeckt heißt, sie kamen ganz real und bewusst in den Genuss der Segnungen und des Ergreifens dieser Gabe und ihres wahren Wesens. Sie waren im Besitz wirklichen geistlichen Lebens. Das dritte geistliche Vorrecht besteht darin, dass sie des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind. Das Wort teilhaftig bedeutet „wirklichen Anteil haben". Dieses Wort wird im Hebräerbrief mehrmals verwendet. In 2,14 hatte Jesus Anteil an Fleisch und Blut. Das heißt nicht, dass er lediglich nahe dran war. Er wurde wirklich Fleisch und Blut. Das Wort wird auch in 3,1.14 und 12,8 verwendet. Immer unterstreicht es wirkliche Teilhabe. Die Leser haben sich also nicht nur stark genähert, um das Werk des Heiligen Geistes anzuschauen, Sie waren wirkliche Teilhaber des Heiligen Geistes. Sie hatten eine le bendige Beziehung zum Heiligen Geist. Diese Art Beziehung er wächst aus einer Innewohnung. Der Heilige Geist macht in ihnen Wohnung. Das vierte geistliche Vorrecht besteht darin, dass sie das gute Wort Gottes geschmeckt haben. Der griechische Begriff fiir Wort lautet rema oder „das gesprochene Wort". Hier geht es nicht nur um Teilnahme, sondern das Wort formt den persönlichen Charakter und fuhrt zu persönlichen Erfahrungen. Diese Judenchristen haben bestimmte Äußerungen gehört, von denen sie wussten, dass sie von Gott kamen,wie es auch in 1. Petrus 1,23 und 2,3 steht.101--3155 Kapitel 2Das fünfte geistliche Vorrecht besteht darin, dass die Leser die Kräfte des zukünftigen Z" eitalters geschmeckt haben. Ein für allemal haben sie die Kraft geschmeckt, die sich im messianischen Reich, dem Mill ennium, manifestieren wird. Das Wort Kräfte ist dasselbe, das fiir Wunder in 2,4 benutzt wird. Der Verfasser sagt erneut, dass die Leser diese Kräfte geschmeckt haben. Das bedeutet, sie haben in ihrem Le ben die Wiedergeburt erfahren. Bis zu einem gewissen Grad waren sie in der Lage, die Kräfte des zukünftigen Zeitalters in ihrem Leben zu erfahren. Das zukünftige Zeitalter war der gebräuchliche jüdische Begriff für das messianische Reich. Die Kräfte werden schließlich inihrer Gänze im messianischen Reich manifestiert werden. Das sind fünf geistliche Erfahrungen, welche die Leser des Heb räerbriefes gemacht haben. Diese fünf geistlichen Erfahrungen zei gen, dass sie echte Gläubige sind. Wie Pentecost sagt:Gegenwärtige Unfähigkeit, das Wort anzuwenden, ist nicht not wendigerweise ein Dauerzustand, wie auch durch die Ermah nung Deshalb wollen wir ... uns der vollen Reife zuwenden (Heb 6,1) angedeutet wird. Das Wort volle Reife schaut auf Hebräer 5,11-14 zurück und hat den Beiklang von .^Mündigkeit" oder „Erwachsensein". Die Ermahnung in Hebräer 6,1 ähnelt der des Kaleb: Lasst uns nur hinaufziehen und es in Besitz nehmen^ denn wir werden es gewiss bezwingen (4Mos 13,30). Und es ist eine Ermahnung, in die Glaubens- und Lebensruhe einzuziehen, dieder Generation des Verfassers verheißen wurde. Es ist auch eine Wiederholung von Hebräer 4,11: Lasst uns nun eifrig sein, in jene Ruhe einzugehen. Der Verfasser ist zuversichtlich, dass seine Leser so reagieren werden, und zwar wegen der geistlichen Vorrechte, die sie zuvor genossen haben. Diese Gläubigen sind erleuchtet worden (haben Kenntnisse über Gottes Wahrheit erworben), ha ben die himmlische Gabe geschmeckt (haben ewiges Leben als Gabe von Gott empfangen), sind des Meiligen Geistes teilhaftig geworden (der Heilige Geist wohnte seit ihrer Errettung in ihnen), habenIQ2-^n3 Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werk ^das gute Wort Gottes geschmeckt (haben durch das Wort Segnungen von Gott erfahren) und haben die Kräfte des zukünftigen Zeital ters geschmeckt^ (sind eingegangen zu den Freuden der Lebens und Glaubensruhe, die der Messias einfuhren wird, wenn er sein Reich hier auf dieser Erde aufrichtet). Diese Begriffe werden nie im Sinne eines bloßen religiösen Bekenntnisses verwendet, sondern beziehen sich immer auf die Wirklichkeit. Trotz alledem versäumten es diese Christen, weiterhin die Segnungen Gottes zu erleben. Die christliche Erfahrung ist niemals etwas Statisches, sondern es ist ein Weg, auf dem man geht, ein Wettlauf, an dem man teilnimmt, eine Richtung, die man einschlägt.Für die Menschen, die diese fünf geistlichen Erfahrungen gemacht haben, ist es unmöglich, so etwas zu tun, was der Autor in Vers 6 erwähnt. Manche Übersetzungen haben dort stehen „und dann ab gefallen sind", sie setzen dies also in die Vergangenheitsform, obwohl das Wort selbst ein einfaches Aorist-Partizip ist und abfallen bedeutet, ohne auf die Zeitform bzw. notwendigerweise auf ein tatsächliches Ereignis hinzuweisen.^^'' Das griechische Wort abfallen kommt nur hier vor und nirgendwo sonst im Neuen Testament. Aber es stammt von einer Wurzel mit dem Beiklang von Abweichen und bedeutet das Abfallen von einem allgemein anerkannten Standard oder Weg. Einige Übersetzungen drücken es aus mit „falls sie abfielen", aber der griechische Text enthält kein konditionales Element. Das Ao rist-Partizip sagt lediglich „nach dem Abfallen". Was auch immer bei diesem Vers ungeklärt sein mag — eines ist klar: Wenn sie abfallen, dann ist es unmöglich, sie wieder zur Buße zu erneuern. Ungeachtet dessen, worauf sich die Unmöglichkeit in Vers 6 beziehen mag, lie fert der Verfasser zwei Gründe, warum es für sie unmöglich ist, dies zu tun. Der erste Grund, warum es ihnen unmöglich ist, so etwas zu[14] Pentecost, S. 133-134 [15] Auch die Rev. Elb. benutzt hier leider die Vergangenbeitsform.103Kapitel 2tun, lautet: Es würde heißen, dass sie den Sohn Gottes wieder kreuzi gen. Der Grund, warum es ihnen unmöglich ist, dies zu tun, ist die Tatsache, dass dies eine erneute Kreuzigung des Messias erforderlich macht. Jesus kommt aber nicht noch einmal zurück, um abermals gekreuzigt zu werden. Das ist unmöglich. Der zweite Grund, warum es ihnen unmöglich ist, so etwas zu tun, ist dieser: Sie würden Jesus dem Spott aussetzen. Weil es nötig wäre, ihn wieder bzw. noch einmal zu kreuzigen, und weil er damit dem Spott ausgesetzt wäre, ist es unmöglich, dies zu tun. Falls dieser Text lehrte, dass ein Gläubiger seine Errettung verlieren könnte, dann hieße das auch, dass er seine Errettung niemals wiedererlangen könnte: Es ist unmöglich, diejenigen wieder zur Biiße zu erneuern. Es gibt mindestens zehn Vorschläge, wie dieser Vers auszulegen ist. Erstens, diese Menschen seien nur Namenschristen, aber keine wahren Gläubigen. Sie kamen mit Gläubigen in Kontakt, sie erfreuten sich der Gemeinschaft, sie wurden Bekenner, aber keine Besitzer.^^^' Wie in den fünf vorherigen Kapiteln ausgeführt, kann das gar nichtsein. Zweitens, diese Menschen seien wirklich errettet und wirklich verloren gewesen. Falls das zutrifft, dass sie dann wieder verloren waren, können sie niemals erneut errettet werden. Drittens, das Wort unmöglich bedeute eigentlich „schwierig". Es sei schwierig, Menschen zu erneuern, die einmal abgefallen sind. Das Problem bei dieser Aus legung ist, dass das griechische Wort nun mal unmöglich bedeutet. Die vierte Auslegung sagt, damit sei jemand gemeint, der gewohn heitsmäßig abfällt und sich selbst immer wieder erneuert, bis Gott schließlich sagt: „Das ist genug, nicht noch einmal!" Aber der Text sagt, dass ein Gläubiger, wenn er einmal abgefallen ist, keineswegs noch einmal zur Buße erneuert werden kann. Fünftens, hiermit seien die alttestamentlichen Opfer gemeint. Da niemand jetzt noch Opfer darbringt, und da es keinen Tempel mehr gibt, sei es ohnehin un möglich, noch einmal zurückzugehen. Doch dies war zu der Zeit, als[16] Das Original enthält ein Wortspiel: professors ... but not possessors.— Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werk ^der Brief geschrieben wurde, durchaus möglich. Sechstens, der Vers sei hypothetisch. Er sagte nicht, dass so etwas geschehen könnte. Er sagte lediglich Folgendes: Wenn so etwas passieren sollte, dann wür de es diese Folgen haben. Aber: Wenn dies nur hypothetisch gemeint ist, warum spricht der Verfasser die Warnung aus? Die vorhandene Warnung bedeutet, dass der Vers mehr ist als eine bloße Hypothe se. Die siebte Auslegung lautet: Es ginge hier um Belohnungen und Werke. Einiges spricht zwar dafür, aber es reicht nicht aus, um den Charakter der Warnung zu erklären. Belohnungen spielen in einem späteren Zusammenhang durchaus eine Rolle, aber nicht in diesem Vers. Achtens, damit sei der Verlust künftiger irdischer Segnungen als Folge des Abfallens gemeint. Ein Gläubiger würde seine Erret tung nicht verheren, aber er würde künftige irdische Segnungen ver lieren. Das stimmt auch, erklärt die Absicht des Verfassers aber nur unzureichend. Die neunte Auslegung ähnelt der ersten. Danach sinddie Hebräer bloße Bekenner, die in der Gefahr stehen, ein für alle mal in den Judaismus zurückzufallen, nachdem sie eine umfassende Kenntnis von der Wahrheit erlangt haben, und als Folge davon bei der Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr. umkommen werden. Sie sind Bekenner, keine echten Gläubigen, doch sie haben sich den Gläu bigen angeschlossen. Die zehnte Auslegung ist die bevorzugte Sichtweise. Auf der Grundlage des breiteren sowie des unmittelbaren Zusammenhangs weist die Bedeutung von Vers 6 auf zwei Perspektiven hin, wenn die Leser ein für allemal eine unwiderrufliche Entscheidung treffen. In beiden Fällen handelt der Text von echten Gläubigen, die in der Ge fahr standen, zum Judaismus zurückzukehren. Wenn sie das täten, würden sie im Jahre 70 n. Chr. durch die Römer körperlich vernich tet werden. Noch einmal: Der Ausdruck es ist unmöglich steht am An fang von Vers 4. Wenn sie sich wieder dem Judaismus zuwendeten, der die Messianität Jesu abgelehnt hatte, würde es eine Sache geben, die sie unmöglich tun könnten. Aus zwei Gründen ist es für diejeni gen, die diese fünf geistlichen Erfahrungen gemacht haben, unmög105 —Kapitel 2lieh, erneuert zu werden. Erstens, das würde eine erneute Kreuzigung des Messias nötig machen: da sie fiir sich den Sohn Gottes wieder kreu zigen. Durch ihre erneute Identifikation mit dem Judaismus dulden sie stillschweigend die Entscheidung des Volkes. Dieses hatte Jesus wegen angeblicher dämonischer Besessenheit abgewiesen. Zweitens, sie würden ihn dem Spott aussetzen. Diese Formufierung findet sich nur hier. Sie bedeutet, dass das erste Sterben Jesu unvollständig wäre und nur eine unvollkommene Errettung bewirkte. Das hieße, sein Tod könnte nicht völlig erretten^ wie es doch sein sollte. Für die zehnte Auslegung gibt es zwei Sichtweisen von dem, was man unmöglich tun kann. Nach der ersten Sichtweise ist es den Le sern unmöghch, abzufallen und dann noch einmal errettet zu werden. Diese Ansicht entspricht dem breiteren Kontext. Was der Verfasser den Lesern sagen will, ist dies: Die Option, die sie zu haben meinten, existierte nicht. Sie hatten nicht die Wahl, ihre Errettung aufzuge ben, um später erneut errettet zu werden. Es gäbe keine neue Erret tung, die ihre Sünde des Abfallens auslöschen und ihnen gestatten würde, mit dem geistlichen Leben noch einmal von vorn zu begin nen. Warum? Weil dadurch eine erneute Kreuzigung nötig wäre und das würde heißen, dass das erste Sterben Jesu keine völlige Errettung bewirkt hätte. Es würde bedeuten, dass er die Leser wirklich nicht völlig errettet hat. Er hätte ihnen kein ewiges Leben, sondern nur vorübergehendes Leben geschenkt. Da nun die Möglichkeit, die sie zu haben glaubten, nicht bestand, mussten sie einen anderen Weg wählen. Nach der ersten Sichtweise haben die Gläubigen eine von zwei Alternativen, aber das Aufgeben der Errettung, um später noch einmal gerettet zu werden, gehört nicht dazu. Die erste Alternative, die sie haben, ist die Entwicklung hin zur Reife. Das ist es, wozu der Autor sie die ganze Zeit ermutigt, und er wird es erneut tun. Die zweite Alternative ist, zum Judaismus zurückzukehren. Auch wenn das nicht den Verlust des Heils bedeutete, würde es meinen, dass siesich selbst vdeder unter das Gericht von 70 n. Chr. stellten - das Ge richt fiir unvergebbare Sünde - und sie würden den physischen TodDie Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werkerleiden. Durch die gesamten ersten fünf Kapitel hindurch sind die Gerichte, von denen der Autor spricht, physischer Natur. Jedes alttestamentliche Gericht, auf das er verweist, ist ein körperliches, kein geistliches Gericht. Und dies tut er auch in den folgenden Kapiteln. Die Perspektive von der UnmögHchkeit, abzufallen und später wiedererrettet zu werden, verleiht dem Wort denn in Vers 4 eine natürlicheKraft. Diese Sichtweise erklärt, warum sie Fortschritte machen müs sen. Sie müssen dranbleiben, denn es ist unmöglich, zu einem unerretteten Zustand zurückzukehren. Da es nun unmöglich ist, zu einemunerretteten Zustand zurückzukehren, bleiben sie entweder dort, wosie sind, und machen dann Rückschritte, oder sie nehmen an Reifezu. Diese Sichtweise deckt sich eher mit dem breiteren Kontext. Die zweite Sichtweise fiir die zehnte Auslegung basiert auf demunmittelbaren Kontext. Die Leser des Hebräerbriefes müssten sichnun dafür entscheiden, reifer zu werden. Wenn sie in den Judaismus zurückfielen, würde dies eine unwiderrufliche Entscheidung sein. Di ese Entscheidung würde sie in einen dauerhaften Zustand der Un mündigkeit versetzen und sie würden auch in Zukunft daran schei tern, an geistlicher Reife zuzunehmen. Zuvor in 5,11-14 sprach der Verfasser über Unmündigkeit und verschwendete Jahre. Der folgende Abschnitt befasst sich mit den verschwendeten Jahren, als das Land Dornen und Disteln hervorbrachte. Gegen verschwendete Jahre kannman nichts machen. Nun müssen die Leser aufhören. Dornen hervor zubringen. Sie müssen anfangen, gute Frucht zu bringen. Das wäre die Bedeutung auf der Grundlage des unmittelbaren Kontexts, der in 5,11 beginnt. Der Schreiber hat sie fortwährend ermahnt, sich zur geistlichen Reife zu entwickeln. Wenn sie zum Judaismus zurückkehrten, würden sie ihre Unreife einzementieren. Danach würde es unmöglich sein, an Reife zuzunehmen. Die grundlegende Bedeutung von Buße lautet „Sinnesänderung". Wenn sie sich entscheiden würden, wieder zurückzugehen, dann würde dies irreversibel sein. Sie würdendanach nicht noch einmal Buße tun bzw. ihren Sinn ändern können. Decker liefert einen Kommentar zu den Begriffen abfallen und Buße:107Kapitell ———————Das fünfte Partizip in dieser Reihe taucht in 6,6 auf. Wie gesagt, darf man das nicht als konditionales Adverbialpartizip („falls sie abfallen"zwinkerndes Smiley übersetzen, sondern es muss mit den vorher genannten Partizipien eine Einheit bilden. Die nächste Frage jedoch ist die nach der Bedeutung des Ausdrucks. Eine fast allgemeine An nahme ist es, dass dieses Abfallen in gewisser Weise ein soteriologisches Abfallen sei. Diese Vermutung wird einerseits mithilfe der hypothetischen Ansicht, es seien nur Namenschristen, begründet, und andererseits mit der Ansicht von der bedingten Errettung. Da dieses Wort hier nicht durch ein weiteres Wortnäher bezeichnet wird, und da es nur hier im Neuen Testament erscheint, muss der Kontext als Referenz gelten. „Außerhalb der Bibel mag [parapipto] nicht mehr bedeuten als „in die Irre gehen, verloren gehen" oder im übertragenen Sinne „einen Fehler ma chen". Die gebräuchlichste Bedeutung in den Papyri lautet „ver loren gehen". Walter Bauer definiert es so: „es versäumen, seine Verpflichtung zu erfüllen". Die Annahme, die Errettung stehe im Mittelpunkt dieses Aus drucks, ist vielleicht der einzige Kardinalfehler, der begangen wird, wenn man versucht, die Schwierigkeiten mit den warnenden Tex ten aufzulösen. Dass die ersten vier Partizipien tatsächlich auf die Errettung Bezug nehmen, heißt nicht, dass auch das fünfte darauf abzielt. Die Aneinanderreihung der Partizipien ist so zu verstehen: Menschen, die wirklich errettet sind (Partizipien 1-4) und danach fallen (Partizip 5), müssen mit schlimmen Folgen rechnen. Dasheißt, Christen sind für ihre Taten verantwortlich - die entweder Segen oder Fluch mit sich bringen (6,7.8), je nach dem, ob es sich um Taten des Gehorsams oder des Ungehorsams handelt. Dieser Vorschlag führt wiederum zur Frage der [metanoia]. Kann man Buße berechtigterweise mit christlicher Reife in Bezie hung setzen oder zielt der Begriff auf das Heil ab? Wenn Hebräer 6 besprochen wird, dann ist man sich beinahe ausnahmslos darü ber einig, dass es hier um eine soteriologische Frage gehe, wonach—108Die Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werkdie Buße mit der anfanglichen Errettung gleichzusetzen sei. Beivielen Diskussionen über Buße, auch in anderen Zusammenhän gen, ist dies eine häufig anzutreffende Tendenz. Eine Prüfung des Wortfeldes von [metanoia] und [metanoeo] legt nahe, dass man diese Begriffe nicht mit der Errettung in Verbindung bringen darf, solange der Kontext dazu keine Er mächtigung gibt. Dass sich diese Wörter tatsächlich in manchen (vielleicht sogar vielen) Zusammenhängen auf die Frage nach dem Heil beziehen, ist offensichtlich. Ein klassisches Beispiel fiir den nichtsoteriologischen Gebrauch ist dieses: Hebräer 12,17 spielt auf Isaaks Weigerung an, seinen Sinn zu ändern, als Esau versuchte, sein Erstgeburtsrecht erneut einzufordern. Dies hat nichts mit der Errettung oder Sünde dessen zu tun, der hier sei nen Sinn nicht änderte. Ein ähnlicher Gebrauch von [metanoia] findet sich in 2. Korinther 7,9, wo es um die Sinnesänderung der Korinther als Reaktion auf den Brief des Paulus geht. Das Verb [metanoeo] enthält ähnliche Verwendungsmöglichkeiten. Lukas 17,3-4 berichtet von der Anweisung Jesu, wie man einem Bruder zu vergeben hat, der sündigt und danach seinen Sinn ändert und (augenscheinlich) dann Vergebung von dem verlangt, gegen den er gesündigt hat. Ebenso spricht 2. Korinther 12,21 von Christen, die über bestimmte Sünden keine Buße getan haben. (Ein reprä sentativer Lasterkatalog, weswegen sich der Apostel Paulus über die korinthische Gemeinde Sorgen macht, ist beigefügt.) Obwohl in Offenbarung 2,5; 3,13.19 von Körperschaften die Rede ist, sprechen diese Stellen auch von der Buße der Gläubigen.'^^^Wie die Exodus-Generation bei Kadesch-Barnea stehen auch diese Gläubigen in der Gefahr, eine unwiderrufliche Entscheidung zu tref fen, in deren Folge es unmöglich sein würde, es sich wieder anders[17] Decker, Rodney, „The Warning of Hebrews Sbc" in „The Journal of Ministry and Theology", Bd. 5, No. 2, Herbst 2001, S. 40-41,43-44_____ iQgKapitel 2ZU überlegen. Und diese Entscheidung würde sie dem physischen Gericht unterwerfen. Man beachte, dass die Bedeutung von Buße „Sinnesänderung" lautet. Nach der ersten Perspektive ist es für echte Gläubige, die diese fünf geistlichen Erfahrungen gemacht haben, un möglich, erst ihre Errettung aufzugeben, um danach erneut gerettet zu werden. Die zweite Perspektive jedoch beschränkt die Auslegungauf den unmittelbaren Kontext von 5,11-14. Danach würde der Entschluss, zum Judaismus zurückzukehren, einen unwiderrufliche Ent scheidung sein. Und diese Entscheidung würde sie auf Dauer der geistlichen Unreife ausliefern. Es würde unmöglich sein, sie wieder zur Buße zu erneuern. Sie würden nicht in der Lage sein, sich später noch einmal anders zu entscheiden und sich dann zur geistlichenReife zu entwickeln. Nach dem breiteren Kontext würde die Rück kehr zum Judaismus eine unwiderrufliche Entscheidung darstellen und es würde unmöglich sein, sie wieder zur Buße zu erneuem. Sie würden nicht in der Lage sein, es sich bezüglich ihrer Entscheidung wieder anders zu überlegen, und sie würden dann dem physischen Tod unterworfen, der eine göttliche Strafe ist. In beiden Fällen wür den sie die Strafe Gottes bis hin zum körperlichen Tod im Gerichtvon 70 n. Chr. erleiden. Gleason kommentiert:Befürworter dieser Sichtweise sind der Meinung, dass die in 6,4.5 beschriebenen Menschen echte Gläubige sind, die träge im Hören (5,11) geworden und in einen Zustand geistlicher Unreife zurückgefallen sind (5,13). Sie werden davor gewarnt, abzufallen in einen Zustand des geistlichen Rückschritts und der Rebellion. Diesen Zustand könnten sie durch eine bedenkliche Ent scheidung herbeiführen, die darin besteht, dass sie sich mit aller Entschlossenheit weigern, an Reife zuzunehmen. Zur Zeit der Abfassung hatten die Leser diesen Zustand noch nicht erreicht, wie der Verfasser andeutete. Jedoch bestand die Gefahr dazu, und wenn sie weiterhin ungehorsam wären, müssten sie mit dem göttlichen Gericht rechnen. Diese Auslegung ist sehr einleuchIIQ-DiV Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werk ^tend bei 6,4.5, aber sie tut sich schwer mit der Beschreibung der Gerichte in 6,7.8 (vgl. 10,26-31). Viele haben diese Sichtweiseschnell verworfen, da sie es versäumten, die alttestamentlichen Anspielungen auf die Exodus-Generation im gesamten Text zusehen.'*®'Wenn man [parapipto] als einen Ausdruck fiir eine entschiedene Weigerung, Gott zu vertrauen, versteht, was zu einem allgemeinen Zustand geistlichen Rückschritts fuhrt, finden wir in dem Erlebnis der Israeliten bei Kadesch-Barnea eine Parallele dazu. Beispielsweise hatten sie, als sie in Kadesch-Barnea ankamen, die Feuer- und Wolkensäule über der Siftshütte bereits gesehen („waren erleuch tet worden). Sie hatten auch von dem Manna schon gegessen („die himmlische Gabe geschmeckt"zwinkerndes Smiley, den Heiligen Geist auf den siebzig Ältesten erfahren („des Heiligen Geistes teilhaftig geworden"zwinkerndes Smiley und sahen mit eigenen Augen, wie das Gesetz am Sinai gegeben wurde und wie Mose Wunder tat („das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt"zwinkerndes Smiley. Wie die Leser des Briefes waren auch die Juden des Auszugs ein erlöstes Volk (2Mos 6,6.7; 14,31). Und das Wichtigste: Die Wüstengeneration machte sich schuldig, weil sie sich nicht vorwärts bewegen wollte (4Mos 14,110), ganz ähnlich wie jene, die in Hebräer 6,6 beschrieben werden.Als die Israeliten bei Kadesch ankamen, machten sie eine Pause und schickten Kundschafter ins Land, weil sie der Verheißung Gottes, das Land als ihr Eigentum in Besitz zu nehmen, nicht trauten. Als die Späher wiederkamen, berichteten sie mehrheitlich, dass Kanaan von Riesen bewohnt sei, die in Städten mit unbezwingbaren Mauern lebten. Trotz der Bemühungen durch Josua und Kaleb glaubten dieLeute das Schlimmste. In diesem Moment erreichte das Volk einen kritischen Punkt bei seiner Entscheidung, die Führung durch Mose[18] Gleason, S. 81-72211Kapitel 2abzulehnen, und die Israeliten weigerten sich, ins Land einzuziehen und es einzunehmen. Als Folge davon verdammte Gott diese Generation von Erwachsenen dazu, in der Wüste zu sterben. Obwohl siees versuchten, ins Land einzuziehen, wurde ihnen das verwehrt. Ihre Entscheidung war nicht wieder rückgängig zu machen.Die Ähnlichkeiten zwischen den Israeliten und den Lesern des Briefes sind zahlreich. Wie die Israeliten sich weigerten, der Stimme des Herrn zu gehorchen (4Mos 14,22) und gemäß seinen Verhei ßungen zu handeln (2Mos 23,27-31; 33,1.2), so standen auch diese Leute in der Gefahr, sich zu weigern, in der Reife voranzuschreiten (Heb 6,1). Obwohl es sich die Israeliten anders überlegten und am nächsten Tag versuchten, ins Land einzuziehen (4Mos 14,39-45), wurde es ihnen nicht gestattet, sich von ihrer ursprünglichen Ent scheidung, nach Ägypten zurückzugehen, abzukehren. In ähnlicher Weise bestand bei den Lesern des Hebräerbriefes die Frage, ob Gottes ihnen erlauben würde, sich zur Reife zu entwickeln {dies werdenwir tun, wenn Gott es erlaubt, 6,3). Denn wenn sie sich einmal dazu entschieden haben, abzufallen, dann würde es unmöglich sein, sie zur Buße zu erneuern (V. 6). So wie der Wüstengeneration das Recht auf die Segnungen der Ruhe Kanaans aberkannt wurde, sodass sie in der Wüste starben (3,17-19), so würden auch diese Judenchristen die Segnungen der Ruhe Gottes einbüßen und seine zeitliche Strafe erleben, wenn sie sich dafür entscheiden würden, abzufallen und zumJudaismus zurückzukehren. Zusammengefasst heißt das, die ursprünglichen Leser des Hebräerbriefes waren wie die Exodus-Generation in ihrem Kadesch. Sie wurden mit einer Entscheidung konfrontiert. Wenn sie es vorziehen würden, inder Reife nicht fortzuschreiten, würde ein schlimmes Gericht über siekommen (6,7.8). Jedoch wusste der Verfasser auch, dass die Leser eine solche letzte Wahl noch nicht getroffen hatten (V. 9.10).^^'^[19] Ebd. S. 82-83»a 112Die Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem WerkUm all das noch verständlicher zu machen, werden im Folgenden fünf Varianten aufgezeigt, diese Stelle zu erläuternd^®^ Erstens, wenn die Leser abfielen und dann zu einem späteren Zeitpunkt wieder gerettet würden, dann würde diese neue Errettung die Sünde ihres vorigen Abweichens wegnehmen. Weil sie aber nicht abfallen und erneut gerettet werden können, müssen sie zur Reife fortschreiten und anfangen, geistliche Frucht zu tragen. Zweitens, wenn es möglich wäre, abzufallen und wieder gerettet zu werden, was aber nicht der Fall ist, dann wäre es auch möglich, noch einmal von vorn anzufangen und die Fehler der Vergangenheit aufzuheben. Doch weil das nicht geht, müssen die Leser davor ge warnt werden, so zu leben, wie sie es jetzt gerade tun, damit sie anReife zunehmen. Vor dem Richterstuhl Christi werden sie Rechen schaft ablegen müssen über ihren Mangel an geistlicher Reife. Wegen der geistlichen Privilegien, die der Verfasser gerade aufgezählt hat, ist es unmöglich, abzufallen und wieder erneuert zu werden. Wegen die ser fünf geistlichen Vorrechte (einmal erleuchtet worden zu sein, die himmlische Gaben geschmeckt zu haben, des Heiligen Geistes teil haftig geworden zu sein, das gute Wort Gottes geschmeckt zu haben und die Kräfte des künftigen Zeitalters geschmeckt zu haben), und weil sie diese Dinge besaßen, können sie nicht zum ursprünglichen Embryonalzustand zurückkehren. Da sie nicht abfallen können, können sie sich auch nicht zurückziehen. Daher haben sie nur entweder die Möglichkeit, dort zu bleiben, wo sie sind, oder an Reife zuzunehmen. Der Grund, warum sie nicht das tun können, was ihnen vor schwebt, ist der: Sie können Jesus nicht noch einmal kreuzigen. Drittens, wenn es möglich wäre, abzufallen (und das ist nicht der Fall), könnten sie ihr geistliches Leben noch einmal von vorn begin nen. Da sie das geistliche Leben aber nicht noch einmal von vorn beginnen können, warnt der Verfasser sie davor, so zu leben, wie sie es jetzt gerade tun.[20] Dargelegt in einem Seminar von Dr. Charles Ryrie- - 113 Kapitel 2 ^Viertens, es ist fiir Gerettete unmöglich, abzufallen und somit all die verschwendeten Jahre des Versagens und der Unmündigkeit zu ent fernen. Das würde es erforderlich machen, dass Jesus noch einmal stirbt. Somit wäre er dem Spott ausgesetzt, da sein erstes Sterben nicht ausgereicht hätte. Weil all das undenkbar ist, und weil sie die Erfahrungen der vergeudeten Zeit als Gläubige nicht auslöschen können, gibt es fiir sie nur noch eines, was zu tun ist: Fortschritte inder Reife zu machen. Fünftens, nachdem sie die Unmündigkeit hinter sich gelassen ha ben, lasst sie nun in der Reife voranschreiten. Es ist ihnen nicht mög lich, abzufallen und dann wieder gerettet zu werden und mittels Erst buße zur Errettung nun ein neues Kapitel aufzuschlagen. Das würde ein erneutes Sterben Jesu nötig machen und sein erster Tod hätte kei nen Nutzen gehabt. Damit wäre er ein Gespött fiir die Gaffer. Zusammenfassend ist zu sagen, dass diese Judenchristen die Wahl, die sie zu haben glaubten, eben nicht hatten. Es stand ihnen nicht frei, ihre Errettung aufzugeben, zum Judaismus zurückzukeh ren und später noch einmal gerettet zu werden, denn das würde die erneute Kreuzigung Jesu nötig machen. Außerdem kommt Jesus Christus nicht wieder, um erneut gekreuzigt zu werden, weil er be reits alles zur Errettung getan hat. Er hat ein vollständiges Werk der Errettung vollbracht. Sie konnten zwischen zwei Wegen wählen: Sie konnten einerseits zum Judaismus zurückkehren. Das würde nicht den Verlust der Errettung bedeuten, aber es würde im Gericht von 70 n. Chr. den physischen Tod bedeuten. Andererseits konnten sie ein für allemal endgültig mit dem Judaismus brechen. Für jüdischeChristen damals und heute wird dieser Schritt durch Untertauchen bei der Wassertaufe vollzogen. Danach müssen sie Fortschritte in der Reife machen. Der übrige Text von Kapitel 6 versucht, die Leser zu ermutigen, genau das zu tun - nämlich an Reife zuzunehmen. Pentacosts Zusammenfassung lautet:114Die Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem WerkBei seiner Aussage ... und doch abgefallen sind (Heb 6,6) spricht der Schreiber nicht von der Beendigung ihrer Errettung, sondern vielmehr von ihrem Versäumnis, auf dem Weg zur Reife voran zugehen. In ihrem Fall wird Reife sich dadurch zeigen, ob sie in den gegenwärtigen Umständen voller Versuchungen Glauben an Gott haben. Solch ein Glaube wird auf die Ermahnung Lasst uns das Bekenntnis [confession] des Glaubens festhalten (4,14) re agieren. Sie werden Kraft empfangen, wenn sie mit Freimütig keit hinzutreten zum Thron der Gnade und dort Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe (V. 16). Solch ein Versäumnis, die Hilfe in Anspruch zu nehmen, die doch so leicht zugänglich ist, wäre gleichbedeutend mit Israels Unglaubebei Kadesch. Das Versäumnis, im Glauben zu wandeln, ist das Abfallen in Hebräer 6,6. Es folgt eine ernste Warnung vor den Folgen eines solchenVersäumnisses, im Glauben zu wandeln und damit die Vorteile der Glaubens- und Lebensruhe zu genießen: Es ist unmöglich ... sie wieder zur Buße zur erneuern (Heb 6,4.6). So, wie jene Gene ration in Israel die Segnungen dauerhaft verlor, die Gott denen zugedacht hatte, die ihren Glauben an ihn dadurch zeigten, dass sie seinem Gebot, ins Land einzuziehen, gehorchten, so würden auch diese Leser (durch eine definitive Entscheidung, zu den äu ßeren Formen des Judaismus zurückzukehren, die sie doch bei der Taufe aufgegeben hatten) dauerhaft die Segnungen und Vorrechte verlieren, die denen verheißen wurden, die im Glauben wandeln. So, wie jene Generation in Israel fiir 40 Jahre in die Wüste zurückgeschickt wurde, so würden auch diejenigen aus der Generation des Verfassers, die sich weigerten, weiterhin im Glauben zu wandeln, in einer weiteren Wüsten-Erfahrung den Verlust der Segnungen und Vorrechte erleiden. So wie Israel die gottgegebene Leiterschaft des Kaleb und Josua abgelehnt hat, so würden auch die Leser die Leiterschaft des Retters ablehnen, aufden sie einst vertraut hatten. Ihre Identifikation mit denen, dieHS ^Kapitel 2Christus gekreuzigt hatten, wäre gleichbedeutend mit einer er neuten Kreuzigung: da sie für sich den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen (V. 6). Solche Taten würden die Einbuße der Segnungen und Vorrechte zur Folge haben und würden dieLeser daran hindern, die Vorteile der Glaubens- und Lebensruhe zu genießenJ^^'Decker kommt zu folgendem Schluss:Was heißt das nun, dass es unmöglich ist, sie wieder zur Buße zu erneuern? Angesichts der Schlussfolgerungen, die in den vor angegangenen Abschnitten zusammengefasst wurden, sieht es so aus, als ob die Warnung gegen das »Abfallen" deshalb ausge sprochen wird, weil Gott festgelegt hat, dass es keine Wiederher stellung geben kann, wenn das Maß einmal voll ist. Man hätte dann nur noch das Gericht zu erwarten. Einige Aspekte dieser Schlussfolgerung müssen jedoch modifiziert werden. Erstens, die Unmöglichkeit ist nicht ontologisch, sondern ökonomisch zu verstehen. Das heißt, Gott hat festgelegt, dass (zu seinem eigenen Wohlgefallen) solche Grenzen gesetzt werden. Obwohl es für Gott ontologisch möglich wäre, jemand wiederherzustellen, der sich auf noch schlimmeren Wegen befindet, würde das seinem ei genen Gebot (und seinem Wesen) widersprechen. So etwas kannGott nicht tun. Zweitens, es ist für den Einzelnen wahrscheinlich nicht möglich, genau zu vfissen, wann (und vielleicht nicht ein mal, ob überhaupt) diese Linie überschritten wurde. Drittens, diese „Linie" bezieht sich auf einen Punkt, an dem Gott ein Urteil des unausweichlichen und unvermeidlichen Gerichts wegen der Sünde ausspricht. Dazu könnte auch so etwas gehören wie die „Sünde zum Tod" in I.Johannes 5,16. Viertens, solch ein Gericht fuhrt nicht zum Verlust des Heils. Es geht um das Gericht über[21] Pentecost, S. 134-135116-7??^ Die Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werkeinen Gläubigen, nicht um Verdammnis. Solche Züchtigungwird weiter hinten in Hebräer 12,5-11 erwähnt. Fünftens, die Erneuerung zur Buße ist die Sinnesänderung des Gläubigen in Bezug auf die Sünde, die im Spiel ist. Der Gläubige wird es un möglich finden, sein Verhalten zu ändern oder um Vergebung zu bitten. Der Text gibt keinen Hinweis darauf, ob das eine passive Erlaubnis für den Gläubigen ist, weiterhin zu sündigen, oder ob es ein Gericht in Form einer aktiven Verhärtung ist.'^^'Der Gedanke des Verfassers des Hebräerbriefes in Vers 1-6 wird in Vers 7.8 illustriert. In Vers 7 legt er dar, was das Gesetz des menschhchen Lebens lehrt: Die Verurteilung folgt auf die Vernachlässigung von Segnungen. Das kann man in der Natur beobachten. In der Na tur erwarten die Menschen bestimmte Ergebnisse unter bestimmten Bedingungen. Wenn der Regen auf die Erde fällt, und die Erde trinkt den Regen, dann erwarten die Leute, dass sie Kräuter hervorbringt für diejenigen, die sie gepflanzt und umhegt haben. In gleicherweise fallen Gottes Segnungen auf alle Gläubigen. Der Regen wird mit den Segnungen Gottes gleichgesetzt und die Erde mit allen Gläubigen. Wie der Regen auf alle Arten von Boden fäUt, so fallen auch Gottes Segnungen auf alle Arten von Gläubigen. Wie das Land, so bringen auch die Gläubigen Frucht und einige eben nicht. Schließlich müssen alle beurteilt werden. Dieser Vers erklärt auf bildhafte Weise die Warnungen und Ermahnungen im vorigen Abschnitt. Das Gericht wird die Folge sein, wenn man nicht fortfährt, Frucht zu bringen und an Reife zuzunehmen, denn auf Fruchtbarkeit folgen Segnungen, aber Fruchdosigkeit fuhrt zur Abweisung und zum Missfallen. Die Zeit fiir die Anerkennung oder die Belohnung wird der Richterstuhl Christi sein (IKor 3,10-15). Denn ein Landy das den häufig darauf kommenden Regen trinkt... Alle Gläubigen empfangen ihrer Stel lung entsprechend Segnungen von Gott, indem sie diese anwenden.[22] Decker, S. 48.=^45^ J27 —Kapitel 2Das Land bringt Kraut hervor Jur diejenigen^ um deretvoillen es auch bebaut wird. Manche Gläubige sind fruchtbar für Gott und seine Herrlichkeit. Als Folge davon empfangen sie Segnungen von Gott. Belohnungen sind das Produkt von Fruchtbarkeit. Gläubige, die an Reife zunehmen, empfangen Gottes Segen in Form von Belohnung im messianischen Reich, weil sie ein Leben gefuhrt haben, das fiir den Herrn nützlich war. Beispiele für ein nützliches Leben für denHerrn sind die Werke in Vers 10. Vers 8 nennt das Ergebnis der Fruchtlosigkeit: „...wenn es aber Dornen und Disteln hervorbringt". Ein Land, das Dornen und Dis teln hervorbringt, ist von Fruchtlosigkeit gekennzeichnet. Im Fal le eines Gläubigen sind das die Werke des Fleisches, die in Galater 5,19-21 aufgezählt werden. Dies sind die Werke des Fleisches, nicht die des Geistes. Das entspricht jenen Gläubigen, die laut 5,11-14 im Hören träge geworden sind. Sie fuhren ein Leben, das für den Herrn nutzlos ist. Die Folge davon ist Missbilligung. Dasselbe griechische Wort, das hier mit unbrauchbar übersetzt wird, wird auch in 1. Ko rinther 9,27 verwendet. Manche Übersetzung haben dort „Verwer fung" stehen, aber die bessere Übersetzung lautet MissbilligungP^^ Diejenigen, die Missbilligung erfahren haben, sind dem Fluch nahe. Das bedeutet nicht, dass sie gerade noch davongekommen sind. Esbedeutet, dass das Gericht nahe ist, und dass es noch nicht vollzo gen wurde. Dennoch ist das Gericht nahe. Außerdem bedeutet es für jene, die zum Gesetz und zum Opfersystem zurückkehren möchten, dass sie sich selbst erneut unter den Fluch des Gesetzes stehen (Gal 3,10-13). Im Endeffekt führt das zu ihrer „Verbrennung". Das Wort „Ende" verweist auf eine endzeitliche Perspektive. Das ist die Fol ge der Missbilligung vor dem Richterstuhl Christi. Es wird Werke geben, die verbrannt werden. Das fruchtlose Land selbst wird nicht verbrannt, sondern die Frucht des Landes. Dornen, Dornsträucherund Disteln werden verbrannt. Vor dem Richterstuhl Christi wird[23] In der Rev. Elb. steht das Adjektiv „verwerflich".Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werk 5^-^nicht der Gläubige verbrannt, sondern seine Werke. Wenn diese jü dischen Gläubigen in ihrem unreifen Zustand verharren und nichtan Reife zunehmen, werden sie unfruchtbar sein, ihre Werke werden verbrannt werden und sie werden getadelt werden. Aber das heißt nicht, dass sie ihre Errettung verÜeren. Sie verlieren nur ihre Be lohnung. Wenn sie andererseits zur Reife voranschreiten, werden sie Frucht bringen, gute Werke tun und Lohn empfangen. Segnungen von Gott können gebraucht bzw. missbraucht werden, um ein für Gott nützliches bzw. unnützes Leben hervorzubringen.Um diesen Abschnitt zusammenzufassen: Die irreversible Entscheidung, zum Judaismus zurückzukehren, wird zwei Dinge mit sich bringen: Züchtigung in diesem Leben und Verlust der Belohnungen im nächsten Leben. Die Exodus-Genera tion traf eine unwiderrufliche Entscheidung und konnte nicht zumverheißenen Land voranschreiten. Die Generation, an die der Heb räerbrief gerichtet war, konnte ebenso einen unwiderrufliche Ent scheidung treffen und es somit versäumen, an Reife zuzunehmen. Sie würden den Punkt ohne Rückkehr erreichen und geistlich unreif bleiben, wie auch die Exodus-Generation in der Wüste geblieben ist. Israel ist nicht nach Ägypten in die Sklaverei zurückgegangen, um erneut ein unerlöstes Volk zu werden. Dasselbe gilt für diese Gläu bigen: Sie würden nicht in einen unerretteten Zustand zurückgehen, sondern sie blieben in einem Zustand geistUcher Unreife. Die Folge davon wäre Züchtigung. Israel wurde durch den physischen Tod au ßerhalb des Landes gezüchtigt. Die Gläubigen hier würden durch den physischen Tod in diesem Leben und durch Verlust der Beloh nungen im Reich Gottes gezüchtigt. Gleason kommt zu ähnlichen Schlussfolgerungen:Angesichts des alttestamentlichen Segen-Fluch-Motivs wirddas kommende Gericht in Hebräer 6,7.8 am besten verstanden als Verlust von Segen und der Erfahrung zeitlicher Züchtigung anstelle von ewiger Zerstörung ... Deshalb wies Paulus darauf119Kapitell ^hin, dass es für einen Gläubigen möglich ist, „unbewährt" zu sein, wenn er nicht eifrig ist. Das meint er deutlich in 1. Korinther 9,27, ... wo er einen Gläubigen beschreibt, der es versäumt, in seinem Leben bezüglich moralischer Reinheit Disziplin zu hal ten. Paulus belegte diese Warnung mit Beispielen aus der Zeitder Exodus-Generation. Diese handelte unmoralisch und wur de physisch „umgebracht" (iKor 10,1-11). In ähnlicher Weisekönnte das Gericht von Hebräer 6,8 auch das Schicksal der Leser des Hebräerbriefes sein. Wenn sie sich weigerten, reifer zu wer den, könnten sie ebenfalls Gottes körperliche Strafe davontragen,die zum Tod fuhrt.Den Ausdruck dem Fluch nahe darf man nicht im Sinne von ewiger Verdammnis verstehen. Vielmehr ist damit das unmit telbare Bevorstehen göttlicher Strafe gemeint, was letztlich im physischen Tod gipfelt. Die Flüche des Bundes stellten Israels Stellung als Gottes Volk nicht in Frage, sondern waren zeitlicher und disziplinarischer Natur. Der Ausdruck er fährt am Ende zur Verbrennung meint nicht das „letzte Gericht zur Verdammnis", wie manche glauben. Weil das Land verbrannt wird, stellt es eine Parallele zu den Flüchen über das Land der Verheißung in 5.Mose 28 bis 29 dar. Manche haben vorgeschlagen, Hebräer 6,8 rede von der landwirtschaftlichen Praxis, ein Feld niederzubrennen, das nur Un kraut und Stoppeln hervorbringt, um den Boden für eine erneute Kultivierung zu reinigen. Jedoch scheint es einleuchtender zu sein, dieses Brennen als einen Verlust von Segen zu verstehen, wobei das Land, in welchem man den Segen erlebt, zerstört wird. Die se Form göttlicher Züchtigung kann schließlich zum Verlust des physischen Lebens fuhren. Das Gericht in Hebräer 6,7.8 stellteine Parallele zum Schicksal der Exodus-Generation dar, die bei Kadesch-Barnea rebellierte. Mit Ausnahme von Josua und Kaleb starben sie alle in der Wüste (5Mos 2,14). Ihr Sterben bedeutet nicht, dass sie unbekehrt gewesen wären, weil Mose und Aaron120Die Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werkebenso in der Wüste starben. Obwohl die „Rebellion" und der „Unglaube" des Mose und Aaron nicht dasselbe Ausmaß angenommen hatten wie bei der Exodus-Generation, werden diesel ben hebräischen Begriffe benutzt, um die Sünde eines jeden von ihnen zu beschreiben (vgl. 5Mos 9,23.24 und 4Mos 20,12.24). Als Leiterpersönlichkeiten wurden Mose und Aaron nacheinem höherem Maßstab beurteilt, und somit hatten sie dasselbeSchicksal zu erleiden wie die anderen. Allen, einschließlich Mose und Aaron, wurde der Eintritt ins Land wegen ihres Unglaubens verboten. Ihre Einbuße der Bundessegnungen wurde durch ihren körperlichen Tod außerhalb des Landes besiegelt. Diese Art zeitlicher Bestrafung, die schließlich zum physischen Tod fuhren könnte, wird auch mehrmals durch den Apostel Pau lus erwähnt. Er sprach davon, gewisse Leute dem Satan zu über liefern zum Verderben [ihres] Fleisches, damit der Geist errettet werde (IKor 5,5; iTim 1,20). Auch wegen ihrer Geringschätzung des Tisches des Herrn waren einige in der korinthischen Gemein de entschlafen. Das ist eine Metapher für den Tod (IKor 11,30). Wenn mit der Sünde zum Tod (IJoh 5,16) eine Sünde gemeint ist, die ein Gläubiger begangen hat, dann ist das ein weiteres Beispiel des Gerichts über einen sündigen Gläubigen, das zum Verlust des physischen Lebens führte. Gott kann dafür sorgen, dass ein un bußfertiger Christ seine Bundessegnungen durch den physischenTod verliert.^^^3. Die Gewissheit der Errettung - 6,9-20In diesen Versen werden die geistlichen Taten und Verpflichtungen dieser Gläubigen erläutert. In Vers 9-12 zeigt der Verfasser, dass die Tatsache der Gefahr den Trost der Hoffnung nicht ausschließt. In[24] Gleason, S. 86-88.- - - - 121 - Kapitel 2diesen Versen legt er dar, dass es ihre Pflicht ist, die Werke zu tun, die eine Begleiterscheinung der Errettung sind:» Wir aber sind, wenn wir amh so reden, im Hinblick auf euch, Gelieb te, vom Besseren und zum Heil Dienlichen überzeugt. Denn Gott ist nicht ungerecht, euer Werk zu vergessen und die Liebe, die ihr zu seinem Namen bewiesen habt, indem ihr den Heiligen gedient habt und dient. Wir wünschen aber sehr, dass jeder von euch denselben Eifer um die volle Gewissheit der Hofßtung bis ans Ende beweise.In Vers 9 ist der Schreiber in Hinblick auf seine Leser „vom Besseren überzeugt". Die Tatsache, dass er sie Geliebte nennt, zeigt, dass sie gläubig sind. Er ist überzeugt, dass sie ihre Unmündigkeit verlassen und zur Reife fortschreiten werden. Sie werden anfangen, die Werke hervorzubringen, die mit der Errettung einhergehen. Sie sind be reits im Besitz der Errettung, aber sie müssen vorwärts gehen und die Taten vollbringen, die sichtbares Zeichen fiir die Errettung sind. Er ist davon überzeugt, dass sie das auch tun werden, auch wenn er gezwungen war, mit ihnen in einem scharfen Ton zu reden. Die Tatsache allein, dass er sie Geliebte nennt, weist darauf hin, dass es sich um Gläubige handelt. Die vorhergehende, ernste Beschreibungder Gefahr, in der sie stehen, ist bei ihnen noch nicht Wirklichkeit geworden. Die Leser haben diesen Zustand noch nicht erreicht. Der Schreiber ist überzeugt, dass sie das Bessere hervorbringen werden,etwas Besseres als die Dornen, Dornsträucher und Disteln in Vers 8.Außerdem besteht der Beweis ihres erretteten Zustands laut Vers 10 in ihren früheren Werken. Sie haben bis zu einem gewis sen Ausmaß gute Werke hervorgebracht und tun das immer noch. Die Warnung wird nicht deshalb ausgesprochen, weil diese guten Werke nicht beachtet würden, denn Gott ist nicht ungerecht, solche Dinge zu vergessen. Der Verfasser zählt fünf Dinge auf, die Gott im Hinblick auf die Leser nicht vergessen wird; 1. Er wird ihr Werk nicht vergessen, ihre guten Werke, nachdem sie errettet wurden (Eph222Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werk ^5.^^2,10). 2. Er wird ihr Werk der Liebe nicht vergessen. Dieses Wortunterstreicht sowohl die Mühe als auch die Motivation hinter den guten Werken. 3. Er wird all das nicht vergessen, was sie im Hinblick auf seinen Namen bewiesen haben. Das zeigt, dass die Werke, die sie früher getan haben, zur Ehre Gottes geschehen sind. 4. Er wird ihren früheren Dienst an den Heiligen nicht vergessen. 5. Er wird ihren gegenwärtigen Dienst an den Heiligen nicht vergessen. Sie haben gute Werke hervorgebracht und sie werden fortfahren, gute Werke hervorzubringen. Die Zuversicht des Verfassers in Vers 9 basiert auf ihren Werken, die als Beweis für ihre Errettung dienten. Trotzdem bekräftigt er in Vers 11 erneut sein ursprüngliches Ver langen, dass sie reifer werden sollen, wie in 5,11-14 gesagt. Konti nuität und Durchhaltevermögen sind nötig. Sie werden nicht durch ihr Durchhaltevermögen errettet, aber sie erhalten den vollen Lohn, wenn sie durchhalten. Sie empfangen die volle Gewissheit der Hoff nung, und diese Hoffnung bringt Sicherheit bis ans Ende mit sich. Der Begriff für „Ende" bedeutet, bis sie reif geworden sind, was wie derum zu ihrer Heilsgewissheit fuhrt. Ihr Leben muss das widerspie geln, was sie glauben.Der erste von drei Wünschen, die der Verfasser hier formuliert, lautet: Sie sollen die geistliche Reife erlangen. In Vers 12 ermahnt er sie, nicht träge zu werden. Sie sollen reif werden, wie es auch andere durch Glauben und Ausharren getan haben. Das zweite Verlangen, das der Verfasser übermittelt, lautet: Sie soUen nicht träge bleiben. Das Wort träge ist dasselbe Wort, das in 5,11 benutzt wird. Sie sind „im Hören träge" geworden. Nun möchte er, dass sie ihre geistHche Träg heit verlassen. Sein drittes Verlangen ist, dass sie Nachahmer derer werden, die durch Glauben und Ausharren die Verheißungen erben. Sie müssen als Gläubige im Glauben bleiben. Sie müssen Geduld üben, Ausdauer haben und erkennen, dass die Verheißungen, auch wenn sie für eine andere Zeit gelten, erreichbar sind. Das griechische Wortfiir nachahmen lautet „mimic", aus dem das deutsche Lehnwort „mi men" entstand. Sie sollen jene mimen, die die Verheißungen durch123 ^-25 Kapitell —geduldiges Ertragen erlangt haben. Die Verheißung in diesem Kon text besteht im Erlangen geistlicher Reife in diesem Leben und den Belohnungen für das Reich im nächsten Leben. Im Hebräerbrief wird das Wort Verheißung achtzehn Mal verwendet. Sechzehn Malwird es fiir das Reich verwendet. Die Menschen, die man nachahmen soU, werden in Kapitel 11 aufgezählt.In Vers 13-20 wird erklärt, dass Gottes Verheißungen niemals falschsind. Gottes Anteil ist seine unveränderliche, unerschütterliche Ver heißung. In Vers 13-15 beginnt der Verfasser, indem er Gottes Ver heißung an Abraham darlegt:^ Denn ah Gott dem Ahraham die Verheißung gab^ schwor er bei sich selbst - weil er bei keinem Größeren schwören konnte — und sprach: „ Wahrlich^ reichlich werde ich dich segnen, und sehr werde ich dich mehren." Und so erlangteer, indem er ausharrte, die Verheißung.Gottes Verheißung an Abraham enthielt eine künftige Erfüllung und dafür muss man geduldiges Ausharren praktizieren. In Vers 13 stehtder Grund dafür, warum Abraham diese Gewissheit hatte und somit geduldiges Ausharren praktizieren konnte: Es war die Verheißung Gottes an ihn. Gottes Verheißungen kann man vertrauen auf Grundseiner Person. In Vers 14 zitiert der Verfasser 1. Mose 22,16.17, um zu zeigen, dass man den Verheißungen Gottes vertrauen kann, weil er Gott ist. Gott bestätigte nach großer Verspätung erneut seine Verheißungen an Abraham, um auch Abrahams geduldiges Ausharren erneut zu bestätigen. Man kann Gottes Verheißungen trauen wegen der Ziele, die er verfolgt. In Vers 15 fasst der Verfasser das lange Warten auf Isaak zusam men. Zwischen der Verheißung, die Gott dem Abraham gab, und der Zeit, als Isaak geboren und die Verheißung erfüllt wurde, waren 25 Jahre vergangen. Abraham übte sich 25 Jahre in geduldigem Aushar124 —— Die Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem Werk ^ ■ren, damit er die Verheißung erlangte. Abraham ist ein gutes Vorbild für die Gläubigen. Auch wenn Gottes Verheißungen nicht immer sofort in Erfüllung gehen, sind sie doch immer gewiss.In Vers 16-18 wendet sich der Verfasser nun den unerfüllten Ver heißungen an die Leser zu, auf die sie mit Zuversicht warten sollengrinsendes Smileyenn Menschen schwören bei einem Größeren^ und der Eid ist ihnen zur Bestätigung ein Ende alles Widerspruchs. Deshalb hat sich Gott, da er den Erben der Verheißung die Unwandelbarkeit seines Ratschlusses noch viel deutlicher beweisen wollte, mit einem Eid verbürgt, damit wir durch zwei unveränderliche Dinge, bei denen Gott doch unmöglich lügen kann, einen starken Trost hätten, die wir unsere L" uflucht dazu genommen haben, die vorhandene Hoffnung zu ergreifen.Es gibt gewisse Verheißungen, die den Gläubigen gegeben werden, und die Gläubigen tun gut daran, dem Beispiel Abrahams im ge duldigen Ausharren zu folgen. In Vers 16 behandelt der Verfasser Gottes Bestätigung. Wenn Gott eine Verheißung gibt, dann hat das zwei Auswirkungen. Erstens, aller Widerspruch und Streit hören auf. Und zweitens, es entsteht so etwas wie Vertrauen. Nun schwören ja die Menschen bei etwas, das größer ist. Menschen werden beim Al tar und beim Tempel schwören. Bei den Menschen soll dadurch eine Angelegenheit erledigt werden. Wenn ein Mensch bei etwas Grö ßerem schwört, dann versichert er, das Versprechen auch zu erfüllen. Es liegt in der Natur des Schwörens, sich auf eine höhere Autoritätzu berufen. Gott ist die höchste Autorität. Sein Wort schlichtet und bestätigt. Gott machte dieselbe Zusicherung, welche die Menschenmachen. Aber Gott konnte sich nicht an eine höhere Autorität wen den. Es gibt nichts Höheres oder Größeres als Gott selbst. Er ist die höchste Autorität und sein Wort bestätigt alles. Man kann nicht gegen sein Wort argumentieren. In Vers 17 verbürgte sich Gott mit einem Eid in seinem eigenen Namen, um es der menschlichen Weise gleichzutun, um den Erben- 125 —Kapitel 2der Verheißung ... noch viel deutlicher zu beweisen, um Abraham und seinem Samen zu garantieren, dass die Verheißung erfüllt werden wird. Was er verspricht, wird er auch einhalten. Weil sein Ratschluss invariabel, d. h. unveränderlich ist, sind auch seine Verheißungen be dingungslos und ewig. Gott legte einen Eid ab, als er seine Verhei ßung gab. Das heißt, Gott legte einen Schwur zwischen Abrahamund sich selbst. Er band Abraham an sich selbst mittels eines Eides. Die Verheißung Gottes allein genügt. Gott gab sein unveränderliches Wort bei der Verheißung. Gott hatte es nicht nötig, irgendetwas darüber hinaus noch zu tun. Doch er wollte es so. Als ob sein Wort nicht ausreichend wäre, legte er einen Eid ab. Somit kann man wegen sei nes Eides der Verheißung Gottes vertrauen. Am Ende gab es in Vers 18 nicht nur eine, sondern zwei unver änderliche Dinge. Erstens, die Verheißung an Abraham in 1. Mose 12 war unveränderlich. Als Abraham 75 Jahre alt war, versprach Gott ihm einen Sohn. Das Versprechen enthielt den Bundesschluss. Zwei tens, die Verheißung mit einem Eid wurde in 1. Mose 17 gegeben, als Abraham 99 Jahre alt war. Die Verheißung und der Eid waren die be dingungslosen Bundeszusagen. Gott hatte es nicht nötig, einen Eid abzulegen, aber er tat es aus zwei Gründen: Erstens, er wollte zeigen, dass seine Verheißung unveränderlich ist, denn Gott kann unmöglich lügen. Zweitens, er wollte denen eine starke Ermutigung bzw. einen starken Trost zukommen lassen, die ihre Z.uflucht bei ihm genommen haben. Das Wort Zuflucht erinnert an den Gedanken der Zufluchtsstädte. Der alttestamentliche Gedanke von der Zuflucht bildet den Hintergrund zu diesem Vers. Wie ein Mensch in eine Zufluchtsstadt flieht, so müssen auch die Gläubigen zum Messias fliehen, denn dort ist die vorhandene Hoffnung, die messianische Hoffnung. Abraham wartete mit Geduld und die Verheißung wurde erfüllt. Die Gläu bigen besitzen eine göttliche Verheißung, wonach sie geistliche Reife erlangen können. Sie müssen sie auf demselben Wege wie Abraham erwerben: durch Glauben und geduldiges Ausharren.126Die Vorrangstellung des Sohnes in seiner Person und in seinem WerkVers 19.20 beendet den Abschnitt mit dem Hinweis auf den EintrittJesu in den Himmel.» Diese haben wir als einen sicheren und festen Anker der Seele, der in das Innere des Vorhangs hineinreicht, wohin Jesus als Vorläufer für uns hineingegangen ist, der nach der Ordnung Melchisedeks Hoherpriester in Ewigkeit geworden istWie können die Gläubigen sicher sein, dass Gottes Verheißung, geistliche Reife zu erlangen, auch wirklich eintreten wird? Sie kön nen sich dessen gewiss sein, da der Messias, der ihre Zufluchtsstadt ist, schon in den Himmel eingetreten ist. Er ist jetzt im Moment imHimmel, und das ist die Basis für die Gewissheit, dass die Verhei ßung erlangt wird. In Vers 19 reicht die Hoffnung in die Gegenwart Gottes hinein, weil der Herr Jesus dort ist. Er ist hinter dem inne ren Vorhang des Allerheiligsten in der himmlischen Stiftshütte. Was für Abraham galt, gilt auch für die Gläubigen. Das, was sie glauben, existiert tatsächlich. Was sie jetzt nötig haben, ist geduldiges Aus harren. Da sie bei Jesus ihre Zuflucht genommen haben, sollten sie auch dort bleiben. Denn die vorhandene Hoffnung ist eine Hoffnungauf das, was kommen wird, wenn sie sehen werden, wie sich Gottes Verheißung in ihrem Leben erfüllt. Ihre Hoffnung ist so sicher wie die Wiederkunft Jesu, des Messias. Vier Tatsachen werden bezüglich dieser Hoffnung Gottes ge nannt: 1. Sie ist ein fester Anker der Seele. Sie wird dazu beitragen, sievor dem Abdriften zu bewahren, um das Problem von 2,1 zu vermei den. 2. Ihre Hoffnung ist gewiss oder unzerstörbar. 3. Sie ist fest. Sie liefert innere Kraft. Und 4. ist sie in der Gegenwart Gottes. Sie ist hinter dem Vorhang des Allerheiligsten, in der himmlischen Stiftshütte.In Vers 20 ist der Messias selbst die Garantie dafür, dass die Gläu bigen schließlich auch leibHch dort sein werden. Die Gläubigen ha ben nicht nur eine Garantie darauf, dass sie in diesem Leben geistlich127Kapitell ^reif werden, sondern sie haben auch eine Garantie auf den Himmel in nächsten Leben, denn Jesus ist nur der Vorläufer. Vorläufer bedeu tet, der Erste unter denen zu sein, die später nachkommen, und dass die Gläubigen diejenigen sind, die später nachkommen. Jesus gingleiblich in den Himmel und das werden auch sie tun. Jesus ist dort als ihr Hohepriester und er ist dort im Himmel in Eivigkeit. Gottes Ver heißung kann man vertrauen, weil er der Hohepriester ist, der nach der Ordnung Melchisedeks Hohepriester in Einigkeit geworden ist. Durch die Erwähnung der Ordnung Melchisedeks nimmt er das wieder auf, was er in 5,10 abgebrochen hat. Zuvor hatte er seinen Lesern gesagt, warum sie diese schwierigen Wahrheiten vielleicht nicht verstehen können. Nachdem er sie erneut dazu ermutigt hat, reifer zu werden, ist er nun bereit, die Ordnung Melchisedeks zu erklären.☀
 

Sulzbacher 28.02.2020 um 12:54

☀ Die vierte Warnung - väterliche Warnung vor der Gefahr der mutwilligen Sünde -10,26-31» Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, sondern ein furchtbares Erwarten des Gerichts und der Eifereines Feuers, das die Widersacher verzehren wird Hat jemand das Ge setz Moses verworfen, stirbt er ohne Barmherzigkeit auf zwei oder drei Zeugen hin. Wie viel schlimmerer Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade ge schmäht hat^ Denn wir kennen den, der gesagt hat: Mein ist die Rache, ich will vergelten; und wiederum: Der Herr wird sein Volk richten. Es ist fürchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!Vers 26 liefert ein Prinzip für solche Gläubige, die die Wahrheit ab lehnen, besonders jene Wahrheit, mit der sich der Verfasser bis jetzt beschäftigt hat. Das Wort denn verbindet das, was er gerade sagen will, mit dem, was er soeben gesagt hat. Er hat die Leser gerade vor dem kommenden Gerichtstag gewarnt und sie könnten unter dieses Gericht fallen, wenn sie das nicht beachten, was er sagt. Der vorige Abschnitt befasste sich mit der Notwendigkeit, sich zu versammeln. Der Verfasser hat schon davor gewarnt, dass unter solchen Umstän den ein Abweichen bereits stattgefunden haben könnte, denn einige weigerten sich, zusammenzukommen. Im Anbetracht dessen, dass manche schon aufgehört haben, Gemeinschaft mit anderen Gläu bigen zu pflegen, muss eine Warnung ausgesprochen werden. Die Warnung lautet: wenn wir mutwillig sündigen. Der Aus druck wenn wir sündigen ist ein konditionales Adverbialpartizip im Präsens. Wenn sie mutwillig sündigen - das ist eine fortlaufende Handlung. Der Schreiber spricht nicht von einer einfachen, isoHerten sündhaften Tat, sondern von einer bestimmten Sünde, die ge wohnheitsmäßig begangen wird. In diesem Zusammenhang ist diesä'iDie praktische Einwendung der Vorrangstellung des Sohnes im Wandel des GläubigenSünde die mutwillige und dauerhafte Rückkehr zum Judaismus. Im griechischen Text steht das Wort mutwillig vor wenn wir sündigen und wird durch diese Wortstellung besonders betont. Wörtlich heißt es: mutwillig wenn wir sündigen. Das ist keine Sünde, welche die Le ser aus Unwissenheit begehen würden, Sie würden es mutwillig tun. Das griechische Wort bedeutet „vorsätzlich, absichtlich". Es ist keine Sünde, die man aus Unwissenheit oder Schwachheit begeht, sondern es ist eine geplante Sünde, zu der sich jemand entschlossen hat und die mit Voraussicht begangen wird. Die Leser haben ihre Sünde im Voraus geplant. Sie haben sich die Sünde vorgenommen, aber zu die sem Zeitpunkt haben sie sie noch nicht begangen. Deshalb erteilt der Verfasser die Warnung: Denn wenn wir mutwillig sündigen^ nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben ... Die Leser haben bereits die Erkenntnis. Das griechische Wort, das hier für Erkenntnisbenutzt wird, heißt nicht einfach nur Erkenntnis. Es bedeutet voll ständige Erkenntnis. Nachdem die Empfänger diesen Brief gelesen haben, werden sie vollständige Erkenntnis der Wahrheit haben, d. h. sie werden das Problem, die Umstände und die Folgen ihrer Taten kennen. Wenn sie darauf bestehen, dennoch mutwillig zurückzuge hen, nachdem sie diesen Brief gelesen haben, wird offenbar werden, wie ungeheuerlich und schwerwiegend ihr Treuebruch ist. In solch einem Fall wird kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrigbleiben. Das wird das erste Resultat ihres Abweichens sein. Da Je sus abgelehnt wurde, haben sie kein weiteres Opfer fiir ihre Sünden. Er war ihr endgültiges Opfer. Dieses Resultat wiederum basiert auf dem alttestamentlichen Prinzip, wonach es für bestimmte Sünden, einschließlich Ehebruch, Mord und Lästerung, keine Opfer gab. Für diese Art Sünden konnten die Menschen kein Opfer darbringen, stattdessen wurden sie der Bestrafung durch den physischen Todunterworfen. Noch einmal: Das wird kein geistlicher Tod, sondern ein kör perlicher Tod sein. Während das Kreuz für die Ewigkeit alle Sünden bedeckt, gibt es hier eine Sünde, die das Kreuz Christi in diesemKapitel 3Leben nicht bedecken wird. Die Frage lautet: Was für eine Sünde ist das, die das Kreuz Jesu in diesem Leben nicht bedecken wird? Für die Ewigkeit werden ihre Sünden für immer entfernt. Aber worin besteht diese Sünde, fiir die das Blut Jesu nichts nützen wird, solan ge sie leben? Der Gesamtkontext zeigt, worin das Wesen der Sünde besteht: Es ist eine absichtliche Sünde, die sie mutwillig begehen, nachdem sie gläubig geworden und nachdem sie ausfuhrlich davor gewarnt worden sind. Der Gebrauch des Präsens zeigt, es ist eine Sünde, die sie weiterhin begehen, obwohl sie wissen, dass es verkehrt ist. Nach dem Kontext ist es das Zurückgehen zum Judaismus und das Verharren darin. Die Tat, die mit dieser Sünde verbunden ist, ist die Ablehnung aU dessen, was sie früher geglaubt haben, und die Nichtanerkennung ihrer früheren Handlungen, die gut und richtig waren. Die Folge dieser Sünde ist die Ablehnung ihres früheren Bekenntnisses, dass Jesus der Messias ist. Wenn man das, was der Schreiber in Vers 23-25 sagt, mit Vers 26-29 vergleicht, gehört zu dieser Sünde auch die Tatsache, das man sich selbst von anderen Gläubigen auf Dauer fernhält. Das bedeutet, zum Judaismus, zum Tempel und zu allem, was dazugehört, zurück zukehren, um der Verfolgung zu entgehen. Schlimmer noch: Diese Sünde ist ein Angriff auf die drei Elemente von Vers 29, nämlichdas Werk des Sohnes, das Werk des Vaters und das Werk des Hei ligen Geistes. Für diese Art Sünde gibt es kein weiteres Opfer, undder Einzelne wird somit dem Gericht unterworfen. Das Gericht ist ein körperliches, kein geistliches. Das Wesen des Gerichts in diesem Zusammenhang bedeutet dreierlei: Erstens, es bedeutet physischen Tod (V. 28.29). Zweitens, es bedeutet physischen Tod im Gericht des Jahres 70 n. Chr. (V. 25.27). Drittens, es bedeutet den Verlust der Segnungen im nächsten Leben (V. 35-36). Hier bildet wieder 4. Mose 15,29-31 den Hintergrund, welcher zeigt, dass es für einige Sünden kein Opfer gab. Das Prinzip lautet: Während für die Ewig keit alle Sünden des Gläubigen vergebbar sind, können in diesem Leben nicht alle Sünden bereinigt werden.1^2Die praktische Anwendung der Vorrangstellung des Sohnes im Wandel des Gläubigen —^Die zweite Folge ihres Abweichens ist nach Vers 27 ein größeres Gericht: einfurchtbares Erwarten des Gerichts. Das Gericht würde das alleinige Resultat sein, wenn man den einzigen Weg ablehnt. Es gibt keine extra Opfer för mutwilliges Abweichen. Stattdessen wird man das Gericht erleiden, und das ist der Eifer eines Feuers, das die Wider sacher verzehren wird. Das wird das körperliche Gericht im Jahr 70 n. Chr. sein, wenn die Stadt und der Tempel durch Feuer zerstört werden. In Vers 28 erinnert der Schreiber daran, dass das Alte Testament das Faktum des physischen Gerichts lehrt. Unter dem mosaischen Gesetz starb ein Mensch auf zwei oder drei Zeugen hin. Auf das Wort von zwei oder drei Zeugen hin konnte eine Person hingerichtet wer den. Durch welche Art Urteil wurde ein Mensch auf die Aussage von zwei oder drei Zeugen hingerichtet? Er wurde durch physischen Tod gerichtet. Wie in den drei vorangegangenen Warnungen geht es bei der vierten Warnung um den körperlichen Tod. Unter Mose erlitt eine Person, die dem Gesetz nicht gehorchte, den physischen Tod auf das Wort von zwei oder drei Zeugen hin. Nun wird der, der dem Einen, der größer ist als Mose, den Rücken kehrt, ebenfalls den körperlichen Tod 70 n. Chr. erleiden. Nach Vers 29 ist die Strafe unter der Gnade schwerwiegender als sie unter Mose gewesen ist, und aus diesem Grund wird man den physischen Tod erleiden: Wie viel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen... Die Ablehnung des mosaischen Gesetzes brachte Strafe mit sich. Wenn Jesus größer ist als Mose, dann wird die Abweisung Jesu, indem man ihm den Rücken kehrt, noch größere Strafe nach sich ziehen. Hier ist die Anwendung der Lehre. Jesus Christus ist größer als Mose. Das griechische Wort für Strafe gehört zu den ein zigartigen Wörtern. Es wird nur hier benutzt und sonst nirgendwo im gesamten Neuen Testament. In diesem Vers zeigt der Verfasser genau, was das Abweichen mit sich bringt, wenn diese jüdischen Gläubigen zum Judaismus zurück kehren. Es bedeutet die Ablehnung des Werkes der Trinität. Erstens fuhrt es dazu, dass der Sohn Gottes mit Füßen getreten wird. Der BeigßKapitelsgriff mit Füßen treten bedeutet „ungeheuerliche Verachtung", „Ver höhnung" und „als wertlos betrachten". Es bedeutet, das Werk Got tes, des Vaters, abzuweisen, der seinen Sohn gesandt und ihn zumSohn Gottes erklärt hat. Zweitens, wenn diese Gläubigen zum Judaismus zurückkehren, heißt das, dass sie das Blut des Bundes, durch das er geheiligt ivurde, für gemein erachten. Diese Leute sind durch das Blut bereits geheiligt worden. Sie sind in Bezug auf ihre Stellung geheiligt, doch nun ste hen sie in der Gefahr, ihre Heiligung hinter sich zu lassen, indem sie sich wieder dem Judaismus zuwenden. Wer das Blut des Bundes für gemein erachtet, sagt damit, dass dieses Blut nicht besser ist als das gewöhnlicher Menschen. Er betrachtet sein Blut als gewöhnliches Blut, nicht als besseres Blut. Das macht das Blut Jesu gemein und impliziert somit, dass Jesus für seine eigenen Sünden rechtmäßig litt. Und doch ist es genau dieses Blut, durch das diese Menschen gehei ligt worden sind. Und wieder ist die stellungsbezogene Heiligung gemeint, wodurch gesagt wird, dass die Leser gläubig sind, und doch wird Gott, der Sohn, abgelehnt, denn sein Blut wird geschändet. Drittens, es ist eine anmaßender Angriff auf den Geist: Sie ha ben den Geist der Gnade geschmäht. Das Wort geschmäht enthält den Gedanken von Arroganz und willkürlicher Verletzung. Es ist eine Beleidigung des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ist der Eine, der das Werk der Erneuerung und Heiligung vollbringt. Wenn dieLeser dem Werk des Geistes den Rücken kehrten, dann würden sie sich selbst mit dem jüdischen Geschlecht gleichsetzen, das sich der unvergebbaren Sünde schuldig gemacht hat, die in Matthäus 12 er wähnt wird. Die unvergebbare Sünde war die Lästerung des Heili gen Geistes. Die Lästerung des Heiligen Geistes hatte zum Inhalt,dass Jesus nicht der Messias sei, da er von Dämonen besessen sei. Im Wesentlichen haben diese jüdischen Gläubigen, wenn sie zum Juda ismus zurückkehren, den physischen Tod zu erwarten, denn durch ihre Rückkehr haben sie das Werk des dreieinigen Gottes sichtbar abgewiesen.Die praktische Anwendung der Vorrangstellung des Sohnes im Wandel des Gläubigen —^In Vers 30.31 zeigt der Verfasser den Grund für das Gericht, und warum Gott so hart durchgreifen muss: Es ist wegen seines Charakters. In Vers 30 beweist der Verfasser, dass Gott Gericht üben wird,und er zitiert zwei Stellen. Die erste zitierte Stelle ist 5. Mose 32,35. Dort wird gelehrt, dass die Rache das alleinige Vorrecht Gottes ist. Die zweite zitierte Stelle ist 5. Mose 32,36, wo gelehrt wird, dass Gott sein Volk richten wird. Weil diese Gläubigen sein Volk sind, wirder sie richten, wenn sie so handeln. Daher schließt er in Vers 31: Er ist furchtbaVy in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen! Der lebendige Gott merkt es, wenn sie die Sünde des Abweichens begehen, folglich wird er sie richten. Und wiederum ist das Gericht ein physisches.3. Ermutigung -10,32-39^ Gedenkt aber der früheren Tage, in denen ihr, nachdem ihr erleuch tet worden wart, viel Leidenskampf erduldet habty als ihr teils durch Schmähungen und Bedrängnisse zur Schau gestellt und teils Gefährten derer wurdety denen es so erging! Denn ihr habt sowohl mit den Gefan genen gelitten als auch den Raub eurer Güter mit Freuden aufgenommeny da ihr wisst, dass ihr jur euch selbst einen besseren und bleibenden Besitz habt. Werft nun eure Zuversicht nicht wegy die eine große Beloh nung hat. Denn Ausharren habt ihr nötig, damit ihry nachdem ihr den Willen Gottes getan habty die Verheißung davontragt. Denn noch eine ganz kleine Weiky und der Kommende wird kommen und nicht säumen.Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben; und: Wenn ersieh zurückziehty wird meine Seele kein Wohlgefallen an ihm haben. Wir aber sindnicht von deneny die zurückweichen zum Verderbeny sondern von deneny die glauben zur Gewinnung des Lebens.In Vers 32-34 ermutigt der Schreiber die Leute und ruft sie dazu auf, sich an ihren früheren, mutigen Glauben zu erinnern. In Vers 32 for dert er sie dazu auf, der früheren Tage zugedenken, als sie zum Glauben_/95 —Kapitel 3kamen, als sie erleuchtet wurden, als sie die Wahrheit erfassten und gerettet wurden. Wie in 6,4 ist das Wort erleuchtet im Sinne von Er rettung zu verstehen. Hier aber meint er eine bestimmte Zeitperiode in den frühen Tagen ihres Glaubens. Damals, als sie zum Glauben kamen, ertrugen sie viel Leidenskampf. In der Tat, sie litten als echte Gläubige. Dass sie als echte Gläubige gelitten haben, weist sie als echte Gläubige aus. Das Wort gedenken heißt nicht einfach nur „sich erinnern". Das griechische Wort bedeutet sorgfältig zurückdenken und in Gedanken das Vergangene völlig zu rekonstruieren und dann die Erinnerung an die Zeit festzuhalten, als sie Mut bewiesen hatten. Die erste Gegenmaßnahme gegen das Abweichen besteht darin, dassman sich an die frühe Zeit seines Glaubenslebens erinnert. In Vers 33 legt er zwei Aspekte ihres Leidens dar: das direkte und das indirekte. Erstens, das direkte Leiden bezeichnet das, was sie persönlich erlitten: teils ... zur Schau gestellt oder vorgeführt. Von dem griechischen Wort für zur Schau stellen kommt unser deutsches Lehnwort Theater her. Dies beschreibt diese jüdischen Gläubigen als Leute, die auf die Bühne gestellt und als Clowns angeschaut und ver spottet wurden. Sie wurden verspottet und litten auf zweierlei Weise. Sie erlitten Schmähungen^ d. h. sie wurden lächerlich gemacht und verhöhnt, und sie erlitten Bedrängnissedas heißt, sie wurden verfolgt in Bezug auf ihren Besitz. Sie verloren ihr Eigentum. Der zweite Aspekt ihrer Leiden war, dass sie auch indirekt litten, da sie mit an deren Gläubigen Kontakt hatten. Sie wurden Gefährten derer, denen es so erging. Auch wenn sie keine direkte Verfolgung durchmachten, litten sie doch indirekt, weil sie sich mit anderen Gläubigen verbun den hatten, die verfolgt wurden. In jener Zeit hatten sie es nicht unterlassen, sich zu versammeln.In Vers 34 erinnert sie der Schreiber an das Ausmaß und das Wesen der Gemeinschaft. Sie hatten mit den Gefangenen gelitten. Das Wort mitleiden bedeutet „innerer Kampf". Sie kämpften einen inneren Kampf (Mitleid) um derer wiUen, die im Kerker oder im Gefängnis waren. Sie hatten auch den Raub ihrer Güter mit Freuden196Die praktische Anwendung der Vorrangstellung des Sohnes im Wandel des Gläubigen —^aufgenommen. Das ist äußerlicher Verlust. Sie erlitten sowohl innerenals auch äußeren Verlust. Und doch waren sie dazu bereit, und zwaraus zwei Gründen: Erstens, sie wussten von einem besseren Besitz imHimmel. Und zweitens wusste sie, dass der Besitz im Himmel bleibendhim. ewig ist. Im Anbetracht dessen, was für einen Glauben sie in der Vergan genheit hatten, ermutigt sie der Verfasser in Vers 35-39 jetzt, mit demselben geduldigen Ausharren fortzufahren, damit sie vor demRichterstuhl Christi ihre Krone nicht verlieren. Und wieder steht in diesen Warnungen nichts davon, dass man sein Heil verlieren kann. Die Leser werden ihr physisches Leben verlieren und ihre Beloh nung, aber nicht ihr Heil. In Vers 35 lautet die Ermahnung: Weift nun eure Zuversicht nicht weg. Deshalb dürfen sie, im Anbetracht dessen, was der Verfasser kurz vorher gesagt hat, ihr Vertrauen nicht wegwerfen. Die Lektionen der Vergangenheit werden nun angewendet, um sie zu ermutigen, damit sie geduldiges Ausharren praktizieren. Die griechische Bedeutung ist stärker: „Schleudert die Kühnheit, die ihr euch damals angeeignet habt, nicht weg, als ob sie keinen Wert hätte." Die Zuversicht an die ser Stelle ist nicht nur eine mutige Einstellung. Sie schließt auch die Grundlage mit ein, auf der diese Zuversicht beruhte. Sie hatten ein Fundament der Zuversicht und handelten danach. Daraus folgte Siegesgewissheit. Sie waren zuversichtlich, weil sie Zugang zu Gottes Gegenwart hatten. Warum müssen sie erneut geduldiges Ausharren praktizieren? Damit sie nicht ihre Belohnung verlieren, denn es gibt eine große Belohnung vor dem Richterstuhl Christi. Dies ist das zwei te Abschreckungsmittel gegen das Abweichen: der drohende Verlust der Belohnung. Das, was sie nötig haben, ist laut Vers 36 geduldiges Ausharren: Denn Ausharren habt ihr nötig. Die Leser müssen wissen, dass Versu chungen zum Glaubensleben gehören. Sie brauchen keinen größe ren Glauben, sie brauchen mehr geduldiges Ausharren. Sie müssenGeduld üben, denn nur dann werden sie den Willen Gottes tun. Den197Kapitel3Willen Gottes zu tun bedeutet, sie werden Lohn empfangen. Wer sich nach dem Willen Gottes richtet, wird die Verheißung davontra gen. Die Verheißung beinhaltet zweierlei: erstens, geistliche Reife in diesem Leben, zweitens, Belohnung vor dem Richterstuhl Christi imnächsten Leben. In Vers 37.38 zitiert der Schreiber Habakuk 2,3.4 um zu zeigen,dass Gott sein Ziel zu seiner Zeit erreichen wird, auch dann, wenn esaus menschlicher Sicht so scheint, als ob er sich damit Zeit lässt bzw. sich verspätet. Wenn die Leser vollständig verstehen, dass Gott dieAbsicht hat, sein Ziel zur rechten Zeit zu verwirklichen, wird ihnen das in Zeiten der Verfolgung neue Hoffnung geben. Sich aus Furcht zurückzuziehen ist typisch für einen Ungläubigen. Das Kennzeichen eines Gläubigen ist, aus Glauben zu leben: Mein Gerechter aber wirdaus Glauben leben. In Vers 39 formuliert der Schreiber eine Anwendung auf diese jüdischen Gläubigen. Sie sind solche, die glauben und nicht solche,die zurückweichen. Wir aber [das bedeutet der Schreiber und die Leu te, an die er schreibt] sind nicht von denen, die zurückweichen zum Verderben. Solche, die zurückweichen zum Verderben sind Ungläubige. Gläubige leben aus Glauben. Gläubige sind nicht so wie Judas, der der ^ohn des Verderbens (Joh 17,12), und der nach Johannes 13,10.11, von Anfang an nie errettet war. Gläubige sind von denen, die Glauben zur Gewinnung des Lebens. Sie, der Schreiber und seine Leser, habenrettenden Glauben. Der Gedanke hier lautet: Ihre Leiden werden nicht ewig andauern, aber ihre Errettung besteht fiir immer, denn siehaben rettenden Glauben. In diesem Abschnitt geht es darum, dass sie früher Geduld imd Ausharren praktiziert hatten. Im Anbetracht dessen müssen sie damit fortfahren, Geduld und Ausharren zu üben, in dem Wissen, dassGott zur rechten Zeit zu seinem Ziel kommen wird.☀
 

Sulzbacher 28.02.2020 um 20:00

☀ Dießinfie Warnung: Väterliche Warnung gegen Gleichgültigkeit an gesichts des besseren Blutes an einem besseren Ort —12^25-29^ Seht zuj dass ihr den nicht abweisty der da redet! Denn wennjene nicht entkamen^ die den abwiesen^ der auf Erden die göttlichen Weisungen gab: wie viel mehr wir nichts wenn wir uns von dem abwenden^ dervon den Himmeln her redet! Dessen Stimme erschütterte damals die Erde; jetzt aber hat er verheißen und gesagt: Noch einmal werde ich nicht nur die Erde bewegen, sondern auch den Himmel. Aber das noch einmal deutet die Verwandlung der Dinge an, die als geschaffene erschüttert werden, damit die unerschütterlichen bleiben. Deshalb lasst uns, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, dankbar sein, wo durch wir Gott wohlgefällig dienen mit Scheu und Furcht! Denn auchunser Gott ist ein verzehrendes Feuer.246Die praktische Anwendung der Vorrangstellung des Sohnes im Wandel des GläubigenIn Vers 25 erinnert der Verfasser die Gläubigen erneut an die Ver gangenheit. Die irdische Haushaltung wurde damals abgelehnt, aber der Eine spricht jetzt aus dem Himmel. Die Ermahnung lautet so:^eht zu, dass ihr den nicht abweist, der da redet! Das Wort seht wird durch die Satzstellung stärker betont und das Griechische ist hierstärker als das Deutsche: hütet euch, dass nicht... Es unterstreicht eine Verpflichtung, die sie haben, angesichts dessen, was der Verfasser zu vor gesagt hat, besonders in Vers 18-24. Das Wort abweisen enthält den Gedanken von verwerfen. Das griechische Wort für abweisen istdasselbe wie in Vers 19, wo die Israeliten baten oder bettelten, dass Gott nicht noch einmal mit ihnen reden würde. Die Anwendung lautet wie folgt: Verschließe deinen Ohren nicht der Stimme Gottes, wie die Israeliten am Sinai taten. Hüte dich, dass du ihn nicht abweist oder verwirfst. Wenn der Schreiber sagt den, der redet, ver wendet er das Präsens, sodass Gott auch jetzt im Moment spricht. Er stellt Himmel und Erde gegenüber: Denn wenn jene nicht entkamen, die den abwiesen, der auf Erden die göttlichen Weisungen gab: wie vielmehr wir nicht, wenn wir uns von dem abwenden, der von den Himmelnher redet!Und wieder verwendet der Schreiber ein „kal ve-chomer"-Argument. Wenn der Sohn größer ist als Mose, dann sind diejenigen, die ihn jetzt abweisen (solche, die die gegenwärtige Stimme ableh nen) größerer Sünde schuldig als die israeUtischen Väter des Aus zugs. Auch hier befasst sich der Autor nicht mit dem Verlust des Heils, sondern mit zeitlichen, physischen Strafen in diesem Leben. Er spricht vom physischen Tod. Jene unter Gesetz entkamen nicht der zeitlichen Strafe für die Übertretung des Gesetzes. Wie kannman sich nun vom Neuen Bund abwenden und darauf hoffen, der zeitlichen Strafe zu entgehen? Weiter vorn hat der Autor gezeigt, dass es eine große Erschüt terung gab, als das Gesetz auf dem Berg Sinai gegeben wurde. Es gab eine Erschütterung in der Geschichte: Dessen Stimme erschüt terte damals die Erde (2Mos 19,18; Ri 5,4.5; Ps 68,8.9; 77,19; 114,7),247Kapitel 3und es wird auch eine zukünftige Erschütterung geben. Dann zi tierte er Haggai 2,6, wo von dieser letzten Erschütterung gesprochen wird, indem er auf die Erschütterung hinweist, die vor dem Zweiten Kommen auftreten wird. Diese letzte Erschütterung besteht aus den Gerichten der großen Trübsal, die der Gründung des messianischen Reiches vorangeht. In der jüdischen apokalyptischen Literatur wurde dieser Vers so ausgelegt, als spreche er vom letzten eschatologischen Erdbeben, das den ganzen Kosmos mit einbezieht. In der Vergan genheit hat Gott nur die Erde erschüttert, aber für die Zukunft plantGott, sowohl die Himmel als auch die Erde zu erschüttern. Dies wird in Verbindung mit dem Zweiten Kommen stattfinden. Aus Haggai 2,6 formuliert der Verfasser eine Anwendung fiir heute, denn es gibt eine Erschütterung, die bald geschehen wird. Durch diese Erschüt terung wird Jerusalem und der Tempel zerstört werden. Es ist die Erschütterung von 70 n. Chr. Für die gegenwärtige Zeit sagt der Schreiber, dass der Eine, der auf dem Sinai sprach und den Sinai er schütterte, nun aus dem Himmel in Gnade spricht. Die Leser leben in einer Zeit zwischen zwei Erschütterungen. Gott spricht nun leisein Gnade, aber in der Zukunft wird er laut im Gericht mit Erschüt terung sprechen. Wenn er laut mit Erschütterung spricht, wird es ein Gericht sein und er wird die gegenwärtige Ordnung zum Ende brin gen. Die Tempelordnung und das levitische System werden aufhören zu funktionieren. Letztendlich wird es eine letzte Erschütterung in Verbindung mit dem Zweiten Kommen geben. In Vers 27 wird diese letzte Erschütterung vor dem Zweiten Kommen eine endgültige unerschütterliche Ordnung einleiten. Er zitiert erneut einen Ausdruck aus Haggai - noch einmal — um eine Anwendung zu formulieren. Die Anwendung lautet: Das, was man erschüttern kann, ist vorübergehend. Das Unerschütterliche ist ewig.Die Tatsache, dass diese Erde einmal erschüttert wurde und erneut erschüttert werden wird, zeigt, dass diese Erde vergänglich ist. Des halb deutet die Erschütterung die Verwandlung der Dinge an, die als geschaffen erschüttert werden. Das, was man erschüttern kann, muss248Die praktische Anwendung der Vorrangstellung des Sohnes im Wandel des Gläubigenzerstört werden, damit die unerschütterlichen bleiben^ denn die uner schütterlichen sind ewig. Das gegenwärtige System kann man er schüttern und daher wird es zerstört werden, doch wenn das Reich aufgerichtet ist, wird es unerschütterlich sein. Im griechischen Text benutzt der Verfasser das Wortjetzt. Indem er das (griechische) Wortnun statt des Wortes tote verwendet, deutet er an, dass die Erschütte rung bereits begonnen hat. Der Hebräerbrief wurde irgendwann zwischen 64 und 66 n. Chr. geschrieben, und der erste jüdische Aufstand gegen Rom würde mit voller Wucht im Jahr 66 n. Chr. ausbrechen. In den beiden Jahren vor 66 n. Chr. gab es mehrere Mini-Aufstände in verschiedenen Städten des Landes Israel. Diese Mini-Aufstände waren ein Vorspiel für den großen Aufstand. In diesem Vers deutet der Verfasser an, dass die Erschütterung bereits angefangen hat, aber die gegenwärtige Erschütterung ist nur ein Vorspiel für die Erschütterung, die dem gegenwärtigen System ein Ende setzen wird. Er sah die nahe bevor stehende Zerstörung Jerusalems voraus. Der Tempel und der AlteBund sind zu erschüttern und daher sind sie zeitlich. Aber das neue Jerusalem und der Neue Bund sind unerschütterlich und daher ewig. Nach Haggai 2,6 wird bei dieser letzten Erschütterung das Alte ver gehen, und das Neue wird eingeführt werden. Diese Handlung wird den Heiligen einen passenden Ort geben, wo sie für alle Ewigkeit leben können. Die Anwendung für die Leserschaft hier lautet so: Das Zurückgehen in das levitische System bedeutet die Rückkehr zuetwas, das bald zerstört werden Avird. In Vers 28 zieht der Verfasser seine Schlussfolgerung: deshalb. Da die Leser dazu bestimmt sind, ein unerschütterliches Reich zu empfan gen (nämlich das himmlische Jerusalem und das ewige Reich Gottes), lautet die Anwendung: Lasst uns ... dankbar sein. Wie Offenbarung 20 bis 22 zeigt, wird das Tausendjährige Reich der ewigen Ordnung den Weg bereiten und diese einleiten. Erneut betont er eine Aussa ge, die er schon mehrmals gemacht hat - die Notwendigkeit, sich die Gnade anzueignen (4,16). Die Gläubigen stehen inmitten dieser249Kapitels —Versuchungen und das ist nicht die Zeit, um über die Rückkehr zum Judaismus nachzudenken. Es ist die Zeit, um über die Aneignung der Gnade nachzudenken. Der Zweck, die Gnade zu ergreifen, besteht darin, dass wir... dienen. Die Gläubigen sollen Gott wohlgefällig die nen. Gott wohlgefällig zu dienen heißt, ihm in annehmbarer Weise mit Scheu und Furcht zu dienen. Die Blutopfer sind keine annehmbare Art mehr, um sich Gnade anzueignen. Warum sollen die Leser das tun? Sie sollen sich Gnade aneig nen, weil das göttliche Gericht die Alternative ist, wie der Schrei ber in Vers 29 sagt. Er zitiert 5. Mose 4,24: Denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer. Dieser Ausdruck macht deutlich, dass Gott, obwohl er ein Gott der Gnade ist, auch ein Gott des Gerichts für diejenigen ist, die es versäumen, die Gnade zu erfassen. Wenn sie die Gnade nicht ergreifen und stattdessen zum Judaismus zurückkehren, werden sie durch den körperlichen Tod gerichtet werden. Es ist eine Warnung vor der Züchtigung in diesem Leben an solche, die sich dem Judaismus erneut zuwenden.☀
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