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DIE GESINNUNG CHRISTI

DIE GESINNUNG CHRISTI
CHRISTUS ist das Beispiel für alles wahre Leben. ER ist das Beispiel für jeden wahren Dienst an Gott. Durch den Geist sollen wir das Gesetz Gottes erfüllen. Deshalb sagt die Schrift: "Ein jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war." [PHIL. 2,5] So gewiss wir diese Gesinnung in uns zulassen, so gewiss wird sie in uns sein und so gewiss, wie sie in uns ist, so gewiss wird diese in uns tun, was sie in Christus tat und so gewiss wird das, was in IHM sichtbar wurde, in uns sichtbar werden.

Was hat dann diese Gesinnung in IHM bewirkt? "In IHM, der, "als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein." [PHIL. 2,6] [SLT]? Der Gedanke, der in dem Wort "Raub" zum Ausdruck kommt, kann durch verschiedene Übersetzungen verdeutlicht werden. Der Emphatic Diaglott merkt an, dass das Original, - (άρπαγμό&sigmafzwinkerndes Smiley Harpagmon - da es sehr selten vorkommt, eine große Vielfalt an Übersetzungen zur Folge hatte, und zitiert die folgenden: Clarke: "keine Sache, die ernsthaft zu begehren wäre" Cyprian: "[etwas] was nicht ernsthaft beeinflusst" Wakefield: "kein Objekt des glühenden Verlangens." Sharpe: "kein Gedanke es zu ergreifen" Kneeland: "[etwas] nicht ernsthaft zu ergreifen" Dickinson: "nicht heftig erstrebenswert " Turnbull: "kein Gedanke an Usurpation"

Aus all dem ist leicht zu erkennen, dass der Gedanke, der durch den Begriff "Raub" vermittelt wird, nicht falsch ist, denn es geht darum, dass CHRISTUS, obwohl ER in der Gestalt Gottes war, obwohl ER der Glanz SEINER Herrlichkeit und das ausdrückliche Abbild seiner Person war, dass ER obwohl ER tatsächlich Gott gleich war, nicht dachte, dass diese Gleichheit mit Gott eine Sache sei, die man ergreifen und eifrig festhalten sollte, wie ein Räuber etwas, dessen er sich bemächtigt hat, ergreifen und festhalten würde.

Das Emphatic Diaglott übernimmt Turnbulls Übersetzung: "Er vermittelte keine Usurpation, um wie Gott zu sein", was, wenn es um die Regierung geht, dem Gedanken des Originals näher kommt, da ein Regierungsräuber ein Usurpator ist.

Der Gedanke, der in den Versen zum Ausdruck kommt, ist also dieser: "Lasset diese Gesinnung in euch sein, welche auch in Christus war, WELCHER, da ER in der Gestalt Gottes war, es nicht für eine Sache hielt, die man ergreifen, die man mit Gewalt erstreben und mit eifrigem Verlangen festhalten sollte, und nicht für eine Anmaßung, die man erwägen sollte, um Gott gleich zu sein." Aber der Sohn Gottes war bereits Gott gleich. Er war bereits DERJENIGE, "welches Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist." [MI. 5,2] ER war bereits DERJENIGE, DER alles erschaffen hat, "was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Obrigkeiten." [KOL. 1,16] ER war in der Tat bereits Gott, Gott gleich. Was also veranlasste seinen Geist, diese Richtung einzuschlagen und dieses Gott gleich zu sein nicht für eine Sache zu halten, die man ergreifen, anstreben und eifrig behalten sollte, mit anderen Worten, nicht das zu sein, was ER durch ewiges und unveräußerliches Recht wirklich war? 

Aus der Natur des Falles geht hervor, dass es auf der Seite von jemandem einen Streit gab, einen Disput darüber, wer Gott gleichgestellt sein sollte. Es ist klar, dass sich bei jemandem eine Gesinnung oder Neigung manifestiert hat, die Aneignung einer solchen Position, einer Position der Gleichheit mit Gott, ernsthaft zu wünschen, zu ergreifen und zu erwägen. Wer war dieser? In wem hatte sich eine solche Gesinnung manifestiert? [Natürlich] nicht CHRISTUS, denn die Gesinnung, die in IHM war, dachte nichts dergleichen. In wem war es dann der Fall? In dem gesalbten, schützenden Cherub, der in Sünde gefallen war denn die Schrift sagt: "Du warst ein gesalbter, schützender Cherub, ja, ich hatte dich dazu eingesetzt; du warst auf dem heiligen Berg Gottes, und du wandeltest mitten unter den feurigen Steinen. Du warst vollkommen in deinen Wegen vom Tag deiner Erschaffung an, bis Sünde in dir gefunden wurde. Durch deine vielen Handelsgeschäfte ist dein Inneres mit Frevel erfüllt worden, und du hast gesündigt. Darum habe ich dich von dem Berg Gottes verstoßen und dich, du schützender Cherub, aus der Mitte der feurigen Steine vertilgt. Dein Herz hat sich überhoben wegen deiner Schönheit; du hast deine Weisheit um deines Glanzes willen verderbt. So habe ich dich auf die Erde geworfen und dich vor den Königen zum Schauspiel gemacht." [HES. 28,14-17] [SLT]

Weil er in "vollkommener Schönheit!" [HES. 28,12] war, begann dieser Cherub, auf sich selbst zu schauen, sich selbst zu ehren und sich wegen dieser vollkommenen Schönheit zu verherrlichen, anstatt den zu verherrlichen, der sie gegeben hatte. Er begann, sich selbst die Ehre und den Verdienst zuzuschreiben und zu denken, dass man ihm nicht den Vorzug gab, der ihm gebührte, und dass der Platz, den er innehatte, nicht so war, wie es sich für einen so Herrlichen gehörte. Und er gedachte in seinem Herzen: "Ich will in den Himmel steigen und meinen Stuhl über die Sterne Gottes erhöhen; ich will mich setzen auf den Berg der Versammlung in der fernsten Mitternacht; ich will über die hohen Wolken fahren und gleich sein dem Allerhöchsten." [JES. 14,13-14]

Er ist derjenige, welcher dachte, Gott gleich zu sein, sei eine Sache, nach der man greifen, eine Sache, die man begierig ergreifen und behalten sollte, wie ein Räuber seine Beute. Er ist derjenige, in dem die Gesinnung war, sich anzumaßen, Gott gleich zu sein. Und die Selbstliebe und Selbstüberhöhung, war der Anfang von allem. Sein eigenes Ich wollte sich selbst auf den Thron des Allerhöchsten erheben und sich alles untertan machen, anstatt sich Gott zu unterwerfen. 

Dafür wurde er als Gottloser vom Berg Gottes verstoßen. Dann kam er in diese Welt und flößte ihren Bewohnern dieses Gift der Selbstsucht ein.

Und er "die Schlange sprach zu dem Weibe ... sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von den Früchten der Bäume im Garten? Da sprach das Weib zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten;aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Eßt nicht davon, rührt's auch nicht an, daß ihr nicht sterbt. Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben;sondern Gott weiß, daß, welches Tages ihr davon eßt, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. Und das Weib schaute an, daß von dem Baum gut zu essen wäre und daß er lieblich anzusehen und ein lustiger Baum wäre, weil er klug machte; und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann auch davon, und er aß." [1. MO.3,1-6]

Auf diese Art und Weise hat Satan dem Menschen Selbstüberhöhung eingeflößt, [ja] sogar sein eigenes Streben, Gott gleich zu sein. Es war also der selbstsüchtige Wunsch, Gott gleich zu sein, der den Menschen auf der Erde zur Sünde verleitete. Und so wurde der Menschheit die Gesinnung Satans eingeflößt, dieselbe Gesinnung, welche dachte, Gott gleich zu sein, sei eine Sache, nach der man greifen und die man eifrig behalten sollte, dieselbe Gesinnung, die eine Usurpation in Erwägung zog, um Gott gleich zu sein, dieselbe Gesinnung, die sich selbst an die Stelle Gottes setzt.

Dann wurde der Geist, der in CHRISTUS war, offenbart. ER, dessen "welches Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist", ER, der alle Welten und alles in ihnen geschaffen hatte, ER, der bezüglich SEINES Vaters "der Glanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens" [HEBR. 1,3] war, ER, der von Rechts wegen GOTT gleich war, ER, der Hohe und Erhabene, "hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein", ER hielt die Sache Gott gleich zu sein nicht für etwas, das man ergreifen, [ja sogar] gierig ergreifen und eifrig festhalten sollte, sondern ER  "entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an" [PHIL. 2,6] [LUT2017]  und gab SICH SELBST für die verlorene Menschheit hin. Deshalb erging das Wort unmittelbar an Satan: "ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen." [1. MO. 3,15] [LUT2017] Und in diesem Wort an Satan lag eine Verheißung für den Menschen, aus der Knechtschaft Satans, die die Knechtschaft seiner selbst ist, in die herrliche Freiheit der Söhne Gottes zu gelangen.

Die Täuschung des Menschen führte dazu, dass dieser sich selbst [wie Satan auch] an die Stelle von Gott setzte und die Gedanken und Worte Satans an die Stelle der Gedanken und Worte Gottes. Das führte dazu, dass der Mensch seine Vorstellungen von GOTT verdrehte und die Ideen und Vorschläge Satans als die wahren Vorstellungen von GOTT annahm. Es führte dazu, dass GOTT in der Einschätzung der Menschen in ein völlig falsches Licht gerückt wurde. Es führte dazu, dass die Menschen Gott als einen harten HERRN, einen despotischen Regenten und einen strengen, unnachgiebigen, unbarmherzigen Richter ansahen. Immer wieder legte der HERR in SEINEM Wort das Gegenteil dar. Gegenüber Mose erklärte ER sich als "barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue!der da bewahrt Gnade in tausend Glieder und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde." [2. MO.34,6-7] In seinem Gesetz hat ER seinen Charakter als "LIEBE" dargelegt. Doch trotz alledem folgte die Menschheit weiter den verdrehten Vorstellungen über Gott.

Wenn dann aber der Zeitpunkt erfüllt wäre ist, würde sich der Vater der Menschheit offenbaren, wie ER wirklich ist, und sein Verhalten gegenüber der Welt der Sünder. Und damit dies in seiner [ganzen] Fülle und Vollkommenheit geschah, entäußerte sich Jesus und "nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein andrer Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden; er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz." [PHIL. 2,7-8] [Johannes bezeugt dies wie folgt:] "Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit." [JOH. 1,14]

ER hatte sich so vollständig von SICH SELBST entleert, dass ER mit vollkommener Wahrheit sagen konnte: "ich bin vom Himmel gekommen, nicht daß ich meinen Willen tue, sondern den Willen des, der mich gesandt hat." [JOH. 6,38] "Ich kann nichts von mir selber tun. Wie ich höre, so richte ich, und mein Gericht ist recht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern des Vaters Willen, der mich gesandt hat." [JOH. 5,30] "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts von sich selber tun, sondern was er sieht den Vater tun; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn." [JOH. 5,19] "Der Vater aber, der in mir wohnt, der tut die Werke." [JOH. 14,10] "Meine Lehre ist nicht mein, sondern des, der mich gesandt hat." [JOH.7,16] "Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst." [JOH.14,10], sondern "der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich tun und reden soll." [JOH. 12,49] ER kam nicht, um SEINEN EIGENEN Willen zu tun, noch um SEINE EIGENEN Worte zu sprechen, noch um SEINE EIGENEN Werke zu tun. Es war der Wille des Vaters, der in IHM getan wurde, es waren die Worte des Vaters, die von IHM gesprochen wurden und es waren die Werke des Vaters, die in IHM getan wurden. Das heißt, ER entäußerte SICH SELBST, damit der Vater in IHM erscheinen konnte. Und als ER sich entäußerte, erschien der Vater in ihm. Und so wohnte in IHM "die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig." [KOL. 2,9] [Auf diese Weise] war Er Gott "offenbart im Fleisch" [1. TIM. 3,16] und "Gott mit uns".

Aber all das hat CHRISTUS getan, damit die Menschen den Vater [so] erkennen, wie ER wirklich ist. Deshalb sagte ER: "niemand kennet den Vater denn nur der Sohn und wem es der Sohn will offenbaren." [MATTH. 11,27] "Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen." [JOH. 14,9] Dies ist Jesus Christus, der Sohn Gottes und der Retter der Welt.

Was der Vater für den Sohn und im Sohn in dieser Welt war, das möchte ER auch für jeden Menschen in dieser Welt sein. Und so gewiss ein Mensch sich selbst entäußern wird, wie CHRISTUS es tat, so gewiss wird der Vater für ihn und in ihm sein, wie ER es für den Sohn und im Sohn war.

Das Wort Christi an alle Menschen lautet: "Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst." [LUK.9,23]

Alle Sünde resultiert aus Selbstsucht, und Selbstsucht kommt von Satan. Alle Gerechtigkeit kommt von CHRISTUS, und CHRISTUS ist von Gott.

Darum laßt diese Gesinnung in euch sein, die auch in Christus war, der sich "entäußerte", damit der Vater [in IHM] den Menschen erscheine und die Menschen gerettet würden. Lasst diese Gesinnung in euch sein. So gewiss, wie ihr diesen Geist in euch sein lasst, so gewiss wird ER in euch sein. Und so sicher, wie ER IHN dazu brachte, SICH SELBST zu entleeren, so sicher wird ER dich dazu bringen, dich von allem Selbst zu entleeren. Und so gewiss, wie Du selbst von Dir entleert bist, so gewiss wirst Du erfüllt mit der "ganzen Fülle Gottes." [EpH.3,19]

O meine Brüder, "Habt diese Gesinnung in euch." [PHIL. 2,5] [ELB] HABT SIE. HABT SIE. HABT SIE.

( Alonzo T. Jones, Dezember 1891)

Kommentare

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JesusComesBackSoon 08.08.2021 um 19:31
Auch wenn der Inhalt dieses Artikels von Alonzo T. Jones bereits vor ca. 130 Jahren verfasst wurde, hat er deswegen nichts an seiner Bedeutsamkeit für das persönliche, insbesondere auch geistige Leben eines jeden Nachfolgers des Sohnes Gottes verloren.

Für diejenigen, die gerne noch weitere solche  (zeitgeistfreien, nah am Wort Gottes ausgerichteten ) Artikel lesen möchten, nachstehend zwei entsprechende Links:

Übersicht ARTIKEL Ellet J. Waggoner
https://www.christ-sucht-christ.de/weblog/JesusComesBackSoon/63068/

Übersicht Artikel Alonzo T. Jones
https://www.christ-sucht-christ.de/weblog/JesusComesBackSoon/63067/

Mein Wunsch ist, dass jeder Leser durch den (bzw. die) Artikel reichlich gesegnet wird und das Gelesene in seinem Leben Frucht zur Ehre Gottes bringen möge.

Die angegebenen Bibelverse wurden, sofern nicht speziell angegeben, aus LUTHER 1912 entnommen. Die Abkürzungen [KJV] [LUT2017] [ELB] [SLT1951] und [SLT] stehen falls vorhanden für King James Version, Luther 2017, Elberfelder, Schlachter 1951 und Schlachter 2000.

Eckige Klammern im Text beinhalten Einfügungen von mir, die einer besseren Verständlich-keit nach Übertragung des Artikels ins Deutsche dienen sollen.

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