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Die Kirche bietet allen die Möglichkeit, den Weg der Heiligkeit zu gehen, der der Weg des Christen ist: Sie lässt uns Jesus Christus in den Sakramenten begegnen, besonders in der Beichte und in der Eucharistie; sie gibt uns das Wort Gottes weiter, sie lässt uns in der Nächstenliebe leben, in der Liebe Gottes zu allen. Fragen wir uns also: Lassen wir uns heiligen? Sind wir eine Kirche, die die Sünder ruft und sie mit offenen Armen aufnimmt, die Mut, Hoffnung schenkt oder sind wir eine Kirche, die in sich selbst verschlossen ist? Sind wir eine Kirche, in der man die Liebe Gottes lebt, in der man dem anderen Aufmerksamkeit entgegenbringt, in der man füreinander betet? Eine letzte Frage: Was kann ich tun, der ich mich schwach, zerbrechlich, sündig fühle? Gott sagt zu dir: "Hab keine Angst vor der Heiligkeit, hab keine Angst, dir hohe Ziele zu setzen, dich von Gott lieben und reinigen zu lassen, hab keine Angst, dich vom Heiligen Geist leiten zu lassen." Lassen wir uns anstecken von der Heiligkeit Gottes. Jeder Christ ist zur Heiligkeit berufen (vgl. Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 39-42); und die Heiligkeit besteht nicht in erster Linie darin, Außergewöhnliches zu vollbringen, sondern Gott handeln zu lassen. Sie ist die Begegnung unserer Schwachheit mit der Kraft seiner Gnade, sie bedeutet, auf sein Handeln zu vertrauen, das es uns gestattet, in der Liebe zu leben, alles mit Freude und Demut zu tun, zur Ehre Gottes und im Dienst am Nächsten. Es gibt ein berühmtes Wort des französischen Schriftstellers Léon Bloy. In den letzten Augenblicken seines Lebens sagte er: »Es gibt nur eine Traurigkeit im Leben: kein Heiliger zu sein«.

Papst Franziskus
„Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben


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Jeder Heilige hat den „breiten und von vielen beschrittenen Weg“ (vgl. Mt 7,13) verlassen müssen, um allein zu bleiben, im Abseits, um dort in der Tugend zu leben: Elia, Elisha..., Jakob,... Die Wüste und das Hinter-sich-Lassen der lärmenden Geschäftigkeit des Lebens führen den Menschen in die Freundschaft mit Gott hinein. So wurde Abraham, als er das Land der Chaldäer verlassen hatte, „Freund Gottes“ (Jak 2,23). Auch der große Mose hat beim Aufbruch aus dem Land Ägypten... mit Gott von Angesicht zu Angesicht gesprochen und wurde aus den Händen seiner Feinde befreit und hat die Wüste durchquert. All diese Menschen sind ein Bildnis für den Auszug aus der Finsternis ins wunderbare Licht und des Aufstiegs zur himmlischen Stadt (Heb 11,16), für den Vorgeschmack des wahren Glücks und des himmlischen Gastmahls. Was uns anbelangt, so haben wir Denjenigen unter uns, der mittels Schatten und Symbole angekündigt wurde, damit meine ich das Ebenbild des Vaters, unseren Herrn Jesus Christus (vgl. Kol 2,17; 1,15). Wenn wir ihn allezeit als Nahrung in uns aufnehmen, wenn wir mit seinem Blut die Türpfosten unserer Herzen bestreichen, werden wir von der Fronarbeit unter dem Pharao und seiner Vorsteher befreit werden (vgl. Ex 12,7; 5,6f) ... Endlich haben wir den Weg gefunden, um von der Erde zum Himmel hinübergehen zu können ... zur Zeit des Mittlers Mose ging der Herr den Kindern Israels in einer Feuersäule und in einer Wolke voran; jetzt spricht Er selbst uns an, indem er sagt: „Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen (Joh 7,37f). Auf dass doch ein jeder sich vorbereiten möge, um sich bei diesem Festmahl einzufinden; möge er hinhören, wie der Erlöser ihn zu sich ruft, da doch Er es ist, der uns alle tröstet und jeden auf besondere Weise. Dass Derjenige, der hungert, zu ihm gelange, da Er doch das Brot des Lebens ist (Joh 6,32). Dass Derjenige, der dürstet, doch zu ihm gelange: Er ist die Quelle lebendigen Wassers (Joh 4,10). Dass der Kranke zu ihm gelange: zu ihm, dem Logos, dem Wort Gottes, das die Kranken heilt. Wenn jemand von der Last der Sünde niedergedrückt wird und voller Reue ist, findet er Zuflucht zu seinen Füssen: Er ist Ruhestätte und Hafen allen Heils zugleich. Möge das Vertrauen des Sünders aufleben, da Er doch sagt: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen“ (Mt 11,28).
Athanasius


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“ sagt die Schrift", und Christus beginnt seine Seligpreisungen mit dem Wort: „Selig, die arm sind vor Gott“… Wollt ihr das Lob der Armut hören? Jesus Christus selber hat sie erwählt, er, der „keinen Ort hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte“, und der zu seinen Jüngern sagte: „Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel… nehmt kein zweites Hemd mit“; und sein Apostel Paulus: „Wir haben nichts und haben doch alles“; und Petrus: „Silber und Gold besitze ich nicht“… Keiner betrachte also die Armut als eine Schande, denn im Vergleich zur Tugend sind alle Güter dieser Welt nur Stroh und Staub. Lieben wir also die Armut, wenn wir das Himmelreich besitzen wollen: „Verkauf deinen Besitz, gib das Geld den Armen, so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben“… Keiner ist reicher als einer, der sich aus freien Stücken und großherzig für die Armut entscheidet…; er ist reicher als ein König. Könige brauchen viel, sie haben Angst, mittellos zu werden. Dem Armen jedoch, von dem wir sprechen, fehlt nichts, er fürchtet sich vor nichts. Ich frage euch nun, wer von beiden der reichere ist: der darauf aus ist, immer noch mehr zusammenzuraffen, oder der andere, der sich über Weniges so freut, als lebte er im Überfluss?... Geld macht zum Sklaven: „Geschenke und Gaben blenden die Augen der Weisen“, sagt die Schrift… Teilt also euer Gut mit den Armen, sucht und folgt Jesus Christus…, und eines Tages werdet ihr das beseligende Wort hören: „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.“


Johannes Chrysostomos
„Er verkauft alles, was er besitzt“


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Wenn wir die Tugend häufig nicht üben, ist es auf unser kompliziertes Wesen zurückführen, das von sich weist, was einfach ist. Oft begreifen wir die Großartigkeit nicht, die ein Akt der Einfachheit in sich birgt, weil wir das Große im Komplizierten suchen, weil wir die Bedeutung der Dinge an ihrem Schwierigkeitsgrad messen… Die Tugend, Gott, das innerliche Leben: Wie schwierig erschien es mir, das zu leben! Jetzt ist es nicht so, als besäße ich Tugend oder als seien meine Gotteskenntnis und mein geistliches Leben vollkommen geklärt, aber ich habe erkannt, dass man dahin gelangt, mit genau dem Gegenteil: nämlich mit der Einfachheit und Schlichtheit des Herzens… Ja tatsächlich: Um Tugend zu besitzen, ist es nicht erforderlich, eine akademische Laufbahn hinter sich zu bringen oder sich geistreichen Studien zu widmen. Der einfache Akt des Wollens genügt; häufig genügt der einfache Wille dazu. Warum wohl besitzen wir manchmal keine Tugend? Weil wir nicht einfach sind, weil unsere Wünsche zu kompliziert sind, weil unser schwacher Wille – der sich vom Angenehmen, Bequemen, Unnötigen und oft von den Leidenschaften leiten lässt – uns alles, was wir wollen, schwer macht… Wenn wir wollten, könnten wir heilig sein; es ist viel schwieriger, Ingenieur zu werden, als heilig zu sein.



Rafael Arnáiz Barón
„Weil sie sich nicht bekehrt hatten
Geistliche Schriften, 25.01.1937


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