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Aller Sinn mönchischer Existenz und die Vollkommenheit des Herzens gründen auf dem ununterbrochenen und unverdrossenen Gebet. Es geht dabei – soweit der Mensch in seiner Störanfälligkeit dazu fähig ist – um das Streben nach absolutem Seelenfrieden und um die vollkommene Reinheit des Herzens. Das lässt uns körperliche Arbeit mutig angehen und mit allen Mitteln nach echter Bußfertigkeit trachten, in unermüdlicher Beharrlichkeit. Um inbrünstig und lauter beten zu können, müssen wir mit aller Zuverlässigkeit folgende Punkte einhalten. Zuvorderst müssen wir uns ganz und gar frei machen von der Unruhe, die von der Welt kommt. Es muss absolut ausgeschlossen sein, dass unsere Sorge irgendwelchen Geschäften oder Interessen gilt. Ebenso müssen wir verzichten auf üble Nachrede, Klatsch, leeres Gerede und derbe Späße. Vor allem sollten wir Zorn und Niedergeschlagenheit im Keim ersticken, dass sie uns nicht aus dem Gleichgewicht bringen; zum Verlöschen bringen die Glut des fleischlichen Begehrens und die Anhänglichkeit ans Geld… Nach dieser Reinigung, die Lauterkeit und Schlichtheit bewirkt, müssen wir das feste Fundament einer tiefen Demut legen, das den geistigen Turm tragen kann, der in den Himmel reichen kann. Schließlich müssen wir, damit das geistliche Gebäude der Tugenden hienieden Bestand hat, unserer Seele jegliche Zertrennung durch Abschweifungen und dumme Gedanken untersagen. Dann steigt allmählich ein gereinigtes und freies Herz empor, empor bis zur Anschauung Gottes und der intuitiven Erkenntnis der geistigen Wirklichkeiten.

Johannes Kassian


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Liest man die heiligen Schriften, so befindet man sich auf einer geistlichen Blumenwiese und in einem Paradies der Wonnen, das weit anziehender ist als das Paradies von damals. Dieses Paradies hat Gott nicht auf Erden angelegt, sondern in den Seelen der Glaubenden. Er hat es weder in Eden angesiedelt noch an einem genau bestimmten Ort im Osten (Gen 2,8), sondern überall auf Erden, und hat es bis an die Enden der bewohnten Erde ausgedehnt. Und da du wahrnimmst, dass er die heiligen Schriften über die ganze bewohnte Erde ausgebreitet hat, so höre, was der Prophet dazu sagt: „Ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus und ihr Wort bis an die Enden der Erde“ (Ps 19,5; Röm 10,18)… Dieses Paradies hat auch eine Quelle, wie das Paradies von damals (Gen 2,6.10), eine Quelle, die unzählige Flüsse speist … Wer sagt das? Gott selber, der uns alle diese Flüsse geschenkt hat: „Wer an mich glaubt", so sagt er, „aus dessen Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen“ (Joh 7,38)… Diese Quelle sucht ihresgleichen, nicht nur wegen ihrer Überfülle an Wasser, sondern auch aufgrund ihrer Natur. Es handelt sich nämlich nicht um fließendes Wasser, sondern um Gaben des Geistes. Dieses Quellwasser verteilt sich auf alle Seelen der Gläubigen, wird deshalb aber nicht weniger. Es verteilt sich, aber erschöpft sich nicht … Es ist ganz in allen und ganz in jedem: Von dieser Art sind tatsächlich die Gaben des Geistes. Willst du wissen, wie reichhaltig diese Wasser sind? Willst du deren Natur kennenlernen? Wodurch sie sich von den Wassern hier auf Erden unterscheiden, weil sie besser, großartiger sind? Dann höre wieder, was Christus zur Samariterin sagt, um ihr den Reichtum der Quelle begreiflich zu machen: „Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, in dem wird das Wasser zur sprudelnden Quelle, deren Wasser ewiges Leben schenkt“ (Joh 4,14)… Möchtest auch du seine Natur erfahren? Dann mache davon Gebrauch! Für das Leben hienieden ist es freilich nicht zweckdienlich, wohl aber für das ewige Leben. Lasst uns doch unsere Zeit in diesem Paradiese verbringen: Trinken wir doch als Geladene von dieser Quelle!

Hl. Lukas, Evangelist: „Ich habe mich dazu entschlossen… es für dich der Reihe nach aufzuschreiben“ (1,3)


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Es ist ein Lichtstrahl echter Erkenntnis, wenn man ohne Irrtum das Gute vom Schlechten unterscheiden kann … Wer im geistlichen Kampf steht, muss unaufhörlich Ruhe im Denken bewahren. So nämlich kann der Geist die Eingebungen unterscheiden, die guten und von Gott kommenden in der Schatztruhe des Gedächtnisses ablegen, die bösen und teuflischen aber verwerfen. Ist das Meer ruhig, nehmen die Fischer Bewegungen in der Tiefe so genau wahr, dass beinahe keines der Lebewesen, die unter ihnen ihre Bahnen ziehen, ihren Augen entgeht. Ist das Meer aber von den Winden aufgewühlt, so verbirgt es in seinem bewegten Dunkel das, was es bereitwillig sehen lässt, wenn es unbewegt ruht… Nur der Heilige Geist kann den Geist reinigen; denn wenn nicht ein Stärkerer auftritt, der dem Dieb die Beute abnimmt, ist sie überhaupt nicht mehr zu beschaffen. Wir müssen also auf jede erdenkliche Weise, vor allem durch die Seelenruhe, dem Heiligen Geist ein Quartier anbieten, damit das Licht der Erkenntnis in uns unaufhörlich leuchtet. Denn wenn es die verborgenen Winkel der Seele erhellt, dann werden die harten und dunklen Einflüsterungen der Dämonen nicht nur offenbar, sondern sie werden auch beträchtlich schwächer, weil sie von dem heiligen und herrlichen Licht getroffen werden. Deshalb sagt der Apostel Paulus: „Löscht den Geist nicht aus“ (1 Thes 5,19).

Diadochos von Photike
Der Heilige Geist triumphiert in uns über die Geister des Bösen


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Du bist Diener des heiligen Gottes, ein Verwalter zum Wohle derer, die im selben Dienst stehen wie du. Glaub nicht, dass alle Güter, die du besitzt, zu deinem eigenen Verbrauch bestimmt sind… Mensch, mach es wie die Erde: Trage Früchte wie sie; erweise dich nicht als härter als eine unbeseelte Materie. Die Erde lässt ihre Früchte nicht reifen zu ihrem eigenen Verzehr, sondern zu deinem Nutzen. Und du, du erntest ja auch die Früchte deiner Großherzigkeit, da der Lohn der guten Werke auf die zurückfällt, die sie vollbringen. Du hast den Hungrigen gespeist; was du gegeben hast, kommt mit Zinsen zu dir zurück. Wie das in die Ackerfurche geworfene Getreidekorn dem Sämann Nutzen bringt, so bringt dir später das Brot, das du dem Hungrigen reichst, großen Gewinn. Wenn also auf Erden die Zeit der Ernte kommt, ist es für dich Zeit, in den Himmel zu säen: „Sät als eure Saat Gerechtigkeit aus“ (Hos 10,12). Warum diese ganze Unruhe? Warum bist du so in Sorge und so voller Eifer, deinen Schatz hinter Mörtel und Steinen einzuschließen? „Guter Ruf ist kostbarer als großer Reichtum“ (Spr 22,1).

Basilius
„Er hat hundertfache Frucht getragen“


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