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Wir sollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit“ (1Joh 3,18)

13.06.2012 18:00

Alle Brüder sollen sich davor hüten, jemanden zu verleumden, sie sollen das Disputieren vermeiden. Vielmehr sollen sie versuchen zu schweigen, in dem Maße, wie Gott ihnen die Kraft dazu gibt. Sie sollen nicht miteinander streiten, noch mit anderen, sondern darum bemüht sein, demütig zu antworten. „Wir sind nur unnütze Knechte“ (Lk 17,10). Sie sollen nicht aufbrausen, denn: „Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du (gottloser) Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.“ (Mt 5,22) Sie sollen einander lieben, nach dem Wort des Herrn: „Das ist mein Gebot Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“ (Joh 15, 12). Durch Taten werden sie sich die gegenseitige Liebe bezeugen, die sie sich schuldig sind, nach dem Wort des Apostels Johannes: „Wir sollen nicht in Wort und Rede lieben, sondern wahrhaftig und durch Taten.“ (vgl. 1Joh 3,18). Sie sollen “niemand verleumden”, sie sollen nicht schlecht machen, sie sollen niemand anschwärzen, denn es steht geschrieben: Der Herr hasst “die Schmähenden und die Streitsüchtigen”; sie sollen bescheiden sein, “beseelt von der allergrößten Sanftmut gegenüber allen Menschen” (vgl. Tit 3,2; Röm 1,29 f.). Sie dürfen nicht richten und nicht verurteilen, wie der Herr sagt (Lk ,37). Sie sollen auch nicht die kleinsten Sünden der anderen begutachten, sondern über ihre eigenen Sünden nachsinnen in der Zerknirschtheit ihres Herzens (vgl. Jes 38,15). Sie “bemühen sich, durch die enge Tür einzutreten”, denn, so sagt der Herr, “eng ist die Tür und schmal der Weg, der zum Leben führt; und nur wenige sind es, die ihn finden.” (vgl. Lk 13,24; Mt 7,13 f.).


Franziskus von Assisi



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wenn einer seinen Nächsten nicht wie sich selbst lieben will ,dann tue er ihm wenigstens nichts

11.05.2012 19:49

Glücklich und gesegnet, wer Gott liebt und tut, was der Herr selber im Evangelium sagt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele und deinen Nächsten wie dich selbst“. Lasst uns also Gott lieben und anbeten mit einem reinen Herzen und einem reinen Geist...


Und dann lasst uns unseren Nächsten lieben wie uns selbst. Und wenn einer seinen Nächsten nicht wie sich selbst lieben will oder kann, dann tue er ihm wenigstens nichts Böses an, sondern tue ihm Gutes. Wem Macht gegeben ist, Andere zu beurteilen, der übe seine richterliche Aufgabe so mit Barmherzigkeit aus, als wollten sie vom Herrn selbst Barmherzigkeit erlangen... Lasst uns lieben und demütig sein und Almosen geben; denn sie reinigen die Seelen von ihren Sünden. Alles, was die Menschen zurücklassen müssen, wenn sie von dieser Welt scheiden, ist für sie für immer verloren; dagegen können sie den Lohn ihrer Liebe und ihrer Almosen mit sich nehmen, und werden von Gott dafür Lohn und gerechten Entgelt erhalten...


Bei allen, die so und bis zum Ende handeln, wird der Geist des Herrn Wohnung nehmen, und sie werden Söhne des himmlischen Vaters sein, dessen Werk sie sind; und sie sind Gemahl, Bruder und Mutter unseres Herrn Jesus Christus... Wie herrlich, heilig und groß ist es doch, einen Vater im Himmel zu haben! Wie heilig und schön, herrlich und bewundernswert, im Himmel einen Gemahl zu haben! Wie einzigartig heilig..., tröstlich und süß, liebens- und wünschenswert ist es doch, einen solchen Bruder und Sohn zu haben, der sein Leben für seine Schafe hingab und diese Bitte für uns an seinen Vater richtete: „Heiliger Vater, bewahre in deinem Namen die, die du mir gegeben hast...; ich will, Vater, dass auch sie dort bei mir sind, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit in deinem Reich sehen.“


Franziskus von Assisi (1182 - 1226), Gründer der Minderbrüder
Brief an alle Gläubigen, 2-3
«dass ihr Frucht bringt, und eure Frucht bleibt»



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