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Dieser Tag ist der erste Tag einer neuen Schöpfung. An diesem Tag erschafft Gott „einen neuen Himmel und eine neue Erde“ (Jes 65,17; Offb 21,1)… An dem Tag wird der echte Mensch geschaffen, der Mensch, der „Gottes Abbild und ihm ähnlich ist“ (Gen 1,26). Mach dir klar, welche Welt eingeweiht wird an diesem Tag, an dem „Tag, den der Herr gemacht hat“ (Gen 1,26)… Der Tag hat den Schmerz des Todes behoben und „den Erstgeborenen der Toten“ (Kol 1,18) zur Welt gebracht. An diesem Tag wird der Kerker des Todes zerstört, die Blinden werden wieder sehend, „das aufstrahlende Licht aus der Höhe wird allen leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes“ (Lk 1,78f)…

Lasst auch uns eilen, das erstaunliche Schauspiel zu sehen…, damit die Frauen uns nicht zuvorkommen. Lasst uns wohlriechende Salben, nämlich den Glauben und das Gewissen, mitbringen; denn das ist „Christi Wohlgeruch“ (Lk 24,1; 2 Kor 2,15). Lasst uns „den Lebenden nicht mehr bei den Toten“ suchen (Lk 24,5); denn der Herr sagt: „Halte mich nicht fest“ (Joh 20,17), und weist den zurück, der sich ihm auf diese Weise nähert. Schau in deinem Glauben nicht mehr den an, der leiblich Sklave war, sondern bete den an, der in der Herrlichkeit des Vaters lebt, Gott gleich. Vergiss, dass er „wie ein Sklave“ war (Phil 2,6-7).

Hören wir die frohe Botschaft der Maria Magdalena; sie war dank ihres Glaubens schneller als der Mann… Was für eine frohe Botschaft bringt sie? Die Botschaft, „nicht von einem Menschen, nicht durch einen Menschen, sondern von Jesus Christus“ (Gal 1,1). „Höre“, sagt sie, „was der Herr euch durch uns sagen lässt, euch, die er seine Brüder nennt: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu euerm Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“ (Joh 20,17). Welch schöne und gute Nachricht! Er, der um unseretwillen einer wie wir geworden ist, um uns zu seinen Brüdern zu machen…, er nimmt das ganze Menschengeschlecht mit sich hin zum wahren Vater… Er, der für seine vielen Brüder (Röm 8,29) im Fleisch zum Erstgeborenen der Neuen Schöpfung geworden ist, er hat die ganze Natur mit sich gezogen.

Gregor von Nyssa (um 335 - 395), Mönch und Bischof
2. Homilie zu Ostern


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Wißt ihr denn nicht, daß wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?
Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.
Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.
Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben.
Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.
Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden.
Wir wissen, daß Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.
Denn durch sein Sterben ist er ein für allemal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott.
So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.

Brief des Apostels Paulus an die Römer 6,3-11.


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„Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses tue“

„Als Jesus eintraf, fand er Lazarus bereits vier Tage im Grab liegen… Da weinte Jesus“ (Joh 11,17.35). Warum hat unser Herr vor dem Grab des Lazarus geweint?... Weil er tiefes Mitgefühl mit den Trauernden empfand… weil er das Elend der Welt mit ansehen musste…

Leider waren auch andere Überlegungen Ursache seiner Tränen. Wie sollte es zu der Wundertat kommen, durch die die trauernden Schwestern getröstet werden? Auf seine eigenen Kosten… Christus sollte durch seinen eigenen Tod den Toten das Leben bringen. Seine Jünger hatten versucht, ihn von seiner Rückkehr nach Judäa abzubringen. Sie hatten Angst, dass er dort umgebracht würde (Joh 11,8). Ihre Befürchtung ist eingetroffen. Er ging hin, um Lazarus aufzuerwecken, und die Kunde von diesem Wunder verbreitete sich rasch und war die unmittelbare Ursache seiner Festnahme und Kreuzigung (Joh 11,53). Er sah alles voraus…: die Auferweckung des Lazarus; das Essen bei Martha; Lazarus am Tisch sitzend; Freude allenthalben; Maria, die ihn während des Essens ehrte, indem sie teures Parfüm über seine Füße goss; die Juden, die in großer Zahl gekommen waren, um Lazarus zu sehen, aber auch um seinen triumphalen Einzug in Jerusalem zu erleben; die „Hosianna“ rufende Menschenmenge; die Leute, die die Auferweckung des Lazarus bezeugten; die Griechen, die gekommen waren, um an den Ostertagen Gott anzubeten, und die ihn unbedingt sehen wollten; die Kinder, die an der allgemeinen Freude teilhatten – und dann die Pharisäer, die sich gegen ihn verschworen hatten; Judas, der ihn verriet; seine Freunde, die ihn in Stich ließen, und das Kreuz, das ihn aufnahm…

Er ahnte voraus, dass um seines eigenen Opfers willen Lazarus wieder zum Leben erwachen würde; dass er in das Grab hinabsteigen würde, aus dem Lazarus hervorkam; dass Lazarus leben würde und er sterben. Die Dinge sollten sich ins Gegenteil verkehren: Das Fest würde bei Martha gefeiert werden, aber das letzte Passahfest, das bittere, würde einzig und allein sein eigenes sein. Und er wusste, dass er diese Verkehrung aus freien Stücken annehmen würde. Er war aus dem Schoß des Vaters herab gekommen, um in seinem Blut die Sünden aller Menschen zu sühnen und so alle Glaubenden zu neuem Leben zu erwecken.

John Henry Newman (1801-1890), Theologe und Kardinal, Gründer eines Oratorium in England
Predigt: „Die Tränen Christi am Grab des Lazarus“, PPS, Bd. 3, Nr. 10


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13.04.2014 11:13

„Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt.

Jesus zieht in Jerusalem ein. Die Menge der Jünger begleitet ihn in Feststimmung... Die Menschenmenge bejubelt ihn als König. Und er widersetzt sich nicht, er bringt sie nicht zum Schweigen (vgl. Lk 19,39-40). Doch was für eine Art König ist Jesus? Schauen wir ihn an: Er reitet auf einem Fohlen, hat keinen Hof, der ihm folgt, ist nicht von einem Heer als Symbol der Macht umgeben. Die ihn empfangen, sind niedrige, einfache Leute, die das Gespür haben, in Jesus mehr zu sehen; die das Gespür des Glaubens haben, der sagt: Das ist der Retter!
Jesus zieht nicht in die Heilige Stadt ein, um die Ehren zu empfangen, die den irdischen Königen... vorbehalten sind; er zieht ein, um gegeißelt, beschimpft und geschmäht zu werden... er zieht ein, um eine Dornenkrone, einen Stock und einen Purpurmantel zu erhalten, sein Königtum wird Gegenstand des Spottes sein; er zieht ein, um mit einem Balken beladen zum Kalvarienberg hinaufzugehen,... um am Kreuz zu sterben. Und genau hier erstrahlt sein Königsein im Sinne Gottes: Sein Königsthron ist das Holz des Kreuzes!... Warum das Kreuz? Weil Jesus das Böse, den Schmutz, die Sünde der Welt – auch unsere Sünde, unser aller Sünde! – auf sich nimmt, und er wäscht es, wäscht es mit seinem Blut, mit der Barmherzigkeit, mit der Liebe Gottes.
Schauen wir uns um: Wie viele Wunden schlägt das Böse der Menschheit! Kriege, Gewalttaten, Wirtschaftskonflikte, die die Schwächeren treffen; Geldgier,... Gewinnsucht, Machtstreben, Korruption, Spaltungen, Verbrechen gegen das menschliche Leben und gegen die Schöpfung! Und auch – jeder von uns weiß es und kennt sie – unsere persönlichen Sünden: der Mangel an Liebe und Achtung gegenüber Gott, gegenüber dem Nächsten und gegenüber der gesamten Schöpfung. Und am Kreuz spürt Jesus das ganze Gewicht des Bösen, und mit der Kraft der Liebe Gottes überwindet er es, besiegt es in seiner Auferstehung. Das ist das Gute, das Jesus uns allen erweist – auf dem Thron des Kreuzes. Das mit Liebe angenommene Kreuz Christi führt niemals in die Traurigkeit, sondern zur Freude, zur Freude, gerettet zu sein, und ein klein wenig das zu tun, was er an jenem Tag seines Todes getan hat.



Papst Franziskus
Predigt vom 24.03.2013 (© Liberia Editrice Vaticana)


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