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Stabat mater dolorosa ....
02.04.2010 22:50
Stabat mater dolorosa ....
Christi Mutter stand mit Schmerzen
bei dem Kreuz und weint von Herzen,
als ihr lieber Sohn da hing.
Durch die Seele voller Trauer,
scheidend unter Todesschauer,
jetzt das Schwert des Leidens ging.
Welch ein Schmerz der Auserkornen,
da sie sah den Eingebornen,
wie er mit dem Tode rang.
Angst und Jammer, Qual und Bangen,
alles Leid hielt sie umfangen,
das nur je ein Herz durchdrang.
Ist ein Mensch auf aller Erden,
der nicht muss erweichet werden,
wenn er Christi Mutter denkt,
wie sie, ganz von Weh zerschlagen,
bleich da steht, ohn alles Klagen,
nur ins Leid des Sohns versenkt?
Ach, für seiner Brüder Schulden
sah sie ihn die Marter dulden,
Geißeln, Dornen, Spott und Hohn;
sah ihn trostlos und verlassen
an dem blutgen Kreuz erblassen,
ihren lieben einzgen Sohn.
O du Mutter, Brunn der Liebe,
mich erfüll mit gleichem Triebe,
dass ich fühl die Schmerzen dein;
dass mein Herz, im Leid entzündet,
sich mit deiner Lieb verbindet,
um zu lieben Gott allein.
Drücke deines Sohnes Wunden,
so wie du sie selbst empfunden,
heilge Mutter, in mein Herz!
Dass ich weiß, was ich verschuldet,
was dein Sohn für mich erduldet,
gib mir Teil an seinem Schmerz!
Lass mich wahrhaft mit dir weinen,
mich mit Christi Leid vereinen,
so lang mir das Leben währt!
An dem Kreuz mit dir zu stehen,
unverwandt hinaufzusehen,
ist’s, wonach mein Herz begehrt.
O du Jungfrau der Jungfrauen,
woll auf mich in Liebe schauen,
dass ich teile deinen Schmerz,
dass ich Christi Tod und Leiden,
Marter, Angst und bittres Scheiden
fühle wie dein Mutterherz!
Alle Wunden, ihm geschlagen,
Schmach und Kreuz mit ihm zu tragen,
das sei fortan mein Gewinn!
Dass mein Herz, von Lieb entzündet,
Gnade im Gerichte findet,
sei du meine Schützerin!
Mach, dass mich sein Kreuz bewache,
dass sein Tod mich selig mache,
mich erwärm sein Gnadenlicht,
dass die Seel sich mög erheben
frei zu Gott im ewgem Leben,
wann mein sterbend Auge bricht!
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Feindesliebe als der Vollendung der brüderlichen Liebe
24.02.2010 18:35Auch zur Feindesliebe als der Vollendung der brüderlichen Liebe spornt uns nichts so sehr an wie die Betrachtung der bewunderungswürdigen Geduld Christi: Er, schön von Gestalt vor allen Menschenkindern (Ps 44, 3), bot sein edles Antlitz den Gottlosen zum Bespeien dar, ließ seine Augen, deren Wink das All gehorcht, von der Binde der Ungerechten verhüllen, er setzte seinen Leib den Geißelhieben aus und bot sein Haupt, vor dem die Mächte und Gewalten erzittern, den schmerzhaften Dornen dar.
Er lieferte sich der Angst und der Schande aus, ertrug schließlich geduldig das Kreuz, die Nägel, die Lanze, die Galle und den Essig und blieb bei allem gütig, mild und ruhig. Er wurde wie ein Schaf zur Schlachtbank geführt, verstummte wie ein Lamm vor seinem Scherer und tat seinen Mund nicht auf (vgl. Jes 53, 7).
Betrachte, o menschlicher Stolz, o eitle Ungeduld, was er ertrug, wer es ertrug, weshalb er es ertrug und wie er es ertrug! Darüber sollst du bitte nachdenken, nicht Abhandlungen schreiben!
Wessen Zorn würde bei diesem wunderbaren Anblick nicht sogleich verrauchen ? Wer könnte die wundersamen Worte voll Milde, voll Liebe, voll unerschütterlicher Ruhe: „Vater vergib ihnen" (Lk 23, 24) hören, ohne seine Feinde aus ganzem Herzen zu umarmen?
„Vater", sagt er, „vergib ihnen!" Was könnte diesem Gebet noch an Sanftmut und Liebe hinzugefügt werden? Jesus fügte trotzdem noch etwas hinzu: Es war ihm zu wenig zu bitten, er wollte auch entschuldigen. „Vater", sprach er, „vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" (Lk 23, 34).
Sie sind freilich groß im Sündigen, doch schwach im Erkennen, deshalb, Vater, vergib ihnen! Sie kreuzigen, wissen aber nicht, wen; denn hätten sie es erkannt, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit niemals gekreuzigt (1 Kor 2, 8 V). Deshalb, Vater, vergib ihnen.
Sie meinen, ich breche das Gesetz; sie meinen, ich maße mir die Gottheit an; sie meinen, ich verführe das Volk. Ich habe vor ihnen mein Antlitz verborgen, sie haben meine Hoheit nicht erkannt; deshalb, Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.
AELRED VON RIEVAULX
"SPIEGEL DER LIEBE"