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Caspar Tauber widerrief. Und dann widerrief er den Widerruf…

Caspar Tauber widerrief. Und dann widerrief er den Widerruf…
16.9. ist sein Gedenktag ... Geburtsdatum unbekannt...

Wien 1524…
Zu der Zeit...eine Stadt mit ca. 30.000 - 40.000 Einwohnern…recht überschaubar...

Caspar Tauber ist wohlsituierter Bürger... verheiratet, Tuchhändler und recht gut bei Kasse...man kannte sich in seinen Kreisen ein bisserl...auch wenn er sicher kein Promi war...

Man könnte sagen, dass es für ihn ganz  gut lief...
Geschäft machen, ein Achterl Wein und ansonsten möglichst wenig Ärger mit der Obrigkeit...

Dann kommt reformatorisches Gedankengut ins Spiel...

Tauber liest die Bibel intensiv und beginnt Fragen zu stellen...
Per se... keine besonders gefährliche Tätigkeit... denkt man so...nur...
Tauber kritisiert Fegefeuer, Fürbitte an Heilige, klerikale Hierarchie und Beichte beim Priester.... angetan vom Priestertum aller Getauften...

Gedanken, die ihrer Zeit nicht gefallen.... was vermutlich mehr über die Zeit als über die Gedanken aussagt...

Man verhaftet ihn.

Und man bietet ihm eine Lösung an, die zumindest den Anspruch auf Wiener Schmäh erhebt...

Widerruf!

Öffentlich, versteht sich.... vorm Stephansdom, barfuß, barhäuptig, mit Strick um den Hals und Kerze in der Hand....zudem wird ihm eine Buße auferlegt...er lebenslang ein schwarzes Kreuz auf seiner Kleidung tragen...

Kirche und Obrigkeit wollten schließlich, dass jeder sehen konnte, wer da falsch abgebogen war...

Tauber hatte tatsächlich widerrufen und dem Druck nachgegeben...

Sache schien also geregelt..aber...

Als es am 8. 9. 1524 dann zum öffentlichen Widerruf kommen soll, macht Tauber etwas, womit niemand gerechnet hat...

Er widerruft seinen Widerruf.

Er nimmt seine vorherige Erklärung zurück und beruft sich auf die Schrift...

Höchst schwierig..

Mit einem Ketzer, der sich einschüchtern lässt, kann man umgehen.. aber...mit einem, der sagt: "dann widerlege es mir anhand der Schrift"...hat man ein Problem...

Kam, wie es kommen musste...

Am 17. 9. 1524 wird Caspar Tauber in Wien enthauptet und verbrannt.... seine Asche verstreute man in der Donau...

Sein Vergehen? Reformatorische Flugblätter zu verteilen und eine lästige Angewohnheit..

Er nahm seine Überzeugung und seinen Glauben ernst..

Caspar Taubers Leben zeigt, dass Glaube und Nachfolge mehr sind als fromme Worte und Kirchgang..

Auch in Deutschland bekam man Taubers Schicksal, mit … Briefe Luthers an Spalatin und Hausmann zeigen das … für Luther war er ein Märtyrer für den Glauben …

"Credo te vidisse Casparis Tauber historiam martyris novi Viennae, quem caesum capite scribunt et igne exustum pro verbo Dei.“



Welche Aktualität hat ein solches Schicksal in der Jetztzeit?

Es geht dabei nicht um Konfession, sondern um die Frage der Meinungsfreiheit...

Wie frei ist Meinungsfreiheit, wenn man zwar fast alles sagen darf.. wenn man dafür mit erheblichen Konsequenzen rechnen muss....

Wenn Menschen nicht einfach sachlich widersprochen wird, nicht mehr diskutiert wird, sondern Menschen einfach stigmatisiert oder dämonisiert werden..wenn so jede sachliche Auseinandersetzung, jedes Gespräch unterdrückt/ verweigert wird...

Kommentare

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antonius34 16.09.2026 11:52
Er hatte jedenfalls Unrecht, in Bezug  auf Fegefeuer.
 
Sherezade 16.09.2026 12:27
Bin evangelisch und beim Fegefeuer durchaus näher bei Tauber🙂 Aber... ganz so simpel ist es historisch eben  nicht... die Lehre vom Fegefeuer hat sich über Jahrhunderte entwickelt.... Fegefeuer und Ablass waren zu der Zeit höchst eng miteinander verflochten.... man muss Taubers Kritik also im damaligen Kontext verstehen...

Damals konnte eine abweichende Position tödliche Folgen haben... in manchen Ländern ist es bis heute so... bei uns endet man nicht mehr auf  Scheiterhaufen... nur vor der Tür... Menschen werden nicht mehr eingeladen, sondern dämonisiert und diffamiert...
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