KALENDERBLATT 28. Juni: (Am 3,1-8; 4,11-12)(Mt 8,23-27), Irenäus von Lyon

KALENDERBLATT 28. Juni: (Am 3,1-8; 4,11-12)(Mt 8,23-27), Irenäus von Lyon
Lesung (Am 3,1-8; 4,11-12)
Gott, der Herr, spricht - wer wird da nicht zum Propheten?

Hört dieses Wort, das der Herr gesprochen hat
über euch, ihr Söhne Israels,
über den ganzen Stamm,
   den ich aus Ägypten heraufgeführt habe.
Nur euch habe ich erwählt
   aus allen Stämmen der Erde;
darum ziehe ich euch zur Rechenschaft
   für alle eure Vergehen.

Gehen zwei den gleichen Weg,
   ohne dass sie sich verabredet haben?
Brüllt der Löwe im Wald
   und er hat keine Beute?
Gibt der junge Löwe Laut in seinem Versteck,
   ohne dass er einen Fang getan hat?

Fällt ein Vogel zur Erde,
   wenn niemand nach ihm geworfen hat?
Springt die Klappfalle vom Boden auf,
   wenn sie nichts gefangen hat?

Bläst in der Stadt jemand ins Horn,
   ohne dass das Volk erschrickt?
Geschieht ein Unglück in einer Stadt,
   ohne dass der Herr es bewirkt hat?
Nichts tut Gott, der Herr,
   ohne dass er seinen Knechten, den Propheten,
   zuvor seinen Ratschluss offenbart hat.
Der Löwe brüllt - wer fürchtet sich nicht?
Gott, der Herr, spricht
   - wer wird da nicht zum Propheten?

Ich brachte über euch eine gewaltige Zerstörung
wie die, die Gott einst über Sodom und Gomórra verhängte;
ihr wart wie ein Holzscheit,
   das man aus dem Feuer herausholt.
Und dennoch seid ihr nicht umgekehrt zu mir
- Spruch des Herrn.
Darum will ich dir all das antun, Israel,
und weil ich dir all das antun werde,
   mach dich bereit, deinem Gott gegenüberzutreten.



Evangelium (Mt 8,23-27)
Er stand auf, drohte den Winden und dem See, und es trat völlige Stille ein

In jener Zeit
   stieg Jesus in das Boot,
und seine Jünger folgten ihm.

Plötzlich brach auf dem See ein gewaltiger Sturm los,
sodass das Boot von den Wellen überflutet wurde.
Jesus aber schlief.
Da traten die Jünger zu ihm und weckten ihn;
sie riefen: Herr, rette uns, wir gehen zugrunde!

Er sagte zu ihnen:
   Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen?
Dann stand er auf,
drohte den Winden und dem See
und es trat völlige Stille ein.

Die Leute aber staunten
und sagten:
   Was ist das für ein Mensch,
   dass ihm sogar die Winde und der See gehorchen?




Gedenktag:

Irenäus von Lyon
Der eine Gott hat die Welt erschaffen, das Alte Testament ist Teil der christlichen Bibel und die vier Evangelien sind gleichermaßen heilig: Was heute nach Basiswissen klingt, war im zweiten Jahrhundert noch keineswegs entschieden. Dass sich diese christlichen Kerninhalte durchgesetzt haben, ist nicht zuletzt Irenäus von Lyon (etwa 140-200) zu verdanken. Er wuchs in der Handelsmetropole Smyrna (heutiges Izmir in der Türkei) auf, wo der bereits hochbetagte Apostelschüler Polykarp von Smyrna sein Lehrer war. Irenäus zog in das gallische Lugdunum (heutiges Lyon in Frankreich) und wurde Amtsträger in der dortigen griechischsprachigen Gemeinde. Die dort hereinbrechende Christenverfolgung überlebte er nur, weil er sich zeitgleich als Gesandter in Rom aufhielt. Anschließend trat Irenäus als Bischof von Lyon die Nachfolge seines hingerichteten Vorgängers Pothinus an. Gut zehn Jahre später kehrte er wieder nach Rom zurück, um entsprechend seines Namens (dt. "der Friedliche" ) im sogenannten Osterfeststreit zu vermitteln. Victor, der Bischof von Rom, wollte die kleinasiatischen Bischöfe aufgrund ihres abweichenden Festkalenders ausschließen. Was den Glauben nicht infrage stelle, soll jede Ortskirche selbst entschieden dürfen, war Irenäus überzeugt. Sein eigentliches Lebensthema aber stellte die Auseinandersetzung mit der Gnosis dar, die auch unter Christen verbreitet war. Deren Anhänger verwarfen die materielle Welt, trennten zwischen einem Schöpfer- und einem Erlösergott und wollten mit dem Alten Testament nichts zu tun haben – ein angepasstes Lukasevangelium reiche. In seinem fünfbändigen Hauptwerk "Gegen die Häresien" widerlegt Irenäus diese Irrlehren: Die Schöpfung ist heilig und in Christus will Gott die menschliche Natur nicht auslöschen, sondern die verlorene Einheit mit Gott wiederherstellen. Dazu schrieb Irenäus auch seinen heute berühmtesten Satz: "Das Leben im Menschen ist die Herrlichkeit Gottes, das Leben des Menschen ist die Schau Gottes." Verstehen könne das nur, wer die Einheit der Heiligen Schrift bewahre. Dem Geheimkult der Gnosis stellte Irenäus das öffentliche Prinzip der "Apostolischen Sukzession" in der Kirche entgegen. Für seine systematische Verteidigung des Glaubens erhielt er den Ehrennamen "Vater der Dogmatik". Laut Hieronymus und Gregor von Tours starb Irenäus um 200 als Märtyrer. Heute wird er in Ost und West als Kirchenvater verehrt.

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