Weblog von CH2006

Dieser Blog wird von CH2006 moderiert.


Er, der in die Welt kommt und jeden Menschen erleuchtet (Joh 1,9), er ist der wahre Spiegel des Vaters. Christus kommt als Abglanz des Vaters (Hebr 1,3) und nimmt von denen die Blindheit, die nicht sehen. Christus, der vom Himmel kommt, er kommt, damit alles Fleisch ihn schaue…; nur der Blinde konnte Christus nicht sehen, den Spiegel des Vaters… Christus hat diese Art von Gefängnis geöffnet, hat den Schleier von den Augen des Blinden gezogen – und der Blinde konnte Christus sehen, den Spiegel des Vaters …

Der erste Mensch war als Sehender geschaffen; aber er fand sich als Blinder wieder, nachdem er von der Schlange weggegangen war. Dieser Blinde begann wiedergeboren zu werden, als er zu glauben begann… Der Blindgeborene saß da… ohne irgendeinen Arzt um eine Salbe zur Heilung seiner Augen zu bitten… Da kommt der Schöpfer des Alls und lässt im Spiegel sein Antlitz aufleuchten. Er sieht das Elend des Blinden, der da kauert und um Almosen bettelt. Welches Wunder der Macht Gottes! Sie heilt, was sie sieht, sie macht licht, was sie heimsucht…

Er, der das Erdenrund geschaffen hat, öffnete jetzt das Rund der blinden Augen… Der Töpfer, der uns gemacht hat (Gen 2,6; Jes 64,7), sah diese leeren Augen… er machte mit dem Speichel einen Teig und bestrich damit den Blinden: so formte er die Augen des Blinden. Der Mensch ist aus Ton geformt, aus einer Salbe von feuchter Erde…; die Materie, die zunächst dazu diente, Augen zu bilden, hat diese dann geheilt. Was ist das größere Wunder: den Sonnenball zu schaffen oder die Augen des Blindgeborenen neu zu erschaffen? Der Herr auf seinem Thron brachte die Sonne zum Erstrahlen. In ihrem Lauf warf sie ihr Licht auf die Erde und ließ den Blinden sehend werden. Das Licht ist gekommen, ohne dass man es erbat, und der Blinde wurde von seiner Krankheit, an der er von Geburt an litt, befreit, ohne dass er darum hätte inständig bitten müssen.


Kommentare (0)

Liebe Schwestern, eines sollt ihr doch wissen: Wenn ich einem Menschen begegnete, der tatsächlich fühlt wie der Zöllner und der sich aufrichtig für einen Sünder hält… ich würde ihm – vorausgesetzt, er hätte bei seinem Gefühl der Niedrigkeit das Bedürfnis, ein guter Mensch zu sein – guten Gewissens jeden zweiten Tag den Leib unseres Herrn reichen… Wenn der Mensch sich weiterhin vor schweren Stürzen und Fehlern bewahren will, dann ist es unerlässlich, dass er sich von dieser edlen und kraftspendenden Speise ernährt … Deshalb dürft ihr nicht leichtfertig der Kommunion entsagen, bloß weil ihr wisst, dass ihr Sünder seid. Im Gegenteil, ihr müsst noch schneller zum Tisch des Herrn gehen. Denn von dort kommt alle Kraft, alle Heiligkeit, alle Hilfe und aller Trost; dort ist dies alles verwahrt und verborgen.

Ihr dürft aber auch nicht solche verurteilen, die das nicht tun… Ihr sollt überhaupt nicht urteilen, um nicht dem Pharisäer ähnlich zu werden, der sich selbst rühmte und den verurteilte, der ganz weit hinten stand. Hütet euch davor wie vor dem Verderben eurer Seele…; hütet euch vor der gefährlichen Sünde, andere zu tadeln…

Wenn der Mensch am Gipfel seiner Vervollkommnung angekommen ist, dann hat er nichts nötiger als hinabzutauchen in die tiefsten Tiefen, hinab zu den Wurzeln der Demut. Denn wie die Höhe eines Baumes abhängig ist davon, wie tief seine Wurzeln gründen, so ist die Höhe des Lebens, das ihr führt, [u]abhängig von der Tiefe der Demut[/u]. Deshalb wurde der Zöllner ja erhoben, der die tiefsten Tiefen seiner Erbärmlichkeit hatte erkennen müssen, sodass er nicht mehr die Augen zum Himmel zu erheben wagte. Denn „er kehrte als Gerechter nach Hause zurück“.

Johannes Tauler (ca. 1300-1361), Dominikaner in Straßburg
Predigt 48, zum 11. Sonntag nach Trinitatis


Kommentare (1)

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben.“ „Deinen“ Gott, heißt es, was ein Grund dafür ist, ihn noch mehr zu lieben. Wir lieben nun mal eben das viel mehr, was uns gehört, als das, was uns nicht gehört. Ganz sicher verdient der Herr dein Gott es, geliebt zu werden; er ist dein Diener geworden, damit du ihm gehörst und du nicht errötest, wenn du ihm dienst... Dreißig Jahre lang hat dein Gott dir gedient, deiner Sünden wegen, um dich aus der Sklaverei des Teufels zu befreien. Also sollst du den Herrn deinen Gott lieben. Er, der dich erschaffen hat, ist dein Diener geworden, um deinetwillen; er hat sich dir ganz hingegeben, damit du wieder du selbst wirst. Als du elend warst, hat er dein Glück wieder hergestellt, hat sich dir hingegeben, um dich wieder zu dir selbst zu bringen.

Du sollst den Herrn deinen Gott also „aus ganzem Herzen“ lieben. ‚Ganz’: du kannst nichts von dir für dich selbst behalten. Er möchte, dass du dich ihm ganz und gar gibst. Er hat dich ganz und gar mit seiner ganzen Person erkauft, um dich zu besitzen: Er ganz allein, dich ganz und gar. Du sollst also den Herrn deinen Gott, aus ganzem Herzen lieben. Behalte nicht, wie Hananias und Saphira, einen Teil von dir für dich, du könntest sonst umkommen wie sie (Apg 5,1 f.). Liebe also ganz und nicht zum Teil. Gott hat keine Teile; er ist überall ungeteilt. Er möchte in deinem Wesen keine Teilung, er, der in seinem Wesen ganz ist. Wenn du einen Teil von dir für dich selbst reservierst, gehörst du dir und nicht ihm.

Möchtest du also alles besitzen? Gib ihm, was du bist, und er gibt dir, was er ist. Du hast nichts mehr von dir für dich selbst; aber du wirst ihn ganz haben, und obendrein noch dich selbst ungeteilt.

Antonius von Padua (um 1195 - 1231), Franziskaner, Kirchenlehrer
Predigten zum Sonntag und zu den Heiligenfesten
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus ganzem Herzen“


Kommentare (5)


Kommentare (1)